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Liegt es an mir oder an ihr?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Peter
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Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Peter » 03.02.2019, 08:57

Hallo in die Runde,
ich weiß bald nicht mehr was richtig oder falsch ist. Nun hat meine Frau fünf Tage lang ihre vier Flaschen Bier am Abend weggelassen. Vor ein paar Wochen hat sie das schon mal gemacht. Damals beschwerte sie sich dann bei mir, dass ich sie nicht dafür gelobt hatte. Ein andermal, als sie auch schon mal ein paar Tage nichts trank und ich ihr sagte dass ich das gut fände, meinte sie, ich würde ihr damit unterstellen dass sie ein Alkoholproblem hätte.

Die letzten fünf Tage war sie anders als sonst, wenn sie mal nichts trinkt, sie war nicht gereizt, sondern wirkte irgendwie depressiv. Alles was man tat oder auch nicht tat, nahm sie sehr persönlich und setzte sich dann mit ihren Zigaretten weinend auf die Terrasse. Ich war die Woche über sehr mit dem Auszug unserer Ältesten beschäftigt. Am Freitag waren wir dann bei der Tochter zur Einweihungsfeier eingeladen. Meine Frau saß nur irgendwie abwesend da, freute sich in keinster Weise mit unserer Tochter, die ihre Wohnung wirklich super toll und schön eingerichtet hat.
Selbst als wir (bewusst nur mit O Saft) angestoßen hatten, stand sie alleine auf dem Balkon und rauchte. Auch einem Bekannten unserer Tochter fiel das Verhalten auf, als wir später weg waren, fragte er wohl unsere Tochter, was denn mit ihrer Mutter los sein, die hätte sich gar nicht mit ihr und für sie gefreut.

Gestern dann ist die Situation wieder eskaliert. Ich fuhr, nachdem meine Frau bis um 10 Uhr schlief, mit der Ältesten zusammen zum Einkauf. Da meine Frau am Dienstag für fünf Wochen zur Reha fährt, wollten wir sie für Heute mit einem ihrer Lieblingsessen überraschen. Doch als ich vom Einkauf zurück kam, hagelte es nur wieder Vorwürfe weil ich sie nicht mit zum Einkauf nahm und alleine entschieden hatte, was es am Sonntag zum Essen gibt. (klar, sollte ja auch eine Überraschung sein) :(

Danach war dicke Luft im Haus, sie heulte immer wieder, war sehr ablehnend und distanziert. Am Abend zog sie sich dann wieder ihre vier Bier rein.
Ich frag mich wirklich inzwischen, ob es nicht doch an mir liegt, denn anscheinend war ja mein Verhalten Gestern und die letzten Tage der Auslöser, dass sie nun wieder ihre Bier trank.
Ich organisiere hier alles, kümmerte mich um die Unterlagen der Ärzte meiner Frau die sie zur Reha noch brauchte, organisiere für die Zeit der Reha für die Tage an denen ich arbeiten muss eine Betreuung für die Jüngste, putze, koche u.s.w. und bekomme, egal was ich wie mache, nur noch Vorwürfe dafür, was ich angeblich nicht oder in ihren Augen falsch mache.

Kennt ihr solche oder ähnliche Situationen auch?

Danke dass ich mir das hier alles mal so von der Seele schreiben darf.

Viele Grüße und euch allen einen angenehmen Sonntag,

Peter

Clafoutis
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Clafoutis » 03.02.2019, 09:46

Hallo Peter,

das ist ja schade, dass die letzten Tage so schlecht liefen, du klingst sehr enttäuscht!

Ich glaube, schon die Frage, ob es an Dir oder ihr liegt, ist nicht der richtige Ansatz. Ihr lebt seit vielen Jahren zusammen und habt Euch quasi eingespielt mit Euren gegenseitigen Reaktionen. Ihre kannst Du nicht ändern, egal ob sie trinkt, motzt oder depressiv in der Ecke steht. Sie will das so oder kann in dem Moment nicht anders, das kannst Du nur akzeptieren und an Deiner Reaktion arbeiten.

Du hattest ja schon geschildert, was Du alles für Dich tust und welche Aufgaben Du neben der Familie gefunden hast. Das klingt sehr interessant und ist bestimmt ein guter Ansatz.
Trotzdem liest sich das hier (und entschuldige bitte, wenn ich das falsch interpretiere) als würdest Du ziemlich um Deine Frau kreisen und jede ihrer Reaktionen auf Dich beziehen und umgehend darauf reagieren. Das klingt sehr anstrengend - für Euch beide.
Warum kümmerst Du Dich um ihren Papierkram? Sie kann das sich auch selbst, oder?

Vielleicht wäre ein erster Schritt nochmal zu schauen, inwieweit Du Dich etwas unabhängiger machen könntest und ihr damit auch wieder die Verantwortung für ihr Leben übergibst. Was sie dann daraus macht wirst Du eh nicht beeinflussen können, also bleibt nur zu schauen, was Du für Dich tust.

Viele liebe Grüsse und ein schönes Überraschungsessen!

Biene1967
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Biene1967 » 03.02.2019, 10:02

Hallo Peter,

ich habe den Eindruck, dass Deine Frau depressiv sein könnte.
Alkohol ist da ja oft eine Selbstmedikation, die dann die Depression (Wut nach innen) in Aggression (Wut nach außen) verwandelt.
Ihr Leben ist vielleicht einfach nicht, wie sie es sich wünscht, allerdings hat sie keine Energie (mehr), um aktiv zu Änderungen oder Gesprächen beizutragen.
Natürlich ist nicht Dein Verhalten schuld, doch Dein Verhalten verändert auch nicht ihre Sicht.

Vielleicht ist in der Reha ihre Lebens-Unzufriedenheit auch Thema?

Sunny1976
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Sunny1976 » 03.02.2019, 10:36

Hallo Peter,
Peter hat geschrieben:
03.02.2019, 08:57
Am Abend zog sie sich dann wieder ihre vier Bier rein.
Ich frag mich wirklich inzwischen, ob es nicht doch an mir liegt, denn anscheinend war ja mein Verhalten Gestern und die letzten Tage der Auslöser, dass sie nun wieder ihre Bier trank.
Ich organisiere hier alles, kümmerte mich um die Unterlagen der Ärzte meiner Frau die sie zur Reha noch brauchte, organisiere für die Zeit der Reha für die Tage an denen ich arbeiten muss eine Betreuung für die Jüngste, putze, koche u.s.w. und bekomme, egal was ich wie mache, nur noch Vorwürfe dafür, was ich angeblich nicht oder in ihren Augen falsch mache.
Vergiß mal den Gedanken, das Du der Auslöser wärst, warum sie Alkohol trinkt. Egal was Du machst, Dein Verhalten ist nicht Schuld an dem, wie sie sich verhält oder ob sie trinkt.

Ich kann Deine Gedanken dazu sehr gut verstehen, ich habe auch mal so gedacht. Und alles auf mich interpretiert. Wurde mir aber auch jahrelang eingeredet, das es nur an mir lag :roll:

Ist aber Unsinn, Du bist halt da und dann lässt sie ihren Frust eben an Dir aus. Und nach einem Streit etc. ist es eine super Ausrede für sie selbst, das sie jetzt trinken kann.

An erster Stelle würde ich es auch mal lassen, alles für sie zu organisieren. Sie ist doch eine erwachsene Person und kein Kind, nur weil ihr die Haushaltsrolle getauscht habt heißt es ja nicht, das Du alles für sie erledigen musst. Versuche die Zeit, wo Deine Frau in der Reha ist für Dich zu nutzen. Überlege einfach mal, ob DU in Deiner Rolle glücklich bist. Bring Dein Selbstwertgefühl mal wieder auf Vordermann, mache sozusagen einfach Deine eigene Reha - für DICH!

Ich wünsche Dir viel Mut
Sunny

Sunny1976
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Sunny1976 » 03.02.2019, 10:40

Ach noch was... Du kannst ruhig in Deinem Fädchen weiter schreiben, was Du angefangen hattest.

So wird es auch recht schnell unübersichtlich wenn Du immer einen neuen Aufmachst :D

Morgenrot
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Morgenrot » 03.02.2019, 10:59

Hallo Peter,
Ich frag mich wirklich inzwischen, ob es nicht doch an mir liegt, denn anscheinend war ja mein Verhalten Gestern und die letzten Tage der Auslöser, dass sie nun wieder ihre Bier trank.
Nein, nein, nein. Es liegt nicht an dir.
Hättest du "funktioniert", dann wäre es etwas anderes gewesen, weshalb sie wieder getrunken hätte. Solche Situationen habe ich viele erlebt, immer war etwas anderes "schuld".
Mit diesem Schlechten Gewissen bist du aber erst mal wieder außer Gefecht gesetzt, weil du dir nun wieder überlegst, was hätte ich anders und besser machen können. Das ist unser Kreislauf.
Dieses mal ein paar Tage nichts trinken, kenne ich auch. "Siehst du, jetzt habe ich ein paar Tage nichts getrunken, ich bin kein Alkoholiker." Diese und andere Sätze kommen dann.

Das jemand neben dem Trinken auch eine Depression hat, kommt sehr oft vor. Eine Depression kann aber auch nur mit "klarem Kopf" behandelt werden, also nach Entzug.
Es gibt Menschen, die werden durch den Alkoholkonsum depressiv, aber eben auch solche, die trinken weil sie depressiv sind.

Ihr Verhalten erinnert mich stark an das Verhalten meines xy als er noch trank. Dieses auffallen wollen, schaut her wie schlecht es mir geht, nun helft mir doch alle mal.
Peter, es ist schwer, gerade in einem sozialen Beruf oder wie bei deinem ehrenamtlichen Engagement, wo viel Hilfe gegeben werden muß, auf einmal umzuschalten und sich zu sagen "Hilfe durch Nichthilfe".
Deine Frau muß an den Punkt kommen wo sie einsieht das sie so nicht mehr weitermachen kann. Das liegt nicht in deiner Verantwortung.
Wir verhinder oft das ankommen an diesem Punkt, weil wir helfen und alles am laufen halten. Du mußt nicht schweigen und nichts vertuschen.


lg Morgenrot

Peter
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Peter » 03.02.2019, 13:38

Hallo @All,
Danke für eure Antworten.
Werde ab Mittwoch über alles intensiv nachdenken und das was die Tage war Morgen mit meinem Therapeuten durchsprechen .

Schönen Sonntag euch allen.

Linde66
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Re: Liegt es an mir oder an ihr?

Beitrag von Linde66 » 03.02.2019, 18:42

Halllo Peter,
ich dachte beim Lesen, daß dir eine Reha auch gut tun könnte, damit dieses Umeinanderkreisen mal unterbrochen wird.
Durch ihre Alkohol- bzw. Depressionsbrille wird sie dein Verhalten immer negativ bewerten.
Es ist daher völlig egal, wie du dich verhälst. Also kannst du dich auch so verhalten, daß es DIR gut geht.
LG, Linde

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