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Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Inka
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Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 06.11.2019, 08:54

So ihr Lieben,

ich mach dann mal hier weiter.
Der Vergleich mit den Tagen, die ich wie Perlen aneinander reihe, gefällt mir gut, weil Perlen ja etwas Schönes, Wertvolles sind.
So möchte ich das jetzt versuchen zu betrachten - jeder nüchterne Tag ist wertvoll, und ich wünsche mir, dass es möglichst viele werden.

Ich mach mir nichts vor... die Wahrscheinlichkeit, dass ich früher oder später auf die Nase falle, ist relativ groß. :-|
Aber ich möchte jetzt dran bleiben. Dieses "ich will" kriege ich gedanklich noch nicht hin, davor hab ich einen Riesenrespekt.
Meine Hoffnung ist, dass es mit jedem Tag ein bisschen leichter wird, und dass ich irgendwann denke: hey, jetzt hast du schon XXX Tage geschafft, das willst du doch jetzt nicht wegwerfen!

Nächste Woche hab ich den Termin in der Suchtambulanz. Dem sehe ich völlig gelassen entgegen, weil mich die Ärzte da erstens nicht kennen und die ja zweitens ausschließlich mit Sucht zu tun haben und das für die Alltag ist. Da habe ich keine Hemmungen oder Angst davor, die Karten auf den Tisch zu legen. Die medizinische Untersuchung schreckt mich auch nicht. Meine Hausärztin macht bei mir regelmäßig alle paar Monate ein großes Labor, weil ich eine Autoimmunerkrankung habe und man das da im Auge behalten muss. Da waren zumindest die Leberwerte immer total unauffällig.
Bauchspeicheldrüse war mal nicht so doll, da wurde dann auch eine Sonographie gemacht, die aber nichts ergeben hat.

Aber auch das Thema SHG steht ja im Raum, und da hat es sich dann mit der Gelassenheit. :?
Die Rahmenbedingungen wären super, es gibt eine Freitagsgruppe ganz in meiner Nähe... da könnte ich locker zu Fuß hingehen (hab kein Auto), und Freitag finde ich auch gut, so zum Wochenabschluss, und freitags ist es ja auch egal, wenn man ein bisschen später ins Bett kommt.

Aber ich hab so einen Schiss!! :cry:
Ich kenn doch da (hoffentlich?!) keinen, und ich bin doch so schüchtern... ich kann doch da nicht einfach so hingehen und sagen "Hallo, ich bin die Inka und Alkoholikerin, kann ich bei euch mitmachen?" Schon bei dem Gedanken wird mir ganz schlecht.

Ok, ich sollte jetzt eigentlich mal was arbeiten... *hust*
Habt einen schönen Tag!

Liebe Grüße, Inka

Inka
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 06.11.2019, 08:54

Shit, das war mein RL-Name! Hab ich grad gepennt, weil meine Kollegen mit mir gesprochen hat. Kann das bitte jemand editieren?

erledigt. lg Morgenrot

Morgenrot
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Morgenrot » 06.11.2019, 11:13

Hallo Inka,

falls ich dich noch nicht begrüßt habe, hole ich das mal nach.
Herzlich willkommen bei uns.

Ich habe deinen Namen editiert.

Ich möchte dir aber auch Mut machen, für die realen SHG`s die du dir ansehen willst.
Vergiss nicht, die Menschen sind alle aus dem gleichen Grund dort, du brauchst dich nicht verstecken.
Ich habe mal in einem gemischten Meeting einen Lehrer meines Sohnes getroffen, klar ist da erst einmal Erstaunen und ein kurzer Moment der Panik, aber das vergeht.


lg Morgenrot

Twizzler
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Twizzler » 06.11.2019, 14:40

Hallo Inka,

wie schön dich hier zu lesen.
Bei der SHG brauchst du gar nicht bange sein. Du musst ja bedenken, es sind Menschen die genau das gleiche Problem haben wie du selber auch. Dann müsste es denen theoretisch genauso peinlich sein.
Ich sage müsste, weil ich es keineswegs peinlich finde wenn man sich ein Problem eingesteht und dagegen angehen möchte.
Das verdient in meinen Augen sogar großen Respekt.
Also geh mit erhobenen Kopf dorthin.
Viele Menschen wären gerne schon soweit wie du :)

LG

Twizzler

Carl Friedrich
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Carl Friedrich » 06.11.2019, 18:58

Hallo und willkommen!

Klar ist das irgendwie sonderbar, in einer SHG oder einer ambulanten Therapie jemand zu treffen, den man schon kennt.

Ehrlich gesagt, war es mir seinerzeit gar nicht so recht, dort jemanden zu treffen, den ich kannte. Aber da musste ich durch. Das mulmige Gefühl legte sich zwar mit der Zeit etwas, aber es blieb dennoch in kleinerem Ausmaß die ganze Zeit über erhalten. Ein befreiter Dialog wie mit "Fremden" kam bei mir nicht zustande.

Sieh mal, die Gruppe tagt in deiner Nähe.

Falls Du keine "bekannten Gesichter" treffen möchtest, dann wirst Du dir eine Gruppe suchen müssen, die weiter weg beheimatet ist und selbst dann hast Du keine Garantie.

Ich rate, geh hin und mach dir ein eigenes Bild.

Gruß
Carl Friedrich

Inka
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 07.11.2019, 10:37

Guten Morgen zusammen!

Vielen Dank für's Editieren, Morgenrot. :)

Also wegen der Selbsthilfegruppe... ich glaub eigentlich nicht wirklich, dass ich da jemand bekanntes treffen würde.
Persönlich kenne ich in meiner Wohngegend kaum Leute, außer vom Sehen halt. Peinlich fände ich es, wenn da dann z.B. eine Kassiererin aus einem der Supermärkte sitzen würde, wo ich immer meinen Stoff gekauft hab. Au weia. :shock:
Das Problem bei einer entfernteren Gruppe ist, dass ich kein Auto habe und es mit den Öffentlichen abends halt auch nicht mehr so doll aussieht, wenn man nicht gerade in einer Großstadt lebt.

Schiss hab ich hauptsächlich, weil ich mich mit Gruppen und fremden Leuten grundsätzlich furchtbar schwer tue. Schlimmes Mobbing in der Schule früher... das hat mich echt richtig traumatisiert. Zumal ich damals psychisch eh schon am Boden war, da gab mir das den Rest.
Suizidversuch, Jugendpsychiatrie, Schulabbruch, blah.

Also das könnte jetzt auch ein offener Spieleabend sein oder eine Umweltschutzgruppe oder so, und ich hätte fast genauso viel Angst.
Klar, offen auszusprechen, dass ich Alkoholikern bin, stellt schon auch eine gewisse Hemmschwelle dar, aber das würde ich schon schaffen.
Ich geb mir jetzt eh noch eine Woche Schonfrist, denn morgen Abend ist mit meinem Freund verplant, da kann ich nicht.
------

Themawechsel...
Meine Gefühlswelt ist eine einzige Achterbahn.
Gestern Nachmittag wurde ich wieder zunehmend unruhig und grantig, weil ich mich mittwochs sonst immer schon ab Mittag auf den ersten Schluck nach Feierabend gefreut hab, und gestern war da halt wieder nix zum drauf Freuen. Also hatte ich weder Lust, weiter zu arbeiten, noch Lust auf zu Hause. Außerdem war ich extrem genervt und innerlich gestresst durch den ganzen Kram, den man halt nach Feierabend noch so zu erledigen hat.
Dazu konnte ich mich auch immer ausschließlich unter Alkoholeinfluss einigermaßen motivieren. Der war das Benzin für meinen Motor.
Schwer gefallen ist es mir trotzdem immer, aber jetzt ist es noch viel schlimmer. Sch*** Depression, Sch*** Antriebslosigkeit. :evil:

Gestern Abend dann gemütlich eingekuschelt im Bett und mit einer interessanten Doku auf Netflix war ich dann eigentlich ganz ruhig und zufrieden und bin irgendwann friedlich weggeduselt.

Heute Morgen dann wieder Land unter und Weltuntergangsstimmung. Ich hätte sonst was für ein bisschen Stoff gegeben.
Morgens ist es immer besonders schlimm, jedenfalls wenn ich alleine, also daheim aufstehen muss.
Ich fühle mich dann richtig nackt und schutzlos und den ganzen negativen Gefühlen hilflos ausgeliefert.
Der Kokon, in den ich mich immer eingesponnen habe, fehlt.
Und dann kommen solche Gedanken wie: "Vergiss es doch, das schaffst du sowieso nicht, jeden Tag diesen Kampf. Gib lieber gleich auf, wozu die Quälerei? Du hältst doch eh nicht durch".
Überlegungen, wann und wo ich wieder was kaufen könnte (nicht so bald, weil ich jetzt bis Montag bei meinem Freund bleibe).
Gleich wieder verworfen. Wieder rausgekramt. Genervt Wasser und heiße Brühe getrunken, weil ich nicht mal Cola oder Energy da hatte.

Dann komm ich ins Büro und wär am liebsten gleich rückwärts wieder raus - Fenster sperrangelweit offen, knapp 18°C. Geht's eigentlich noch??
Irgendwann raste ich noch aus wegen dem Frischluftwahn meiner Kollegin. :evil:
Kommentarlos und mit zusammengebissenen Zähnen, damit ich nicht los maule, das Fenster zu gemacht.

Joah, und jetzt sitze ich hier und bin einfach nur leer. Will nichts und niemanden und hab einfach keine Lust mehr.

Aber noch geb ich mich nicht geschlagen. Weiter geht's. Immer einen Tag nach dem anderen.
Wann wird das leichter...?

Thalia1913
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Thalia1913 » 07.11.2019, 17:08

Liebe Inka,
Wann wird das leichter...?
Bald. :-)

Dein Bild, einen (trockenen) Tag an den anderen zu reihen wie Perlen ist schön!

Und darauf kommt’s am Anfang vor allem an - abstinente Zeit ansammeln. Ich kann mich noch gut erinnern an die Stimmungsschwankungen, die innere Unruhe, auch Aggression und Frustration in den ersten Tagen.

Überhaupt fühle ich mich durch einiges, was du von dir beschreibst, an mich erinnert.
Morgens ist es immer besonders schlimm, jedenfalls wenn ich alleine, also daheim aufstehen muss.
Ich fühle mich dann richtig nackt und schutzlos und den ganzen negativen Gefühlen hilflos ausgeliefert.
Der Kokon, in den ich mich immer eingesponnen habe, fehlt.

Auch hier wieder: Ich kann dich so gut verstehen!

Es braucht Geduld mit dir selbst. (Das fällt mir oft auch heute noch schwer!)
Und ich habe auch in solchen Situationen, wenn ich dachte „Ich schaff das nicht“, und mir alles zu viel wurde, und ich dachte, „wie soll ich meinen Alltag nur ohne Wein meistern“, eine Sprudelwasserpause gemacht. Wasser getrunken, tief durchgeatmet, vielleicht vor mich hingemurmelt „Eins nach dem anderen“ (das hat mir oft geholfen, wenn ich mich von den Anforderungen, die an mich gestellt wurden - oder die ich an mich stellte - überrannt fühlte.) Ganz ruhig. Eins nach dem anderen.

Ich habe übrigens erst nach einem halben Jahr Abstinenz den Weg in eine reale SHG gefunden (in der ich jetzt noch bin). Ich mag, ähnlich wie du, auch solche Situationen mit fremden Leuten gar nicht gerne (auch hier hatte mir der Alkohol zuvor “geholfen“, meine sozialen Ängste überspielen zu können. (Nicht überwinden, das geht erst ohne!)

Wenn du dich doch hin traust, kannst du ja auch, wenn du dich vorstellst, gleich sagen, dass du sehr unsicher bist und beim ersten Mal noch nicht so viel sagen möchtest. Ich bin ziemlich sicher, dass das respektiert wird.

Ich wünsche dir hier weiterhin einen guten Austausch und für die nächsten Tage eine wachsende Ruhe im Bauch.

Alles Gute!
Thalia

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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 08.11.2019, 09:23

Guten Morgen Thalia,

du glaubst gar nicht, wie gut es mir getan hat, hier gerade deinen lieben Eintrag zu finden!
Hat ein ganz warmes Gefühl im Bauch gemacht. Vielen Dank dafür! :-*
(Hier fehlt mir jetzt ein Wangenküsschen-Smilie)

Auch dass du dich in vielem wiedererkennst, was ich schreibe, tut echt gut... ich fühle mich nicht so alleine. :)

Das Forum war definitiv eine gute Entscheidung. Ohne wäre ich vielleicht schon wieder eingeknickt.
Immer wieder lesen zu können und zu dürfen, dass es machbar ist, und Mut zugesprochen zu bekommen, ist eine Riesenhilfe!

Deswegen werde ich das mit der realen SHG früher oder später bestimmt angehen - weil ich mir inzwischen echt gut vorstellen kann, was für eine tolle Hilfestellung das ist. Und Hilfe brauche ich definitiv, sonst wird das nix.
Ich muss halt noch Anlauf nehmen. Aber das ist ok. Ich mag mich da nicht unter Druck setzen... Druck hab ich zurzeit schon genug.
----------

Der gestrige Nachmittag war stimmungsmäßig ok. War ja Donnerstag, und donnerstags geht's nach der Arbeit immer zu meinem Schatz. ***
Donnerstag ist also kein Feierabend-Sauftag, insofern kam da auch kein Druck auf.
Bis Montag bin ich jetzt sowieso durchgehend bei ihm, ausnahmsweise, weil ich morgen Geb. hab. Das ist gut so.
Ich bin im Moment eh bestrebt, so wenig wie möglich allein zu Hause zu sein und so viel wie möglich bei ihm. Da bin ich halt "sicher", weil es erstens sauffreie Zone ist (wenn auch nicht alkfreie, mein Freund ist kein Anti, trinkt aber nur ganz selten was und dann nur ganz wenig) und ich zweitens bei ihm kaum Druck habe. Er ist schon ganz glücklich, weil ich sonst nie so lange am Stück bei ihm sein wollte. *lach*

Klar, es ist schon umständlich, ich muss für die Tage einen Haufen Zeug mit zur Arbeit nehmen etc., aber seit ich nüchtern bin überwiegen die Vorteile und ich nehme das gerne in Kauf. In Saufzeiten wollte ich ja dann auch irgendwann nach Hause, damit ich wieder trinken kann, logisch. :oops:
Übrigens hat er mich gestern Abend gefragt, ob wir uns ein Bier zum Vesper teilen sollen. Ich hab dann nur gesagt "Och nö, das is so kalt, lieber Tee". Wie gesagt... kleine Mengen und in Gesellschaft reizen mich eigentlich gar nicht.

Früher oder später werde ich natürlich noch offen mit ihm sprechen müssen.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er nicht ahnt, dass ich da ein ernstes Problem habe, er ist ja nicht blöd.
Vor ein paar Jahren hab ich ihm auch mal gestanden, dass ich oft aus Frust alleine daheim trinke.
Das hat ihn ganz schön verstört und ich werde nie vergessen, wie komisch er mich an dem Abend gefragt hat, ob ich ein Bier zum Vesper möchte.
Zu der Zeit war es aber noch nicht so ausgeprägt bei mir wie in den letzten Jahren, und soweit ich mich erinnere, hab ich danach auch für eine relativ lange Zeit aufgehört und er hat wohl lange gedacht (oder gehofft), es hätte sich erledigt.

Ich möchte nun gerne eine längere nüchterne Zeit vergehen lassen, bevor ich mit ihm rede, einfach damit er gleich weiß, ich bin da schon dran, und nicht das Gefühl haben muss, dass die Hütte brennt. Da fühlt er sich immer schnell hilflos und überfordert.
In der Zwischenzeit ist es kein Problem, weil er es von mir ja gewöhnt ist, dass ich zum Vesper oder beim Essen gehen so gut wie nie Alkohol trinke. Das ist nichts, was ihm besonders auffallen würde.

Ok, genug gelabert für heute. :oops:
Ist ja schlimm! *lach*

Habt einen guten Tag alle miteinander.

LG, Inka


*** Ab jetzt nenne ich ihn hier T., damit ich nicht immer "mein Freund" schreiben muss.

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