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Austausch gesucht

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Clafoutis
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Austausch gesucht

Beitrag von Clafoutis » 29.01.2019, 19:06

Hallo,

mein Name ist Clafoutis. Ich habe mich vor einigen Monaten in einen Mann verliebt, der wie sich erst viel später herausstellte, Alkoholiker ist.

Kurz nachdem er mir das erzählt hatte, machte er einen Entzug und das läuft auch wirklich gut bisher.

Seit dieser Zeit ist er sehr mit sich beschäftigt, was ich auch gut verstehen kann.

Ich habe ihn in dieser Zeit nach bestem Wissen unterstützt, soweit das eben geht. Nun merke ich, dass das Ganze auch mich sehr viel Kraft gekostet hat und mich beschäftigt.

Meiner Bitte um ein Gespräch über meine Gefühle dabei wollte oder konnte er nicht nachkommen. Ich bin also völlig alleine damit.

Die Beziehung scheint nicht weiter zu bestehen und ich merke leider, wie ich mich ausgenutzt fühle und sehr traurig bin.

Ist das ein häufiger vorkommendes Verhalten nach einem Entzug? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Euch!

Liebe Grüße,
Clafoutis

Aurora
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Re: Austausch gesucht

Beitrag von Aurora » 29.01.2019, 19:33

Liebe Clafoutis ,

erst mal herzlich willkommen in dieser Online-Selbsthilfegruppe!

Ich habe das vorherige Fädchen abgeschlossen, da es doppelt war.

Mein Exmann hat damals, nachdem ich mich getrennt hatte, eine Entgiftung gemacht und war erst mal nüchtern. Er hat sich aber überhaupt nicht mit sich beschäftigt, alles lapidar abgetan und ohne Suff weiter gemacht wie vorher...

Daher habe ich deine Erfahrung jetzt nicht gemacht. Ich habe es aber schon oft von anderen Leuten so gehört. Der Alkoholiker hat echt viel zu tun um eine stabile Trockenheit zu erreichen. Das heißt ja aber für dich als Partnerin nicht, dass du auf alles Rücksicht nehmen musst. Du hast ja auch ein Leben! Es ist toll, dass du ihn unterstützt aber du darfst eben dich dabei nicht vergessen.

Es ist sehr schade, dass er nun nicht gesprächsbereit zu sein scheint. Denn das ist schon wichtig, gegenseitig offen zu sein. Gerade in diesen Prozessen da jetzt. Na klar fühlst du dich ausgenutzt, du hast viel für ihn getan und da auch Erwartungen daran gehabt. Die erfüllen sich nun gar nicht. Solche Situationen tun sehr weh. Ich habe diese Erfahrungen leider auch machen müssen. Eines ist mir dabei klar geworden...

Ich habe Dinge freiwillig getan und auch ohne darum gebeten worden zu sein. Ich habe das getan weil ich mir was erhofft habe davon. Mein Gegenüber hat das anders gesehen. Er hat nur das genommen, was ich freiwillig angeboten habe. Auch für mich ist das Wertebild so, dass ich für erbrachte "Leistung", sag ich mal, eine "Gegenleistung" erwarte. Wenn das aber nicht abgesprochen und in gegenseitigem Einverständnis passiert ist dann kann es eben passieren, dass ich erschöpft und mutlos übrigbleibe mit nichts. Ich habe da auch große Probleme mit, emotional, aber rational ist es eben ganz klar. Wenn ich also freiwillig etwas gebe darf ich nicht erwarten, etwas zurück zu erhalten. Du kannst das auch als Grenze sehen.

Ich verteile grenzenlos meine Lebenskraft, möchte dadurch geliebt werden, geachtet, einen Wert spüren. Aber es wird immer wieder passieren, dass ich ausgenutzt werde, eben weil da nie eine Grenze von mir gesetzt wird. Ich verliere mich an andere und habe gar kein eigenes Leben mehr. Und bin enttäuscht von der Welt...

Es ist schwierig das zu lernen, Grenzen zu setzen. Aber es lohnt sich! Ich bin auch noch nicht perfekt darin, werde es wohl nie sein... aber es funktioniert und ich habe mehr Lebensqualität. Und das Paradoxe für mich daran ist, dass ich gerade durch diese Grenzen mehr Achtung und Erfüllung erfahre als vorher.

Liebe Grüße
Aurora

Clafoutis
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Re: Austausch gesucht

Beitrag von Clafoutis » 30.01.2019, 00:23

Hallo Aurora,

vielen Dank für Deine tollen und anregenden Gedanken zu diesem Thema!

Besonders der Punkt "Erwartung von Dankbarkeit" hat mich sehr angesprochen, das werde ich noch mal kritisch hinterfragen bei mir selbst. Natürlich helfe ich in erster Linie für den Anderen, aber vielleicht ist da doch auch ein Anteil an unausgesprochenen Erwartungen dabei.

Du hast natürlich völlig recht, Ich habe das ja freiwillig getan und früher ein Signal geben können, wenn es mir zu viel wird. Grenzen sind vermutlich eh ein schwieriges Thema ...

Liebe Grüße,
Clafoutis

Petra2312
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Re: Austausch gesucht

Beitrag von Petra2312 » 31.01.2019, 13:28

Hallo,

Ich habe jahrelang auch immer unterstützt und versucht zu helfen. Alles hat nichts genutzt. 3 Kuren , 7 Therapeuten.. Man dreht dich im Kreis und fährt tatsächlich Achterbahn der Gefühle. Ich entwickelte ein Wut vor der ich selbst Angst hatte. Aus Enttäuschung habe ich ihm Schaden zugefügt, wie z.B. Die Spiegel am Auto abgetreten, die Glaychen in seiner Wohnung auf dem Boden zertrümmert etc. . Ich fühlte mich so unsagbar hilflos, verletzt und ausgenutzt. Mir wurde keine Tür geöffnet, da er lieber gesoffen hatte. Da steigt Wut auf. Ständig wurde ich hintet Flaschen und Bierdosen gestellt.

Zum Glück habe ich meine Wut jetzt wieder in Griff und sehe vieles mit deutlich mehr Gelassenheit.
Ich will nur noch meine Ruhe vor dem Teufel Alkohol haben und damit nicht mehr belastet werden.

Wenn ich nochmal jemanden Anderes kennenlernen sollte, schaue ich genauer hin wen ich mir da an Land ziehe. Kein Trinker mehr. Es ist die Hölle für Erden.

Liebe Grüße Petra

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Re: Austausch gesucht

Beitrag von Netti14 » 03.02.2019, 00:39

Hallo Clafautis,
Es könnte fast meine Geschichte sein, die du hier geschrieben hast. Auch ich habe vor ein paar Monaten einen Mann kennen gelernt und mich verliebt. Wie bei dir ,stellte sich raus,dass er Alkoholiker ist. Auch er begann eine Therapie. Zwischen durch blockierte er mich . Keine Nachrichten oder Telefonate waren möglich. Dann kurz vor Weihnachten gab es wieder Kontakt von ihm. Ein Treffen kam zu Stande und es wurde viel geredet über das was passiert war und was sein Ziel ist. Dann traf man sich zwei drei Mal und dann wieder wenig Kontakt. Wenn ich nicht geschrieben hätte, hätte es gar keinen Kontakt gegeben. Das hat mich geärgert und das habe ich ihm auch mit geteilt. Er war launisch und wollte immer seine Ruhe und sich entspannen. Beim letzten Gespräch wollte ich von ihm wissen, warum er sich überhaupt vor Weihnachten gemeldet hat. Als Antwort kam, er wollte Frieden schaffen. Und auf meine Frage, was ich für ihn bin, kam eine gute Kumpeline. Ich war so sauer und enttäuscht und habe ihm zu verstehen gegeben, dass jetzt hier die Tür zu ist. Seit dem bin ich zwar nicht blockiert aber wir haben auch keinen Kontakt mehr.
Ich denke, er ist so mit seiner Krankheit beschäftigt, obwohl er sagte,es geht ihm gut,keine Entzugserscheinungen...,dass er deshalb so ist wie er ist. Ich habe ihn ja kennen gelernt, als er noch getrunken hat. Immer gut gelaunt. Wir konnten viel erleben und die Zeit war schön. Ich habe mir ein falsches Bild von ihm gemacht und ich habe lange geglaubt es wird alles gut. Bin ihm ständig hinter her gerannt. Das will ich nicht mehr. Ich wäre mit ihm den Weg gegangen, aber nicht so.

Clafoutis
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Re: Austausch gesucht

Beitrag von Clafoutis » 03.02.2019, 19:08

Hallo Netti,

vielen Dank für Deine Geschichte dazu!

Das klingt sehr traurig und ich kann verstehen, dass Du enttäuscht bist!

Ich kann gut nachvollziehen, dass man nach so einem Schritt sein Leben neu sortiere muss. Es gab ja vermutlich viele Gründe um in die Sucht zu rutschen und diese sollten aufgearbeitet werden. Ausserdem muss natürlich auch das normale Alltagsleben neu geordnet werden, um nicht gleich wieder in Gefahr zu geraten, in alte Verhaltensmuster zu fallen.

Trotzdem ist es natürlich traurig, wenn alte Kontakte dann so behandelt werden.
Verknüpft er den Kontakt zu Dir vielleicht mit seiner Zeit, als er getrunken hat und möchte es deshalb vermeiden, Dich zu treffen?

Ich wünsche Dir, dass Du diese Erfahrung gut abschließen kannst. Vielleicht ist es ja auch in ein paar Monaten möglich, nochmal ein klärendes Gespräch zu führen?

Liebe Grüße!

Clafoutis
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Re: Austausch gesucht

Beitrag von Clafoutis » 03.02.2019, 19:12

Petra2312 hat geschrieben:
31.01.2019, 13:28
Hallo,

Ich habe jahrelang auch immer unterstützt und versucht zu helfen. Alles hat nichts genutzt. 3 Kuren , 7 Therapeuten.. Man dreht dich im Kreis und fährt tatsächlich Achterbahn der Gefühle. Ich entwickelte ein Wut vor der ich selbst Angst hatte. Aus Enttäuschung habe ich ihm Schaden zugefügt, wie z.B. Die Spiegel am Auto abgetreten, die Glaychen in seiner Wohnung auf dem Boden zertrümmert etc. . Ich fühlte mich so unsagbar hilflos, verletzt und ausgenutzt. Mir wurde keine Tür geöffnet, da er lieber gesoffen hatte. Da steigt Wut auf. Ständig wurde ich hintet Flaschen und Bierdosen gestellt.

Zum Glück habe ich meine Wut jetzt wieder in Griff und sehe vieles mit deutlich mehr Gelassenheit.
Ich will nur noch meine Ruhe vor dem Teufel Alkohol haben und damit nicht mehr belastet werden.

Wenn ich nochmal jemanden Anderes kennenlernen sollte, schaue ich genauer hin wen ich mir da an Land ziehe. Kein Trinker mehr. Es ist die Hölle für Erden.

Liebe Grüße Petra
Hallo Petra,

oh weh, das ist natürlich nochmal viel heftiger was Du erlebt hast!

Ich musste zum Glück weder Rückfälle noch Ausfälle im betrunkenen Zustand erleben.

Ich wünsche Dir viel Glück, dass Du es schaffst, dieses Thema für Dich endgültig zu beenden.

Liebe Grüße!

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