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Welche Art von Therapie

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Leo82
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Welche Art von Therapie

Beitrag von Leo82 » 03.06.2019, 15:26

Wenn der Beitrag ist dieser Rubrik nicht gut aufgehoben ist, möge ihn ein Admin gern verschieben!

Zu meiner Vorgeschichte steht ein bißchen im Vorstellungsthread. Zur Zeit stelle ich einen Antrag auf Therapie, der Besuch beim Arzt steht noch aus (Ende der Woche). Voraussetzung war u. a., daß ich "entgiftet" bin. Seit 5 Wochen habe ich nichts getrunken. Ich fühle mich trotzdem etwas unsicher, ob ich überhaupt eine Therapie machen sollte und welche Form ich wählen sollte. Die Suchthilfe meint, ich solle mich zwischen stationär (etwa 10-12 Wochen in einer Einrichtung) und ambulant (zwei mal wöchentlich abwechselnd Einzel- und Gruppengespräch, vielleicht 3 mal so lang) entscheiden. Ich hatte gehofft, daß die mir sagen, was für mich besser geeignet ist, aber eine konkrete Richtung geben die mir leider nicht vor.

Gibt es unterschiedliche Erfolgsquoten? Gibt es Voraussetzungen, mit denen man die eine oder andere Form vorziehen oder ablehnen sollte? Was sagen Eure Erfahrungen mit Therapien, die ihr gemacht habt?

Wenn ihr eine stationäre Therapie erfahren habt: 1. Ich habe mein Leben abseits vom Trinken noch ganz gut im Griff. Ist da eine stationäre Therapie nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Nehme ich da nicht einem bedürftigeren Fall einen teuren Platz weg?
2. ich bin bei einem großen Arbeitgeber angestellt, der den Ausfall eines einzelnen Mitarbeiters für längere Zeit wirtschaftlich verkraften sollte. Wie hat Euer Arbeitgeber reagiert, daß ihr ein Vierteljahr weg vom Fenster seid? Was habt ihr überhaupt den Kollegen gesagt? Im Freundeskreis und bei nahen Verwandten gehe ich offen damit um, warum ich seit einiger Zeit jeglichen Alkohol ablehne, aber an die ganz große Glocke hängen will ich meine Abhängigkeit nun auch nicht.

Wenn ihr eine ambulante Therapie mit den Gesprächsrunden gemacht habt: hat das genügt? Mir kommt diese Methode so vor, daß man mit der dafür notwendigen Eigenmotivation eigentlich ja schon von selbst vorher aufhören hätte können, ohne den Schritt über Suchthilfe, Krankenkasse, Rentenkasse und Hausarzt zu gehen (das sind die Institutionen, die bei mir im Vorfeld beteiligt sind).

Das Therapieziel, das ich formulieren sollte, ist, "ohne den Drang, Alkohol trinken zu müssen, zu leben". Daß das auf Abstinenz herausläuft, ist mir klar, auch wenn ich derzeit nicht nur negatives mit alkoholischen Getränken verbinde.

Über Feedback würde ich mich sehr freuen.

Danke!

Carl Friedrich
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von Carl Friedrich » 03.06.2019, 15:46

Hallo!

Ob Du eine stationäre oder eine ambulante besser für dich wäre, vermag hier keiner beantworten. Das würde ich vom Urteil der Suchtberatung abhängig machen.

Ich habe eine ambulante Therapie durchlaufen. Du solltest nicht den Fehler machen, sie zu unterschätzen. Ich fand ich den direkten persönlichen Kontakt zu mehreren Suchtberatern, einem Suchtmediziner und letztlich zu den Teilnehmern der Gruppe sehr unterstützend. Vor allem der Kontakt mit den Rückfälligen unter ihnen war sehr aufschlussreich.

Die ambulante Therapie rundete für mich die eingeleitete Suchtarbeit ab. Diese bestand für mich noch aus Literatur und Forumsrecherche. Alle drei griffen wie die Rädchen einer Maschine ineinander. Im Nachhinein betrachte habe ich alles richtig gemacht.

Gruß
Carl Friedrich

HH48
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von HH48 » 04.06.2019, 00:41

Hallo Leo 82,

wie gut es uns doch in Deutschland geht.
So viele Formen und Arten von Therapie- und Hilfsangeboten.

Welche du annimmst musst du entscheiden, wie Carl Friedrich schon schreibt evtl. abhängig machen von Gesprächen und Erfahrungswerten der Suchtberatung.
Hier im Forum war ich schon vor meiner Entgiftung und Therapie. Hab ein bißchen rumgeeiert.

Aber dann:
14 tägige Entgiftung, währenddessen immer in Kontakt mit der Suchtberatungstelle, ebenfalls währenddessen einen Antrag auf stationäre Therapie gestellt. Bewilligt bekommen, kurz vor Entlassung aus der Entzugsklinik waren mir die 4 Monate Stationär dann doch to much. Stattdessen habe ich mich für eine Tagesklinik entschieden, die Dame von der Suchtberatungsstelle hat das so angenommen, nicht versucht mir auszureden und alles in die Wege geleitet. Bis ein Platz in der Tagesklinik frei wurde war ich 1x die Woche in einer Vorbeitungsgruppe,hier und in einer realen SHG.

Die Tagesklinik war für mich der Start in ein neues Leben.
Anschließend habe ich eine mehrwöchige, 1x die Woche, Nachsorge gemacht.

Zu meinem damaligen "Befreiungsschlag" gehörte schon vor meinem Entzug auch die Kündigung meines Arbeitsplatzes.
Ich war also frei.
In der Tagesklinik waren aber auch Mitpatienten mit Job.
Hörte sich für mich entspannt und easy an, natürlich musst du in dem Falle mit deinem Arbeitgeber ins Gespräch gehen.

Alles Gute für dich.

Beste Grüße
rowi

Dhyana
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von Dhyana » 08.06.2019, 00:28

Hallo Leo, jetzt habe ich dein thread gefunden :-)
Was du geschrieben hast, im Vorstellungsbereich, ist ähnlich mit meinen Anfängen vor paar Jahren ... ich musste noch ein paar Runden drehen, schade um die Jahre, verlorene- versoffene Abende. Ich habe ja auch gut "funktioniert" (Familie, Jobs, Soziales Leben), bis zum dem Punkt, wo ich anfing zu leiden, der morgen danach die Hölle war, mich verspätete oder sogar mal krank gemeldet habe, ich war nur noch erschöpft, fertig, ausgelaugt wie eine vertrocknete Pflanze. Ich hoffe du kannst es dir ersparen.
Wie geht es bei dir weiter? Hast du dich entschieden? Spuckt dir der Alkohol noch im Kopf rum? Anfangs habe ich willentlich durchgehalten, Tag für Tag, heute trink ich nicht. Habe mir vorgestellt ich lerne was neues: ohne Alkohol am Abend zu leben. Ein schöner Abend war eine Fl. Wein trinken, so nebenbei. Ich fühlte mich wie ein Sklave. Ich wollte frei sein von diesen Drang nach der Betäubung und der Gewohnheit Abend für Abend eine Fl. Wein zu trinken. War neugierig auf mich ohne Alk.... wer bin ich wohl dann, wie werde ich mich entwickeln, was wird sich ändern .. tja vieles hat sich geändert, zum Guten für mich. Bleib dran, ich drück dir die Daumen.

Leo82
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von Leo82 » 08.06.2019, 21:10

Hallo Dhyana,

Du hast mir ganz schön was zu Lesen gegeben, darin habe mich wiederentdeckt.
Dhyana hat geschrieben:
08.06.2019, 00:28
Was du geschrieben hast, im Vorstellungsbereich, ist ähnlich mit meinen Anfängen vor paar Jahren ... ich musste noch ein paar Runden drehen, schade um die Jahre, verlorene- versoffene Abende. Ich habe ja auch gut "funktioniert" (Familie, Jobs, Soziales Leben), bis zum dem Punkt, wo ich anfing zu leiden, der morgen danach die Hölle war, mich verspätete oder sogar mal krank gemeldet habe, ich war nur noch erschöpft, fertig, ausgelaugt wie eine vertrocknete Pflanze. Ich hoffe du kannst es dir ersparen.
Bitte nicht sauer sein, aber die Beiträge aus dem Jahr 2015 „Deines“ Threads "Fange neu an" sind eine gute Motivation dazu, absolute Trockenheit zu wahren. Zeigst Du doch, daß es der Alki nicht schafft, seinen Wunsch von kontrolliertem Trinken Folge zu leisten, sondern in immer tiefere Täler stürzt. Davon habe ich zuviel miterlebt, auch wenn ich das nicht für andere dokumentiert habe. Die Scham am nächsten Morgen, das schlechte Gewissen der Familie gegenüber oder auch die Angst davor, daß es jemandem auffällt, daß ich bei einem Vortrag den Laserpointer wegen der zitternden Hände gar nicht benutzen konnte, bleiben.
Wie geht es bei dir weiter? Hast du dich entschieden? Spuckt dir der Alkohol noch im Kopf rum?
Es wird wohl auf stationäre Therapie in der Brandenburger Pampa hinauslaufen. Im Gespräch mit der Suchthilfe hatte ich allerhand Gründe für eine ambulante Therapie zusammengetragen, die - das war mir vorher wirklich nicht klar - meist in der Rubrik "Ausweichverhalten" einsortiert werden konnten. Der Hausarztbesuch war mir angemessen peinlich, jetzt mache ich die Papiere fertig und schaue mal, was der Versicherungsträger am Schluß sagt.

Mit der Trockenheit komme ich zu meinem Erstaunen ganz gut zurecht. Vielleicht ist einfach genug intrinsische Motivation vorhanden, solange es in sichtbaren Schritten vorwärts geht. Ich fühle mich zwar meist müde, geistig träge, antriebs- und lustlos (auch zum Schreiben im Forum mußte ich mich erst aufraffen) und bin zur Zeit verdammt leicht reizbar (meine armen Mitmenschen!), aber außer einer leichten Wehmut beim Anblick eines Biergartens hat mich der Drang zum Trinken bisher nicht erfaßt. Ich esse zwar viel mehr als früher, solange es abends hell ist, mache ich das mit einer Joggingrunde einigermaßen wett.
War neugierig auf mich ohne Alk.... wer bin ich wohl dann, wie werde ich mich entwickeln, was wird sich ändern .. tja vieles hat sich geändert, zum Guten für mich. Bleib dran, ich drück dir die Daumen.
Danke! Ich habe mir vorgenommen, ab und zu was zum Fortgang zu schreiben. Mir hat das Lesen der Schicksale anderer Trinker doch etwas Unterstützung gegeben, einen trockenen Weg zu beschreiten. Daß sich was ändert zum Guten, das ist meine Hoffnung in die Therapie. Hast Du in den Start Deiner, wenn ich das richtig verstanden habe, seit nun neun Monaten konsequent durchgezogenen Trockenheit Hilfe außerhalb dieses Forums gesucht?

Schönen Abend!

Dhyana
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von Dhyana » 08.06.2019, 22:22

Hallo Leo
Es freut mich, dass es dich motiviert jetzt weiter zu machen und den abstinenten Weg gehst.
Ich habe Vorarbeit gemacht, war früher ambulant, war in Gruppen, verschiedene Suchtstellen, viele Bücher gelesen und in Foren.
Zur Zeit suche ich noch reale Gruppen... bin am schnuppern.
Ich finde es sehr wichtig und gut, dass du Therapie machst, ob so oder so. Es gab und gibt viel zu lernen, für mich. Wie auch immer jeder Weg in die Sucht ist individuell und das Aufhören auch... den Alkohol weglassen und Aufhören ist der erste wichtige Schritt. Dranbleiben wird die tägliche Herausforderung, die es zu meistern gilt. Aber nur langsam Schritt für Schritt.
Schönen Abend noch ✨

Leo82
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von Leo82 » 15.06.2019, 22:00

Statusupdate: mein Ansprechpartner bei der Suchthilfe ist gerade krank, deswegen verzögert sich der Antrag trotz fertigem Papierkram. Die Leberwerte waren zu meinem großen Erstaunen völlig unauffällig.

Zwei vermutlich dumme Frage das Forum betreffend:
1. Was heißt "LZT"? Je nach Kontext hätte ich es als Langzeit-trocken, -Trinker oder -Therapie gedeutet – aber eine eindeutige Erklärung konnte ich nicht ausmachen.
2. Gibt es einen Sammelpunkt für Medienberichte, wie z. B. für dieses, ähm, eher ernüchternde Video: edit Link entfernt

Karsten
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Re: Welche Art von Therapie

Beitrag von Karsten » 15.06.2019, 23:16

Hallo Leo,

deinen Link habe ich rausgenommen, weil im offenen Bereich keine Links erwünscht sind.
Was deine erste Frage betrifft, bedeutet LZT eigentlich Langzeittherapie, wird aber in einem anderen Kontex auch für Langzeittrockene verwendet.

Gruß
Karsten

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