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Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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FreeWell
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Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 21.04.2019, 22:13

Guten Abend zusammen,
nun habe ich ca. 8 Stunden in diesem Forum gelesen und habe zwischen Tränen, Wut und Verständnis hin und her gewechselt. Jeder Fall ist etwas anders und ich komme in meinem Fall einfach nicht weiter und hoffe, hier Hilfe zu finden.
Kurz zu mir: Ich bin 57 Jahre alt, meine drei Töchter sind alle bereits über 20 und wir haben ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Meinen Eltern geht es soweit gut, sind beide fast 90, streiten aber leider viel und beanspruchen mich als einzige Tochter dann als Friedensrichter, da meine Schwester mit 6 Jahren gestorben ist, als ich 8 Jahre alt war. Danach gab es keine Kinder mehr. Auch die Geschwister meiner Eltern haben keine Kinder bekommen. So bin ich in meiner Generation "mutterseelenalleine", muss mich um die ältere Generation kümmern (da gibt es auch noch eine Tante in Amerika) und auch um die mittlerweile erwachsenen Kinder.
Nach meiner Trennung vom Vater der Mädels vor ca. 20 Jahren, dachte ich, es geschafft zu haben und mein Leben im Griff zu haben. Ich war 20 Jahre lang eine starke alleinerziehende Mutter mit akademischem Hintergrund, habe gearbeitet, Fortbildungen gemacht und mich selbständig gemacht. Meine Mädels sind einfach toll, stehen gesund, schlank und sportlich und ohne Suchtmittel im Leben und arbeiten bzw. machen eine gute Ausbildung.
Die Trennung vom Vater der Mädels lag in Alkoholgenuss, Gewalttätigkeit und krankhafter Eifersucht begründet. Ich habe damals drei Jahre Therapie gemacht und dachte, meine Welt nun im Griff zu haben.
Im Laufe der letzten 20 Jahren haben wir auch etliche Haustiere wie Hamster, Kaninchen und Hunde gehabt.
Als die jüngste Tochter erwachsen wurde, lernte ich einen Mann lieben und bin nach ca. 1,5 Jahren zu ihm gezogen. Die gemeinsame Wohnung mit meinen Kindern wurde aufgelöst, da ich nur noch mit meiner jüngsten dort wohnte. Sie zog in ein eigenes Zimmer.
Ich brachte in diese neue Beziehung die zwei unkastrierten Chihuahua-Männchen mit und zwei Kaninchen. Großes Haus und Garten machten das möglich, besonders, wo dort auch ein Hund existierte.
Mein neuer Partner war damals trockener Alkoholiker, rhetorisch sehr gewandt und hatte gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Das Scheitern dieser Beziehung hatte eine Rückfall begründet, in dem er fast gestorben wäre, wenn ich nicht gewesen wäre ...
Unwissend um alles, was in diesem Forum zu lesen ist, bin ich mit fliegenden Fahnen in eine Co-Abhängigkeit hinein gerutscht. Wie alle anderen hier übernahm ich die Papiere, das Briefe öffnen, das Putzen, den Haushalt, den Einkauf und alles, wo es um Verantwortung ging. Ich zahlte ja schließlich keine Miete, sondern nur den Strom, das Festnetz mit Internet und diverse Handy-Verträge auch für ihn und seinen außerhalb lebenden Sohn ... und unseren Lebensunterhalt sowie die Versicherungen.
Mein Partner ist nicht arbeitsfähig durch gewisse Handycaps. Er ist zu 70 % behindert. Er könnte jedoch im Verkaufsbereich selbständig arbeiten und könnte gut verdienen, wenn die Bequemlichkeit das zulassen würde.
Wie bei vielen anderen hier, geht es mir zurzeit schon lange nicht mehr gut und mein Partner ist seit 1,5 Jahren wieder häufig rückfällig geworden. Ich glaubte, dass mir alles zuviel wird. So habe ich mit tränendem Herzen unsere beiden Chihuahuas abgegeben. Einer kam zu meiner ältesten Tochter und einer in eine wunderbare Familie, wo er sich jetzt sehr wohl fühlt. Dann gab ich alle Kaninchen zu einem Bauernhof, wo Kindergeburtstage gefeiert werden. Schließlich starb der Hund meines Partners. Nun dachte ich, dass es nur noch ihn und mich gibt, und wir unser Leben in den Griff bekommen könnten. Aber nichts veränderte sich. Das Haus ist dreckig und unaufgeräumt, weil er alles liegen lässt, alles anfängt und nicht zu Ende bringt und viel Zeit rauchend vor dem Fernseher verbringt. Ich habe immer wieder geputzt, aber ihm ist das wohl nicht wichtig. Das Haus sieht nach zwei Tagen aus wie vorher.
Zwischenzeitlich war der Hund meiner Tochter immer mal zur Pflege bei uns, wenn sie arbeiten musste. Im Januar ist er leider weggelaufen und tödlich verunglückt. Ich fühle mich so schuldig, weil ich nicht genug aufgepasst habe. Kurz danach bin ich dann ausgezogen ... aber nur zu 80%. Er kann ja nicht alleine leben, er braucht meine Hilfe und beteuert ja auch, dass er mich lieben gelernt hat ... ja, ja. Er hat seine Co-Abhängige gut im Griff.
Nun dachte ich, dass es eine gute Lösung ist, dass ich meinen Rückzugsort habe, wenn ich ihn brauche und ja bei ihm sein kann, wenn es gut geht. Er ist anspruchsvoll und versuchte zu erreichen, dass ich möglichst nur bei ihm übernachtete und lebte. Wenn ich nach Hause fuhr, gab es immer Streit und Spannungen. Auf der anderen Seite hat er mich sogar manchmal nach Hause geschickt, damit ich mich ausruhen könne. Es schien nach einer machbaren Lösung und ich erholte mich etwas ...
Bis dann meine Tochter entschied, sich wieder einen Welpen zu kaufen. Sie ist damit aber völlig überfordert und eine Welpenerziehung braucht viel Zeit, Geduld und Nerven. Automatisch bat sie mich um Hilfe. Etwas zögerlich bot ich an, dass ich den Welpen hier und da nehmen könnte, aber nur in meiner eigenen Wohnung. Es kam, wie es kommen musste, der Welpe ist öfters bei mir, als es mir lieb ist und mein Partner ist völlig ausgerastet. Er fragt, warum ich meine Hunde abgegeben habe, um mich jetzt wieder um einen Welpen zu kümmern. In seiner Sicht ist dieser Welpe in meinem Leben wichtiger als er, mein wertvoller Lebenspartner.
Er ist seit Januar trocken, nimmt am Antabus-Programm teil. Da erhält man täglich Tabletten, die das Trinken unmöglich machen. Er nimmt sie selbständig, hat einiges im Haus aufgeräumt, aber beendet die Aktionen nicht. Zum Beispiel sortiert er Werkzeug im Wohnzimmer vor dem Fernseher und statt es dann zurück in den Keller zu bringen, bleibt es dort wochenlang stehen.
Ich fühle mich im Haus nicht wohl und jetzt, wo ich schlaflose Nächte habe wegen des Welpen, hat er mich vor die Wahl gestellt: Er oder der Hund. Da er sehr angespannt war und ich Fluchtgedanken hatte, habe ich den Hund genommen und bin zu mir gefahren.
Heute wollte ich in zu einem Osterspaziergang mit einem Eis einladen. Als ich bei ihm ankam, hat er mich nur kalt gefragt, was ich wolle. Nur eine Entschuldigung würde er annehmen und dann könne ich wieder fahren. Seit dem Funkstille.
Nachdem ich nun in diesem Forum viel gelesen habe, weiß ich, dass ich loslassen muss, aber ich schaffe es nicht. Therapeuten sagen, dass sie mir nicht helfen können, weil ich alles weiß. Ich müsste es nur umsetzen. Schluss machen, Arbeit suchen und die Selbständigkeit vorwärts treiben. Ich weiß, dass die alle Recht haben, aber sobald er wieder lieb anruft, weiß ich was passiert ...
Wie komme ich da raus ? Sein Therapeut wirft mir vor, dass ich eine Übermutter bin und meine Kinder loslassen solle. Solange ich einen Lebensgefährten habe, müsste er jetzt an erster Stelle stehen. Ich kann das so nicht und hoffe hier darauf, dass ich Tipps bekomme und auch den Kopf gewaschen, das ich aufwache ...
Herzlichen Dank im Voraus !
LG, FreeWell

Kloane
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Kloane » 21.04.2019, 22:34

Sorry so hart das jetzt klingen mag: nein ein Partner muss nicht zwingend an erster Stelle stehen. Die Kinder sind dein
Fleisch und Blut und werden immer deine Kinder sein/bleiben.
Schaue dass es dir gut geht denn du bist das Wichtigste in deinem Leben.

FreeWell
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 21.04.2019, 22:50

Hallo Kloane,
danke dir für deine späte Antwort ! Das beruhigt mich. Aber der Therapeut meines Partners meint, dass ich schon seit der Kindheit die Symptome der Co-Abhängigkeit habe und dass meine Kinder mein Helfersyndrom auch ausnutzen. So auch meine Tochter mit dem Welpen. Sie geht stillschweigend davon aus, dass ich mich kümmere, weil ich nicht NEIN sagen kann. Kann ich auch schlecht. Ich habe wohl signalisiert, dass ich es eine Woche vorher planen möchte, wenn ich den Welpen beaufsichtigen soll. Eine andere Tochter meint, dass mein Partner recht hat und sich zurück gesetzt fühlt, weil ich mich um einen Hund kümmere, obwohl ich meine Hunde abgegeben habe, weil es mir zuviel wurde.
Wo ist da die Grenze zwischen "ich mache das jetzt übergangsweise, weil mir das Tier leid tut" und "ich passe nicht mehr auf den Hund auf, da ich meine Zeit jetzt für mich nutzen möchte" ?

Nadless
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Nadless » 21.04.2019, 23:13

Hallo liebe FreeWell,
Solange du dich innerlich zerrissen fühlst schaffst du es auch nicht ihn loslassen. Weil genau das kommt von innen.
Was genau ist es denn warum du weich wirst? Ist es eine versteckte Sehnsucht die er erfüllt? Stopft er ein Loch? Welches Loch?

Sunshine_33
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Sunshine_33 » 21.04.2019, 23:28

Hallo FreeWell,

in "Kopfwäschen" bin ich gut, glaube ich :lol:
Aber wozu, denn Du weißt doch, was Du zu tun hast, wenn Du Dich nicht weiterhin komplett aufopfern willst.
hat er mich vor die Wahl gestellt: Er oder der Hund.
Also ich hätte den Hund genommen ! Weil mir allein schon so eine aufgedrückte Entscheidung zu bekloppt gewesen wäre. :roll:

Wenn Du bleibst, ist Dein eigenes Leben im Grunde zu Ende, würde ich mal sagen.
Denn wo ist das denn noch? Es ist ja schon beinahe komplett verschwunden.
Du bist gerade mal 57 Jahre alt, also genau so alt wie ich.
Also ICH habe noch Wünsche und Ziele und Pläne und erhoffe mir noch so einiges vom Leben...
Klar kann auch was passieren, was alles von jetzt auf gleich ändert, aber davon sollte man lieber nicht ausgehen, denke ich.
Ich wäre nicht bereit, mich selbst für einen anderen Menschen aufzugeben, meene Jüte, es gibt doch noch soooo viel Schönes da Draussen,
was erlebt werden will.
Sein Therapeut wirft mir vor, dass ich eine Übermutter bin und meine Kinder loslassen solle. Solange ich einen Lebensgefährten habe, müsste er jetzt an erster Stelle stehen.
Soso, sagt das SEIN Therapeut?
Nun ja, egal wer das sagt, das ist doch Schwachsinn.
Mir wird immer meine Tochter näher stehen als mein Partner, und ich halte das auch für völlig normal.
Vielleicht labert der Therapeut auch sowas daher, weil er keine eigenen Kinder hat und dementsprechend keine eigene Erfahrungen dazu?
(Und mich bestärkt es gerade wieder, mich weiterhin besser von Therapeuten fernzuhalten :mrgreen: )
Aber der Therapeut meines Partners meint....
Öööhm, nur mal so als Frage, was hast Du eigentlich beim Therapeuten Deines "Partners" zu suchen, warum suchst Du Dir nicht einen eigenen, wenn Du einen brauchst oder meinst zu brauchen?
Das kann doch nur zu Interessenskonflikten führen, oder meinst Du, Therapeuten stehen derart über den Dingen?
"Partner" habe ich übrigens auch guten Grund in Anführungszeichen gesetzt, denn er ist ja keiner.
Dieser Mensch nutzt Dich nach Strich und Faden aus... mehr nicht. Und sowas würde ich persönlich sicher nicht als Partnerschaft bezeichnen.
dass ich schon seit der Kindheit die Symptome der Co-Abhängigkeit habe und dass meine Kinder mein Helfersyndrom auch ausnutzen. So auch meine Tochter mit dem Welpen. Sie geht stillschweigend davon aus, dass ich mich kümmere, weil ich nicht NEIN sagen kann.
Kenne ich gut. Nicht nur von mir, treffe ich überall so im Bekanntenkreis an. :?
Ich bin nicht CO-abhängig, aber ich bin ein hilfsbereiter Mensch. Und kann zu meiner Tochter auch schlecht Nein sagen, wenn sie mich um was bittet.
Tja, leider wird man so aber auch ausgenutzt, auch von seinen Kindern.
Das Nein-Sagen kann man aber trainieren :wink: Das Nicht-Nein-Sagen-Können muss man nicht bis an sein Lebensende als gegeben hinnehmen.
Es fällt die ersten Male schwer, und man ist versucht, doch wieder nachzugeben, um des lieben Frieden willens.
Ich bin nun aber schon einige Male hart geblieben (es geht bei mir nicht um Welpenbetreuung, sondern ums Enkelkinder-Hüten) und ich war erstaunt, das meine Tochter dann sogar begann, leichten psychischen Druck auszuüben.
Und das hat mich sauer gemacht, und es fiel mir dann überhaupt nicht mehr schwer, beim Nein zu bleiben :wink:
Wo ist da die Grenze zwischen "ich mache das jetzt übergangsweise, weil mir das Tier leid tut" und "ich passe nicht mehr auf den Hund auf, da ich meine Zeit jetzt für mich nutzen möchte" ?
Was für ne Grenze, ich stehe da gerade etwas auf dem Schlauch?
Du hast damals eine Entscheidung getroffen und nun eine andere.
Darfst Du das nicht oder was?

Ich glaube allerdings noch nicht so ganz dran, das Du Deine Zeit wirklich für Dich nutzen würdest, die würdest Du wohl eher wieder in Dein drittes Kind (den Du Partner nennst) investieren.
Und so ist es ja auch von ihm erwünscht, nicht wahr?
Die Entscheidung, die Dein Typ Dir da aufzwingen will, hat doch ausschließlich eigennützige Gründe, nicht wahr?

Ich wünsche Dir viel Kraft, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, damit Du wieder (oder überhaupt erst) ein eigenes Leben hast.
Das hier ist doch nix und Du weißt das auch.
Und ich wünsche Dir Träume und Wünsche für Dein weiteres Leben, und sehr viel weniger Genügsamkeit !
Zerknall nicht Deine wertvolle Lebenszeit mit solchen Typen.... das wäre mein Tipp.

Und desweiteren übst Du, wie Du auch Deinen Töchtern mal ein NEIN sagen kannst. Du bist doch nicht die Arbeitssklavin anderer Menschen !

LG Sunshine

Nadless
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Nadless » 21.04.2019, 23:36

Und bezüglich deiner Frage zum Betreff. Das habe ich mich auch oft gefragt. Immerhin würde der Mensch doch völlig untergehen wenn wir nichts mehr tun würden.

Mein Freund der hatte mal vor Jahren eine ganz schreckliche sauf Episode. Damals habe ich gedacht das ist die Depression die ihn saufen lässt. Seine Wohnung war die reinste Messi Hütte. Sämtliche Post von Wochen lag auf dem Boden verstreut und der Fußboden hat nur noch geklebt. Die Toilette war schwarz. Also wirklich das reinste Loch. Ich musste diesen Menschen doch helfen. Der hat das doch nicht mehr alleine hingekriegt sich einen Arzttermin zu machen. Da ging wirklich gar nichts mehr. Ich habe mich dann wirklich um alles gekümmert. Er hat mir auch einfach so leid getan.
Aber nach einer Weile konnte ich nicht mehr und habe ihn einfach in seinem Dreck liegen lassen. Es ging einfach nicht mehr.

Heute würde ich das nie wieder machen. Das war Hölle für mich. Allein schon das zu sehen wie da jemand verrottet ohne auch nur irgendetwas tun zu können damit es ihm wirklich besser geht. Von der Beziehung die man dann nicht mehr hatte ganz abzusehen. Ich habe sehr darunter gelitten.

Sein Zustand hat sich dann nach einer Weile stabilisiert. Aber das hatte einen anderen Grund. Er ist ins Gefängnis gegangen weil er eine Geldstrafe absitzen musste. Sogar vor dem Haft Termin hat er sich gesträubt und musste dann verhaftet werden. Danach ging es wirklich aufwärts für ihn. Und jetzt wohnen wir zusammen.
So eine Phase hatte er nie wieder.
Dafür hat man aber genug andere Unzulänglichkeiten wo man auch irgendwann Konsequenzen ziehen muss. Das ist ein Prozess der reifen muss. Du wirst da auch noch hin kommen. Hast du es schon mal mit einer Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe für dich versucht?

Das was du in deinem Anfangs Post schreibst ist definitiv Co. Das hat nichts mehr mit Nächstenliebe zu tun. Du gibst dich völlig auf und bist im höchsten Maß verunsichert und das wird gnadenlos ausgenutzt.

FreeWell
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 21.04.2019, 23:53

Hallo liebe Nadless,
das sind sehr gute Fragen ! Und garnicht leicht zu beantworten. Weich werde ich, wenn er seinen Charme spielen lässt und ein Gefühl von "wir" aufbaut. Das gemeinsam-sind-wir-stark-Gefühl. Mein Verstand sagt mir im gleichen Moment, dass es rhetorische Manipulation ist, um seine Ziele zu erreichen. Dennoch falle ich darauf rein ...
Versteckte Sehnsüchte erfüllt er nicht. Unsere gemeinsamen Stunden alleine waren immer gut für beide Seiten, aber das ist es nicht, was zieht. Es ist etwas viel tiefer liegendes, was ich schlecht beschreiben kann und vielleicht haltet ihr mich hier im Forum dann für eine spirituelle Spinnerin. Ich versuche es mal: Ich bin ausgebildete Naturwissenschaftlerin und habe auch erfolgreich in der Forschung gearbeitet. Dennoch habe ich seit jüngsten Jahren tiefe Intuition und Vorahnungen, die immer wieder wahrheitsgemäß eingetroffen sind. Es sind wie Kurzfilme, die von innen hoch kommen und ein Stück aus meiner Zukunft zeigen. Früher habe ich diese Kurzfilme als Spinnerei und Träumerei abgetan, bis ich dann mich in einer Situation daran erinnert habe, dass ich die eingetroffene Situation schon vor vielen Jahren geahnt habe.
So auch die Situation mit meinem Partner. Als ich ihn kennen lernte, hatte ich das Gefühl, dass ich ihn finden sollte, weil wir in der Zukunft noch eine gemeinsame Aufgabe haben, wo wir darauf angewiesen sind, dass wir bis dahin bedingungsloses Vertrauen und einen Gleichklang aufgebaut haben, den eine solche Zusammenarbeit zwingend braucht. Welche Aufgabe das ist, weiß ich noch nicht.
Auch wusste ich schon damals, dass ich zunächst helfen soll, meinen Partner aus seinem Karma zu befreien und er dann meine falschen Muster löst. Danach wären wir beide befreit und unanbhängig stark und zu der gemeinsamen Aufgabe in der Lage.
Und nun kann ich diese Vorahnung nicht einfach fallen lassen, da bisher alle diese Vorahnungen eingetroffen sind. Ich habe mich auch schon gefragt, ob ich etwas übersehen habe, aber vielleicht ist die Zeit noch nicht reif.
Klingt abgedreht, oder ? Wir wachsen an unseren Aufgaben und sollen/wollen lernen. Vielleicht soll ich jetzt lernen, mir selbst zu vertrauen ? Mein eigenes Selbstwertgefühl definiere ich noch immer sehr oft darüber, wie gut ich anderen helfen kann. Mein Verstand sagt mir, dass ich auch wertvoll bin, wenn ich nicht helfe bzw. mal mir selbst helfe, ein glückliches Leben zu führen. Aber wie kriege ich das umgesetzt, wenn ich mit meinen Gedanken immer nur im außen bei meinen Kindern, Eltern, meinem Partner und den Tieren bin ? Ich weiß, nur wenn ich stark bin, kann ich anderen helfen. Dennoch ignoriere ich die "Selbst-Pflege" gewohnheitsmäßig ... wie komme ich da raus ?

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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Nadless » 22.04.2019, 00:08

Vielleicht solltest du mal Selbstgespräche vor dem Spiegel machen und so tun als wenn du selbst zu dir wie eine Freundin sprichst. Dann mal so richtig ein Gespräch zustande bringen wieder dich und deinen Freund. Was würdest du denn dieser Freundin erzählen?
Das tolle daran ist, dass du diese Gefühle von der Person die du im Spiegel siehst sehr gut kennst. Du hast sie in dir drin. Deshalb ist dieses Gespräch sehr einfach zu führen. Man muss sich aber darauf einlassen können.

Zu dir selbst finden kann man trainieren. Ich z.b. frage mich jeden Tag was ich heute Schönes für mich tun kann. Worauf ich Lust habe. Welche Dinge möchte ich erledigen, was könnte mir heute Spaß machen, was habe ich schon lange nicht mehr gemacht was mir Spaß macht.
Diese Dinge sind dann auch nur für dich. Ohne dich fragen zu müssen was jemand davon halten würde

Auch eine gute Übung ist wenn du dich jedes Mal fragst ob du das auch wirklich willst. Will ich das wirklich? Oder wollen es andere so? Warum tue ich es? Tue ich es weil es andere wollen oder weil ich es will. Das sind ganz wichtige Fragen

Das mit dieser Vision mußt du dir glaube ich aus dem Kopf schlagen. Das kann wirklich keine gute Vision gewesen sein. Es müssen ja auch nicht immer alle gut sein. Sowas kann wirklich kein Schicksal sein. Du hast dein Schicksal selber in der Hand.

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