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Auf neuen Wegen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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kolibri
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Auf neuen Wegen

Beitrag von kolibri » 07.02.2019, 14:18

Hallo Ihr lieben,

eines Vorweg, egal was ich in meinem Leben erlebt habe, egal welche Schicksalschläge ich hinnehmen musste, egal welche Ohrfeigen mir das Leben bescherte, es ist keine Entschuldigung für meine Alkoholsucht!

Da ich das hier im öffentlichen Bereich schreibe, wird es auch nicht so detailiert beschrieben. Einerseits zu meinem Schutz, zum anderen zum Schutz aller Beteiligten.

Die letzten 3 Jahre bewegte ich mich in Rekordtempo Richtung schwerer Alkoholikerin. Die Menge und Häufigkeit steigerte sich wöchentlich. Bis zum 21.1.2019, war ich bei täglich bei 1.5 – 2l Weisswein angelangt. Ich war der Feierabendtrinker, ich schüttete den Wein wie Wasser in mich hinein. Beginn meist so zwischen 17 und 18 Uhr. Dicht war ich spätestens 20 – 21 Uhr, mit allem drum und dran. Die letzten 1.5 Jahre mit täglichem Filmriss! Ziemlich sicher haben mir die täglichen Exzesse, massive Depressionen und Panikattacken beschert. Und meine gesundheitlichen körperlichen Probleme verschärft. Bis vor kurzem wusste ich nicht, dass Alkohol unter anderem ein Nervengift ist und gerade da hatte ich doch Probleme. Ich hatte vor 1.5 Jahren einen grossen Bandscheibenvorfall im Halswirbel, wodurch meine Rückenmarksnerven extrem gequetscht wurden, dieses Problem besteht nach wie vor!
Ich erkannte den Teufelskreis nicht, umso mehr ich Schmerzen hatte umso mehr trank ich, super gefährlich insbesondere in Anbetracht dessen, dass ich sehr starke Schmerztabletten schlucken musste und umso mehr ich trank umso mehr hatte ich Schmerzen! Die Kombination von meinen Schmerzmittel plus der Konsum von ca. 130mg reinen Alkohol täglich, war ein Tanz mit dem Tod. Nicht umsonst wird von dieser Kombination extrem gewarnt. Vermutlich hatte ich nicht nur Filmrisse, sondern war öfters Bewusstlos! War die Einnahme von den Schmerzmitteln und Alkohol zu nahe beinander, so erlebte ich oft in benebelten Zustand Stürze, die nicht ohne waren, sowie Verletzungen bei denen ich mich nicht erinnerte woher sie kamen. Ich erinnere mich nur an einen Sturz, bei dem ich mit voller Wucht mit dem Kopf gegen die Wand gedonnert bin.

Ich frage mich noch heute, wie in alles in der Welt bin ich täglich in mein Bett gekommen?? Davon hat aber mein Mann nichts mitbekommen, meist ging ich wie gesagt (aufgrund meiner Schmerzen, wie ich sagte) sehr früh ins Bett oder ich schlich mich nach getaner Arbeit in der Küche einfach ins Bett. Ich muss dazu erwähnen, dass wir in einem Haus wohnen, das wir gemietet haben, das recht weitläufig ist.

Meine Tage gestalteten sich ungefähr so; 17 Uhr von der Arbeit bzw. Einkauf heimkommen. Mit der Hausarbeit beginnen und gleichzeitig das erste Glas (ein getöntes Wasserglas, damit man nicht sah, was ich da trank) in den ersten 15 min., den so ging es ja schon mal lockerer von der Hand. Nebenbei ein wenig Smalltalk mit meinem Mann, was haben wir so erlebt an dem Tag. Ich verzog mich dann in die Küche um zu kochen und natürlich ausgiebig zu trinken.
Es fällt mir echt nicht leicht dies alles zu berichten und somit Revue passieren zu lassen, der pure Scham steigt in mir hoch und ich durchlebe all diese Abende nochmals. Und doch ist es mir ein Bedürfniss euch das mitzuteilen.

Ok, mal tief Durchschnaufen, ich glaube ich lege nun mal eine Schreibpause ein und trinke erst mal einen Tee!



So nun geht es wieder.
Ich funktionierte aber diese letzten 1.5 Jahre fast normal, zumindest nach aussen fast normal. Ich war die typische, heimliche Feierabendstrinkerin. Mein Mann merkte schon, das was nicht stimmte, er merkte auch, dass ich ab und zu vielleicht einen Wein zuviel hatte, aber bis zum 22.1. wusste er nicht, wie schlimm es war. Wie viele Alkoholiker war ich sehr gut im verstecken, verbergen, vertuschen und nie um eine Ausrede/Lüge verlegen.

Ich erfand immer neue Ausflüchte um länger in der Küche zu bleiben, entweder ich kochte noch Marmelade ein oder ich bereitete etwas für den nächsten Tag vor oder ich backte noch einen Kuchen, die Liste der Ausreden ist lang, um mich nicht ins Wohnzimmer zu meinem Mann zu setzen und einen Film oder ähnliches zu gucken. Wie oft bettelte er, komm doch zu mir, wie oft sagte er mir; ich vermisse die Gespräche mit dir am Abend! Wie krank muss man sein, dass man wegen der Sauferei die Ehe die doch schon 23 Jahre hält aufs Spiel zu setzen!? Mein Mann ist ein wirklich lieber Mensch, der wie ich eine schwierige Kindheit hatte, frühjungendliche Krisen, vor 10 Jahren Burnout aufgrund Selbstständigkeit und 3x Krebs was wir gemeinsam gemeistert haben. Und sogar jetzt bringt er mir Verständnis entgegen, wenn er auch nicht alles wissen will, zumindest vorerst nicht, zu seinem eigenen Schutz. Allein die eine Aussage, ich bin Alkoholikerin war ein massiver Schock! Er braucht noch etwas Zeit.

Wenn ich am Abend alleine Zuhause war, was schon einige Male vorkam, weil mein Mann Verpflichtungen durch den Verein hatte, bei dem ich auch bin, freute sich mein kranker Kopf, denn so konnte ich mich voll wegbeamen. Krank einfach Krank! Und unentschuldbar! Ich entzog mich mehr und mehr den Verpflichtungen gegenüber unserem Verein, ich hatte ja eine gute Ausrede, ich hatte Schmerzen und musste mich ja daheim hinlegen. Ja noch so ein Trick um in Ruhe trinken zu können.
Wenn ich dann doch mal am Abend wo hin musste, was aber sehr selten vorkam, dafür sorgte ich schon, dann trank ich kaum was, wenn überhaupt!!

Die Nächte waren immer schlimm! Geplagt von Alpträumen, jede Nacht wurde ich so um 4 wach, einerseits durch die Schmerzen und auch wegen dem Alkohol! Manchmal blieb ich dann wach, wenn in mir die Gedanken zu sehr kreisten oder ich schlief erst nach 2h wieder ein. Schmerzen deshalb, weil mein krankes Hirn, ausrechnete; wenn ich um 12 Uhr Mittag die letzte Schmerztablette nahm, dann konnte ich ab 18 Uhr saufen ohne komplett auszuknocken. Lieber hatte ich ab 15 Uhr Schmerzen, die ich ja dann ab 18 Uhr betäubte, als meine verordneten Tabletten zu nehmen. Der Mensch kann so dumm sein! Das trügerische Gefühl von Leichtigkeit, Sorglosigkeit und Schmerzfreiheit, währte bei mir meist nur 1 – 2 h ! Mensch Kolibri, war es daswirklich wert???

Ich erinnerte mich , wie es früher war; im Sommer im Garten sitzen mit Freunden oder meiner Familie, zu quatschen und lachen und dazu 1! Glas Wein zu trinken!!! So Suggerierte ich mir, das Gefühl von damals zu wiederholen, aber ich hatte schon lange die Kontrolle verloren!

Jeden Tag aufs neue; am Vormittag (Katerdepression und Scham), ich trinke nie wieder! Mittag, zwischen ich trinke nie wieder oder kontrolliert! Am Nachmittag; eventuell trinke ich zwei Gläser mehr nicht!
Nach dem ersten Glas; Kontrollverlust! Dieses Wort beschäftigt mich noch heute! Was passiert da im Hirn eines Alkoholikers? Ab wann läuft da im Hirn was falsch, dass ich wenn ich einmal Anfange nicht mehr aufhören kann??? Wann ist das bei mir passiert? Ich las mal, als ich nach Alkohol = Nervengift suchte, dass bei einem Alkoholiker die Kommunikation der für die Psyche zuständigen Nerven sich neu vernetzen, sich verschieben und überschrieben werden und dass das nicht Rückgängig zu machen ist! Ja wir können unser Hirn diesbezüglich nicht auf Werkseinstellung zurück setzen! Das ist unwiederbringlich kaputt! Darum bin ich seit dieser kürzlich erworbener Erkenntnis, der Meinung, es ist unmöglich für uns jemals kontrolliert zu trinken!
Bitte nicht wundern, ich hatte mal eine Ausbildung im medizinischen Bereich, aber beruflich nie ausgeübt, aber ich habe alles medizinische immer schon in mich hinein gesaugt! Wie alle Suchtmenschen, kann ich ja nichts normal tun, zumindest, vieles intensiver als andere! Und nicht immer im gesunden Bereich!

Bei mir waren es zwei Schockerlebnisse die mich dazu bewogen hat von heute auf morgen komplett auf Alkohol zu verzichten!
Und diese zwei Erlebnisse ereigneten sich innerhalb zwei Tagen! Zum einen erlitt ich einen spontanen Bandscheibenvorfall (diesmal im Lendenwirbel) bei dem mich schlagartig einen solchen Schmerz durchfuhr, dass ich fast Ohnmächtig wurde. Ich hatte mich nach meinen Schuhen gebückt, als ich so etwas im Rücken spürte als ob etwas reissen würde, im nächsten Moment der Schmerz und ich kam nicht mehr hoch! Das nächste war, dass mein linkes Bein komplett versagte, in den weiteren Stunden hatte ich kein Gefühl mehr im Schienbein und Oberschenkel! Ich wartete noch 1,5 Tage bis ich meinen Mann bat den Rettungswagen zu rufen, normal transportfähig war ich ja nicht mehr!
Im Krankenhaus angekommen; Untersuchte mich der Neurochirurg und sagte schon nach 5min. wahrscheinlich müssen wir sofort operieren bevor mehr kaputt wird! Dann noch MRT mit der Bestätigung zur OP. Wenige Stunden später lag ich schon am OP Tisch! Narkose; für einen Alkoholiker nicht ungefährlich, ich informierte aber den Narkosearzt, dass ich mehr als normal trank!! Da ich schon am Vortag sowas geahnt habe, habe ich meinen Alkoholkonsum sehr eingeschränkt und in der schlaflosen Nacht und am Morgen, hab ich weder gegessen noch getrunken! Das war am 21. Januar, also trank ich am 20.1. meinen letzten Alkohol! Ich trauere ihm übrigens momentan überhaupt nicht nach! Und da ich Gott sei Dank nicht aufstehen konnte, keimte schon der hoffnungsvolle Gedanke in mir hoch, das ist Deine Chance die Trinkerei zu lassen.

Das zweite Schockerlebniss hatte ich am nächsten Tag! Mein Mann informierte mich über den Tod unseres Bekannten, der mit 58 Jahren plötzlich starb! Jemand der 10 Jahre trocken war und wegen einem Bier letzten April einen Rückfall hatte und nicht mehr loskam! Ich habe es leider nur am Rande mitbekommen und genaueres erst nach seinem Tod erfahren! Vieles beruht auch auf Vermutungen. Anscheinend soff er von April bis zu seinem Tod wieder extrem, er war schon vorher psychisch nicht so stabil. Die letzten 3 Tage soff er anscheinend soviel dass er nur noch Blut spuckte, er machte weiter bis alle Organe versagten! Ich hatte in dieser Nacht unheimliche Alpträume! Wahrscheinlich auch wegen meinem Entzug. Ich träumte von diesem Bekannten. Kennt ihr den Film „Nachricht von Sam“? Die Szenen wo die „Bösen von den schwarzen Geistern in die Tiefe gerissen werden“? Sowas träumte ich von meinem Bekannten und ich träumte auch, dass sie bei mir anklopften!
Mehr brauchte ich nicht mehr! Nun war es nicht mehr, ich versuche aufzuhören, es war; ich werde aufhören!

Ich informierte meinen Mann und bat ihn alles Alkoholische was in der Küche war zu vernichten! Ich versteckte meinen Alkohol nicht wirklich. Der inoffizielle stand hinter der Küchentür und der offizielle stand offen im Regal. Leergut hatte ich soviel wie keinen, da ich meinen Wein im Tetrapak kaufte. Ja genau……wie eklig! Aber so hatte ich keine Probleme mit dem Leergut! So könnt ihr sehen wie weit unten ich war.

Für den einen oder anderen mag alles nicht so dramatisch klingen, für mich waren die letzten 1.5 Jahre die Hölle! Eine selbstgebastelte Hölle. Alles war so dunkel, alles so grau und wurde von Tag zu Tag schwärzer. Am Tag ging es, da hatte ich keine Probleme nichts zu trinken, ich musste ja auch arbeiten. Meist hatte ich auch keinen Kater oder nur gering, glaubte ich (das hatte ich gelernt, welche Menge ich brauche und darf, dass ich am nächsten Tag halbwegs normal Aufstehen kann, glaubte ich.) Wir Alkoholiker sind ja geübt im Vertuschen und vor allem sich selber zu belügen!
Ich hatte sehr wohl einen täglichen Kater, vielleicht nicht ganz so wie üblich. Ich schob das meiste auf meine Nervenschmerzen im Kopf, Nacken und Schulterbereich! Mir war übel (kam von meinen Schmerztabletten, glaubte ich), vor der ersten Schmerztablette konnte ich mich kaum bewegen (das kam vom Bandscheibenvorfall, glaubte ich), ich brauchte fast 2h um richtig wach zu werden (das kam von den Schmerzen und so, glaubte ich), die zittrigen fahrigen Hände kommen von den Schmerztabletten (glaubte ich), ok der Durst kam vom .gestrigen Wein, das gestand ich mir ein. Die Gedächtnislücken vielleicht auch. Da ich recht klein bin und nicht gerade viel wiege (darum auch mein Nick), sind 1,5 – 2l Wein schon sehr viel!


So machte ich einen Entzug unter ärztlicher Aufsicht! Gottseidank, war es nicht viel, zittern und Schweissausbrüche. Der Kreislauf war auch nicht besonders gut, aber das konnte auch die Narkose sein. Das war auch der Grund, dass ich im Krankenhaus nicht einmal runter ging um eine zu Rauchen. Ich dachte mir, hey noch eine Chance mit etwas aufzuhören!
Nach einer Woche wurde ich entlassen. Daheim überhaupt keine Probleme ohne Alkohol! Ich bin immer noch grossteils Bettlägrig und meide die Küche wie die Pest. Mein Mann bekam eine Woche Urlaub, da ich mich weder bücken kann noch anständig bewegen. Er kochte, kaufte ein. Zwei meiner Triggerpunkte! Ich kaufte täglich meinen Wein ein, das fällt daheim weniger auf. Bis mein Mann nach Hause kam, war alles verräumt. Und da ich nicht gerade die ordentlichste bin, fiel es kaum auf, wenn zwischen Orangensaft, Sirup und sonstigem ein Tetrapak Wein stand. Traurig!

Diese Woche (letzte) empfand ich als sehr schön! Ich und mein Mann redeten sehr viel! Ich wache am Morgen auf und oh wunder, die Schmerzen die ich mit Restalkohol am Morgen hatte, sind nicht mehr! Ich erlebe die schönen Abende mit meinem Mann. Wie sehr hat er die Vermisst! 1,5h Jahre lang!
Panikattacken hab ich kaum bis fast gar nicht mehr!

Ich war am gleichen Tag der Entlassung noch beim Hausarzt! Jetzt bekomme ich auch etwas für meine Psyche, damit ich stabiler werde. Denn die Probleme die ich zu ertränken versuchte sind nach wie vor da! Wie finanzielle Probleme, da mein Arbeitgeber letzten Herbst meine Stunden um ein drittel kürzte und somit auch mein Lohn. Seit 1. Januar arbeitslos, die körperlichen Einschränkungen durch meine kaputte Wirbelsäule, 50+, nicht leicht was neues zu finden. Auch werde ich durch meine Krankheit meinen früheren Job, der körperlich sehr anstrengend ist, nicht mehr ausüben können! Wie lange wir noch hier wohnen bleiben dürfen ist auch fraglich! Und noch einiges mehr, aber das werde ich eher im geschützten Bereich schreiben. Genauso werde ich eventuell meine schwierige Kindheit (Gewalt, Missbrauch), schwere Jugendzeit (ich wurde seelisch kaputt gemacht), Umzug mit 21 in eine 400km entfernte Stadt, die dortigen Probleme, sowie die Krebserkrankungen meines Mannes und meiner Mutter die furchtbar starb, sowie wie ich 40kg leichter wurde.

Nach dem 3.ten Tag zuhause sagte ich nach einigen Überlegungen zu meinem Mann; meinst Du ich habe mir mit zwei Entzügen (Alkohol und Nikotin) ein wenig zuviel zugemutet? Der Verzicht auf Alkohol machte mir keinerlei Mühen, aber der Nikotinentzug schon! Ok, ich habe nun diese Baustelle Nikotinverzicht, erst mal verschoben! Auch wenn es wirklich dämlich ist! Aber beides zusammen war mir doch zuviel.

Noch habe ich keine Probleme ohne Alkohol, aber wie ich hier schon oft gelesen habe, bin ich absolut auf der Hut! Suchtdruck wird sicher kommen. Bausteine sind gelegt, kein Alkohol im Haus. Das nächste Geschäft ist 7km weit weg, ich bin noch Bettlägrig und darf laut Neurochirurg erst wieder in 2 Wochen Autofahren, da mein linkes Bein immer noch ein wenig einknickt und Schwäche zeigt. Das ist der Vorteil dass ich nicht in Versuchung komme, was zu kaufen. Der Nachteil ist, dass ich erst in zwei Wochen zu der hiesigen SHG bzw. Suchtberatung gehen kann, da wir hier sehr abgelegen nahe am Waldrand wohnen. Die nächste Stadt wo sie so etwas anbieten ist nur mit dem Auto erreichbar und 10km entfernt und durch die Arbeit meines Mannes, kann er mich leider auch nicht hinbringen!
Aber, sobald ich darf, werde ich dorthin fahren. Freue mich schon darauf!

In Kneipen oder ähnliches bin ich nie gegangen! Mein Umfeld trinkt kaum was, eher im Gegenteil! Mein Mann auch nicht, vielleicht alle 6 Monate mal einen Radler. Auch im Verein wird kaum getrunken, nur wenn wir Veranstaltungen haben, dann aber nicht die Mitglieder sondern die Besucher! Und da ich da für Getränke und Essen zuständig bin, hab ich mich für die nächste Zeit krankheitsbedingt entschuldigt. Und bei der Jahreshauptversammlung im Mai, werde ich mich von dieser Position ganz zurück ziehen!

Meine einzige Sorge ich noch….die Küche, das allabendliche Kochen! Davor hab ich einen heiden Respekt! Ich suche da noch nach Lösungen! Habe es gestern Mittag versucht für den Abend vorzukochen, so dass mein Mann und meine Tochter es nur noch wärmen müssen. Aber einerseits, bekam ich obwohl ich nur 20min gebraucht habe, ziemliche Schmerzen und ich habe mich Sauunwohl gefühlt!! Die Sauferinnerungen waren leider nur zu präsent! Ich habe das auch meinem Mann gesagt. Gut diese Woche haben wir gelöst, heute kommt er recht spät und nimmt was mit. Morgen bis Sonntag kann er wieder kochen.

So, das wärs mal fürs erste. Und dafür dass ich im realen Leben ein recht ruhiger und stiller Mensch bin, umso kommunikativer bin ich schriftlich wie es scheint!

So würde ich sehr dankbar für Tipps von den „alten“ Hasen sein. Und ich hoffe, hier einiges an Unterstützung finden zu können, sowie auch meinen Beitrag am Forum leisten zu können!

So long und liebe Grüße
kolibri

kolibri
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von kolibri » 07.02.2019, 14:22

Was ich noch sagen wollte, begonnen hatte das alles schleichend ca. 2010. Sind also doch ein paar Jahre vergangen. Und sogar obwohl ich wusste, dass ich Suchtgefährdet bin, hab ich die Notbremse nicht gezogen!

So long kolibri

Elli21
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von Elli21 » 07.02.2019, 19:15

Hallo Kolibri,
zuerst einmal wünsche ich dir eine schnelle Besserung deiner Rückenprobleme und dass du wieder ganz gesund wirst!
Zum zweiten gratuliere ich dir zu deiner alkoholfreien Zeit!

Vor allem aber danke ich dir für die Offenheit und den Mut, dass du uns deine Geschichte erzählt hast. Mir hilft das enorm, weil ich die Sauferei genau gleich betrieben habe wie du. Die Küche war der am besten geeignete Platz, dort konnte ich ohne Störung unauffällig trinken, die Weinflasche stand hinter der Küchentüre usw...
Jetzt hab ich natürlich das gleiche Problem wie du: die ganze Küche ist ein Trigger, besonders aber das Kochen.

Ich versuche, das so zu lösen: ich habe mir jede Menge verschiedener Fruchtsäfte gekauft und wenn ich am Abend von der Arbeit heim komme, schenke ich mir sofort in das Wasserglas, aus dem ich bisher Wein getrunken habe, einen mit Wasser verdünnten, aber gut gekühlten Fruchtsaft ein. Beim Kochen mache ich dann so weiter. Ich muss sagen, so ein Fruchtsaft schmeckt eigentlich sehr lecker. Das ist für mich neu, denn bisher hab ich ja nur Wein und allenfalls Wasser getrunken. 8)
Grüße Elli

kolibri
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von kolibri » 08.02.2019, 09:21

Hallo Elli,

Danke für deine Genesungswünsche.
Hilft Dir Deine Familie damit du keinen Rückfall bekommst?

Um am Abend in der Küche was zu machen, ist es mir noch zu früh. Am Tag ist es kein Problem. Ich habe schon immer Probleme mit dem Winter gehabt. Ich hatte mit 18 schwerste Depressionen, die aber damals Siuationsabhähig waren. Meine Eltern waren beide Pflegebedürftig und hatten selbst schwere Probleme mit der Psyche. Ich war Zuhause um sie zu Pflegen, aber das hat meine Mutter auch von mir erwartet und verlangt dass ich zu 100% für sie da bin. So hatte ich keine normale Jugend und durfte auch nie weggehen.
Das dauerte bis ich mit 21 von Zuhause flüchtete, da waren auch die Depressionen schlagartig weg. Erst mit der trinkerei schlich sich diese Krankheit wieder in mein Leben. Erst hab ich da keine Verbindung hergestellt und später wollte ich es nicht wahrhaben. Mein Mann hat mich aber darauf Aufmerksam gemacht. Ich konnte nicht mehr lachen, war nur mehr am grübeln und haderte mit meinem Leben. Psychopharmaka wollte/konnte ich nicht nehmen, denn das lässt sich nicht mit dem Alkohol vereinen. Das war mir dann doch zu gefährlich! Besonders der Mix von Benzodiazepine und Alkohol ist brandgefährlich!
Übermassiger Alkoholkonsum kann Depressionen und Panickattacken verursachen, hat sich zumindest bei mir bestätigt. Seit ich Abistent lebe geht es mir diesbezüglich etwas besser.
Ich bin aber keineswegs Euphorisch, denn ich habe noch einen weiten Weg vor mir! Da gibt es glaub ich noch viele Hürden zu überwinden. Ich wäre froh wenn die LZT mich hier unterstützen könnten. Momentan fühle ich mich geschützt, kann den Tag daheim geniessen, das tun was mir Spass macht, sofern es mein Rücken zulässt, langeweile kenne ich eigentlich nicht. Ich lese wieder, war vorher kaum mehr möglich. Ich habe wieder angefangen zu Handarbeiten, Häkeln und Stricken. Ich lese auch hier unheimlich viel, aber derzeit nur die Geschichten danach. Die Geschichten vom Suff gehen mir jetzt noch zu sehr an die Nieren. Dafür bin ich noch nicht stabil, vielleicht später mal.
Aber was ist, wenn der "normale" Alltag wieder beginnt? Davor habe ich Respekt. Da bin ich sehr auf Hilfe angewiesen! Da ich ja keinerlei Erfahrung habe. Komme mir da ein wenig vor, wie ein Kind das langsam zu gehen beginnt.
Zudem sitzt mir das finanzielle im Nacken, mit dem Krankengeld machen wir monatlich ca. 400,- minus, das kann schnell mal im Desaster enden. So sollte ich möglichst schnell auf die Füsse kommen, körperlich als auch psychisch.

Das mit dem Saft ist schon mal eine gute Idee. Das werde ich mir merken. Momentan ist es so, das ich öfters nach süssem greife! Ist das normal, wenn man Abistinent lebt? Ich und süß!!!! Kenne ich gar nicht. Ich habe lieber nach einem Wurstbrot gegriffen als nach Schokolade. Es ist nicht übermäßig, aber auffallend.

So long
Kolibri

Elli21
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von Elli21 » 08.02.2019, 10:31

Hallo Kolibri,
ja, wir zwei stehen erst am Anfang, aber ich für meinen Teil bin stolz, weil ich jetzt schon bald 14 Tage nix mehr getrunken habe.

Ich habe mir angewöhnt, am Abend vor dem Einschlafen darüber nachzudenken, wofür ich an diesem Tag dankbar bin. Seit ich nicht mehr trinke, danke ich mir selber, dass ich wieder einen Tag trotz aller Hindernisse nüchtern geblieben bin.

Wegen der € 400,-- minus: davon musst du aber das Geld abziehen, das du für Alkohol ausgegeben hast! :) :D :D

Liebe Grüße Elli

kolibri
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von kolibri » 08.02.2019, 11:08

Hi Elli,
mein Alk war leider nicht teuer. Ich gab max. 60,- dafür aus. Ich tranke ja ausschliesslich daheim, aus Tertapak und scharfe Sachen vermied ich.

Ich gratuliere Dir zu den 14 Tagen! Kannst echt stolz auf dich sein. Kann man Deine Geschichte hier irgendwo lesen?

Lg Kolibri

Carl Friedrich
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von Carl Friedrich » 08.02.2019, 15:38

kolibri hat geschrieben:
08.02.2019, 09:21
Momentan ist es so, das ich öfters nach süssem greife! Ist das normal, wenn man Abistinent lebt? Ich und süß!!!! Kenne ich gar nicht. Ich habe lieber nach einem Wurstbrot gegriffen als nach Schokolade. Es ist nicht übermäßig, aber auffallend.
Hallo!

Das kommt sehr oft vor. Der Alkoholabbau ist ein biochemischer Prozess. Vereinfacht ausgedrückt, baut der Körper den Alkohol erst mal in Zucker um. Daher verlangt der Körper jetzt nach ihm, den Zucker, da er auf ihn eingestellt ist.

Das lässt jedoch mit der Zeit nach. Da musst Du einfach durch.

Gruß
Carl Friedrich

kolibri
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Re: Auf neuen Wegen

Beitrag von kolibri » 08.02.2019, 17:34

Hallo Carl Friedrich,

das beruhigt mich sehr. Habe auch nichts zugenommen, Gott sei Dank.
Nur der Kaffeekonsum ist enorm gestiegen. :lol:
Aber ich denke auch das wird wieder ins Lot kommen.
So wunsche ich Euch einen schönen und trockenen Abend.

Lg kolibri

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