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co-abhängig - wie komme ich da raus?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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wlhlmn13
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co-abhängig - wie komme ich da raus?

Beitrag von wlhlmn13 » 22.07.2019, 14:57

Hallo,

ich bin neu hier und suche Hilfe. Ich bin co-abhängig und mittlerweile getrennt von meinem Freund mit dem ich 10 Jahre zusammen war. Der Alkohol war immer präsent. Er ist immer wieder am Wochenende abgestürzt, sodass er die Kontrolle total verloren hat. Er ist auf einem Spielplatz aufgewacht, oder war für das restliche Wochenende nicht ansprechbar.Ich habe sehr gelitten und mich unendlich einsam gefühlt. Auf die Idee, dass es mit dem Alkohol zusammenhängt, kam ich erst sehr spät. Denn er hatte Wochen und Monate dazwischen, in denen er nichts getrunken hat. Es gab nie Alkohol bei uns daheim. Und trotzdem störten mich diese Exzesse extrem, sie verletzten mich, seine besoffenen Worten verletzten mich. Ich schwankte zwischen Mitleid, Hass, Verzweiflung und dem Wunsch nach meinem geliebten nüchteren Partner. Er hat buchstäblich alles für mich getan - ich war seine Traumfrau. Das führte zu noch größerer Abhängigkeit meinerseits. Nach 4 Jahren Beziehung habe ich das erste Mal eine Therapie gemacht. Doch da habe ich nichts vom Alkohol erwähnt. Auch nicht, dass meine Eltern schwer suchtkrank waren, bzw. der Vater immer noch ist.
Wir sind jetzt 1,5 Jahre getrennt. Obwohl das erste Trennungsjahr eigentlich nur eine räumliche Trennung war und wir unsere alten Muster fortsetzten. Ich war sehr misstrauisch allem gegenüber und so kam es, dass es eine Arbeitskollegin seinerseits ihm schöne Augen machte und sie nun zusammen sind. Am Anfang trafen wir uns weiter, weinten zusammen über unsere Beziehung, aber dann verschärften sich die Eskalationen und in mir kam ein Hass hoch, dass er mich mit diesen Exzessen allein zurückließ, während er jetzt glücklich ist. Ich habe große Probleme loszulassen, denn ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass er für eine andere Frau vielleicht alles ändert. Ich beginne jetzt wieder eine Therapie und habe meiner Therapeutin diesmal nichts verheimlicht, obwohl ich mich zutiefst schäme und ich mich frage, ob ich Schuld an den Exzessen war. Dies sagte er mir auch im Streit immer wieder so. Ich glaube oft, dass ich überreagiert habe, weil ich 1. gar nichts trinke und zweitens aus einer Alkoholikerfamilie komme. Er hat nicht täglich getrunken, aber es kam immer wieder zum Trinken seinerseits mit Kontrollverlust, wenn er mit seinen Freunden feiern war.
Ich werfe mir einfach vor, dass ich nicht alles gegeben habe, um die Beziehung zu retten.
Mittlerweile weine ich jeden Tag, weil ich ihn sehr vermisse, die Leere ist unglaublich. Ich habe das Gefühl, ich halte es nicht aus. Wir wollten zusammen beim Therapeuten die Trennung aufarbeiten, aber ich schrieb ihm, dass ich meiner Therapeutin alles gesagt habe - was er getan hat, was ich getan habe. Seit 4 Tagen habe ich keine Reaktion mehr darauf bekommen. Wahrscheinlich ist er froh mich loszusein. Ich leide unter diesem Verlust und habe mich angemeldet in der Hoffnung hier Unterstützung zu finden von Menschen, denen es ähnlich geht.

Danke

wlhlmn

Morgenrot
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Re: co-abhängig - wie komme ich da raus?

Beitrag von Morgenrot » 22.07.2019, 22:31

Hallo,

schön, das du jetzt hier schreibst.

Du kennst dich sehr gut. Ja es ist meistens der Gedanke der uns COs beschäftigt. Wir haben nicht genug getan, wir dramatisieren usw, usw.
Nein tun wir nicht, wir vertrauen "nur" unseren Wahrnehmungen nicht. Ich habe mich mal im Rahmen einer Fortbildung mit einem Suchttherapeuten darüber unterhalten.
Was dabei heraus kam, hat mich sehr verblüfft, denn er sagte, wenn 50 Frauen eine Angehörigenberatung aufsuchen, weil ein Partner trinkt, hat sich im Höchstfall mal eine / Jahr geirrt.
Das ist also sehr wichtig, das wir lernen, dem zu vertrauen, was wir sehen, das ist nicht einfach.
Vielleicht ist dieses "Glücklich sein " von ihm auch nur eine Aussage um dich wieder auf Spur zu bekommen. Nasse Alkoholiker tubn sehr viel, das ihnen ihre CO nicht abhanden kommt.
Jetzt sind Ferien, nutze sie, fahre ein paar Tage weg, besinne dich auf dich und das was dir gut tut.
Das können vielleicht zuerst nur Kleinigkeiten sein, es ist wichtig, dein Tempo zu finden.
Was du von Kindheit an, mit dir herumschleppst wirst du nicht in wenigen Wochen los.
Hab Geduld mit dir.

lg Morgenrot

Wiesenmeer
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Re: co-abhängig - wie komme ich da raus?

Beitrag von Wiesenmeer » 28.07.2019, 21:27

Liebe Morgenrot,

kannst du uns etwas mehr davon erzählen?
Dein Zitat:
Was dabei heraus kam, hat mich sehr verblüfft, denn er sagte, wenn 50 Frauen eine Angehörigenberatung aufsuchen, weil ein Partner trinkt, hat sich im Höchstfall mal eine / Jahr geirrt. Das wäre wunderbar und sehr interessant .:-)


Zu dir liebe wlhlmn13,
ich habe eine ähnliche Geschichte erlebt und mich nach einer Kontaktsperre wieder hinreißen lassen..Kannst du ja gerne lesen und uns austauschen wenn du möchtest. Schreib mir / uns..Ich versuche auch wieder meinen Weg zu gehen.
Da ich es schon mal geschafft habe, weiß ich das es diesmal auch klappen wird.
Ich habe dadurch viel Kraft und Energie zurück gewonnen.
Die Kontaktsperre war und ist für mich das A und O....wie gesagt für mich...
Und danach hört und fühlt man sich auch wieder.
Die Schuldfrage stelle ich mir nun nicht mehr.
LG

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