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Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

lütte69
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von lütte69 » 30.10.2019, 09:17

Hallo Anonymia,
argh.. wie stellt man dieses Kopfkarussell ab?
Lieblingsmusik an und ganz laut mitsingen - wenn man singt, kann man nicht denken :lol:
Du bist jetzt dran. Mach Pläne für heute, morgen oder übermorgen - etwas, was Dir Spaß macht, worauf du dich freust. Du hast die Freiheit über Dein Leben zu entscheiden. Ich habe z.B. ein altes Hobby von mir wieder ausgegraben. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, dieses Gedankenkarussell abzustellen, daran hatte ich auch enorm zu knabbern, aber mit der Zeit wird es besser.

sonnige Grüße
Lütte

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 31.10.2019, 07:04

Guten Morgen, Lütte!

Vielen Dank für deine Antwort. Gestern Abend hatte ich Besuch von einer lieben Freundin und tagsüber war ich glücklicherweise im Büro ziemlich eingespannt. Hab dann auch noch Zeit für ne Fitneßeinheit gefunden. Es geht aufwärts!

Leider meldet sich zurzeit eine gute Freundin von meinem XY ständig per WhatsApp bei mir und macht mir Vorwürfe. Hauptsächlich geht es um die Anwaltsgeschichte. Sie meint, ohne mich sei er in der Angelegenheit aufgeschmissen und ich müsse mich doch kümmern, weil er keine Ahnung davon hat... der Mann ist 10 Jahre älter als ich, warum soll er den Status eines kleinen Kindes einnehmen? Ich finde, durch die Bürgschaft habe ich ihm schon genug geholfen (und leider dadurch genug Geld verloren). Dennoch fruchten die Vorwürfe leider dahingehend, mir noch ein schlechteres Gewissen zu machen. Seufz...

Meine Freunde raten mir, die Frau einfach zu blockieren, aber das schaff ich (noch) nicht. Ich käme mir wie ein herzloses Monster vor.

Ich wünsche euch einen schönen Tag!

Liebe Grüße
Anonymia

Aurora
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Aurora » 31.10.2019, 19:21

Hallo Anonymia,

nein, herzloses Monster, das bist du gar nicht, wenn du diese Dame da blockierst. Sondern du bist, wenn du es machst, gut zu dir, du schützt dich dann nämlich vor Dingen, die dich kaputt machen, dir Kopfkarussell machen, dich schlecht fühlen lassen. Das ist ganz normaler Selbstschutz!

Und den darfst du jederzeit machen, diesen Schutz. Das ist dein gutes Recht. Du schützt ja zum Beispiel im Winter deinen Körper auch indem du dir eine Jacke anziehst. Deine Seele ist auch ein Körperteil, also darfst du blockieren, was ihr weh tut, sie verletzt. Oder?

Lieber Gruß
Aurora

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 01.11.2019, 09:13

Guten Morgen, Aurora!

Herzlichen Dank für den Vergleich mit dem Körperschutz im Winter. Das macht Sinn!

Auch den Tipp von Lütte hab ich schon mehrfach beherzigt und höre gaaaanz viel Musik, zu der ich dann lautstark mitsinge, z.B. das Lied "Solo" von Clean Bandit. Der hat auch ein sehr cooles Musikvideo :) :) :)

Ich wünsche euch einen schönen Feiertag!

Liebe Grüße
Anonymia

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 02.11.2019, 10:20

Heute ist leider wieder ein schlimmer Tag.

Mein Ex hat gestern eine gute Freundin von mir angerufen, um sich bei ihr auszuheulen, wie schlecht es ihm nun gehen würde. Sie hat mich direkt nach dem Gespräch angerufen, um mir alles zu erzählen. Er meinte wohl, nun hätte er ja erst Recht Gründe zum saufen und ohne mich schafft er es niemals und ich bin schuld, dass er ganz allein in seiner Gartenhütte sitzt... mir blutet das Herz und nun kommen wieder die ganzen Selbstvorwürfe und Fragen, die ich mir stelle. Hätte ich noch mehr Geduld haben müssen? Hätte ich eine andere Lösung finden können? War der radikale Kontaktabbruch eventuell doch zu grausam?

Und dann denke ich an meinen Sohn und weiß, dass es kein Zurück für mich geben kann - schon allein meinem Sohn zuliebe nicht. Er soll nicht darunter leiden müssen, dass mein Ex sein Leben aufgrund seiner Unfähigkeit, die Finger von der Flasche zu lassen, wegwirft. Denn das tut er, und nur er. Weder ich noch sonst jemand kann etwas dafür.

Eine liebe Freundin möchte mit mir heute Abend tanzen gehen. Mir ist zwar überhaupt nicht danach, aber daheim hocken und heulen bringt´s ja auch nicht wirklich...

Traurige Grüße
Anonymia

Cadda
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Cadda » 02.11.2019, 16:38

Hallo,

bitte denke nicht so, lass Dir nichts einreden. Du sollst zu ihm halten und geduldig sein, damit er aufhören kann, zu saufen?? Nein. Anders herum wird ein Schuh draus. Er hört auf zu saufen und dann läuft auch der Rest.

Er wird immer Gründe haben, saufen zu „müssen“. Da kannst Du noch so geduldig sein.

Mein Ex und ich sind nun schon fast 2 Jahre getrennt und er säuft immer noch. Inzwischen ist es nicht mehr meine Schuld, sondern die Schuld seiner aktuellen Freundin. Vor mir war seine Ex-Frau Schuld. Und wenn er keine Frau an seiner Seite hätte, wäre die Nachzahlung des Finanzamtes Schuld oder sein Auto, was zur Reparatur müsste oder weil das Wetter seit 3 Tagen kacke ist.

Und wenn es nichts Negatives zu finden gäbe, dann würde vermutlich etwas Positives der Grund sein, zu saufen. Ein Geburtstag, Urlaub, Wochenende, Gartenarbeit dir erledigt ist oder einfach, weil das Wetter seit 3 Tagen geil ist.

Ein Alkoholiker findet immer Gründe und noch viel besser findet er Schuldige.

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 03.11.2019, 09:12

Danke, liebe Cadda, für deine Ermutigung!

Ich war schon nahe dran, ihn zu entsperren und Kontakt zu ihm aufzunehmen, um zu fragen, wie es ihm geht. Aber dadurch wäre ich sofort wieder im Strudel des Verantwortlich-Seins drin, aus dem ich gerade mühsam herauszukrabbeln versuche...

Deine Erzählung hilft mir, wieder klar zu sehen. Das mit dem Wetter hab ich meinem Ex witzigerweise mal vorgeworfen, als wir noch zusammen waren. Ich sagte ihm, dass er säuft, weil es regnet und wenn die Sonne scheint, säuft er, weil ihm die Sonne in die Augen scheint. Es war damals mehr als Scherz gemeint, aber leider ist es genauso!

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!

Liebe Grüße
Anonymia

Sunshine_33
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Sunshine_33 » 03.11.2019, 14:35

Hallo Anonymia,
ich lese hier ab und an mal rein und nun melde ich mich auch mal zu Wort :wink:
Ich gehe allerdings davon aus, das mein Beitrag Dir nicht besonders gefallen wird.
Macht aber nix, denn ich bin kein CO und kann sehr gut damit leben. :P

Erst einmal, gut das Du gestern nicht eingeknickt bist. Wie nah Du dran warst, konnte ich bis hierher spüren.
Dieses Mal endlich mal hart geblieben zu sein, halte ich schonmal für einen wichtigen Schritt, und hoffentlich kannst Du dabei bleiben.
Wenn nicht, beginnt das ganze Elend 1:1 wieder von vorn.
Vielleicht nicht ab der ersten Minute einer Versöhnung, aber ein Alkoholiker MUSS bestimmten Mustern folgen, und zwar denen, die die Sucht diktiert.
Es wird also nicht lange dauern und alles ist wieder beim Alten.
Es sei denn, es bestünde wirkliche Einsicht und es würden auch ersthafte Schritte eingeleitet, aber die liefen ja bisher alle ins Leere, aus welchen Gründen auch immer...

Ich möchte mir das hier mal herauspicken, um mich bei Dir unbeliebt zu machen. :wink:
Und dann denke ich an meinen Sohn und weiß, dass es kein Zurück für mich geben kann - schon allein meinem Sohn zuliebe nicht. Er soll nicht darunter leiden müssen, dass mein Ex sein Leben aufgrund seiner Unfähigkeit, die Finger von der Flasche zu lassen, wegwirft.
Ist Dir eigentlich klar, das DU DICH genauso SÜCHTIG verhältst wie er??
Aufgrund Deines eigenen Suchtverhaltens hast Du es gestern kaum ausgehalten, ihn nicht zu kontaktieren, das ist meine Meinung.
An die Wiederauferstehung von Mutter Teresa glaube ich nämlich nicht.
Es geht darum, ein evtl. vorhandenes Helfersyndrom auszuleben, es geht um Bewunderung haben wollen für das eigene märtyrerhafte Verhalten,
es geht um die Neugierbefriedigung, wie es dem anderen denn geht (hoffentlich möglichst schlecht, nicht wahr? ), wenn man selbst gegangen ist, und es geht auch oft um den Größenwahn, zu glauben, das Liebe Sucht heilen kann und man dazu in der Lage wäre... und und und... such Dir was aus.
Vielleicht nimmst Du ja auch alles? 8) :P

Ich möchte Dir mal das obige Zitat ummünzen, und dann darfst Du da auch gern mal drüber nachdenken.

Und dann denke ich an meinen Sohn und weiß, das es kein Zurück für mich geben kann-schon allein meinem Sohn zuliebe nicht. Er soll nicht darunter leiden müssen, das ich mein Leben aufgrund meiner eigenen Sucht nach einem alkoholkranken Menschen und der Unfähigkeit, die Finger von ihm zu lassen, wegwerfe.

Denn SO sieht das ja auch aus, oder?

Anonymia, ein krankes Beziehungsgeflecht kann ja nur entstehen, wenn bei einer Paarbeziehung beide mitspielen, denn nur so kann das kranke System aufrechterhalten werden.
Ich spreche hier nicht von Schuld, erstens, weil ich das Wort Schuld erst bei ganz anderen schlimmen Ereignissen überhaupt in den Mund nehmen würde, und zweitens, weil ein CO üblicherweise große Probleme mit einer möglichen eigenen Schuld oder Teilschuld hat. :wink:
Es geht hier eher darum, das bei so einer Alkoholiker-CO-Beziehung ein Rädchen ins andere greift, die Gründe sind auch nur selten in der aktuellen Beziehung zu finden, dort werden sie nur ausgelebt.

Für mich bringt auch die Schuldfrage am Ende einer Beziehung gar nix, weil das so gar nicht voranbringt.
Ich würde eher für mich analysieren wollen, woran es lag, und AUCH, welchen Beitrag ich selbst dazu beigetragen habe?
Und zwar aus dem einfachen Grunde, damit sich sowas nicht dauernd wiederholt in neuen Beziehungen. Hat also durchaus auch egoistische Hintergründe.

Wie Du vielleicht bemerkt hast, habe ich es nicht so mit dem Köpfchenstreicheln und diplomatischen Worten, auch wenn ich es könnte :wink:
Denn ich bin nun mal kein CO und bevorzuge Klartext.
Ich möchte viel eher, das die Betroffenen WACH WERDEN, um ihr eigenes krankes Verhalten ändern zu können, und das möglichst zeitnah !
Denn je länger man in so einer kranken Beziehung verweilt, desto kränker wird man auch selbst.
Und nicht nur das, man verbrennt außerdem kostbare Lebenszeit, die man sehr viel glücklicher oder zumindest zufriedener verbringen könnte.

Auch wenn Du Dich nun von meinem Beitrag vor den Kopf gestoßen fühlst, ist er trotzdem wohlwollend gemeint.
Es tut mir nämlich unendlich leid, wenn Menschen in so selbstschädigenden Beziehungen feststecken und tatsächlich ihr Leben wegwerfen an eine Sache, die es absolut nicht wert ist.
Auch wenn Du es jetzt vielleicht noch nicht verstehst, das ich es doch gut mit Dir meine, wirst Du das vielleicht später mal verstehen.
Je nachdem, wie tief Du in Deiner eigenen Sucht sprich CO-Abhängigkeit steckst.
Es wird Dich kein Stück voranbringen, wenn Du nur auf den bösen Alkie starrst, der an allem Schuld hat und dabei Deine eigenen Anteile an der kranken Beziehung außen vorlässt !
Es ist zwar einfacher, jemanden die "Gesamtschuld" in die Schuhe zu schieben, aber in keinen Belangen auch nur irgendwie zielführend.

Hast Du schon mal daran gedacht, Dir selbst auch psychologische Hilfe zu suchen? Denn die Frage, ob Du nun wirklich CO-abhängig bist oder nicht, stellt sich ja wohl nicht mehr ernsthaft, oder? :wink:

Ansonsten kann ich mich größtenteils nur den Worten von meinen Vorschreiberinnen anschließen und kann Dir auch bestätigen, das Dein XY alle Register zieht, um Dich wieder dahin zu bekommen, wo er Dich gern haben will, um seiner eigenen Bequemlichkeit willen.
Trinken wird er aber weiterhin... egal was er verspricht.
Ich kann es Dir aus eigenen Erfahrungen bestätigen, denn ich bin trockene Alkoholikerin und erkenne mich im beschriebenen Verhalten von Deinem XY auch teilweise wieder.
Das ist auch völlig normal, denn Sucht ist nix Extravagentes, nix besonders Individuelles... süchtiges Verhalten gleicht sich eher wie ein Ei dem anderen, egal was der Süchtige Dir auch erzählt.

LG Sunshine

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