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Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 14.11.2019, 17:12

So, der Termin bei der Angehörigenberatung liegt nun schon zwei Tage hinter mir.

Ich musste mich erst mal von meinem Ärger erholen, bevor ich euch berichten wollte. Leider scheint die Angehörigenberatung - zumindest in meiner Heimatstadt - nur dahin abzuzielen, den Angehörigen noch gefügiger zu machen und schön bei der Stange zu halten. Ich wurde mehr oder weniger dazu überredet, doch Mitleid mit meinem armen, suchtkranken XY zu haben und möglichst wieder zu ihm zurückzugehen. Äh.. nein??? Glücklicherweise hab ich hier so viel im Forum gelesen, dass ich stark genug sein konnte, das Gespräch nach ner halben Stunde abzubrechen und nicht einzuknicken.

Ich hatte den ganzen gestrigen Tag ein übles schlechtes Gewissen meinem XY gegenüber, habe die Kontaktsperre jedoch aufrecht erhalten. Ich hab mein Bestes getan und möchte nun nach mir schauen. Leider gibt es keine direkte Beratung für CO-Abhängige. Die Dame von der Beratungsstelle meinte, dazu müsse ich mich an einen Psychologen wenden.

Werde mich nun meinem Projekt Kalender für 2020 basteln zuwenden :)

Ich wünsche euch einen schönen Abend!

Liebe Grüße
Anonymia

Linde66
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Linde66 » 14.11.2019, 19:35

Hallo Anonymia,
es tut mir leid, daß du nicht die Unterstützung bekommen hast, die dich aktuell weiterbringen würde.
Aber laß dich nicht unterkriegen. :)
LG, Linde

Sunshine_33
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Sunshine_33 » 14.11.2019, 23:34

Hallo Anonymia,

Mal so aus dem Nähkästchen geplaudert:
Ich kenne 3 Suchtberater persönlich, alle 3 haben keine spezielle Ausbildung oder Schulung dafür.
Mit zweien bin ich befreundet bzw. weitläufig verwandt, und einen habe ich bei der betrieblichen Suchtberatung meiner damaligen Firma wieder getroffen, den kannte ich von früher und wußte also auch, was der früher so beruflich gemacht hat. :wink:
Die sind alle 3 auf unterschiedlichen Wegen in die Suchtberatung gekommen, ist halt n Job und es gibt Kohle dafür.
Man kann also nicht unbedingt damit rechnen, das man dort auf geschultes Personal trifft, mitunter nicht mal auf Personal mit wirklichem Interesse an der Sache.
Ich will damit nicht sagen, das es immer so ist, es gibt sicher auch sehr gute Suchtberater, die fachlich informiert sind etc.
Aber es gibt auch die von mir geschilderte Variante.

Du bist an eine "Suchtberaterin" geraten, die scheinbar keine Erfahrung mit CO-Abhängigkeit hat.
Ansonsten hätte sie Dir niemals diesen Rat gegeben.
Das tut mir leid, sowas kann einen ja auch entmutigen und im schlimmsten Fall wieder in die alte Falle der Abhängigkeit zurück treiben.
Ich würde auch lieber zu einer Psychologin raten, und zwar eine, die sich mit der Materie auskennt !
Das kann man vorher erfragen.
Wie und wann Du da einen Termin bekommen kannst, musst Du mal schauen, wenn Du das machen möchtest.
Auch hier kann ich aus persönlichen Erfahrungen berichten, das es sehr gute Psychologen/innen gibt, die sich da wirklich
auskennen und Dir ein guter Coach sein können.

Du fragtest, ob meine Geschichte hier auch irgendwo steht?
Ich habe die wahrscheinlich früher mal aufgeschrieben, als ich noch unter einem anderen Namen hier war.
Bin ja schon seit Ewigkeiten hier :lol: , vorher halt unter anderem Namen und nun ja auch schon wieder "inventarmäßig" lange.
Ich bin aber in der letzten Zeit kaum noch hier aktiv, und komme mit meinen 17 Jahren Trockenheit auch ohne SHG ganz gut klar.
Von daher gibt es nichts mehr aktuelles von mir zu lesen, vor allem nicht im offenen Bereich.
Da halte ich mich eher allgemein, denn ich möchte nicht, das zu viel persönliche Sachen von mir im www nachzulesen sind.

Ich wünsche Dir alles gute und die Kraft, standhaft zu bleiben. Der Rest wird sich dann von selbst ergeben, denke ich... :wink:
LG Sunshine

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 15.11.2019, 18:43

Guten Abend, ihr Lieben.

Dieses Forum ist Gold wert. Ich lese auf der Arbeit immer in den Pausen quer durchs Forum und das hilft mir soooo sehr. Ich glaube, wenn ich hier nicht schon so viel gelesen hätte, wäre ich längst wieder zu XY zurückgekrochen. Vor allem, nachdem mir die Angehörigenberaterin so ein schlechtes Gewissen gemacht hat (was ich ja eh schon habe!). ABER ich will gedanklich weg vom XY und hin zu mir. Hab keine Lust, zig Runden auf einer Achterbahn zu drehen, die niemals endet.

Auch habe ich deine Mahnung, liebe Linde, immer im Hinterkopf.. dass ich stets an meinen Sohn denken soll und was das Ganze mit ihm macht. Ich möchte daher meinen Weg weitergehen und nicht mehr zurückschauen.

Liebe Sunshine, du hast mir auch sehr geholfen. Herzlichen Dank nochmal dafür. Ich bin davon ausgegangen, dass sich eine Angehörigenberaterin automatisch mit CO-Abhängigkeit auskennt und daher völlig unbedarft in den Gesprächstermin gegangen. Da hilft es mir weiter, zu erfahren, dass es nicht zwingend geschulte Personen sind.

Dieses WE gestalte ich schön für mich und meinen Sohn. Gleich kommt eine liebe Freundin zu Besuch und wir werden ausgiebig quatschen und zusammen Ofenkartoffeln mit selbst gemachtem Dip verspeisen :D

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße
Anonymia

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 23.11.2019, 14:52

Hi ihr Lieben,

ich wollte euch mal ne kurze Wasserstandsmeldung geben.

In der letzten Woche hab ich mich darin geübt, mein CO-Verhalten in verschiedenen Bereichen zu analysieren. Ich hab es sogar geschafft, im Büro einen CO-Impuls zu überwinden und entgegengesetzt zu handeln :D normalerweise spring ich automatisch für Kolleginnen ein, wenn sie vor mir das Büro verlassen und arbeite auch Mails ab, die von den Kolleginnen eigentlich noch am nächsten Tag erledigt werden können. Ich wollte ihnen dadurch die Arbeit erleichtern. Ich befand dies nun aber eindeutig als CO-Impuls und hab nur die Mails abgearbeitet, die ich als Vertretung auch wirklich bearbeiten MUSS.

War gar nicht so leicht, Leute. Aber YES I DID IT (bzw I did it not) :D

Leider vergeht noch kein Tag, ohne dass ich an XY denke. Aber die Art der Gedanken ändert sich. Ich denke nicht mehr "oh der arme Tropf, wie geht es ihm wohl jetzt?" sondern "schade, dass ich ihm so viel abgenommen habe".

Ich glaube, ich bin gerade dabei, aus dem CO-Loch herauszukrabbeln :)

Liebe Grüße
Anonymia

Aurora
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Aurora » 26.11.2019, 18:19

Hallo Anonymia,

super, wie du das machst!

Lieber Gruß
Aurora

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 27.11.2019, 20:09

Danke, Aurora :)

Irgendwie stelle ich zur Zeit fest, dass ich absolut unfähig bin, für mich selbst zu kämpfen. Ich hab hier irgendwo in einem CO-Faden kürzlich gelesen, dass eine Person sich selbst als unselbstständig empfindet, aber wenn sie sich für ihren XY einsetzt, agiert sie sehr selbstständig (ist ein bißchen anders formuliert in dem Faden, aber darauf läufts raus). So ist das bei mir auch. Wenn ich auf mich selbst gestellt bin, fühl ich mich irgendwie hilflos und komisch. Aber beim XY hab ich alles gemanagt und 99% der Anwaltskorrespondenz für ihn geführt.

Woran liegt das nur? Wenn es ums helfen geht, bin ich doch auch selbstständig, kann kämpfen und stark sein, warum kann ich das nicht für mich?

Liebe Grüße
Anonymia

Linde66
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Linde66 » 28.11.2019, 00:48

Hallo Anonymia,
mir ist vor Jahren aufgefallen, daß ich in der Peripherie ziemlich fit war, aber je näher ich mir selber gekommen bin, um so schwieriger wurde es. Es fiel mir leichter, an anderen herum zu tüfteln, als meine eigenen Dinge zu regeln.

Ich habe dann herausgefunden, daß es etwas damit zu tun hatte, daß ich mich selber nicht fühlen konnte oder wollte. Denn aus Kindheitserfahrungen heraus sind meine eigenen Gefühle ein Minenfeld. Irgendwann war es "leichter" gar nichts mehr zu fühlen, als die ganzen schlimmen Gefühle meiner Kindheit.

Je mehr etwas mit mir selber zu tun hatte, desto beängstigender wurde die Situation und desto unvorstellbarer wurde es, daß ich selber etwas an meiner Situation verbessern konnte. Komplette Handlungsunfähigkeit ist kein schönes Gefühl. Genausowenig wie das Ohnmachtsgefühl, das sich eingestellt hat, weil man ja nichts tun kann, wenn man nichts spürt.

Von daher bewegte ich mich leichter in der Peripherie, im Außen, bei anderen... jahrelang: in den Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Familie. Ich war überall, nur nicht wirklich bei mir.

Der Rückweg zu mir selber hat lange gedauert und war und ist tägliche Aufgabe. Es ist nicht einfach, den Fokus zu verändern, wenn man die eigene Mitte nicht spürt. Ich hatte panische Angst mich zu spüren. Wenn ich das Fensterchen aufgemacht hätte für schöne Gefühle, wären ja gleichzeitig durch diese Öffnung auch die schlimmen Gefühle dagewesen. Davor hatte ich zu große Angst. Also dichtmachen und weit, weit weg von mir aktiv werden...

Es ist ein Prozeß. Ich habe Vertrauen darauf, daß irgendwas in mir drin richtig tickt und weiß, wo der Weg lang geht. Immer wieder hinspüren, wie sich was anfühlt. Mir hat es geholfen zu schauen, ob ich grad im Hier und Heute bin, oder ob ich gerade in einer alten Zeitschleife festhänge. Denn HEUTE kann ich ja tatsächlich was bewegen, damals nicht.

LG, Linde

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