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Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 03.11.2019, 21:19

Liebe Sunshine,

vielen Dank für deinen ausführlichen und ehrlichen Beitrag.

Ich fühle mich keineswegs vor den Kopf gestoßen, denn seit ich hier im Forum mitlese (was mir übrigens eine sehr große Hilfe ist!), ist mir klar, dass das, was ich fühle, richtige Entzugserscheinungen sind - nach meinem Ex! Auch in meinem Freundeskreis sind fast nur "kaputte" Leute, denen ich die meiste Zeit in irgendeiner Form unter die Arme greifen muss. Und wenn ich einen Tag hab, an dem ich niemandem helfen kann, fühl ich mich wie ausgehöhlt. Das ist doch schräg!!!

Übernächsten Dienstag hab ich einen Termin bei der Suchtberatungsstelle für Angehörige und werde dort das Thema Co-Abhängigkeit ansprechen und mir Hilfsangebote suchen. Vom Kopf her möchte ich nämlich keineswegs mein Leben damit verbringen, von einem "Pflegefall" zum nächsten zu springen! Aber mein Herz diktiert irgendwie immer was anderes..

Allerdings ist meine Motivation nicht, dass ich Bewunderung von meinem Umfeld haben möchte. Das Suchtproblem meines Ex habe ich während der Beziehung weitgehendst geheimgehalten. Ich glaube, die Wurzel davon liegt eher in meiner Erziehung. Ich musste von kleinauf funktionieren und meine Bedürfnisse zurückstellen, da meine Mutter öfter für längere Zeit in der Psychiatrie war und mein Vater mit Arbeit plus kleinem Kind logischerweise überfordert... wie auch immer, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Wichtig ist nur, dass ich aus dem CO-Verhalten rauskomme, damit die Zukunft anders werden kann.

Liebe Grüße
Anonymia

Sunshine_33
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Sunshine_33 » 05.11.2019, 14:03

Liebe Anonymia,
Ich freue mich, das mein Beitrag bei Dir so angekommen ist, wie er von mir gemeint war. :)
Auch in meinem Freundeskreis sind fast nur "kaputte" Leute, denen ich die meiste Zeit in irgendeiner Form unter die Arme greifen muss. Und wenn ich einen Tag hab, an dem ich niemandem helfen kann, fühl ich mich wie ausgehöhlt. Das ist doch schräg!!!
Erst einmal: Hilfsbereitschaft ist eine tolle Eigenschaft, finde ich, ich bin übrigens auch ein hilfsbereiter Mensch.
Und mir passiert es auch schon mal, das ich zu schnell Ja sage anstatt Nein, wenn mich jemand persönlich um was bittet.
Aber daran kann man arbeiten und ich kann es mittlerweile schon ganz gut, glaube ich.
Jemanden helfen zu können ist auch normalerweise ein recht befriedigendes Gefühl, wenn man dabei nicht dauernd ausgenutzt wird oder anderes dahinter steckt.
Und es bringt ab und zu auch Anerkennung, nach der sich im Grunde alle Menschen sehnen, das ist völlig menschlich.
Aber wenn man von dieser Anerkennung oder dem Wunsch nach Anerkennung abhängig wird, ist das "schräg" oder auch krank, denke ich.
Denn dann wird man wahrscheinlich auch beginnen, zwanghaft zu handeln, um ein bestimmtes Gefühl erreichen zu können.

Du schreibst, Du fühlst Dich leer, wenn Du an einem Tag mal keinem helfen kannst.
Das finde ich schon bedenklich, man muss doch nicht jeden Tag jemanden helfen, sondern es soll auch immer genug Zeit da sein, um sich ausreichend um seinen eigenen Bedürfnisse zu kümmern.
Es ist nicht falsch, sich erstmal selbst an die erste Stelle zu setzen! Und wenn dann noch Zeit und Raum ist, kann man gerne auch anderen helfen, dagegen ist ja gar nix zu sagen.

Allerdings, wenn Du Deine Kraft diesbezüglich in einen nassen Alkoholiker ohne Krankheitseinsicht steckst, ist das verbrannte Zeit und Energie, denn Du wirst nichts bewirken können, auch nix helfen können.
Und selbst bei Krankheitseinsicht und entsprechenden Maßnahmen musst Du nicht helfen, kannst es vielleicht gar nicht.
Denn gewisse Schritte sollte vom Suchtkranken selbst ausgehen.
Mir war es beispielsweise ganz klar, das ich mir allein eine SHG suche und auch allein da hingehen werde.
Meine Tochter hatte mir nach meiner Entgiftung auch Adressen hingelegt, ich wollte aber nicht, das da irgendjemand mit reingezogen wird, das war und ist MEINE SACHE, für die ich ganz allein verantwortlich bin und niemand sonst.
Ich glaube, die Wurzel davon liegt eher in meiner Erziehung. Ich musste von kleinauf funktionieren und meine Bedürfnisse zurückstellen, da meine Mutter öfter für längere Zeit in der Psychiatrie war und mein Vater mit Arbeit plus kleinem Kind logischerweise überfordert
Anonymia, schon kleine Mädchen werden oftmals auch heute noch in eine gewisse Frauenrolle reingedrückt. Und früher war das gang und gäbe.
Es wird dieses Umsorgende forciert, das sich kümmern (wird beispielsweise schon an Puppen geübt) etc.pp.
Noch heute wird meist der Frau die Rolle der "Familiengesundheitsministerin" der gesamten eigenen Familie zugeschustert und all diese Sachen...
Wenn dann noch so eine Situation wie Du sie beschreibst, dazukommt, wird das alles ja noch extremer und dann übernehmen auch Kinder schon Aufgaben, die absolut nicht kindgerecht sind.
Und die Saat für ein mögliches Helfersyndrom und vielleicht auch einer CO-Abhängigkeit wird so bereits früh gesät...
Bei mir war es anders herum, ich hatte einen sehr kranken Vater, der viele Jahre lang unter seiner Krankheit litt.
Aber meine Eltern haben mich und meinen Bruder da völlig rausgehalten.
Ansonsten hätte ich wohl auch "große Chancen" gehabt, in eine Helferrolle zu rutschen.
wie auch immer, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Wichtig ist nur, dass ich aus dem CO-Verhalten rauskomme, damit die Zukunft anders werden kann.
So ist es und für unsere früheste Vergangenheit wie die Kindheit können wir auch nix !
Kinder können sich gegen gewisse Dinge auch noch gar nicht wehren.
Für sie sind auch voll merkwürdige Sachen "normal", wenn es in der Familie als normal suggeriert wird.
Kinder sind von ihren Eltern geradezu abhängig bis zu einem gewissen Alter und die Eltern sind in dieser Zeit für ihr Wohlergehen zuständig.

Tja, keiner kann seine Vergangenheit ändern, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nun denken würde, alles muss immer so weiter laufen, weil es bisher so war.
Ich glaube an die Möglichkeit der Veränderung!
Wenn man es denn will und auch bereit ist, die eigene Komfortzone zu verlassen und auch selbst was zu verändern.
Ich glaube allerdings nicht an die vollkommene Veränderung eines Menschen, bestimmte Charaktereigenschaften sind nun mal einfach in einem drin und auch bestimmte Verhaltensmuster.
Einiges wird einem ja sogar vererbt. :wink:
Ich merke das übrigens immer ganz deutlich, wenn ich liebe Leute treffe, die ich schon aus meiner Kindheit kenne und dann oft verwundert bin, das sie auch heute grundsätzlich noch so sind.
Das soll nix Negatives bedeuten, um Gottes Willen, eher im Gegenteil, ich empfinde das oft als etwas sehr beruhigendes, als wie eine Art "nach Hause kommen".
Und doch gibt es auch Veränderungen bei diesen Menschen, aus ganz unterschiedlichen Gründen heraus, das Leben schreibt ja auch die eigene Geschichte.
Also denke ich, das Veränderung grundsätzlich möglich ist, aber man auch irgendwie trotzdem der bleibt, der man ist und immer war.
Und das ist auch beides gut so, finde ich.

Im Falle eines Helfersyndroms denke ich also, das man das nicht völlig ablegen kann (viele machen ja sogar n Beruf draus :wink: ) .
Aber ich hoffe, das man es zumindest in gesündere und vielleicht auch befriedigendere Bahnen lenken kann.
Und das wirst Du halt bei einem alkoholkranken Menschen ohne Krankheitseinsicht kaum erreichen können.
Im Gegenteil, Du wirst beschimpft und gedemütigt werden und Schuld zugeschoben bekommen als "Dank" für Deine Bemühungen. :evil:
Mache doch lieber etwas, was Dir persönlich auch mehr bringt, Hilfe wird an vielen Stellen benötigt und dann auch wirklich GERN angenommen. :)
Übernächsten Dienstag hab ich einen Termin bei der Suchtberatungsstelle für Angehörige und werde dort das Thema Co-Abhängigkeit ansprechen und mir Hilfsangebote suchen. Vom Kopf her möchte ich nämlich keineswegs mein Leben damit verbringen, von einem "Pflegefall" zum nächsten zu springen! Aber mein Herz diktiert irgendwie immer was anderes..
Das finde ich klasse, das Du das machen willst ! Bitte aber auch wirklich machen !
Ich lese hier oft, das es für CO-Abhängige zu wenig Hilfsangebote gibt, aber ich bin mir nicht sicher, ob es wirlich so ist...
Ich könnte Dir nämlich beispielsweise auf Anhieb 3-4 extrem gute Hilfsangebote auch speziell für CO-Abhängige in meiner Stadt nennen, wo man auch zeitnah Hilfe bekommen kann.
Ein guter Therapeut, der sich speziell mit CO-Abhängigkeit auskennt, ist sicher auch ne gute Adresse, der könnte Dir dann ein guter Trainer sein, um das in gesündere Bahnen zu lenken.
Und ob er da geschult ist, kann man freundlich erfragen. Ich zumindest würde das wissen wollen.

Tust Du nichts für Dich diesbezüglich, ist es wahrscheinlich, das Du Dich immer wieder in so einer Beziehung wiederfinden wirst, wo der Partner der Hilfsbedürftige ist und Du das fleissige Helferlein.
Wenn Du hier mal aufmerksam mitliest oder mitgelesen hast, sind viele CO-Abhängige nicht das erste Mal in so eine Situation geraten.
Und vielleicht wird sogar unterbewußt genau nach so einer Konstellation gesucht?

Liebe Anonymus, Du bist momentan sicher noch im Entzug nach dem EX, ist wohl auch normal so.
Aber glaube es mir, je mehr Zeit ohne Kontakt vergeht, desto leichter wid das. Auch wenn Du es Dir momentan nicht vorstellen kannst. :wink:
Du muss erstmal über diese erste schwere Zeit hinweg.
Und immer, wenn Du wieder Kontakt zulässt, wirst Du emotional wieder zurückfallen und es wird Dir wieder schlecht gehen.
Ist so wie ein kurzzeitg abstinenter Alkie, der wieder säuft... da bist Du auch innerhalb kürzester Zeit wieder auf dem alten Saufstand, wenn nicht noch schlimmer, weil man ja so viel "nachzuholen hat"...

Ich wünsche Dir viel Kraft, das Du konsequent bleiben kannst und Dich nicht wieder in die alte Situation zurück begibst.
Fall nicht auf all die nicht ernstgemeinten Versprechen oder sonstwas rein, die ein nasser Alkie von sich gibt.
Die sind nämlich keinen Pfifferling wert, und dienen nur dazu, den CO wieder gefügig zu machen, bzw. bei der Stange zu halten.

Wie geht es Dir denn heute?

LG Sunshine

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 05.11.2019, 19:05

Liebe Sunshine,

heute geht es mir ziemlich gut. Ich freue mich, dass du dir die Mühe gemacht hast, mir so ausführlich zu schreiben :)

In letzter Zeit bemühe ich mich, achtsamer durch den Tag zu gehen. Dabei fällt mir auf, dass ich meistens mit meinen Gefühlen so sehr bei meinem jeweiligen Gegenüber bin, dass es mir schwer fällt, mich selbst zu spüren! Ich bin richtiggehend darauf getrimmt, zu erspüren, was mein Gesprächspartner gerade benötigt. Das ist sogar im Büro der Fall im Miteinander mit den Kolleginnen.

Ich glaube, ich fühle mich deshalb so komisch, wenn ich niemandem helfen kann, weil ich das Helfen irgendwie als Daseinsberechtigung verstehe.. au weia, ich kann den Termin kaum noch erwarten. Zum Glück dauert es nur noch eine Woche. Da liegt wohl vieles vergraben bei mir. Schon das reinspüren in mich selbst verursacht mir ein schlechtes Gewissen. Ein Ex-Freund von mir sagte mal, dass er es schade findet, dass ich mich immer nur um andere kümmere und dabei alles, was ausschließlich für mich selbst gut wäre, ignoriere. Anfangs war ich über diese Bemerkung verärgert, weil ich es so verstanden habe, dass er mein Ehrenamt kritisiert. So langsam verstehe ich aber, was er damals gemeint hat!

Bei uns in der Stadt gibt es zum Glück recht viele Angebote für Co-Abhängige und auch Selbsthilfegruppen. Am Liebsten wäre mir eine Misch-Gruppe aus trockenen Alkoholikern und Co´s. Ich denke, da profitiert man am meisten. Ich lass mir nächste Woche am besten bei meinem Einzelgesprächs-Termin Tipps geben.

Oh ja, der Entzug nach meinem XY ist nach wie vor stark da. Ich halte konsequent die Kontaktsperre. Das letzte Mal habe ich ihn vor 8 Tagen gesehen, weil er in mein Stammlokal kam. Ich habe aber nicht mit ihm gesprochen. Nun meide ich mein Stammlokal, weil es mich dermaßen runtergezogen hat, ihn zu sehen... das geb ich mir vorerst lieber nicht. Jeder Tag, der vergeht, ohne dass ich ihn sehe oder was von ihm höre, hilft mir weiter. Eine liebe Freundin kümmert sich derzeit rührend um mich. Ruft täglich an, um zu fragen, wie es mir geht und wir treffen uns mindestens 2x pro Woche, um gemeinsam zu kochen und spazieren zu gehen. Sie zwingt mich auch immer mal wieder, dass ich mich von ihr bedienen lasse - was mir richtig schwer fällt. Aber es ist schön :D

Übrigens hab ich einen Vorsatz für Weihnachten. Ich möchte mir dieses Jahr selber einen selbst gebastelten Kalender für 2020 schenken mit Gutscheinen für jeden Monat. Somit verpflichte ich mich mir selbst gegenüber, mir jeden Monat was Gutes zu tun. Solche Kalender hab ich schon öfter an Freunde verschenkt ;)

Hast du deine Geschichte auch hier irgendwo stehen, liebe Sunshine? Die würde ich auch sehr gerne mal lesen.

Liebe Grüße
Anonymia

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Twizzler » 06.11.2019, 07:16

Liebe Anonymia,
Ich möchte mir dieses Jahr selber einen selbst gebastelten Kalender für 2020 schenken mit Gutscheinen für jeden Monat.
Beim Lesen deines Beitrages ist mir eine ähnliche Idee gekommen wie dir der Vorsatz.
Wie wäre es denn, wenn du dir einmal in der Woche oder von mir aus auch jeden Tag eine Kleinigkeit gönnst die nur für dich ist und dir gut tut.
Ein Stück Kuchen, ein schönes Bad, ein leckerer Tee.
Deine eigene kleine Auszeit, die du dann auch ganz bewusst wahrnimmst und genießt.
Und dir auch ganz bewusst machst, das mache ich jetzt nur für mich und ich werde es genießen weil ich es wert bin etwas für mich zu machen.

War nur so ein Gedanke der mir kam. Muss nichts großes sein und muss nichts kosten.
Vielleicht auch einfach mal für zehn Minuten bewusst raus zu setzen und die Vögel oder die Wolken beobachten.

Schön, dass du eine Freundin hast, die so zu dir steht. Das ist ganz viel wert. Und sie macht ihre Sache ja scheinbar sehr gut, wenn sie dich "zwingt" dich auch mal etwas bedienen zu lassen. :wink:

Auch toll finde ich, wie sehr du doch schon auf dich selbst achtest. Du meidest dein Stammlokal weil er dir evtl. über den Weg laufen könnte.
Das ist Selbstfürsorge. Du möchtest nicht, dass es dir hinterher schlecht geht.
Ich denke, du bist auf einem sehr guten Weg.

LG

Twizzler

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 07.11.2019, 07:03

Guten Morgen, ihr Lieben.

Leider hab ich letzte Nacht einen Fehler gemacht. In einem blöden Anflug von Sentimentalität hab ich meinen XY entsperrt und ihn angeschrieben, weil ich wissen wollte, wie es ihm geht. Hatte erst seinen besten Kumpel gefragt und der meinte, er hätte schon länger nichts mehr von ihm gehört. Hab mir deshalb Sorgen gemacht, ob ihm was passiert ist.

Guess what? Mein XY hat mir direkt das nächste Lügenmärchen aufgetischt. Er sei seit 6 Tagen trocken, ganz ohne Hilfe von außen. Wer´s glaubt! Er ist ein starker Trinker, der schon morgens mit dem Alkohol beginnt. Das kann niemals sein, dass er von heute auf morgen ganz alleine damit aufhört. Ich hab ihn mal erlebt, als er einen Tag nichts getrunken hat, da hatte er Entzugserscheinungen, wie ich es bisher nur aus dem Film "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" kannte.

Ich frag mich, warum er nicht einfach ehrlich sein kann. Und warum er keine professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Liegt das an dem Stolz der Männer? Dieses ich-muss-alles-allein-schaffen-Ding?

Ach und ich ärger mich so sehr über mich selbst. Was hab ich denn erwartet? Dass nach zwei Wochen Kontaktsperre ein Wunder geschieht und er nun nen stationären Entzug durchzieht? Tjoah ich glaub wohl auch noch an den Nutellabaum und fliegende Einhörner..

Liebe Grüße
Anonymia

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 08.11.2019, 12:08

Tjoah.. und nun hab ich auch noch erfahren, dass er schon die Nächste am Start hat.. das tut weh. Ausgetauscht und kalt lächelnd ersetzt worden nach gerade mal 3 Wochen Beziehungsaus.

Immerhin hilft mir das, klarer zu sehen. Ich hab mich wohl von Anfang an in ihm getäuscht. Zum Glück ist bald endlich der Termin bei der Angehörigenberatung. Ich möchte aus der CO-Abhängigkeit raus, und zwar so schnell wie möglich!

Dieses Gefühl, nichts wert zu sein, steigt natürlich durch seinen schnellen Austausch ins Unermessliche :(

Traurige Grüße
Anonymia

Aurora
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Aurora » 08.11.2019, 20:18

Liebe Anonymia,

ja, er hat dich wohl schnell ersetzt, und das ist gar nicht mal so selten, dass es so passiert. Das hat aber nichts mit dir zu tun oder dass du nichts wert bist! Leg mal diese Gedanken ganz schnell in eine Kiste und schließ die gut ab!

Es ist bei vielen Abhängigen einfach ein Zeichen ihrer Erkrankung. Sie müssen eine gegangene Co schnell durch eine neue ersetzen. Und anscheinend sind da immer genug da, die sich da einlassen... was genau das für einen Alkoholiker bedeutet, eine Coabhängige zu haben, kann ich nur spekulieren. Ich bin ja selbst keine Alkoholikerin sondern Co. Aber ich denke, eine Co gibt das Gefühl eines intakten Lebens, zumindest nach außen. Sie kümmert sich, bedauert und tröstet und wischt Körperinhalte weg, die aus dem Alki heraus kommen. Sie sorgt sich und kümmert sich um Dinge des Alltags, die der Abhängige selbst nicht mehr erledigen kann.

Ich hoffe, du hast ihn gleich wieder gesperrt. Denn du merkst ja selbst, dass dir das alles nicht gut tut. Und was hast du auch davon? Er tischt dir Geschichten auf, die du ihm sowieso nicht abnimmst. Eine Gemeinschaft auf Augenhöhe ist das so nicht. Das ist eher Kontrolle und Kontrolle ist ein wesentliches Merkmal für Coabhängige. Und genau so das "ich hab mir Sorgen gemacht". Dieses Gefühl von "ohne mich kann das nichts werden mit ihm". Ich kenne das nur zu gut. Es ist schwierig, diese Verhaltensmuster zu ändern.
Ich möchte aus der CO-Abhängigkeit raus, und zwar so schnell wie möglich!
Mach da mal langsam, denn anders geht das nicht. Du kannst aus der Abhängigkeit mit deinem Ex schnell raus kommen aber deine Muster bist du leider dadurch nicht gleich los! Die Angehörigenberatung kann dich hoffentlich da gut unterstützen und der Austausch mit anderen Cos.

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende, mit Kontaktsperre zu deinem Ex, damit du zur Ruhe kommen kannst

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 10.11.2019, 09:35

Guten Morgen, liebe Aurora.

Ja, vermutlich wollte er so schnell wie möglich eine neue Krankenschwester um sich haben. Ich hab ihn ja immer bekocht und für ihn aufgeräumt und so.. gesperrt hab ich ihn direkt wieder. Macht ja keinen Sinn, wenn ich mich selber quäle.

Gestern hab ich mir einen schönen Tag mit meinem besten Kumpel gemacht. Vormittags war ich beim Frisör und hab mir einen neuen Haarschnitt zugelegt als Zeichen dafür, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt. War dann mit meinem Kumpel tanzen, das war herrlich. Ich kannte dieses Gefühl gar nicht mehr, wie es ist, wenn man nicht selber fahren muss und auch sonst einfach nur sein darf und nicht die "Kümmererin" spielen muss. Im Wald waren wir auch spazieren. Wie herrlich man im Wald doch Kraft tanken kann...

Interessanterweise geht es mir nun deutlich besser. Gerade, weil eine neue Frau da ist, kann ich die Verantwortungslast endlich von meinen Schultern runterlassen und muss mich nicht immer mit Fragen herumärgern wie "was macht er gerade, säuft er sich jetzt kaputt?" weil ich weiß, dass er nicht alleine ist und sich jemand um ihn kümmert.

Liebe Grüße
Anonymia

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