Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Inka
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 30.10.2019, 12:45
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 08.11.2019, 09:58

Sieh zu, dass du trocken bleibst, bis du auch wirklich trocken bleiben willst. So irgendwie. Nur leider ist das Trockenbleiben bis zu diesem Punkt echt schwer.
Will man denn automatisch irgendwann nüchtern bleiben, wenn man lange genug nüchtern war?
Und was, wenn nicht? :-|
Ich bin so froh, dass ich es irgendwie geschafft habe, nicht mehr trinken zu wollen.
Das ist der Klick, und wenn er nicht da ist, dann wird es sehr sehr schwer. Dann entscheidet sich jemand aus Vernunftgründen, aus Liebe, aus Angst, was weiß ich, nicht mehr zu trinken. Aber es bleibt die Hintertür offen, und dann bleibt es ein Kampf, mal mit Saufdruck, mal ohne, aber es bleibt ein Kampf.
Davor hab ich im Moment am meisten Angst, denn an dem Punkt, dass ich es wirklich will, bin ich noch längst nicht... und den Kampf, wenn es einer bleiben sollte, halte ich nicht unbegrenzt durch.

Thalia, ich hoffe es ist ok, dass ich dich hier zitiere.
Du hast es einfach so exakt auf den Punkt gebracht.

Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3698
Registriert: 27.06.2014, 10:50

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Thalia1913 » 08.11.2019, 14:42

Liebe Inka,

ja, ich fand (und finde) es auch hilfreich, mich nicht so alleine zu fühlen. Es ist ja beides wahr: nur du allein kannst es schaffen, aber du brauchst es nicht alleine zu schaffen. (So ähnlich.)

Du schriebst neulich, dass du einen Termin in der Suchtambulanz vereinbart hast. War der schon?

Deine Frage, ob „man“ automatisch irgendwann nüchtern bleiben will, kann ich nur aus meiner Perspektive beantworten. Für mich war nach einigen (vielen) Monaten der Abstinenz, in denen ich mich intensiv mit meinem Trinken und der Funktion (den Funktionen), die das Trinken für mich hatte, auseinandergesetzt hatte, irgendwann klar, dass ich abhängig war und dass es kein Zurück in ein nicht abhängiges Trinken mehr gab. Und das abhängige Trinken war (nüchtern betrachtet) wirklich schrecklich und (selbst)zerstörerisch. Das wollte und will ich nicht mehr.

Aber an dem Punkt war ich auch noch nicht von Anfang an. Wie gesagt, gib dir (nüchterne) Zeit. Und nutz die Hilfen, die es gibt. Hier schreiben und lesen. Gespräch in der Suchtberatungsstelle. Nutze alle Möglichkeiten, dich zu öffnen und „es“ nicht mit dir alleine auszumachen.

Zu deinem Freund: Warum sollte er denn denken, dass „die Hütte brennt“, wenn du ihm sagst, du willst (zumindest eine Weile) abstinent leben, weil du das Gefühl has, dein Trinken ist nicht gesund?

Ich hatte in der Vergangenheit auch manchmal den Plan, aufzuhören, ohne es jedoch jemandem mitzuteilen, und da hat dann durchaus der Gedanke mitgespielt, dass ich mir dann ja auch keine Blöße gebe oder Erklärungen liefern muss, wenn es „nicht klappt“. Spielt das bei dir auch eine Rolle?

Aber ich hab gut reden, ich konnte erst (endgültig, hoffe ich) aufhören, als ich mich von meinem Mann getrennt hatte. Daher musste ich „nur“ ehrlich mir selbst gegenüber sein und nicht noch gegenüber einem Partner.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende dir!
Thalia

Inka
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 30.10.2019, 12:45
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 11.11.2019, 08:57

Guten Morgen, Forum.
Melde mich nach wie vor nüchtern vom Wochenende zurück.
Mein Geb. war ganz schön, angestoßen wurde im Restaurant mit Majacujaschorle.

Leider hat T. das Wochenende gestern Abend noch gründlich gegen die Wand gefahren und es endete mit hilflosem Schweigen beider- und einer Menge Tränen meinerseits. Wir konnten es auch heute Morgen nicht in Ordnung bringen. Es ist nicht wieder gut.

Mir geht's richtig dreckig. Sitze im Büro und knirsche mit den Zähnen vor Anstrengung, nicht wieder loszuheulen. Bei mir sieht man jede Träne, meine Augen schwellen sofort an, die Nase wird knallrot... ich kann nicht heimlich weinen. Und ich will nicht gefragt werden. Will nicht reden.
Von der Kollegin gab es noch Geschenke, voll lieb, aber es ist so schwer gerade, mich über Wasser zu halten.

Was das heute Abend dann gibt, keine Ahnung. Ganz ehrlich, keine Ahnung. Der Druck ist riesig.
Ich bin traurig und hoffnungslos.
Ich will das heute Abend trotzdem hinkriegen, aber mehr als versuchen geht nicht. Wenn es kippt, bevor ich einkaufen gehe, wenn der Schalter mal umgeschnappt ist, ist es gelaufen. Dann spult sich das Programm ab und ich komm nicht mehr raus.
Muss irgendwie die Entschlossenheit solange aufrecht halten, bis ich den Laden betrete... spontan werde ich nichts kaufen.
Aber der Wunsch nach Betäubung ist sehr groß heute.
Dabei weiß ich ja, dass ich nach der nüchternen Zeit gar nichts mehr vertrage. Dass ich garantiert irgendwann kotzend überm Klo hängen würde und morgen früh ein totales Wrack wäre. Und natürlich noch genug übrig wäre, um dann direkt weiter zu machen. Was ich mir gar nicht leisten kann, weil ich morgen den ganzen Tag Seminar hab.
Du schriebst neulich, dass du einen Termin in der Suchtambulanz vereinbart hast. War der schon?
Der ist diesen Mittwoch.
Hab mir auch mal vorsichtig vorgenommen, diesen Freitag vielleicht zur Gruppe zu gehen.
Weiß nicht. Ist grad alles tendenziell irgendwie... egal oder so.

Und jetzt heule ich doch... und versuche, mich notdürftig hinter dem Monitor zu verstecken.
F*ck.

Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3698
Registriert: 27.06.2014, 10:50

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Thalia1913 » 11.11.2019, 17:52

Liebe Inka,

wenn du dies vor deinem Feierabend noch liest, dann wünsche ich dir Kraft - und die richtigen Mittel - um dem Druck nicht nachzugeben.
Kannst du heute Abend mit einer Freundin telefonieren? Hier schreiben? Sport machen? Dich anderweitig irgendwie ablenken?

Oder dich mit ner Kiste Wasser hinsetzen und weinen? Wenn „alles Mist“ ist, dann hilft es manchmal auch nicht, sich abzulenken, sondern dann müssen die Tränen, die Trauer, die Hilflosigkeit, die Wut, oder was da noch so ist, einfach mal raus.

Ich wünsch dir, dass du dem Druck, dem Suchtgedächtnis, nicht nachgibst, weil es ja absolut rein gar nichts besser macht.

Ich schicke einen ganz herzlichen Gruß!
Thalia

Barthell
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1344
Registriert: 24.04.2016, 14:36

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Barthell » 13.11.2019, 07:57

Ich hoffe du bist durch gekommen und heute Morgen kein Wrack!

Manchmal ist losheulen gar nicht verkehrt finde ich, klar blöd in der Firma, aber die Andern dürfen doch auch sehen wenn's dir nicht gut geht.


Ganz ganz viel Kraft wünsche ich dir!

Inka
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 30.10.2019, 12:45
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 13.11.2019, 10:36

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich hatte gestern Morgen einen langen Beitrag getippt, aber noch nicht abgeschickt, und bin dann zum Seminar... wusste nicht, dass unsere NC's automatisch runterfahren, wenn sie längere Zeit nicht bedient werden. War dann später alles weg.

Also auf ein Neues und das wichtigste zuerst - bin nach wie vor nüchtern.
Und zum ersten Mal regt sich sogar ein leiser Stolz in mir.
Es ist nämlich wirklich eine harte Zeit gerade. Sieht so aus, als würde meine 16-jährige Beziehung auseinanderbrechen.

Seit Montag Morgen haben wir uns nicht gesehen, nicht mal telefoniert, und eigentlich sperrt sich in mir auch alles dagegen.
Dennoch habe ich mir ein Herz gefasst und T. vorhin per E-Mail gebeten, dass wir heute Nachmittag einen Cappuccino trinken gehen.
Reden müssen wir ja mal, da führt kein Weg dran vorbei, aber ich möchte neutrales Terrain und die Möglichkeit, aufzustehen und zu gehen, wenn ich merke, dass es nicht funktioniert. Bei ihm in der Wohnung hätte ich gerade das Gefühl, in der Falle zu sitzen.

Ich habe kein gutes Gefühl.
Die jetzige Situation hatten wir zwar schon viele Male (das kann ich nicht so kurz mal erklären), aber im Gegensatz zu sonst fühle ich mich seltsam abgeklärt, und das ist kein gutes Zeichen. Da ist keine Panik bei dem Gedanken, dass es vielleicht zu Ende geht, nur eine tiefe Traurigkeit.
Gleichzeitig bin ich wie betäubt und habe ein ganz unwirkliches Gefühl, als würde ich einen halben Meter über dem Boden schweben.
Ich bin eigentlich gar nicht richtig da. Körper und Kopf fühlen sich ganz wattig an. Wahrscheinlich eine Schutzreaktion meiner Psyche.

Ich bin keine (Beziehungs)-Dramaqueen, und wir führen auch keine so genannte On-off-Beziehung. In den über 16 Jahren stand eine Trennung nie ernsthaft im Raum. Nur zur Erklärung der Situation. Es geht um sehr viel.

Vielen Dank für eure lieben Worte, Thalia und Barthell!

Wer mag und Zeit hat... ich könnte heute Nachmittag ein paar gedrückte Daumen gebrauchen. :(

Twizzler
neuer Teilnehmer
Beiträge: 259
Registriert: 05.11.2018, 15:00
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Twizzler » 13.11.2019, 12:35

Liebe Inka,

die sind ganz feste gedrückt. Denke an dich.

Es ist so toll, dass du trotz des ganzen Stresses nüchtern bleibst. Ich wünsche dir, dass es weiterhin so bleibt.

Viel kann ich dir gar nicht schreiben, ich kenne eure Situation nicht, aber nach einer so langen Zeit kann eine Beziehung wohl kaum ohne Schmerz beendet werden.
Aber wer weiss, vielleicht bekommt ihr ja noch einmal die Kurve.
Ich würde es euch sehr wünschen.

LG

Twizzler

Cadda
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1156
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Cadda » 13.11.2019, 18:13

Hallo liebe Inka,

Liebeskummer ist ein A....... loch. Ich drücke Dich mal auf der Ferne und wünsche Dir, dass das dabei heraus kommt, was Du Dir wünscht bzw. was gut für Dich wäre. Ich kenne das Gefühl, sich zu trennen und obwohl ich mich als starke Persönlichkeit bezeichnen würde, leide ich bei solchen Dingen wie blöd. Von daher hast Du mein volles Mitgefühl.

Super, dass Du weiterhin nüchtern bist. Es lohnt sich so sehr!!!

LG von Cadda

Antworten