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Wer hilft verantwortungsvoll?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Wer hilft verantwortungsvoll?

Beitrag von Karsten » 21.03.2019, 21:15

Guten Abend,

anlehnend an eine aktuelle Vorstellung möchte ich mal ein Thema aufgreifen, was mich schon länger interessiert.

Wenn jemand Hilfe sucht, wendet er oder sie sich ja oft über Fernkommunikationsmittel, wie Telefon, E-Mail, an Hilfsorganisationen, wie Beratungsstellen oder auch Selbsthilfegruppen.
Auch über das Internet, wie unser Forum, wird der erste Kontakt gesucht.
Soweit so gut.

Ob man es wirklich so ist, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen Suchtberatungsstellen oder auch SHG, nichts von einem wichtigigen und vorrangigen Arztbesuch erzählen, kann ich kaum glauben.

Wir empfehlen und fordern ja sogar immer einen Arztbesuch, weil der das Wichtigste ist.

Ist es wirklich so, dass solche Hilfangebote einen Arztbesuch, auf Grund mündlicher Aussagen der Betroffenen, nicht immer für nötig halten?
Ich finde sowas eigentlich unverantwortlich, denn da wird ja mit dem Leben der Betroffenen gespielt. Keiner kann über das Telfeon beurteilen, ob ein Entzug riskannt ist oder nicht.

Warum wird einem fremden Menschen am Telefon mehr gebgalubt als zum Beispiel den Erfahrungen von uns?

Ist es einfach der Wunsch der Betroffenen, sich nur fernmündlich oder schriftlich zu informieren, den einfachen Weg zu suchen, ohne wirkliche Handlungen im realen Leben?

Wir hatten ja hier schon mal ein ähnliches Thema, wo auch Psychologen oder Therapeuten jedes Wort mehr wert war, als Erfahrungen von selbstbetroffenen Langzeittrockenen.

Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Re: Wer hilft verantwortungsvoll?

Beitrag von Sunshine_33 » 21.03.2019, 22:15

Warum wird einem fremden Menschen am Telefon mehr geglaubt als zum Beispiel den Erfahrungen von uns?
Naja, wir sind ja auch in dem Sinne erstmal "Fremde". :wink:
Eine Beratungsstelle hört sich vielleicht etwas "offizieller" an und hat dadurch mehr Glaubwürdigkeit?
Also ich würde auch erstmal davon ausgehen, das dort kompetente Leute sitzen... und denen von daher auch glauben.
Ist es einfach der Wunsch der Betroffenen, sich nur fernmündlich oder schriftlich zu informieren, den einfachen Weg zu suchen, ohne wirkliche Handlungen im realen Leben?
Hm, also verlockend ist es schon, einen einfachen Weg zu suchen, oder?
Ich denke, es ist auch viel Scham dabei, darum sucht man erstmal anonymeren Kontakt.

Also ich wußte am Beginn meiner Abstinenz nicht, was das für Konsequenzen haben wird.
Hätte ich vorher gewußt, wie viele notwendige Veränderungen das nach sich zieht, wäre ich vielleicht erschrocken.
Es war auch nicht so, das ich alles gleich von jetzt auf gleich ändern konnte, viele Veränderungen ergaben sich aufgrund von Situationen
oder auch aus Erfahrungen anderer Betroffener.

LG Sunshine

Karsten
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Re: Wer hilft verantwortungsvoll?

Beitrag von Karsten » 21.03.2019, 22:28

Na ja, bei Suchtberatungsstellen sitzen ja in der Regel auch keine Ärzte und einen Arztbesuch nicht zu thematisieren, halte ich dann auch von einer Suchtberatungsstelle für verantwortungslos.
Ob da immer kompetente Leute sitzen, möchte ich auch nicht so einfach stehen lassen, denn wer am Telefon keinen Arztbesuch empfiehlt, ist für mich nicht kompetent.
Süchtige spielen ja ihre Abhängigkeit oft runter und das kann man eben am Telefon nicht beurteilen.

Das man sich erst einmal anonym informieren will, kann ich ja nachvollziehen, aber wenn man liest, dass Alkoholismus eine Krankheit ist und es zu lebensbedrohlichen Entzugserscheinungen kommen kann, sich als alkoholkrank sieht, ist der nächste logische Schritt doch ein realer Besuch bei einem Arzt.

Ich bin da vielleicht anders, aber ich verstehe so ein Verhalten nicht.

Letztendlich kann man eh nicht heilmich trocken werden und bleiben.

Gruß
Karsten

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Re: Wer hilft verantwortungsvoll?

Beitrag von Topaz » 22.03.2019, 07:44

Hallo Karsten,

Ich denke schon, das den Hilfesuchenden in den meisten Fällen zu einem Arztbesuch geraten wird.
Aber vielleicht wird der Hinweis zum einen nicht so wichtig genommen, weil man den Ernst der Lage verkennt (Sunshine beschreibt es ja sehr gut mit der Aussage: "Also ich wußte am Beginn meiner Abstinenz nicht, was das für Konsequenzen haben wird."),
zum anderen spielt Scham ja auch eine sehr große Rolle.

Vielleicht spielen die Hilfesuchenden ihr Trinkverhalten auch so runter, dass es nicht nach Sucht aussieht?
Ich weiß es nicht.

Aus meiner Sicht ist es aufgrund meiner Erfahrungen der letzten 7 Jahre einfacher, viele Dinge und Situationen realistischer zu sehen.
Und ja, ich gebe dir recht, man kann nicht heimlich trocken werden und bleiben. Aber diese Erkenntnis muss von jeem Einzelnen selbst kommen.

Gruß

Topaz

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Re: Wer hilft verantwortungsvoll?

Beitrag von Topaz » 22.03.2019, 07:51

Kleiner Nachtrag:

Wenn ich so eine Vorstellung lese, kenne ich ja im ersten Moment nicht den Inhalt der Gespräche mit Suchtberatung usw.
Für mich persönlich ist es erst einmal wichtig, zu signalisieren, dass jemand willkommen ist und Verständnis und Unterstützung bekommt.
Und ja, aufgrund meiner eigenen Geschichte bin ich da vielleicht zurückhaltender, was Ratschläge angeht.

Gruß

Topaz

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