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Meine Geschichte

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern

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Johann1304
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Meine Geschichte

Beitrag von Johann1304 » 16.02.2019, 21:56

Hallo zusammen, nachdem ich im Vorstellungsbereich bereits einiges geschrieben habe, möchte ich diesen Teil einfach hier einmal reinkopieren.

Seit ich denken kann war Alkohol immer und überall zu finden. Die ersten Jahre waren auch gar nicht so schlecht. Meine Eltern kümmerten sich um mich, versuchten mit Lesen und Schreiben beizubringen usw.

Erst als ich in die Grundschule kam fingen die Probleme meiner Eltern an, auch meine zu werden.
Angefangen von den immer öfteren Rauschzuständen meiner Eltern bis hin zu den immer häufiger werdenden Prügel von meinem Vater.
Dadurch das ich immer häufiger Angst hatte, nach Hause zu kommen verbrachte ich viel Zeit bei meinem bestern Freund in der Schule und vernachläßigte immer mehr meine Hausaufgaben. Auch schien es von meinen Eltern niemanden zu interessieren.
Und aus Angst vor den Schlägen meiner Eltern begann ich auch in der ersten Klasse die Unterschrift meiner Mutter zu fälschen um negative Einträge im Mitteilungsheft zu kaschieren.

Anfang der 90er Jahre wurde es dann wirklich ein Leben in der Hölle.
Mein Vater hatte durch einen Arbeitsunfall seinen Job verloren und damit begann ein Teufelskreis.
Nachdem er der Ansicht war, das er nicht als Portier zu arbeiten braucht, da er ja einen gelernten Beruf hat, braucht er diesen Beruf nicht zu machen.
Auch war er der Meinung, seine Frau müsse nicht arbeiten gehen, so das wir letztendlich mit dem Arbeitslosengeld, der Notstandshilfe und dem Pensionsvorschuss lebten.

Nachdem nun meine beiden Eltern nicht arbeiten gingen, tranken Sie noch mehr.
Irgendwann haben meine Eltern dann auch angefangen meinen Bruder und mich um den Alkohol zu schicken, meistens waren es "Doppelliter" Flaschen.
Und die örtlichen Weinbauern gaben uns auch den Wein.

Auch die Art der körperlichen Züchtigung änderte sich, von den Schlägen mit der Hand, wechselte mein Vater zu "härteren" Sachen.
Angeführt seien neben dem "normalen" Ledergürtel ein Kommunuionsbild das mir über den Kopf gezogen wurde bis hin zu Schlägen mit einem Bambusstock, den mein Vater aus einem Indianerzelt herstellte, das mir geschenkt wurde.

Nachdem das meiste Geld eben für den Alkohol ausgegeben wurde, mein Bruder und ich nur die "abgetragenen" Kleider unserer Cousins erhalten haben, wurde von unserem Vermieter eine Räumungsklage eingebracht.

Also zogen wir in eine mit dem Zug nur 10 min entfernte Stadt im Ausland.

Und hier begann dann ein Fegefeuer für mich:

Ich, gerade einmal Elf Jahre alt, bekamm aktiv mitgelebt wie man das Leben einer Familie total zerstören kann.

Alkohol war für wenig Geld zu haben und auch die harten Sachen wurden mehr und häufiger.
Nachdem wir weiterhin in unserer Heimatgemande in die Schule gingen, mußten wir jeden Tag um 05:00 aufstehen, damit wir rechtzeitig zu Schulbeginn in der Schule waren.
Das nutzten meine Eltern damit, das Sie zum Teil schon am Vormittag mit dem Alkohol begonnen haben. Nachdem meine ganzen Freunde auch dazu noch in Sch.... gelebt haben, ich aber gleich nach der Schule nach Hause mußte, gingen die wenigen Kontakte, welche ich hatte, mit der Zeit auch verloren und ich hatte echt panik, jeden Tag von der Schule heimzukommen.

Auch war ich ein, für mein Alter untypischer Jugendlicher, anstatt am Wochenende fortzugehen, blieb ich lieber zu Hause und lass Bücher, während meine Eltern die Abende lieber in den Gaststätten der Stadt verbrachten und dort, genau so wie mein Bruder, neue Freunde fanden.

WIe gesagt, ich für meinen Teil genoss die freien Abende an den Wochenenden, die einzige Panik die ich hatte, war wenn meine Eltern nach Hause gekommen sind.

Irgendwann hatte ich dann das 9te Schuljahr abgeschlossen und freute mich auf die Lehrstelle, welche ich in Aussicht hatte.
Und genau in dieser Zeit verstarb meine Oma so dass meine Eltern unverhofft zu einem kleinen Erbe kamen.

FÜr mich bedeutete dieser Sommer aber auch einen Streit, den aus heutiger Sicht die Angst und falsche Loyalität gewonnen hat.

Aber der Reihe nach:
Mein Großvater bat mir an, das ich unter der Woche bei ihm wohnen könnte, gemeinsam mit zwei meiner Onkel die damals noch daheim lebten.
So konnte ich mich einige Zeit erholen und fing auch an, mich unter der Woche in H... mal rauszugehen.

Diese Zeit war jedoch nur eine relativ kurze Zeit. Als meine Eltern mitbekamen, wie viel mein Lohn als Lehrling ausmachte mußte ich zuhause sofort Kostgeld abgeben und meinem Opa wurde mitgeteilt, das ich nicht mehr bei ihm schlafen durfte.

Mein Großvater holte mich darauf hin eines Tages von der Arbeit ab und wir fuhren auf das für mich zuständige Gericht.
Dort wollte mein Opa, das ich mitteile wo ich Wohnen möchte: Bei meinem Eltern oder bei Ihm.
Da es mir peinlich war, darüber vor ausstehenden zu reden, entschied ich mich für meine Eltern anstatt für meinen Opa, der mir immer viel Liebe und Geborgenheit gab.

So aber ging es weiter mit den Prügeln, Saufgelage usw... aber ab hier kürze ich jetzt schnell ab, damit ich zum Ende komme:

Ich für meinen Teil wurde noch scheuer und war für jede Minute ohne meine Eltern vor allem die Berufsschulzeit, die ich im 10 Wochenblock absolvierte.

Bei meinem Bruder aber, begann die Höhle erst richtig. Alles, wo mein Vater mich als Sündenbock hergenommen hat, bekam mein Bruder ab.
Leider war mein Bruder nicht so stark wie ich, er begann zu trinken und war spätestens mit 19 Alkholkrank.

Während der Lehrzeit, fing ich an den Führerschein zu machen, und mein Vater zahlte mir das erste Auto - da er nicht dachte das ich den Führerschein gleich bei ersten mal bestehe.

Aber wie so oft in meinem Leben: Kaum geschah was positves, so passierte gleich auch das negative. Mein Vater fuhr ohne Führerschein und mit fast 3 ‰ einem anderen Fahrzeug auffuhr, wobei niemand verletzt worden ist. Aber auch nachfrage, was geschehen ist, sagte ich, ich sei jemanden aufgefahren.

Nach dem Ende meiner Lehre wurde ich relativ bald zum Heer eingezogen - und hier war es für mich her ganz toll. Während andere den heimschläfer nutzten, war ich einer der wenigen, die unter der Woche in der Kaserne blieben.

Ich meldete mich zum Auslandseinsatz und erteilte meiner Mum eine Zeichnungsberechtigung für mein Konto, was sich als Fehler erwiesen hat.
Anstatt nur Rechnungen zu bezahlen, die ich erhalten habe, haben Sie circa 10.000€ von meinem Konto behoben.
Als mir das auffiel, bekam ich als Antwort: Fahr wieder dorthin und erschieß dich - ich hatte damals dann wirklich im Ausland gedacht, mit der Waffe in der Hand. was tue ich - ich entschied mich, meinem Vater diese Freude nicht zu können.

Als ich wieder zu Hause war, setzte ich mich das erste mal durch, das ich kein Kostgeld zahlen werde, da ich schon mehr als genug bezahlt habe.
Mitte der 2000er Jahre ist mein Vater an den folgen des Missbrauchs verstorben, genau so wie vor einigen Tagen meine Mutter verstorben ist.

Aber anstatt um meine Mum zu trauern, ist es als wäre eine Fessel gelöst und ich beschäftige mich mir und warum ich gewisse Verhaltensweisen an den Tag lege und wie ich feststelle, war bzw. bin ich nicht alleine.

Und zu guter letzt: Ich bitte die Fehler in der Grammatik und so zu entschuldigen und vor allem, das es soviel geworden ist.

Liebe Grüße

Johann

Aurora
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Re: Meine Geschichte

Beitrag von Aurora » 17.02.2019, 15:35

Hallo Johann,

herzlich willkommen!

Deine Kindheit und Jugendzeit hört sich nicht gut an... mal salopp gesagt. Mit Sicherheit hat deine Seele Schaden genommen, eine gute Kindheit sieht anders aus.

Du beginnst, wenn ich das richtig verstanden habe, jetzt mit der ganzen Aufarbeitung. Das ist bestimmt schwierig und tut weh.
Ich wünsche dir viel Kraft und vor allem, dass du hier einen guten Austausch haben kannst.

Viele Grüße
Aurora

Johann1304
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Re: Meine Geschichte

Beitrag von Johann1304 » 21.02.2019, 20:41

Hi Aurora,

vielen Dank.
e Kindheit und Jugendzeit hört sich nicht gut an... mal salopp gesagt.
War sie auch nicht.
Du beginnst, wenn ich das richtig verstanden habe, jetzt mit der ganzen Aufarbeitung. Das ist bestimmt schwierig und tut weh.
Nun ja, durch meinen Bruder, der nun versucht trocken zu werden und mit dem ich nun regelmäßig Telefonisch Kontakt habe, kommen Sachen zum vorschein, die ich tief vergraben habe.

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