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...the day after... und neu in diesem Forum

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Klaudia123
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...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Klaudia123 » 18.01.2019, 17:16

Hallo zusammen,
ich kopiere meinen Text aus der Vorstellung. Hoffe, das ist okay so.

ich heiße Klaudia und mein Partner ist Alkoholiker. Wir sind vor einem halben Jahr zusammengezogen. Wir waren vor unserem Zusammenziehen erst ein halbes Jahr zusammen, er hat mir direkt am Beginn unserer Beziehung gesagt, was Sache ist, somit "wusste" ich Bescheid. Theoretisch. Im Zusammenleben zeigt sich die häßliche Fratze des Alkohols und auch die Fratze, in die sich mein Partner verwandelt.
Ich habe viele Dinge gnadenlos unterschätzt.

Ich habe die Vierzig überschritten und bringe selbst Lebensgeschichte mit, die ich zwar bestmöglich aufgearbeitet fühle, die mich aber sicher in der Beziehung zu meinem Partner beeinflusst. Ich weiß um die Gefahr der Co-Abhängigkeit und sicher habe ich die Tür dazu längst aufgemacht.

Die Frage liegt nahe, warum ich bei meinem "Wissen" nicht gehe.
Ich bin nicht an diesem Punkt.
Ich setze mich damit auseinander und dieser Weg ist nicht meine letzte Option, aber eben auch nicht die erste.
Dass ich nicht gehe, obwohl ich "weiß", hat viel mit meiner eigenen Lebensgeschichte zu tun. Viel gelitten und entbehrt und mich in mein Leben gekämpft. Ohne Menschen, die an mich geglaubt haben, wäre ich nicht hier.
Ich glaube an meinen Partner. Und liebe ihn, fühle mich ihm verbunden.
Warum ich an ihn glaube?
Er ist einer von vier Geschwistern. Sein Vater war Alkoholiker, ist letztlich an den Folgen gestorben.
Sein Bruder war Alkoholiker und ist mit Mitte vierzig gestorben.
Mein Partner lebt noch.
Vielleicht ist er "widerstandsfähiger". Vielleicht hatte er mehr "Glück", aber er ist noch hier.

Mein Partner ist genauso krank wie sein Vater und sein verstorbener Bruder, das ist mir klar und alles, was ich in meiner Unwissenheit und vielleicht auch Naivität anfangs unterschätzt habe, habe ich in diesem halben Jahr zusammen leben schmerzhaft erfahren und lernen müssen.
Mein Partner arbeitet hart, trinkt in der Woche nur ganz selten. Freitags am Abend läßt er sich dann völlig in den Alkohol fallen. Billigwodka und "Markennamen entfernt", zum Nachspülen vier Dosen Bier, das ist die Regel. Wenn er einen gewissen Pegel erreicht hat, versinkt er oft im totalen Schmerz, weint hemmungslos. Er sagt mir in solchen Momenten "sieh zu, dass Du Land gewinnst...ich zieh Dich mit in den Abgrund...".
Totale Nähe kann innerhalb einer Sekunde zu Eiseskälte und Aggression werden.
Die Aggression beschränkte sich auf verbale Ausfälle, die ich nicht runterspielen will.
Gestern abend war etwas anders.
Ich war zum Essen verabredet. Er wäre eigentlich mitgegangen, hat dann aber abgesagt, weil er noch Arbeit reinbekommen habe. Er macht Homeoffice.
Er hatte mich vorher gebeten, ihm vom Einkaufen "Markennamen entfernt" mitzubringen. 0,3 Liter waren das insgesamt, er verlangte nicht nach Bier. Ich habe mir schon oft gesagt, vorgenommen und geschworen, ihm keinen Alkohol mitzubringen und ihm gegenüber auch formuliert, dass ich ihm zumindest keinen Schnapps mehr mitbringe. Selten und mit jedem Mal zuviel habe ich es dann doch getan, so dann auch gestern. Er hatte diese 0,3 L "Markennamen entfernt" hier, ich hoffte, dass ihm das genug ist und er einfach schlafen geht.
Er hatte mir aber irgendwann eine Nachricht geschrieben, ich solle ihm noch nen "Markennamen entfernt" mitbingen. Ich entschied, es zu ignorieren.
Fuhr nach Hause und als ich an der Ampel stehe, sehe ich ihn mit seinem Auto abbiegen, ebenfalls auf dem Weg nach Hause.

Ich wurde wütend, fühlte Hilflosigkeit, Verzweiflung. Ich wußte, er hat die 0,3 Liter "Markennamen entfernt" getrunken und hat sich ins Auto gesetzt, um Nachschub zu holen.
Wir kamen gleichzeitig zu Hause an. Ich sagte nur "ich denke, ich muss nichts sagen."
Sein Gesicht sprach Bände, er fühlte sich ertappt und überführt, ich sah im an, dass er sich schämte.
Er hatte sich eine große Flasche "Markennamen entfernt" geholt, die er auch trank.
Ich trank einen einzigen mit.
Ich entschied, mich nicht meiner Hilflosigkeit und Traurigkeit, die sich in solchen Momenten auch schon in Wut entladen hat, hinzugeben.
Nickte zu Wortschwällen, ignorierte Provokationen und spielte zwischendurch mit meinem Handy.
Ich kann rückblickend nicht sagen, wie es passiert ist.
Irgendetwas traf mich im Gesicht, ich spürte Schmerz und ich spürte, wie mir Blut am Gesicht entlanglief.
Entweder hat er tatsächlich etwas nach mir geworfen oder er hat seinen Arm ausschweifend bewegt und hat mich mit seiner Uhr im Gesicht getroffen.
Es war aber keine Attacke im Sinne von "er hat mich geschlagen".
Letztlich ist das egal. Meine Platzwunde habe ich anderthalb Stunden später im Krankenhaus kleben lassen.

Meine Reaktion auf meinen Schmerz im Gesicht und das Spüren meines eigenen Blutes hat mich selbst Kontrolle verlieren lassen. Schüssel auf den Boden geschmettert, sein Glas mit dem "Markennamen entfernt" irgendwohin gepfeffert, mein Handy gegen die Wand geschmissen und er hat meine Hände als allererste Reaktion auf Beinen und Armen gespürt.
Sein Kontrollverlust stand meinem gegenüber. Er erschrak über mein Blut im Gesicht, er fasste selbst in die Scherben der zerdepperten Schüssel, blutete dann auch.
Machte sich später über meinen "Kratzer" lustig, ging selbst mit blutender Hand ins Bett. Ich fuhr dann ins Krankenhaus, war schnell versorgt und kam nach Hause, er schlief.
Wachte irgendwann auf, wollte wissen, ob ich im Krankenhaus war. Sorge, die beruhigt wurde, kippte wieder in sich lustig machen. Er ging irgendwann schlafen.
Stand heute morgen um 7 auf, war noch ziemlich alkoholisiert, setzte sich an seine Arbeit.
Seitdem begegnen wir uns in unserer Wohnung für Augenblicke.
Er zunächst eiskalt, sagte heute morgen "das war es dann wohl".

Ich sagte ihm vor einer Stunde "das hier ist ein Tiefpunkt. Die sind für genau eine Sache gut. Wir sind wohl beide an einem Tiefpunkt. Ich will Dich nicht verlassen und ich will unsere Beziehung nicht kampflos aufgeben. Du wirst Deinen Kampf haben und ich habe meinen. Und vielleicht unseren zusammen. Das will ich Dir sagen."

Wir konnten eben zusammen eine Zigarette rauchen. Er spricht nicht viel. Es gibt Spuren dieses Kampfes am Abend, die ich nicht zu beseitigen beabsichtige.
Ich lasse sie nicht als Vorwurf bestehen, ich will aber auch nicht den Radiergummi nehmen und den Abend wegradieren in seiner nachträglichen Sichtbarkeit.
Ich sehe ihn, wie er sie ansieht und ich sehe ihm Schmerz an. Wir schweigen beide für den Moment, ich lasse ihn und er lässt mich.

Warum habe ich mich nun hier angemeldet?
Ich habe von Anfang an drei Freundinnen eingeweiht. Aber sie sind Freundinnen, nicht betroffen und nicht erfahren.
Ich hoffe hier im Forum aus Austausch. Vielleicht ist es sogar der "erste" Schritt zum Gehen.
Ich fühle mich da nicht. Aber ich ignoriere diese Türe nicht, sie ist genauso sichtbar.

Danke fürs erste Lesen.
Klaudia

Mcfly
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Mcfly » 18.01.2019, 19:41

Liebe Klaudia. Hallo erstmal und schön dass du dich so öffnest. Was ich dir sagen kann.....Renn so weit und so schnell du kannst!!!!! Da wird gerade die nächst höhere Eskalationsstufe still und heimlich von ihm ausgehandelt. Wenn du jetzt bleibst passiert nur eins : es wird beim nächsten Mal schlimmer. Er sagt er trinkt, er warnt dich,er rät dir zu gehen!!!!! Er wird nicht aufhören und du wirst ihn nicht dazu bringen. Ich habe mal etwas gelesen: „wenn du eine Krabbé in einen Eimer tust,brauchst du einen Deckel,weil sie rauskrabbeln wird. Tust du zwei Krabben in einen Eimer,brauchst du keinen Deckel,weil die Eine die Andere immer wieder zurückzieht,sollte sie aus dem Eimer entkommen wollen“. So ist das bei einem Alkoholiker und einem Coabhängigen. Da will einer den anderen nicht gehen lassen......aber glaube niemals,dass das aus Liebe geschieht....... Lieber sterben beide,als dass der eine und auch der andere sein Suchtmittel ziehen lassen will . Geh so schnell und so weit du kannst. LG Mcfly

Klaudia123
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Klaudia123 » 18.01.2019, 21:00

Liebe Mcfly

Vielen Dank für Deine Zeilen. Ich erschrak, als ich sie las.
"... Da wird gerade die nächst höhere Eskalationsstufe still und heimlich von ihm ausgehandelt."
Ein solcher Gedanke tauchte noch nie bei mir auf.
Ich will ihm das nicht zutrauen, spüre aber, dass Deine Worte irgendwo in mir etwas berühren, was ich vielleicht vor lauter Liebe und Hoffnung völlig verdrängt habe.
Ich weiß, dass ich höllisch auf mich aufpassen muss.
Wahrscheinlich bin ich schon tiefer im Strudel der Co Abhängigkeit, als ich mir selbst eingestehen will.
An den Zeilen mit den Krabben ist was Wahres, ich erkenne uns/mich in diesem Bild.

Ich muss nachdenken. Es ist nicht leicht. Wir sind noch gar nicht so ewig zusammen...gott sei dank muss ich wohl sagen. Mit jedem Tag mehr und jedem Hoffen mehr wird es wohl schwerer zu gehen.

Der Teil in mir, der leidet weiß, ich sollte gehen.
Der Teil, der ihn liebt, hofft.

Danke für Deine Zeilen. I
LG Klaudia

Linde66
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Linde66 » 18.01.2019, 21:16

Hallo Klaudia,
immer wenn es zwischen einem Paar körperlich brutal wird, bekomme ich beim Lesen Beklemmungen. Bist du dir sicher, daß das schon dein Tiefpunkt ist? Denn du bist ja immer noch dort. Wartest du auf einen "richtigen" Faustschlag ins Gesicht? Wo ist deine Schmerzgrenze? Scheinbar ist sie ja noch nicht erreicht. Wenn du von außen auf euch draufkuckst, dann würdest du gehen, oder? Es gibt ihn nicht ohne Alk und Brutalität, körperlich und verbal. Es ist eine Illusion zu glauben, daß er sich ändern wird. Wie war deine Geschichte bis vor dieser Beziehung? Klar ist man nicht gern allein, aber sowas tut ja nicht wirklich gut, egal wie alt man ist.
Lieber Gruß, Linde

Klaudia123
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Klaudia123 » 18.01.2019, 23:54

Hallo Linde,
Ob ich mir sicher bin, dass das "schon" mein Tiefpunkt ist? Ich weiß es nicht.
"Denn Du bist ja immer noch dort"...
Deine Worte an mich sprechen sicher aus Erfahrung mit einem alkoholkranken Menschen.
Ganz sicher ist der eine Alkoholiker in seiner Erkrankung und seinen Mustern und auch Manipulationen wie der andere Alkoholiker.
Und genauso sicher ist es, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen co abhängigen Menschen gibt.

Aber ich bin ich und bringe meine Geschichte mit. Und er ist er und bringt seine Geschichte mit.
Meine Zeilen werden sicher viele Leserinnen und Leser an eigenes Erlebtes und Überstandenes erinnern.

Der Rat liegt schnell auf der Zunge und die Tasten des PCs lassen sich leicht drücken.
Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin mir sicher, dass Deine Worte mir wohlgesonnene sind und die aus Erfahrung sprechen.

Nur erlebe ich genau jetzt, was ich erlebe. Und bin mit meinen Gefühlen konfrontiert, die ich nicht an zehn Fingern abzählen kann.
Ich schrieb, dass ich mich nicht an dem Punkt fühle zu gehen.
Dass ich diesen Punkt sehe und ich vielleicht hier schreibe als ersten Schritt zum Gehen.

Ich lese im Umgang mit alkoholkranken Menschen immer, dass es keinen Sinn macht, ihn zum Aufhören überreden oder überzeugen zu versuchen.
Allzu leicht scheint es aber zu sein, einer Co Abhängigen (ich setze jetzt einfach mal voraus, dass ich das bin) zu raten, schnell Land zu gewinnen, Argumente zu nennen.

Mich befremdet das ehrlich gesagt.

Ich meldete mich hier in der Hoffnung an, mich austauschen zu können.
Man kennt hier einander nicht. Liest einen Teil Lebensgeschichte. Die man vielleicht in Teilen oder in großen Teilen selbst erlebt und bewältigt hat.
Nur kennst Du mich nicht, Du kennst ihn nicht. Kennst nicht meinen Lebensweg und meine gewonnenen Kämpfe und Du kennst ihn nicht.
Er ist der Alkoholiker, der kranke Mensch, der Säufer, wenn man die ganz blinden und tauben Worte benutzen möchte. Betrachte ich ihn mit diesen Augen, dann unterscheidet er sich sicher nicht sonderlich von allen anderen Alkoholikern. Aber ich schaue durch meine Augen. Meine Augen sehen den Menschen und Mann, in den ich mich verliebte. Den ich zu lieben begann. Der leider etwas mitbringt, was Liebe zerstört. Aber JETZT empfinde ich diese Liebe für ihn, diesen Mann, der einen Namen hat, der ohne Alkohol ein Schatz von Mensch ist. Ich vergesse dabei nicht den Alkohol, ohne den es diesen Mann nicht gibt.

Es tut mir leid, wenn ich Dir und/oder anderen Lesern meiner Zeilen nun Unrecht tu.
Aber ich habe keine Erkältung. Ich kann nicht in eine Apotheke gehen und ein Rezept einlösen, was da heißt "Verlass ihn so schnell wie möglich".

Was habe ich mir hier vorgestellt oder gewünscht?
Sicher wünschte ich mir so etwas wie "Rat".
Am meisten wünschte ich mir sicher so etwas wie "ich weiß, wie das ist. Habe ich so oder so ähnlich erlebt und habs geschafft/ bin auch am strampeln/kämpfen... Bei mir war es so/mir hat geholfen........"

Ich will hier niemamdem zu nahe treten. Und wer sich die Zeit nimmt, meine Zeilen zu lesen, dem danke ich einfach schon dafür, dass er dies getan hat. Genauso für die Zeit und die Energie, auf meine Zeilen zu reagieren/zu antworten.

Nur ist mir mit dem Rat "hau so schnell wie möglich ab" nicht geholfen.
Ich bin dankbar für Gedanken/Perspektiven, die ich vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatte und die mir dabei helfen, meinen Weg zu finden.

Morgenrot
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Beiträge: 14128
Registriert: 29.02.2008, 11:36

Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Morgenrot » 19.01.2019, 00:28

hallo Klaudia,

herzlich willkommen bei uns im Forum.

Hier schreibt jeder aus seiner Sicht und von seinem erlebten.
Ich bin nicht gegangen, aber das war ein Leben ohne Gemeinsamkeiten. Ich habe mir ein eigenes Leben aufgebaut.
Bis ich hier ins Forum kam habe ich auch ähnlich gedacht wie du.
Hätte ich so weitergemacht, wie vor meiner Anmeldung hier, gäbe es mich heute nicht mehr. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht mir etwas anzutun.
Mit einem nassen Alkoholiker kann ich keine Partnerschaft führen. Ich war alleine, er war nie da, obwohl er im Haus war.
Ich werde dir auch keine Trennung nahelegen, weil ich es selbst nicht getan habe aber ich habe immer wieder darüber nachgedacht.
Was ich dir aber sagen kann ist, es wird immer schlimmer.
Das du deine eigene Geschichte mit bringst ist doch klar, und vieles habe auch ich erst im Rückblick verstanden.
Es ist um dich, was kannst du tun damit es dir besser geht ? Was kannst du alten Mustern entgegensetzen, oder wie kannst du sie durchbrechen?
Deinem Freund kannst du nicht helfen, tu etwas für dich. Das möchte ich dir ans Herz legen, weil du sonst vor die Hunde gehst.
Nasse Alkoholiker sind die besten Schauspieler, sie können sehr gut manipulieren und sie kennen vor allem alle "Knöpfe" bei ihren Cos.
Pass auf dich auf.


lg Morgenrot

Emma2010
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Beiträge: 245
Registriert: 06.10.2010, 08:40

Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Emma2010 » 19.01.2019, 09:30

Liebe Klaudia,

"Herzlich Willkommen" im Forum.
Hast du schon mal aufgeschrieben, was du an XY liebst und was nicht? Natürlich hat dein Freund auch seine guten Seiten, die hat doch jeder Mensch.
Man hat beim Lesen das Gefühl, dass du jemand bist, auf die man sich verlassen kann, ehrlich, hilfsbereit, ein Kumpel zum Pferde stehlen?

Überlege mal, was hast an Beziehung in deinem Elternhaus vermisst und gibt es etwas an deinem Partner, dass dir die vermissten
Bedürfnisse zurück gibt? Siehst du bei ihm Charakterzüge, die auch die deinen sind und sitzt ihr deshalb im gleich Boot?

Wenn ja, ist das alles nicht die Liebe, die dauerhaft ist und dir Halt geben kann.
Dein Partner ist vielleicht kein schlechter Mensch, allerdings glaube nicht, dass ihr viele Gemeinsamkeiten habt.
Oder würdest du jemanden, der dir vertraut und alles für dich tut, mit boshaften Worten verletzen, seine Würde mit Füßen treten,
ihn für deine Zwecke missbrauchen oder wenn er nicht kuscht noch nachtreten?

Sieh es mal so! Falls ihr zwei zusammen gehört, dann könnt ihr euch ja das geben, was euch gut tut, euch weiter bringt, wo ihr
Gemeinsamkeiten habt, ihr Spaß haben könnt. Eben so wie echte Freunde miteinander umgeben.
Dafür muss man nicht unbedingt zusammenleben und die dunklelsten Seiten des anderen aushalten, wo er selbst sagt, dass du
gehen sollst. Es schürt meist so richtig die Aggressionen, wenn sich ein Säufer in den eigenen 4 Wänden "volllaufen" lassen will und dabei beobachtet und bekrittelt wird. Zudem ist das ein Verhalten, dem er sich als Single voll hingeben konnte.
Das gehört zum Alkoholiker-sein dazu. Was war denn der Grund, dass ihr zusammen gezogen seid? Oft weiß man, dass eine Alkoholikerkarriere sehr kostspielig ist und alles Hab und Gut langsam den Bach runter geht.
Falls er mit den harten Sachen so weiter macht, was glaubst du wie lange er sich dann beruflich noch halten kann?

Das sind alles Überlegungen, die dir bewusst sein müssen, wenn du den selben Weg gehen willst.

Auch wenn das Leben bisher nicht besonders gut zu dir war, hast du die Ressourcen um für dich einzustehen. Sehr essentielle Ressourcen, die
der nasse Alkoholiker nicht hat.

Fakt ist: Man kann aus "eckig nichts rundes" machen. Pass auf dich auf!
Alles Gute, Emma

Biene1967
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Beiträge: 48
Registriert: 25.08.2017, 17:38

Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Biene1967 » 19.01.2019, 11:03

Liebe Klaudia,
vielleicht hilft Dir ein Gedanke:
Der Mann KANN nicht der wunderbare Mensch sein, in den Du Dich verliebt hast, wenn er trinkt.
Er WÄRE der wunderbare Mensch - ohne Alkohol.
Aber er ist es nun einmal nicht. Es gibt die wunderbaren Seiten, gewiss. Nur sind sie eben nur ein Teil von ihm. Du wirst sie nicht so erleben, wie Du es Dir wünschst. Die Co-Abhängigkeit besteht u.A. darin, jenes auszublenden, das nicht wundervoll ist und sich nur auf die Hoffnung zu fokussieren, der gute Teil bliebe dann erhalten.
Ich war mit einem wunderbaren Mann zusammen. Sensibel, musikalisch, gebildet, reflektiert.
Er trank. Und für mich begann eine Zeit, in der ich immerzu wartete auf die (wenigen) Momente, in den er dieser wunderbare Mann war. Ich war "artig", bescheiden, stellte meine Bedürfnisse zurück um ab und zu ein wenig zu erhaschen von diesem wunderbaren Mann. Das war meine "Droge", ich war dauerhaft auf Entzug. Ab und zu ein Krümel seiner guten Seiten - eben wie die kleine Dosis einer Droge.
Und genau dieser Mangel macht süchtig. Es macht süchtig, unzuverlässig Zuwendung zu bekommen. Du weißt nie, wann Dich was erwartet. Du weißt nie, ob und wie er reagiert auf Dich. Seine Sucht macht Dich zu einer Person in Hab-Acht-Stellung. Du wartest, Du hoffst, Du passt Dich an.
Schlimmstenfalls fühlst Du Dich schuldig, dass er mit Dir nicht so liebevoll umgehst, wie Du es Dir wünschst.

Ich rate Dir vor Allem zum Besuch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.

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