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Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Cadda
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Cadda » 31.05.2019, 18:54

Ich habe Danny nicht so verstanden, dass sie die beiden Krankheiten Krebs und Alkoholismus an sich vergleichen wollte. Ich glaube, sie wollte lediglich damit sagen, dass manche Menschen, die Krebs haben, wieder gesund werden und manche leider nicht.
Und das manche Alkoholiker aus ihrer Krankheit wieder rauskommen, indem sie trocken werden und manche eben nicht.

Ich kann verstehen, dass man zunächst Hoffnung hat, dass der Alkoholiker aufhört zu trinken. Aber man sollte seine Zeit nicht damit verplempern. Denn man macht sich selbst kaputt und oft klickt es beim Alkoholiker eben nicht. Und erst Recht nicht, wenn da die gut funktionierende Co. ist.

Danny-Dog
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Danny-Dog » 31.05.2019, 20:39

Hallo FreeWell,

vielen Dank, das hast du super geschrieben.

Ich hatte damit gerechnet, dass sich in diesem Thread nur Angehörige austauschen.

Klar ist es auch interessant, die "andere Seite" zu hören/lesen, für mich persönlich ist aber der Austausch mit den Angehörigen wichtiger.

Liebe Grüße,
Danny

Danny-Dog
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Danny-Dog » 31.05.2019, 20:53

Hallo Cadda,

hast du richtig verstanden, ich hab nur Krankheit mit Krankheit verglichen.

Und ja, darum ging es, egal bei welcher Krankheit, der eine besiegt sie, der andere nicht.
Eben, dass man selten etwas pauschalisieren kann.
Hat nur leider außer dir und FreeWell niemand verstanden :roll:

Gut funktionierende Co .......stimmt perfekt, war ich mal.

Hat sich aber erledigt und ich verfolge meine eigenen Ziele, mit ihm oder ohne ihn, das liegt in seinem Ermessen.

Liebe Grüße,
Danny

ideja
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von ideja » 31.05.2019, 21:14

Ich kann nur für mich sprechen, aber es kommt mir so vor, als ob man mit seinem alkoholsüchtigen Partner wie eine verzwirbelte Kordel spiralförmig verbunden ist. Will man sich lösen, muss man zunächst die Fäden aus der Spirale lösen und voneinander trennen. Aber an mindestens einem Ende hängen die beiden Fäden noch zusammen (Kinder, Haus, Tiere, Existenz u.a.). Die Kordel neigt dazu, die Fäden wieder verzwirbeln zu wollen. Das zu verhindern, ist schon ein gefühlt unmenschlicher Kraftaufwand. Gleichzeitig soll man die Kordel weiter entzwirbeln und die Fäden komplett voneinander trennen. Aber jeder Faden für sich ist dünn und instabil und hat immer noch die wellige Form, die er als Kordel hatte. Man muss sich also Mühe geben, die Form seines eigenen Fadens zu glätten und ihm neue Wellen zu geben. Wie gelockte Haare springt jedoch nach der Wäsche das Haar wieder in die alte Lockenform ...
Hallo FreeWell

ich empfinde es auch so.
und mit anderen Meinungen, auch wenn sie gerade von (trockenen) Alkoholiker kommen, habe ich auch nicht geringstes Problem. Im Gegenteil.

Ich habe viel dabei gelernt, und lerne noch immer.

lG ideja

Ziele
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Ziele » 31.05.2019, 21:58

Hey Danny,
Danny-Dog hat geschrieben:
31.05.2019, 20:39
Hallo FreeWell,

vielen Dank, das hast du super geschrieben.

Ich hatte damit gerechnet, dass sich in diesem Thread nur Angehörige austauschen.

Klar ist es auch interessant, die "andere Seite" zu hören/lesen, für mich persönlich ist aber der Austausch mit den Angehörigen wichtiger.

Liebe Grüße,
Danny


Falls du auch mich gemeint hast mit „die andere Seite“, solltest du wissen, dass ich ausschließlich Angehörige bin.

LG Ziele

Linde66
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Linde66 » 01.06.2019, 07:14

Hui, ich bin EK und frage mich gerade, auf welcher Seite ich bin... :)

Hier im Forum ist verschiedentlich schon über das Thema 'Familienkrankheit Alkoholismus' geredet worden. Hintergrund ist der, daß man sei es als Co, EK oder Alkoholkranke/r in generationenübergreifenden Familiensystemen drinsteckt, in denen die Suchtstruktur, manchmal auch Mißbrauchsstruktur, weit verbreitet ist. Die Muster, in denen man aufwächst, gehen einem so in Fleisch und Blut über, daß man als Erwachsene/r oft bei Partnern andockt, die dasselbe Muster anbieten, nur vielleicht kaschiert.
Da kommt man aus einer Alkoholikerfamilie und landet bei einem Spielsüchtigen oder man war mit einer Tiermessi-Frau zusammen und die nächste Partnerin ist putzsüchtig und man selber raucht und zockt den ganzen Tag. Nur mal als Beispiel...

Ich für mich fand und finde es hier im Forum wichtig, mich mit allen Facetten der Suchtstruktur und dieser ganzen Muster zu beschäftigen. Deswegen mache ich da keine Abgrenzungen, wer hier nun was ist und zu welcher "Seite" gehört. Man kann von überall was lernen. Und wenn ich eine Vorauswahl treffen würde, gingen mir vielleicht Anregungen und Aha-Erlebnisse flöten. Das weiß man ja vorher nie.

LG, Linde

P.S. fällt mir gerade ein: Anfangs hier im Forum habe ich tatsächlich nur bei den EK's gelesen und geschrieben, weil mich alles Zusätzliche total überfordert hat. Es hat so um ein Jahr gedauert, bis ich mich nach und nach auch in anderen Threads regelmäßig ausgetauscht habe.

Linde66
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Linde66 » 03.06.2019, 21:43

Hallo FreeWell,
wie gehts dir denn inzwischen?
Lieber Gruß, Linde

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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 05.06.2019, 22:47

Hallo liebe Linde,
wie gehts dir denn inzwischen?
Zunächst danke ich dir für die Nachfrage und bitte entschuldige, dass ich jetzt erst schreibe. Weißt du, ich wollte direkt antworten, habe aber dann gedacht: Was schreibe ich denn ? Je nach Tagesfassung oder je nach Geschehen, geht es immer Auf und Ab. Manchmal gibt es Stunden, da möchte ich dir antworten, dass alles bestens ist und es sich super entwickelt, aber dann kommen wenige Stunden danach die Zweifel, ob das ehrlich wäre ...

Es ist wie bei der Kordel, ich tüddere sie beständig auseinander, aber es gibt auch Momente, wo ich es zulasse, dass sich die Fäden wieder miteinander in die alte Form bringen. Dann sehe ich wieder, wie sehr mich das aussaugt und mir die Energie abzieht und dass ich doch schon einigen Abstand zu meinem alten Verhalten bekommen habe und bin froh, in meine schöne kleine Wohnung zu fahren, wo ich meine Ruhe habe, wenn das Kopfkino nicht wäre.

Ja, wie geht es mir ? Das kann man gar nicht so fassen ... eher tendenziell beschreiben. Grundsätzlich bin ich mittlerweile überwiegend bei mir oder unterwegs/arbeiten und nur stundenweise im Haus. Das Verhältnis hat sich also schon umgekehrt. Es wurde mir allerdings auch erleichtert, da, wie es hier schon einige prophezeiht haben, mein XY rückfällig wurde und Ende Mai an seinem Geburtstag mutterseelenalleine in seinem Haus gesoffen hat und im Delirium landete ... Einen Tag später ging es dann wieder in die Klinik, wo er jetzt wieder der Vorzeigepatient schlechthin ist: sportlich, elegant, hilfsbereit und sehr beflissen, seinen Plan der Genesung einzuhalten. Kurzum: Narzisst eben. Dort erhält er jetzt den ganzen Zuspruch, den er sich immer wünscht: er macht das so toll und entwickelt sich super ... genau diese Komplimente braucht der Narzisst und erhält sie von den Profis im Krankenhaus gerne. Er ist ja schließlich charmant, nett, zuvorkommend ... :D

Er fühlt sich mit sich selbst und "mit uns" im Reinen und in Harmonie. Aus meiner Sicht ist es eher so, dass er dort im geschützten Bereich den Musterschüler mimt und mit mir keinen Stress hat, da wir uns höchstens 1-2 x pro Woche für ca. 30 Minuten sehen, um die Wäsche zu wechseln. Ich spüre bei mir, dass es eigentlich kein "uns" mehr ist. Es ist mir mehr und mehr egal, wie er sein Leben nach der Klinik gestaltet. Sicher, er plant und ich unterstütze ihn noch ein bisschen, aber ich bin nicht mehr die hörige CO. Ich habe mittlerweile eigene Pläne, eigene Vorhaben und verfolge diese. Und für ihn habe ich nur dazwischen Zeit. Früher hat sich alles nach ihm gerichtet. Das tue ich nicht mehr. Ich habe Termine und er kann das akzeptieren oder nicht. Ist mir schnuppe.

Ja, und eine zeitlang habe ich darüber philosophiert wie viele hier, ob unsere Beziehung noch eine Chance hat, wenn wir uns beide ändern/heilen. Rein theoretisch bräuchte ich ja nur nicht mehr das CO-Verhalten an den Tag legen, sondern ihn fordern, dann könnte er auch nicht mehr das narzisstische Verhalten mit mir leben ... soweit zur Theorie. Der Haken an der Sache ist, dass er mit seinen perfiden Manipulationen, die er perfekt drauf hat, viel stärker und besser ist als ich. Ich halte ein paar Stunden durch und schon bricht er meine Verteidungsfront ein, als wenn sie aus Papier ist. Ich rutsche ins alte Verhalten rein und das war es. Wenn das also funktionieren soll, muss wohl der Abstand und zumindest meine Heilung erstmal über ein paar Monate geübt und gefestigt werden. Und auf der anderen Seite wächst in mir das Gefühl, dass dieser Narzisst sich nicht ändern wird. Er hat es die letzten 30 Jahre nicht getan. Warum sollte er es jetzt und für mich machen ? Was müsste dafür passieren ? Die Hoffnung, dass er sich grundlegend ändert, ist minimal ... kann er das überhaupt ? Will er es überhaupt ? Alle Menschen, die ihn kennen (auch viel länger als ich), mit denen ich spreche, sagen, dass er sich nicht ändern wird und es für die anderen Frauen vor mir auch nicht gemacht hat. So habe ich wenig Hoffnung, dass er sein narzisstisches Verhalten grundlegend ändert/ablegt oder therapieren lässt.

Gut, er will jetzt umschulen, arbeiten und sein Haus aufräumen ... aber war das nicht immer seine Intention direkt nach dem Entzug ? Reumütiges Belehren, dass jetzt Schluss ist damit und er die Schnauze gründlich voll hat vom Alkohol ? Wie lange hält es dieses Mal an ? Meine Hoffnung, dass er die Kehrtwendung hinbekommt, liegt bei 1% Wahrscheinlichkeit ...

Okay, wenn er sich also wahrscheinlich nicht dauerhaft ändert/ändern will (wobei ich es ihm so sehr wünschen würde !), dann habe nur ich die Möglichkeit, mich zu ändern. Aber dann ist noch einer im Schema drin und der andere raus ... passen wir dann überhaupt noch zusammen ?

Liebe Linde, verstehst du, worauf ich hinaus will ? Ich habe den Vater meiner Mädels verlassen, weil er nicht an sich arbeiten wollte und jetzt habe ich zum zweiten Mal die Koffer gepackt und werde nicht zurück gehen ... und außerdem habe ich endlich verstanden, was "kaputt" ist mit mir. Die CO-Abhängigkeit ist eine Sucht, zu helfen und ich lerne jeden Tag mehr, diese Sucht auszuhalten, den Entzug auszuhalten und weiß von euch, dass es mindestens ein Jahr oder länger dauert ...

Diese Beziehung hat ihren Zweck erfüllt. Sie hat mich aufmerksam gemacht auf meine Sucht und ich bin im Entzug. Jetzt, wo ich es verstanden habe, möchte ich das CO-Verhalten ablegen und hinter mir lassen und damit werde ich wahrscheinlich die Beziehung auch hinter mir lassen müssen ...

Und du wirst lachen, manchmal telefonieren wir wenige Minuten am Tag und ich bin froh, wenn das Telefonat zuende ist, da es anstrengend ist ... ich bin glaube ich schon ein ganzes Stück weg von CO und einen guten Schritt weiter zu SELBST. So nenne ich es. EGO ist in unserer Gesellschaft so negativ behaftet. So sage ich einfach SELBST. Wenn ich eine Entscheidung zu treffen habe, dann frage ich SELBST, was ihm gut tun würde und wie es sich entscheiden würde, wenn mich niemand bei meiner Entscheidung beeinflussen würde. Und wenn dann CO kommt und sagt: "Das kannst du nicht machen, du musst doch da helfen !", dann kontere ich:"Wirklich, wird er sterben, wenn ich nichts mache ? Oder wird er sich endlich selbst helfen ?" Dann ist CO still, schmollt in der Ecke mit dem Satz "ich würde ja doch gerne ein bisschen helfen ..." und SELBST sagt: "Geh doch schmollen CO, ich geniesse jeden Tag ein bisschen mehr meine Freiheit und Eigenständigkeit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, auch wenn ich dadurch mal nur mir selbst helfe ..." und wenn ich dann spontan Lust habe, etwas für andere zu tun, dann mache ich es aus eigener Entscheidung und mit viel Freude und Schwung ! So bin ich dabei, mein Eingangsrätsel "Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit" zu lösen ... und es fühlt sich verdammt gut an ! :wink:

Liebe Linde, dennoch gibt es Tage und Stunden, wo ich weine, mich einsam fühle und die Sucht zu helfen sehr groß ist. Aber wenn ich dann durchhalte, dann bin ich danach ein bisschen stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen und stehe dazu. Ich verteidige meine Entscheidungen gegenüber meiner Umwelt oder sage auch schon mal: Das ist jetzt so, weil es eben so ist. Ich muss ja auch nicht alles begründen, erklären und mich rechtfertigen. Es ist erlaubt, zu sagen: Ich will jetzt gerade nicht ... tun. Und wenn ich gefragt werde, warum, dann sage ich einfach nur, "weil ich es nicht möchte". Und das muss als Erklärung reichen. Alle anderen leben auch ihr Leben, wie sie es wollen und richten sich nicht permanent nach anderen. Warum soll eine "Ex-CO" das nicht auch mal machen ? :wink:

So schaue ich mutig in die Zukunft. Vielleicht suche ich mir eine Arbeit weit weg ... warum nicht ? Wann, wenn nicht jetzt ? Ich bin das erste Mal im Leben gespannt, was meine Zukunft so zu bieten hat und ich habe "Bock darauf" !

In diesem Sinne wünsche ich allen hier, dass sie ihren Weg finden. Ich finde es großartig, wenn die Beziehung die Heilung übersteht, aber ich vermute, dass es bei so einem Extrem-Beispiel, wie wir es gelebt haben, wohl sehr schwierig sein würde und beide Seiten den festen Willen zur Änderung haben müssten. Ist dies nicht der Fall, bleibt nur noch Koffer packen und los. Schauen wir, wie es weiter geht.

Sende euch Licht und Kraft !

LG, FreeWell

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