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Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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la vie
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 09.01.2020, 11:29

... ich meinte im letzten von mir geschriebenen Text die Frage, habt ihr Menschen die euch nahestanden durch den Vertrauensbruch für immer verloren. Wie sehr hat es euren trockenen Weg erschwert. Nun schreibe ich noch eine Frage dazu. Hattet ihr am Beginn eures trockenen Lebens selber Misstrauen gegenüber euch nahestehenden Menschen? Wenn ja, habt ihr es klären können?
Habt ihr später auf eurem Weg erfahren, warum Menschen so handeln mussten, wie sie gehandelt haben.
Recht viele Fragen. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu missverständlich ausgedrückt.
Einen schönen Tag und dazu einen lieben Gruß.
la vie

Correns
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Correns » 09.01.2020, 11:34

Hallo vie,

da es bei mir das Thema Vertrauensbruch nie gab, bin ich wohl eher raus aus der Umfrage. Ich werde jedoch weiter mit Interesse diesen Faden weiter verfolgen. Interessantes Thema!

Viele Grüße
Correns

la vie
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 25.01.2020, 21:11

Einen schönen Abend,
habt Ihr erfahren wie ihr in der nassen Zeit im Umgang mit Angehörigen ward? Wie konntet ihr das Vertrauen wieder gewinnen?
Ich würde mich auf Antworten freuen, danke,
la vie

Hartmut
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Hartmut » 25.01.2020, 21:27

Hallo la vie,

was meinst du genau mit Vertrauensbruch? Wenn jemand krank ist wie kann er da Vertrauen missbrauchen? Wenn ich rückfällig werden sollte, ist das auch keine Vertrauensfrage. Ich muss ja kein Vertrauen zu andren, sondern nur zu mir aufbauen, Sonst wäre ich ja nie wegen mir trocken.
Gruß Hartmut

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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Karsten » 26.01.2020, 09:15

Hallo la vie,

Vertrauen bekommt man nicht geschenkt. Das ist ein langer Prozeß, der bei meinen Angehörigen viele Jahre gedauert hat. Heute können wir über alles reden, ohne Vorwürfe oder Misstrauen.
Wir haben mehr angestellt, als wir uns denken können. Auch wenn es eine Krankheit ist, leiden die Angehörigen oft mehr als wir selbst.

Gruß
Karsten

Morgenrot
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Morgenrot » 26.01.2020, 10:56

hallo la vie,

ich kann mich da Karsten voll und ganz anschließen.
Mein XY ist jetzt seit etwas mehr als 2 Jahren trocken. Natürlich ist mein Leben besser und angenehmer geworden, aber ich empfinde mich immer noch in der "Beobachterposition".
Was tut er für seine Trockenheit, ist er ernsthaft dabei?
Mich begleitet immer noch eine Unsicherheit, die sich auch noch sehr schnell steigern kann. Der Haushalt und das Haus sind z. Bsp. alkoholfrei.
Ich habe ein Frauenkränzchen und wir treffen uns reihum, diese Frauen wissen Bescheid das es bei mir keinen Alkohol gibt. Das ist alles kein Problem.
Als ich letzte Woche die Damen zu Beusch hatte, sagte XY vorher, es würde ihn gar nicht stören, wenn wir Alkohol trinken würden.
Im ersten Moment habe ich gedacht, könnte ich ja mal machen, aber bei genauerem nachdenken kam sofort wieder eine Unsicherheit hoch, wie ernst er es denn mit seiner Trockenheit nimmt.
Ich habe dann meine Gedanken ausgesprochen und gefragt, ob ihm das nichts ausmachen würde, wenn er weiß, das im Haus irgendwo Alkreste vorhanden sind.
Am nächsten Tag kam dann eine Antwort, ich gebe zu, es war die Antwort, die ich mir gewünscht habe.

Ich und ich glaube es geht vielen Angehörigen so, müssen erst wieder lernen zu vertrauen. Ich war 7 Jahre hier im Forum als er trocken wurde.
Ich habe hier 2x bei 0 angefangen.
Das erste Mal am 29.2 2008 als ich völlig fertig hier ankam und nach Hilfe suchte. Ich habe hier sehr mühsam gelernt, wie ich mich einem nassen Alkoholiker gegenüber am besten verhalten sollte.
und das 2. Mal im Oktober 2017 als er trocken wurde.
Da habe ich auch wieder sehr viel lernen müssen. Wird jemand trocken, ist nämlich noch lange nicht alles gut, und wenn ich Jahrzehnte mit einem nassen Alkoliker gelebt habe, ist es eine sehr große Umstellung, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist.
Wir nähern uns an, aber auch dieser Weg ist nicht eben, da wirds auch sehr steinig zwischendrin.


lg Morgenrot

Hartmut
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Hartmut » 26.01.2020, 13:04

Hallo zusammen,

vielleicht versteh ich auch das Thema falsch.

ich schreibe mal aus Alkoholiker Sicht und nicht aus Co. Natürlich war es nicht immer ein Zuckerschlecken für Angehörige, wenn du irgendwo betrunken Dinge getan hast was du oder sie im Nachhinein bereut wurden. Natürlich gab es auch Dinge, die besprochen werden müssen, wenn eine trockene Zeit anfängt. Aber das ist ein Prozess der Demut und Entschuldigung hat jedoch hat es nichts für mich mit Vertrauen zu tun. Natürlich, auch wenn es eine Krankheit ist, ist damit nicht alles zu entschuldigen. Jedoch dann ist es eben so und hilft auch kein nachharken.

Hat Vertrauen nicht was mit einer Gegenseitigen Erwartungshaltung mit einem Zeitfenster zu tun? Welche Zeitspanne setzt der Einzelne für sich an?
Ich kann bei einer Krankheit nur Anlass zur „Hoffnung“ geben aber nie Vertrauen. Wenn ich heute rückfällig werde dann ist die Nasse Zeit schneller wieder da, als ich Vertrauen aussprechen kann.

Gruß Hartmut

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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 28.01.2020, 22:55

Ich freue mich über eure Beiträge, vielen lieben Dank.

Ich schreibe jetzt erst, weil ich zur Zeit viele Gedanken sortiere. Eure Texte mich sehr bewegt haben.

Hallo lieber Hartmut. Ich stimme dir vollkommen zu. In der Erkrankung von Vertrauensbruch zu sprechen passt nicht. Für mich kann ich geschehene Dinge sehr gut reflektieren und sie einordnen. Somit bleibt mir meine Lebensart erhalten. Ich bin schon sehr traurig über das verpasste schöne gemeinsame Leben aber ich weiß, dass es ist wie es ist. Nun und auch ich habe unbewusst in dieser Zeit XY gekränkt. Ich konnte z.B. Seinen Geruch nach Alkohol nicht mehr ertragen, wurde sehr kühl ihm gegenüber, obwohl es mir unendlich leid tat, dass es ihm so schlecht ging in seiner Sucht. Ein „Nachhaken“ im „Muss“ hat da wenig Sinn. Ich denke, es hemmt wohl eher, als dass es fördert an unpassender Zeit für beide Seiten. Es wird die Zeit kommen oder nicht, in denen Erlebnisse bestochen werden können. Meine Frage an dich, ist ein Alkoholiker im Rückfall sofort klar darüber, dass er da wieder fix raus müsste und ein Notfallplan greift?

Hallo lieber Karsten, du hast es auf den Punkt gebracht, was ich eigentlich meinte. Vertrauen in die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Erkrankung, vertrauen darin im Fall eines Rückfalls entsprechende Schritte zu gehen um wieder raus zu kommen. Denn es ist einfach so wie du es schreibst. Es gibt Situationen die ich erst ertragen und begreifen konnte, als ich hier von euch über diese Sucht erfahren habe. Ich weiß, dass XY vieles nicht einmal erahnen kann, welchen Flurschaden diese Sucht anrichtet.
Ich hatte Glück im Unglück, weil ich euch hatte und somit gut auf meinen Weg gekommen bin. Ich habe eine Frejndin, sie hatte einen trinkenden Alkoholiker als Ypartner. Nach kurzer Zeit trennte sie sich. War völlig am zerstört durch die Wucht, der Sucht ihres Freundes sie traf.
Er wurde trocken und hat sich mit ihr aussprechen wollen, sie hat es abgelehnt und wollte keinen Kontakt. Sie ist seit dem letzten Jahr mit einem anderen Mann glücklich verheiratet.
Ich denke nichts ist zu pauschalisieren. Jeder muss für sich seine Wege finden.

Hallo liebe Morgenrot,
Du gibst mir wirklich Kraft und Stärke in der Handlungsumsetzung. Denn ich möchte mein neues wirklich schönes kleines Zuhause nie wieder verlieren. Darum bin ich sehr achtsam ohne mich in Achtsamkeit und Vorsicht zu verlieren. Unterstützung gebe ich nach ermessen, wenn ich gefragt werde, ohne mich zu verausgaben, Steine auf dem Weg , nehme ich gern als räumbares Hindernis, aber nie wieder Felsbrocken. Nö, denn ich habe ja noch viel vor. Es wäre einfach schade, zu erschöpft dafür zu sein.


Hallo, lieber Correns,
du wirkst auf mich sehr unbeschwert, das freut mich. Woher weißt du, dass es kein „Vertrauensbruch“
gab? Hast du mit deiner Familie darüber gesprochen?

Schlaft gut, ihr seid unglaublich. Es fasziniert mich immer wieder, wie klar und prägnant ihr eure Gedanken formuliert.
Chapeau,
la vie

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