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Wie sage ich es ihm?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Angel1980
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Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Angel1980 » 20.06.2019, 22:30

Guten Abend,

ich bin 38 und bin nach 4 Jahren Beziehung zu der Einsicht gekommen, dass mein Partner Alkoholiker ist. Da es für mich bereits die zweite Beziehung mit einem Suchtkranken ist, möchte ich mir auf jeden Fall Hilfe und Beratung zu meiner Co-abhängigkeit suchen (meine Geschichte könnt ihr im Vorstellungsbereich nachlesen).

Zu meiner eigentlichen Frage: ich werde meinen Partner auf sein Alkoholproblem ansprechen und ihn vor die Wahl stellen. Entweder macht er eine Therapie oder ich werde mich trennen. Wie führt man so ein Gespräch am besten? Soll man das Problem direkt auf den Punkt bringen? Soll ich ihm Bedenkzeit geben, denn wahrscheinlich muss er das ja auch erstmal verdauen. Oder setz ich ihm lieber die Pistole auf die Brust und verlange, dass er sofort mit dem Alkohol aufhört? Fragen über Fragen... Ich kann das Gespräch nicht mehr lange hinauszögern, denn die Situation ist für mich langsam unerträglich.

Danke und liebe Grüße
Angel

Karsten
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Karsten » 21.06.2019, 15:36

Hallo Angel,

meiner Erfahrung nach ist es besser, ihm nicht unter Druck zu setzen, also entweder oder.
Rede von dir, wie du dich fühlst, wie du dir dein Leben vorstellst, was du für Wünsche hast, was du möchtest.

Dann hat er die Wahl, ob er in deine Lebensplanung passt und sich soweit ändert.

Er sollte ja für sich trocken werden wollen und nicht nur für dich oder eure Beziehung.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Carl Friedrich » 21.06.2019, 17:15

Hallo!

Anknüpfend an Karsten noch der Tipp: Biete ihm an, mir ihm zur Suchtberatung zu gehen oder er macht dort einen Termin aus.

Meine Frau ging seinerzeit mit unserem Nachwuchs gemeinsam zur Suchtberatung, ohne mich vorher zu informieren. Anschließend berichteten sie mir davon, wie verständnisvoll und vertrauenserweckend der Therapeut war. Sie ließen mir seine Durchwahl da und forderten mich auf, ihn zu kontaktieren und mir die dort angebotene Hilfe zu holen, andernfalls unsere Beziehung zu Ende sei.

Das hat bei mir gesessen und gewirkt. Allerdings war ich zu dieser Zeit nicht mehr in der Lage, Saufpausen einzulegen wie zu früheren Zeiten. Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich fest im Klammergriff des Alkohols steckte. Daher kam ich der Aufforderung der Familie nach.

Ich weiß nicht, in welchem Stadium dein Partner steckt. Eventuell kann der Schuss auch nach hinten losgehen und er zeigt sich bockig, beleidigt oder gar verbal ausfallend. Alles möglich bei Leuten, denen man die Wahrheit sagt, die ihnen selbst nicht passt.

Patentrezepte, wie man einen Alki dazu bringt. die Flasche stehen zu lassen, gibt es nicht. Wichtig ist, dass der Patient krankheitseinsichtig ist.

Nur eins: Vertrau nicht den Sprüchen "alles halb so schlimm und er werde sich bessern." Den Sprüchen sollten schon zeitnah ganz konkrete Taten folgen. Ist er dazu nicht bereit, dann liegt es an dir, die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Gruß
Carl Friedrich

Carl Friedrich
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Carl Friedrich » 21.06.2019, 17:17

Kleiner Nachtrag: Sei konsequent in deinem Auftreten und lass dich bloß nicht "einlullen". Darin sind Alkis Spezialisten.

coffee-man
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von coffee-man » 21.06.2019, 17:49

Hallo Angel,

hier ist guter Rat wirklich teuer....da ist jeder anders "gestrickt" und wie es bei deinem Freund ist, kannst nur du beurteilen.

Allerdings glaube ich (aus meiner Sicht) das es ein paar wichtige Basics gibt.
Zum einen -wie Karsten ja schon geschrieben hat- sende starke ICH-Botschaften aus, ohne direkte Vorwürfe oder auf einzelne konkrete Ereignisse einzugehen. Das öffnet nur eine Tür um sich über diese einzelne Situation zu unterhalten und diese zu relativieren.
Bleib bei dem Gespräch bei dir...deinen Gefühlen, deinen Wünschen und deiner Zukunft!!

Und wie Carl Friedrich auch schon richtig sagt, kann sowohl das eine als auch das andere gut sein, oder nach hinten losgehen....

Mein gedanklicher Leitfaden wäre evtl. folgender:
- Mach ihm deutlich das du dieses Leben nicht mehr so fortführen wirst.
- Danach evtl. ein wenig spontan - Wird er bockig, wirst du aktuell kaum Chancen haben...
- Verspricht er dir "das Blaue vom Himmel" Große Vorsicht - Verdrängen, Leugnen, relativieren und Versprechungen (welche nicht eingehalten werden) ist ein Begleiter der Krankheit und mit Vorsicht zu geniessen....
Sollte er allerdings einsichtig sein (ist ja auch eine Alternative) dann könntet ihr ja einen gemeinsamen Weg gehen...Diesen würde ich allerdings zwingend unter therapeutische "Leitung" stellen und sehr sehr konkret festlegen....

Ich wünsche dir auf alle Fälle dafür viel Kraft - und egal wie es laufen sollte, hoffe ich dass du deinen !! Weg findest!

Aurora
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Aurora » 21.06.2019, 21:41

Hallo Angel,

meine Vorschreiber haben dir ja schon eine Menge guter Dinge geschrieben!

Wie führe ich da ein Gespräch?

Wichtig ist, dass er nicht allzu betrunken ist, denn so ganz nüchtern wird er ja eh nie sein. Aber wenn er voll ist dann ist kein guter Zeitpunkt für ein Gespräch. Denn er ist dann überhaupt nicht aufnahmefähig, sag ich mal.

Ja, Ich-Botschaften sind gut! Also zum Beispiel:

ich mache mir Sorgen
es geht mir immer schlechter mit deiner Sauferei
ich mag das nicht mehr mitmachen so

Du kannst ihm auch durchaus ja Hilfe anbieten, also dass du ihn unterstützen wirst sollte er trocken werden wollen. Allerdings muss er die Schritte dafür alleine machen! Nur wenn er bereit ist Hilfe anzunehmen, mit voller Einsicht, wird es auch klappen.

Das fällt mir so spontan ein.

Bei mir war es so, dass mein Exmann dann anfing mit diesen Beteuerungen, von denen dir meine Vorschreiber schon geschrieben haben. Ich bin immer wieder darauf reingefallen weil ich es einfach auch glauben wollte. Und er hat dann auch immer einige Zeit kaum was getrunken oder gar nichts, dachte ich jedenfalls, denn er hat es eben so gemacht, dass ich nichts gemerkt habe davon. Und ich dachte dann immer, nun würde sich alles zum Guten bessern.

Weit gefehlt...

Mein wichtigster Schritt war, dass ich endlich konsequent wurde. Ich habe also nicht mehr gejammert und gefleht oder so sondern gemacht. Und zwar für mich. Nach all diesen Gesprächen, nach denen sich nichts langfristig geändert hatte, konnte ich nicht mehr. Und ich hatte auch immer gedroht mich zu trennen und so - da hat er mich nicht mehr ernst genommen.

Und das ist ein ganz wichtiger Punkt! Alles, was du sagst oder auch androhst solltest du auch in der Lage sein zu machen!

Ich hatte zum 1000sten Mal also angedroht mich zu trennen und war dann wirklich so weit, er hat mich ausgelacht wie immer und war sprachlos, als ich es gemacht habe. Das ist jetzt 12 Jahre her. Danach hat er aufgehört mit dem Trinken, ist zur Entgiftung gegangen und war etwas mehr als 4 Jahre trocken. Weil er es so wollte, er dachte aber, ich würde dann zurück kommen. Er hat es also nicht wirklich für sich gemacht... Zurück gegangen bin ich nicht, zu viel war zerstört worden. Inzwischen bin ich auch in 2er Ehe glücklich verheiratet :D .

Mein Ex ist übrigens Anfang November letzten Jahres verstorben, er hatte wieder angefangen zu trinken, mit einem "Bierchen" weil im Urlaub das Meer so schön war. Er hat sich tot gesoffen :( .

Wie dem auch sei.

Liebe Grüße
Aurora

Angel1980
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Angel1980 » 24.06.2019, 08:32

Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Antworten. Bin wirklich froh, dass ich mich in diesem Forum angemeldet habe und so viel Hilfe bekomme.

Ich habe gestern mit ihm gesprochen. Soweit ich das beurteilen kann, habe ich eure Ratschläge soweit es mir möglich war, befolgt. Habe mich gegen die "Pistole auf die Brust-Methode" entschieden. Er hat sich alles angehört und ist auch ruhig geblieben. Ich habe ihm ein paar Telefonnummern von Beratungsstellen hingelegt und ihm gesagt, dass ich für meine Tochter und mich auf jeden Fall eine Beratung in Anspruch nehmen werde und ich mich freuen würde, wenn er das auch tun würde. Er sagte, er muss eine Nacht darüber schlafen. Im Laufe des Gesprächs hat er gesagt, dass er dann jetzt in der Woche alkoholfreies Bier trinken wird und es ja wohl nicht dramatisch ist, wenn er am Wochenende mal ein richtiges Bier trinkt. Daraufhin sagte ich, dass es nicht meine Entscheidung ist und auch nicht meine Aufgabe zu beurteilen, ob das dramatisch ist oder nicht und er ja deshalb eine Beratungsstelle aufsuchen sollte und ich ihn auch begleiten würde, wenn er das möchte. Er hat gestern alkoholfreies Bier getrunken (ist dafür extra mit dem Fahrrad zum Kiosk gefahren), auch als wir Besuch von einem Freund hatten, der "richtiges" Bier getrunken hat. Trotzdem sagt mir mein Bauchgefühl, dass er noch nicht soweit ist. Habe hier im Forum oft von der "geballten Faust in der Hosentasche" gelesen. Genauso würde ich seine Gemütslage heute Morgen beschreiben. Er ist dann zur Arbeit gefahren und die Nummern liegen immer noch da... Ich habe schon Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen und warte jetzt auf einen Rückruf zwecks Terminvereinbarung. Vielleicht täusche ich mich auch und er muss erstmal alles verdauen. Ich lasse mich von seiner Laune jedenfalls nicht beeindrucken. Ich gehe zur Beratungsstelle und bin auf jeden Fall auch Bereit ihm letztendlich die Pistole auf die Brust zu setzen. Habe ihm gestern auch noch gesagt, dass ich nicht mehr dabei zusehen werde wenn er trinkt und ich merke, dass er nicht aufhören kann. Werde ihn da alleine sitzen lassen.

Ein Teil der Last ist mir durch dieses Gespräch erstmal von den Schultern gefallen. Ich weiß, dass noch ein weiter Weg vor mir liegt, aber ich bin bereit ihn zu gehen.

Nochmal vielen Dank an euch.

LG
Angel

Morgenrot
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Morgenrot » 24.06.2019, 12:08

Hallo Angel,
Im Laufe des Gesprächs hat er gesagt, dass er dann jetzt in der Woche alkoholfreies Bier trinken wird und es ja wohl nicht dramatisch ist, wenn er am Wochenende mal ein richtiges Bier trinkt.
das sind Beruhigungsformeln für Angehörige, so bin ich auch ruhig gestellt worden. Zum ersten gibt es kein alkoholfreies Bier, und zum zweiten kann ein Alkoholiker nicht nur mal am Wochenende ein Bier trinken.
Das zeugt nicht von einem Problembewußtsein.
Ich finde es gut, das du zur Beratungsstelle gehen willst, dort werden dir sicher auch Gespräche angeboten, so war es jedenfalls damals bei mir. Diese Gespräche haben mir sehr gut getan.

lg Morgenrot

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