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Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Lena40
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Lena40 » 13.11.2019, 21:31

Hallo Inka,

ich finde es klasse, das du weiterhin nüchtern bist! Darauf darfst du einfach mal stolz sein :)

Für deine Problematik was deine Beziehung angeht wünsche ich dir, das du auf deinen Bauch hören kannst und ihr einen guten
Weg findet, die Dinge klären zu können. Manchmal braucht man auch einfach etwas Zeit ganz für sich, um wieder bei sich selbst
anzukommen....du hast dich auf einen neuen Weg gemacht und möchtest dein Alkproblem ernsthaft angehen...du brauchst nun
alle dir zur Verfügung stehenden Kräfte für dich! Versuche bei dir zu bleiben, denn du bist gerade das Wichtigste...

Herzliche Grüße von Lena

Inka
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 15.11.2019, 08:08

Ganz lieben Dank für euer Lob und euren Zuspruch!
Es ist wirklich schön, hier so viel Rückmeldung zu bekommen, damit hätte ich nie gerechnet.

Ja, also... wir haben geredet. Ich habe es geschafft zu sagen, was ich sagen wollte, und wurde auch gehört. Wozu aber recht viel Nachdruck notwendig war, aber damit hatte ich gerechnet.
T. hat es erst geschafft was zu sagen, als ich schon wieder gehen wollte. Nachdem ich gesagt hatte, was mir auf dem Herzen lag, war erst mal Schweigen im Walde. Irgendwann wurde mir das zu blöd und ich hab gesagt, dass ich soweit fertig wäre, und wenn er nichts sagen möchte, dann würde ich jetzt gehen. Also standen wir auf und verließen das Café. Ob ich noch eine rauchen würde, fragte er, dann würde er noch warten. Ich also Kippe angesteckt, und DA fing er dann an zu reden. Männer... :?

Naja, im Moment haben wir relativ viel Distanz, auch räumlich, weil ich das jetzt erst mal brauche. Das akzeptiert er auch. Und er hat wohl verstanden, dass es diesmal ernster ist für mich und ich nicht bereit bin, das Problem wieder unter den Teppich zu kehren.
Er ist bereit, daran zu arbeiten und möchte das auch für sich selber.

Um es mal kurz anzureißen, es geht darum, dass er immer mal wieder aus dem Nichts heraus Wutausbrüche hat und dann sehr laut und verbal sehr verletzend wird, immer wegen irgendwelcher Lappalien, für die seine Reaktion völlig unangemessen ist. Das verletzt mich unheimlich, und jedes Mal verliere ich für mich erst mal die ganze Sicherheit und Geborgenheit in der Beziehung. Es ist, als würde aus heiterem Himmel ein Kübel Eiswasser über meinem Kopf ausgeschüttet. Ohne nachvollziehbaren Grund und ohne jede Vorwarnung.
Natürlich tut es ihm hinterher immer leid. Aber dann ist der Schaden halt schon angerichtet.

Und ich merke, dass es diesmal für mich anders ist als sonst. Dass da innerlich Distanz entstanden ist.
Wir haben uns jetzt seit Montag früh wirklich nur diese eine Stunde lang gesehen, und ehrlich gesagt fühlt sich das für mich gerade gut und richtig an. Ich vermisse ihn nicht mal. :(
Normalerweise vergehe ich nach ein paar Tagen ohne ihn immer vor Sehnsucht und fühle mich einsam. Diesmal nicht.

Alles verwirrend und traurig gerade, und ich hab keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen soll.
Ich sollte mich doch besser fühlen jetzt. Wir haben geredet, ich wurde gehört, er akzeptiert, dass ich gerade Abstand brauche.
Ich sollte erleichtert sein, weil es nicht das Ende ist, weil es weitergehen kann.

Ich fühle mich aber nicht besser. Kein bisschen. Ich bin nicht erleichtert.
Mir geht es beschi***n, und ich kann das überhaupt nicht einordnen.

Ich hab riesigen Suchtdruck. Gestern war es schon verdammt schwer, durchzuhalten.
Und heute denk ich schon seit dem Aufstehen nur daran, wie verdammt gut es tun würde.

Dann hab ich nächste Woche auch noch frei, ohne dass ich darauf wirklich Lust hätte und ohne zu wissen, was ich mit der Zeit überhaupt anfangen soll. Ich muss halt meinen Resturlaub nehmen, weil wir nicht übertragen dürfen, aber auch nicht verfallen lassen sollen.

Ganz ehrlich... es wäre ein wahrhaftiges Wunder, wenn das gut ginge. :(

Linde66
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Linde66 » 15.11.2019, 08:19

Hallo Inka,
kannst du mal fragen, ob du dir den Urlaub ausbezahlen lassen kannst, weil du weiter arbeiten möchtest?
Ansonsten brauchst du einen Plan B, wie du die Woche ausfüllst.
und DA fing er dann an zu reden. Männer...
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Männer nicht gern irgendwo "festgehalten" werden und sei es am Küchentisch. Die reden nur, wenn sie die Möglichkeit zur Flucht haben, das scheint so ein Steinzeitding zu sein... Also lieber zwischen Tür und Angel oder gleich in der Fußgängerzone... Das ist nicht ganz ernst gemeint. :wink: Aber Beziehungsgespräche sind glaube ich nie einfach.

Lieber Gruß, Linde

Thalia1913
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Thalia1913 » 15.11.2019, 09:06

Liebe Inka,

Ein Umbruch in deinem Leben passiert da gerade, so lese ich das. Du veränderst dich, deine Perspektive auf deine Beziehung verändert sich, das schafft bestimmt ganz viel Unsicherheit. Umbrüche, auch wenn sie gewollt sind, sind ja immer mit Angst verbunden, weil wir eben nicht wissen, was kommt.

Und wenn man emotionale Regulierung lange durch Alkohol betrieben hat wie du (und ich), dann ist es nicht überraschend, dass du das Bedürfnis spürst, zu trinken, bzw. Suchtdruck bekommst.

Allerdings bin ich in einer Hinsicht anderer Meinung:
Ganz ehrlich... es wäre ein wahrhaftiges Wunder, wenn das gut ginge. :(
Du bist ja jetzt schon ein paar Tage (10? 14?) abstinent. Wenn du jetzt wieder trinkst, ist es deine Entscheidung. Es nicht zu tun, ist auch kein „Wunder“, sondern ebenfalls deine Entscheidung. Du bist diejenige, die entscheidet.

Die Frage ist doch, was bringt es dir, wenn du wieder Alkohol einsetzt? Benebelung? Und was bringt dir Benebelung? Glaubst du, die Situation/deine Gefühle anders nicht aushalten zu können? Wird etwas besser sein, wenn du getrunken hast? Hinterher? Und wenn nicht, wäre es nicht sinnvoller, die Situation/deine Gefühle anders zu be-/verarbeiten, durch Gespräche, schreiben, lesen, Therapie?

(Ich merke gerade, dass ich beginne, auf dich einzureden, und das ist natürlich Quatsch. Entschuldige bitte. Nur du weißt, wie es ist, in deiner Situation zu sein, und deine Gefühle zu haben. Und die Entscheidung, zu trinken oder auch nicht, ist ganz allein deine.)

Ich wünsch dir sehr, dass du dir deine Selbstbestimmtheit nicht selber nimmst.

Herzlichen Gruß,
Thalia

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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 15.11.2019, 09:06

Hallo Linde,
ausbezahlt wird bei uns leider nicht, auch keine Überstunden.

Es ist ja nicht so, dass ich nichts zu tun hätte.
Mit Vollzeitjob und einem Haushalt, in dem man kaum Zeit verbringt, bleibt immer unendlich viel liegen.
Damit könnte ich zwei Wochen Urlaub füllen - theoretisch.

Praktisch ist es so, dass ich mich aktuell zu genau gar nichts aufraffen kann.
Gestern hab ich mit Müh und Not mal die Wäsche geschafft, nachdem ich festgestellt hatte, dass ich keine saubere Unterwäsche mehr habe.
Ich bin total blockiert.
Haushalt hab ich in den letzten Jahren nur noch mit Alkohol geschafft... jetzt ohne geht irgendwie gar nichts mehr.

Die einzige Alternative zum Trinken ist im Moment schlafen bzw. wie festgetackert im Bett zu liegen und mich berieseln zu lassen.
Eine ganze Woche halte ich das aber auch nicht durch. Damit kann man grade mal so einen Feierabend totschlagen.

Ich bin gerade so frustriert!!!
Ständig lese ich hier, wie begeistert ihr alle am Anfang von der Nüchternheit wart, wie viel Energie ihr hattet, wie toll ihr es fandet, so viel Zeit gewonnen zu haben etc.
Anfangseuphorie... joah, hätte ich auch gerne. Wenigstens einen Anflug davon.

Statt dessen sitze ich das Nüchternsein ab wie eine Strafe. Sitze es aus. Halte es aus. Und finde gar nichts toll.

Vielleicht ist es gerade auch einfach der falsche Zeitpunkt. Vielleicht bin ich einfach noch gar nicht soweit. Und vielleicht ist es zusammen mit der Depression und den Beziehungsproblemen auch einfach zu viel jetzt.
In den letzten Wochen hatte ich schon ab und zu Momente der Entschlossenheit und dachte so: Ja, das ziehst du jetzt durch!, aber das bröckelt seit ein paar Tagen ganz massiv. Ich schaff das einfach nicht. :(

Inka
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 15.11.2019, 09:09

Thalia, am Sonntag wären es drei Wochen.

Barthell
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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Barthell » 15.11.2019, 13:24

Thalia,

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich diese 'lustlosigkeit' und Antriebslosigkeit Recht oft austricksen lässt wenn man in kleinen Schritten denkt:

-ich putze jetzt nur das Klo, wenn ich dann keinen Bock mehr habe höre ich auf, wenn nicht mache ich noch den Spiegel und das Waschbecken am Ende war das Bad geputzt
- ich mache jetzt einfach nur meine Lieblingssport Übung, wenn Ich die Rum habe und nichtmehr will höre ich auf sonst mache ich noch ne Runde xy am Ende wurde es das volle Workout (oder auch nicht, denn man soll die Option Ende zu machen wirklich ernst erwähnen)

Beziehungsgespräche konnte ich am Anfang nur in sehr entspannten Situationen führen, bei nem Waldspaziergang, am Lagerfeuer oder so... Ist natürlich nicht optimal weil meistens hat man den Stress ja nicht 'geplant'....

Mittlerweile habe ich gelernt auch hier an zu fangen eben mit der Option -Halt zuviel- zu sagen wenn ich nicht mehr kann..

Grüße

Barthell

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Re: Inkas Perlen oder: Tag für Tag

Beitrag von Inka » 25.11.2019, 14:50

Hallo ihr Lieben,
melde mich nach wie vor nüchtern aus dem Urlaub zurück... über vier Wochen sind es nun schon.
Im Urlaub durchzuhalten war leichter als erwartet, zumal ich die ganze Woche krank im Bett lag. Erst war ich nur übel erkältet, dann hat sich auch noch ein heftiger Harnwegsinfekt dazu gesellt. :?

Nun bin ich zwar soweit wieder gesund, trotzdem ärgert mich mein Körper zurzeit ganz schön.
Die Autoimmunerkrankung flackert in kurzen Intervallen wieder auf und muss mit Kortison gedeckelt werden (vorher hatte ich relativ lange Ruhe - wieso jetzt?), und meine Haut spinnt irgendwie, ist unheimlich trocken, empfindlich und gereizt, obwohl ich eimerweise Tee und Wasser trinke.

Psychisch geht es mir auch mehr als bescheiden, und ich hab immer noch das Gefühl, als könnte ich jederzeit einknicken und wieder trinken. :(
Was als Strategie ganz gut hilft ist das "zu Ende denken", weil mir inzwischen bewusst ist, wie dreckig es mir eigentlich in der letzten Zeit mit dem Alkohol ging.
Ich muss die Entscheidung dagegen zwar immer noch jeden Tag neu treffen, aber wenn sie mal gefallen ist, ist auch Ruhe.
Also vor dem Supermarkt immer nochmal kurz stehen bleiben, tief einatmen und innerlich ganz laut NEIN! sagen. Das funktioniert ganz gut.
Tagsüber gibt es aber immer wieder solche Gedankenblitze: Ich will wieder trinken! Heute besorg ich mir was!, und dann werde ich kurz ganz aufgeregt und kribbelig-vorfreudig, das ist echt krass. Wie son Kind vor Weihnachten. :shock:
Naja, dann "denke ich zu Ende", das kribbelige Gefühl verpufft und ich lasse es letztlich.
Nur hinterlässt die Vorfreude, wenn sie in sich zusammenfällt, immer eine schmerzliche Leere und Enttäuschung, und ich würde mich am liebsten an Ort und Stelle in eine Ecke kauern und losheulen.

Die guten Nachrichten sind, dass es meiner Leber und Bauchspeicheldrüse wohl bestens geht, und dass ich vorerst in der Suchtambulanz wöchentliche Termine wahrnehmen kann, als eine Art Soforthilfe, bis klar ist, wie es weitergehen soll. Auf meine sehr entschiedene Aussage hin, dass ich weder eine stationäre noch eine teilstationäre Therapie machen will, hatte ich mit Widerstand gerechnet, aber das wurde direkt so akzeptiert und Alternativen aufgezeigt. Das fand ich echt gut.

In der Selbsthilfegruppe war ich bis jetzt noch nicht. Eins nach dem anderen.

Soweit erst mal... also von himmelhochjauchzender Abstinenz oder positiven körperlichen Auswirkungen bin ich weit entfernt, aber wer weiß, vielleicht kommt das alles ja noch.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich diese 'lustlosigkeit' und Antriebslosigkeit Recht oft austricksen lässt wenn man in kleinen Schritten denkt:

-ich putze jetzt nur das Klo, wenn ich dann keinen Bock mehr habe höre ich auf, wenn nicht mache ich noch den Spiegel und das Waschbecken am Ende war das Bad geputzt
- ich mache jetzt einfach nur meine Lieblingssport Übung, wenn Ich die Rum habe und nichtmehr will höre ich auf sonst mache ich noch ne Runde xy am Ende wurde es das volle Workout (oder auch nicht, denn man soll die Option Ende zu machen wirklich ernst erwähnen)
Barthell, das ist wirklich eine super Strategie! Hat letzte Woche teilweise ganz gut geklappt. Danke für die Anregung!

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