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Warum tu ich mir das an?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Cadda
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Re: Warum tu ich mir das an?

Beitrag von Cadda » 22.05.2019, 08:59

Hallo Danny,

aber vielleicht solltest Du nicht zu viel Energie dafür verwenden, ihm Deine Meinung zu der Sache Nähe zu bringen. Du wirst ihn nicht überzeugen können. Wenn das so einfach wäre, hätten viele die Sorgen gar nicht.
Er ist im Krankenhaus gelandet und das ist nun wirklich offensichtlich schlimm. Klar muss er da Einsicht zeigen, wäre ja auch befremdlich, wenn er das nicht täte.

Aber allein, dass seine Gedanken noch da sind, dass es nur so schlimm wegen seiner Probleme ist, zeigt doch, dass es noch nicht geklickt hat.

Dass Du noch Hoffnung hast und diese zuletzt stirbt, also noch nicht gestorben ist, das ist ja gerade Dein eigentliches Problem, weshalb Du hier im Co-Bereich bist. Solange Du noch hoffst, dreht sich das Rad schön weiter.

Erst wenn Du die Hoffnung aufgibst, geht der Weg nach vorne. Ich weiß, wie Du Dich fühlst. Ja, ich bin Alkoholikerin, zwar inzwischen trocken, aber die Sicht eines Alkis ist mir bestens bekannt.
Aber auch die Sicht der Co., denn mein Ex-Partner ist auch Alkoholiker und ich habe Jahre lang gehofft, auch als ich selbst noch getrunken habe. Obwohl ich getrunken habe, hab ich gehofft, dass er aufhört, mit mir zusammen. Dass er weniger trinkt. Dass er es in den Griff bekommt.

Irgendwann hörte ich auf und er wollte es auch „bald“. Mehr Hilfe ging nicht. Wir liebten uns, ich hatte das gleiche Leid und bin positiv durchgestartet. Arztbesuch, Therapie, Gruppe, Sport und ich hab Stunden damit verbracht, ihm meine Meinung zu sagen. Er hat ALLES eingesehen. Hatte die gleichen Empfindungen und brauchte nur noch einen einzigen Schritt gehen. Wir hätten das gemeinsam machen können. Nachdem ich trocken war, hab ich noch ungefähr ein halbes Jahr gehofft und gewartet. Sein Verstand wusste, was zu tun ist. Er ist den Schritt bis heute nicht gegangen.

Was ich damit sagen will: Selbst WENN Dein Partner verstanden hat, heißt das noch lange nicht, dass er handelt. Eine Sucht ist sehr, sehr stark.

Danny-Dog
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Re: Warum tu ich mir das an?

Beitrag von Danny-Dog » 22.05.2019, 11:11

Moin Caddy,

du hast Recht, die Sucht ist stärker als der Mensch....

Er ist allerdings kein Vollzeitalkoliker, trinkt tagsüber nie und wenn er abends mit dem Auto unterwegs ist, auch nicht.

Quartalssäufer wäre wohl der richtige Ausdruck, was die Sache nicht viel besser macht.

Dazu kommt, dass er nach schwerer Krankheit 2009 depressiv ist. Am Anfang unserer Beziehung 2013 hat er auch wesentlich mehr getrunken, da ich, wie schon berichtet, keinerlei Erfahrung mit der Problematik hatte, ist mir nicht aufgefallen, dass da eine Sucht hintersteckt.
Nach 3 Wochen kam der erste Absturz, Alkohol+Depression. Damals hätten bei mir schon sämtliche Alarmglocken läuten müssen, weiß ich heute auch :roll:
Erst durch engen Kontakt zu seinen Kindern und später auch zu seiner Exfrau ist mir so einiges klar geworden, kurz gesagt, der Alkohol zieht sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben. Bis auf seinen Vater, der trank nix, haben alle gesoffen, Mutter, Tante, Onkel, einfach alle.
Probleme? Wurden ersäuft, so einfach war das!
Seine Kinder bestätigen mir heute, dass ich im positiven Sinn schon extrem viel geschafft habe.
Jau, aber noch lange nicht genug.
Er muss auf jeden Fall eine Therapie machen und sein verkorkstes Seelenleben in Ordnung bringen, das hat in seinem Fall Priorität.
Zum Glück stimmt er zu. Diese Einsicht ist zumindest schonmal vorhanden.
Drück mir die Daumen, dass es klappt.

Liebe Grüße,
Danny

ideja
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Re: Warum tu ich mir das an?

Beitrag von ideja » 22.05.2019, 13:13

Entschuldige Danny wenn ich es so schreibe, aber was hast du für dich geschafft?

In den Jahren die du mit ihm bist. Hat sich dein Leben zum besseren gewendet?

lG ideja

Danny-Dog
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Re: Warum tu ich mir das an?

Beitrag von Danny-Dog » 22.05.2019, 13:25

Hallo Ideja,
darauf kann ich so ad hoc keine Antwort geben. Wenn ich mich entschließe, im geschlossenen Bereich weiterzumachen, werde ich dort detailliert berichten, was mich an ihm festhält. Das ist aber, wie gesagt, nicht für den öffentlichen Bereich geeignet.

Liebe Grüße,
Danny

Sunny1976
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Re: Warum tu ich mir das an?

Beitrag von Sunny1976 » 22.05.2019, 19:41

Hallo Danny,

auch mich hat schon die Frage getrieben, was eigentlich mit Dir selbst ist. Du beschreibst eher den Weg, was Du für ihn alles getan hast. Wie es ihm geht, warum er trinkt (Familienkrankheit) etc. Aber es geht doch hier nicht um ihn, sondern um Dich. Den Weg, den er einschlägt - oder eben auch nicht - oder ob er eine Therapie machen sollte... das alles ist hier nicht wichtig. Es geht um Dich, wie Du Dich fühlst und wie Du aus der Situation raus kommst. Du solltest für Dich hier schreiben und nicht für ihn. Das sind alles Sachen/Erlebnisse, die wir hier - gerade die, die schon länger dabei sind - zu Hauf kennen. Mal ist es schlimmer, mal hat der XY eben noch nicht alles verloren, kann sich den Tag über zusammen reißen, etc.

Am Ende ist es aber trotzdem so, das der Partner (nämlich wir) leidet und sich auch deswegen hier anmeldet. Ihm kannst Du hier nicht helfen, aber DIR!

Ich denke auch, das man im öffentlichen Bereich einiges schreiben kann, ohne das man erkannt wird oder zu viel preisgibt. Ich finde den öffentlichen Bereich ehrlich gesagt auch viel wichtiger, weil er eben "öffentlich" ist und vielen so den Anstoß gibt, in seinem Leben etwas zu ändern oder wenigstens, das man mit seinen Problemen nicht alleine ist. Das musst Du aber selbst entscheiden.

Liebe Grüße
Sunny

Danny-Dog
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Re: Warum tu ich mir das an?

Beitrag von Danny-Dog » 22.05.2019, 22:40

Hallo Sunny,

stimmt, ich hab mich hier angemeldet, um mich mit Gleichgesinnten oder Leidensgenossen/innen auszutauschen. Das allein hilft schon enorm!

Zu lesen, wie andere damit umgehen, mit den eigenen Problemen vergleichen, feststellen, wie unfassbar ähnlich Alkoholabhängige sich verhalten, ist das, was mir im Moment wichtig ist.

Es tut mir einfach gut, mich hier auskotzen zu können, wenn es mal wieder "soweit" ist.

Liebe Grüße,
Danny

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