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Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Karsten » 17.05.2019, 17:56

Hallo,

heute mal ein Thema, was mich schon seit Jahren auf den Nägeln brennt.

Die Frage nach einer eventuell schlechten Charakter und ausgeprägter Unhöflichkeit?

Ich find es einfach als schlechten Charakterzug, wenn man sich hier anmeldet, eine Frage bekommt und dann einfach nicht antwortet.
So gehe ich im realen Leben auch nicht mit Menschen um, von denen ich ja schließlich Hilfe möchte.

Ist es eine grundlegende Charaktereigenschaft, dass es einen nicht interessiert oder welche Gründe gibt es für:

- nicht antworten
- sich einfach nicht mehr melden

Bei mir hat sich über die Jahre leider etwas entwickelt, was ich bei mir gar nicht gern sehe.
Mein Vertrauen neuen Mitgliedern gegenüber ist sehr gesunken, weil es einfach sehr oft vergebene Mühe ist, überhaupt jemanden zu antworten oder für die offenen Forenbereiche freizuschalten.
Ich kann mit meiner Zeit auch was besseres anfangen.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Carl Friedrich » 17.05.2019, 19:52

Hallo Karsten!

Für mich ist das keine Charakterfrage, sondern eine des Benehmens und der "Kinderstube".

Entschuldigend ist anzuführen, dass wir uns, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen, doch gar nicht persönlich kennen. Hier läuft es nun mal anonym und virtuell ab. Mangels persönlicher Bindung und Beziehung zu den anderen, bleiben Leute einfach weg, aus welchen Gründen auch immer (Weitersaufen, SHG "vor Ort", andere Formen des Austauschs über facebook....). Und wem sollten sie dann zum Abschied die Hand schütteln?

Ich meine in deinem Beitrag deine hinlänglich bekannte Unzufriedenheit darüber ablesen zu können, dass das Forum nicht mehr so läuft wie in früheren Jahren. Hinzu kommt, dass Du das Forum letztlich in eine entgeltpflichtige Veranstaltung umfunktioniert hast. Eine solche Verpflichtung einzugehen, sind halt viele nicht bereit, so meine bescheidene Meinung.

Gruß
Carl Friedrich

Karsten
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Karsten » 17.05.2019, 20:27

Hallo Carl Friedrich,

das was du mir anträgst, triift eben nicht mehr zu.
Seit ein paar Wochen habe ich mein Leben geändert und da spielt es nicht mehr so eine große Rolle, wie aktiv oder inaktiv das Forum ist.
Ich brauch mich jetzt nicht mehr um finanzielle Dinge, Existenzangs oder Zukunfzsangst zu kümmern. Das ist jetzt alles geregelt.
Mehr möchte ich hier aber dazu nicht schreiben.

Was die finanzielle Verpflichtung betrifft, ist es halt meine Überzeugung und meine persönliche Erfahrung. Was nichts kostet, wird nicht wert geschätzt. Da meldet man sich eben mal an, schreibt etwas, weil es einen gerade nicht gut geht und morgen denkt man schon nicht mehr dran.
Bezahlt man etwas, nutzt man es auch, weil man ja was bezahlt hat.

Zeigt sich doch hier sehr gut. Genau 32855 Registrierungen und im offenen Bereich tauschen sich eine Handvoll Leute aus.

Klar, bin ich weiter unzufrieden mit dem Forum. Das hat aber eben keine finanziellen Grüde, sondern ich komme mir zum Teil verars... vor, wenn sich hier Leute anmelden, auf die Frage, ob sie sich hier aktiv austauschen wollen, mit ja beantworten und trotzdem wegbleiben.
Klar saufen die Meisten eh weiter, weil sie einfach noch nicht soweit sind.

Ob sich nun die Mehrzahl eine andere Möglichkeit des Erfahrungsaustausches gesucht haben, wage ich zu bezweifeln.
er es zeitlich oder aus Bequemlichkeit nicht schafft, hier zweimal die Woche piep zu sagen, wird es auch nicht schaffen, regelmäßig einmal die Woche in eine reale SHG zu gehen.
Die gedanklichen Ausreden kennen wir doch alle:
- keine Lust
- es regnet
- der Tag war zu stressig
- mir geht es nicht gut
usw.

Ich will auch gar nicht darauf hinaus, ob sich jemand irgendwo austauscht, sondern darauf, warm man sich hier ameldet, anderen Menschen die Zeit raubt und sich dann doch nicht austauscht.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Carl Friedrich » 17.05.2019, 21:35

Hallo Karsten!

Ich habe dir gar nichts angetragen. Da hast Du was fehlgedeutet.

Es freut mich, dass Du jetzt die grundlegenden Dinge standfest organisiert hast.

Warum die Leute plötzlich wegbleiben? Sie messen diesem Forum halt einen anderen Stellenwert zu, als Du. Sie empfinden nicht deine innere Bindung, sie kennen hier niemand persönlich und klinken sich aus. Das ist einerseits schade, aber andererseits nicht verwerflich oder Ausdruck eines schlechten Charakters. Es ist einfach ihre freie Entscheidung, für die sie keinem Rechenschaft schuldig sind.

Glaubst Du, dass es in anderen Foren zu anderen Themen anders zugeht?

Gruß
Carl Friedrich

Karsten
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Karsten » 17.05.2019, 22:00

Hallo Carl Friedrich,

mh, das stimmt natürlich. Viele andere Foren, zu ganz anderen Themen sind auch tot.

Mir geht es aber weniger darum, dass keine neuen Mitglieder kommen, sondern darum, dass man sich ja anmeldet, einen Beitrag schreibt und wieder weg ist.
Das empfinde ich als unhöflich, zumal ich ja auch ab und an nachfrage, wie es jemanden geht.
Heute war ja sogar jemand eingeloggt, hat sicher auch meine Frage gelesen und dennoch keine Antwort geschrieben.

Warum registriert man sich dann erst, wenn man eh keinen Bock darauf hat, sich auszutauschen?

Wenn sich keiner registrieren würde, ok, dann hätte das Forum keinen Sinn oder wäre einfach schlecht.

Gruß
Karsten

Linde66
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Linde66 » 17.05.2019, 22:45

Hallo Karsten, hallo Carl Friedrich,
im Vorstellungsbereich bei den Angehörigen, sei es Co oder EK, melden sich oft Menschen mit einem unglaublichen Leidensdruck an. Denen geht es wirklich, wirklich schlecht - und nach 3 oder 4 Beiträgen sind sie weg. Vor allem bei den EK "reicht" es scheinbar, daß sie einmal ihren ganzen Frust rauslassen. Aber das kann ich mir nicht vorstellen.
Ich denke inzwischen eher, daß die Leute nach ein, zwei Wochen im Forum merken, huch, das artet ja in Arbeit aus! Selbsthilfe heißt ja, daß man lernen muß sich selber zu helfen. Vielleicht haben die User die Hoffnung, daß sie hier die magische Zauberformel ins Ohr geflüstert bekommen und dann wird wie von alleine alles gut...
Nein, egal ob Alkoholiker oder Angehörige, es ist ein hartes Stück Arbeit sich ein lebenswertes Leben aufzubauen. Vielleicht wird das den Leuten hier sehr schnell klar und sie scheuen die Arbeit an sich selber und reden sich ein, "ach so schlimm ist es doch noch gar nicht", damit sie daheim nix ändern müssen.

Ich weiß auch nicht, ob das was mit dem Charakter zu tun hat. Vielleicht ist es Faulheit, mangelnder Mut, Angst, Schönreden oder andere Ausreden, warum man plötzlich doch nicht an sich arbeiten möchte.
Ich glaube nicht, daß alle die hier wegbleiben in reale SHGs rennen oder in andere Foren gehen.

Vielleicht wird vielen die Tragweite ihrer häuslichen Situation hier wirklich zum erstenmal richtig bewußt. Und das ist so ein Schock, daß sie lieber flüchten und machen, wie wenn alles doch gar nicht so schlimm ist. Statt zu sagen: jetzt packe ich es an und lese und schreibe hier, um die notwendigen Veränderungen nach und nach im Alltag umsetzen zu können.

LG, Linde

Karsten
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Karsten » 17.05.2019, 23:15

Hallo Linde,

das wäre ein Argument, dessen Sichtweise ich teilen könnte.
Gerade bei alkoholkranken Menschen sehe ich das ja, dass man sich seinen Alkoholkonsum sehr schnell schön redet und vor allem sich auch nicht als Alkoholiker/in bezeichnen möchte und deshaln lieber so weiter macht, als an seinem Leben etwas zu ändern.

Gruß
Karsten

Linde66
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Re: Haben Alkoholiker einen schlechten Charakter?

Beitrag von Linde66 » 17.05.2019, 23:50

Hallo Karsten,
bei den Alkoholikern heißt es "nur nicht mehr trinken reicht nicht".
Bei den EK und den Co ist es ja ähnlich. Wenn man sich WIRKLICH aus den Suchtstrukturen befreien möchte, dann muß man quasi sein ganzes Leben umkrempeln.
Wenn sich Leute hier mit großem Leidensdruck anmelden, dann ist ihnen vielleicht anfangs gar nicht bewußt, wie sehr die Suchtstrukturen ihr Leben im Würgegriff haben und wie umfassend die Veränderungen sein müssten. Da mag mancher zurückschrecken und schnell hier verschwinden.

Weißt du, welche Aussagen von Angehörigen mich auch nach all den Jahren hier am meisten erschüttern? Wenn Frauen schreiben:
-Ach, so fest hat er gar nicht zugeschlagen.
-Er pinkelt und kotzt in die Schlafzimmerecke, aber eigentlich ist er doch ganz nett, wenn der Alkohol nicht wäre.
-Er will besoffen S** mit mir haben, dann lasse ich das über mich ergehen, dann schlägt er mich wenigstens nicht.
-Ich kann meinen saufenden Mann nicht verlassen, denn die Kinder haben doch ein Trampolin im Garten und die hüpfen doch so gern auf dem Trampolin.
-

Es ist haarsträubend, was da alles vorgebracht wird, um zu rechtfertigen, in der Co- bzw. EK- Situation drinzubleiben.
Dann kann man es auch nicht ertragen zu lesen, was einem erfahrene User hier schreiben.
LG, Linde

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