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Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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la vie
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 28.01.2020, 23:00

... verzeih! Ich schreibe ja wirklich unwirklich korrekt 🥴.

la vie
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 28.01.2020, 23:00

. verzeiht meinte ich.

Hartmut
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Hartmut » 29.01.2020, 07:28

Hallo la vie,
Meine Frage an dich, ist ein Alkoholiker im Rückfall sofort klar darüber, dass er da wieder fix raus müsste und ein Notfallplan greift?
Das tückische an der Krankheit ist du weißt im Vorfeld das ein Rückfall das Ende bedeuten kann. Jedoch will ja die Sucht ihr Stoff und macht alles dafür um an ihn zu kommen. Es wird signalisiert das ein "Glas" ja nicht schlimm ist.

Wenn dann wieder angefangen wird , kann der eine oder andere sich noch etwas zusammenreisen und denkt es auch zu kontrollieren. Die Spirale dreht sich dann unweigerlich nach unten und man kommt in das alte nasse Fahrwasser.

Ein Notfallplan kann dir im Vorfeld schon helfen nicht wieder anzufangen aber um da wieder rauszukommen, wenn du dabei bist, ist erstmal unwahrscheinlich, da eben die "nassen Gedanken (suchtorientierte Gedanken) in den Vordergrund rücken. Das Hirn ist ja geschädigt.

Alleine schon wenn du dir im Vorfeld schon Gedanken machst wieder zu trinken und wie es sein würde, bist du schon auf dem Weg zum Rückfall.

Gruß Hartmut

la vie
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 30.01.2020, 06:58

Hallo lieber Hartmut,
es war mir nicht bewusst, dass das Suchtgrdöchtnis durch die Hirnschädigung wirklich sofort zupackt. Obwohl ich es ja erlebt habe. Also sollte der Notfallplan schon greifen, sobald die nassen Gedanken aufsteigen. Bevor die Hand zum Alkohol greift. Ich brauche eine pragmatische Schilderung, damit ich für mich Dinge verstehe. Ich kann mein Handeln besser reflektieren.
Danke Hartmut, das wusste ich bisher so nicht.
Einen lieben Gruß,
la vie

Sunshine_33
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Sunshine_33 » 30.01.2020, 11:07

Hallo,
ich kann mich Hartmuts Worten nicht so ganz anschließen :wink:

Weder ich noch meine engsten Angehörigen haben bei mir eine "Hirnschädigung" feststellen können, da oben arbeitet es noch einwandfrei :lol:
Natürlich wird durch jahrezehntelanges Hardcore-Saufen irgendwann auch das Gehirn durch gewisse chemische Prozesse geschädigt, das ist mir schon klar.
Aber jedem trockenen Alkoholiker per se ein "geschädigtes Hirn" zu unterstellen, also sorry, SO möchte ich mich nicht pathologisieren lassen.
Ich würde eher sagen, das eine Umprogrammierung im Hirn stattgefunden hat, die in unserem Fall durch Alkoholmissbrauch entstanden ist.
Und die führte zum süchtigen Verhalten.
Und wenn das funktioniert hat, besteht ja wahrscheinlich auch die Mögllichkeit, die Umprogrammierung wieder zu "überschreiben" durch ein
konsequent trockenes Leben?
Ich für meinen Teil kann nach über 17 Jahren Trockenheit jedenfalls sagen, das ich keine Krankheitssymptome mehr verspüre wie Saufdruck.
Den hatte ich ab und an mal in den ersten 2-3 Jahren, seitdem habe ich längst Ruhe davor.
Ich kenne meine Trigger und gehe ihnen konsequent aus den Weg und gut isses.
Aber ich weiß auch ganz genau, das ich weiterhin alkoholkrank bin, wenn auch momentan symptomlos. Ich vergesse meine Krankheit nicht und habe sie auch in den vergangenen Jahren nie vergessen oder verdrängt.
Ein Notfallplan kann dir im Vorfeld schon helfen nicht wieder anzufangen aber um da wieder rauszukommen, wenn du dabei bist, ist erstmal unwahrscheinlich, da eben die "nassen Gedanken (suchtorientierte Gedanken) in den Vordergrund rücken.
Ein Rückfall ist ein Rückfall, und er nimmt dann seinen Lauf...
Das bedeutet aber nicht zwangsweise, das man da nicht zeitnah wieder rauskommen kann !
Dazu gibt es hier im Forum mehrere Beispiele und ich kenne auch welche aus meiner ehemaligen realen Gruppe.
Hier ist schnelles Handeln gefragt und meiner Erfahrung nach hilft auch das schnelle Aufsuchen der SHG sehr weiter.
Man muss dann eben wieder erneut um Hilfe bitten, und man wird sie auch bekommen, von ärztlicher Seite wie auch von der SHG.
Vielleicht wäre dann auch eine Thera sinnvoll, kommt immer auf den einzelnen Fall drauf an, denke ich.

Ich denke, ein Rückfall ist der persönliche Supergau für einen trocken lebenden Menschen, oder zumindest eine sehr sehr unangenehme Erfahrung.
Unter trockenes Leben verstehe ich hier ein wirklich trockenes Leben, in dem man zufrieden war und was man durch eine Dummheit oder einen Blackout oder sonstwas aufs Spiel gesetzt hat.
Dann kennt man ja schon ein trockenes Leben und wird es wahrscheinlich auch wiederhaben wollen. Und das so schnell wie möglich.

Es gibt sicher auch Fälle von alkoholkranken Menschen, die immer wieder rückfällig werden, auch diese Leidensgeschichten kenne ich.
Oder sich eben auch ganz für die Sauferei entscheiden inkl. Totsaufen. Auch das gibt es natürlich.
Aber es gibt eben auch die Fälle, wo erneut um Hilfe gebeten wird und so der Rückfall gestoppt werden kann.

Mag sein, das das nun am Thema vorbei ist :wink: , aber ich wollte das mal gern so dagelassen haben... man kann eben nicht alles über einen Kamm scheren.

LG Sunshine

Hartmut
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Hartmut » 30.01.2020, 11:22

Hallo La vie,

@Sunshine

Umprogrammierung, überschreiben kenne ich von den Festplatten. Da bleiben jedoch immer noch ein Rest über der dir jeder Computerspeziallist herstellen kann. Es gibt auch Viren die auf der Festpallte die nicht ganz entfernt werden können. Ich kann mich darüber streiten ob sie nun geschädigt oder beschädigt ist. Das ist auch egal. Denn sie funktioniert eben nicht mehr nach den "normalen " Parameter. Wenn das Hirn dir signalisiert trotz besseren Wissens wieder Saufen zu wollen. Ist es dann beschädigt, geschädigt oder funktioniert es nicht richtig ? :lol:

@ La vie
nun mal zum Notfallplan. Wenn trotz besseren Wissen das es nicht mehr geht, der Gedanke aufkommt wieder Alkohol trinken zu wollen oder zu können handelt so mancher Alkoholiker nach seinen Notfallplan. Der eine denkt das ganze Scenario bevor er was trinkt zu Ende und steuert dagegen.

Andere wiederum machen das nicht. Ich gehöre dazu. Ich halte wenig davon es zu Ende zu denken. Ich weiß ja wie es endet und akzeptiere für mich das es diese kranke Gedanken gibt.

Das hat was für mich was mit Abschreckung zu tun wo immer noch eine Möglichkeit bestehen könnte das es doch noch gehen könnte. Ich vergleiche es mal an einem Abschreckungsbild auf Zigaretten Schachteln. Der Raucher sieht es jeden Tag und es ist ihm egal. Ein süchtiger Nichtraucher sieht es auch und fängt trotzdem wieder an, weil er sich im Vorfeld vormacht das eine Zigarette nichts ausmacht.

Abschreckung ist für mich der verkehrte Weg. Überzeugung und das Wissen darüber reicht mir.

Gruß Hartmut

la vie
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von la vie » 01.02.2020, 00:08

Hallo Hartmut, hallo Sunshine,

eure Antworten gleichen sich schon, ich erkenne daraus, dass durchaus langfristige Schädigung zumindest der Nervenbahnen im Gehirn bleiben und das ein Hirntraining sehr erfolgreich für die Zellen sind. Auf der einen Seite gehst du liebe Sunshine heut ohne Probleme Trigger aus dem Weg und du lieber Hartmut gehst erst gar nicht den nassen Gedanken weiter nach. Auf der anderen Seite macht ihr das. Was ja auch wunderbar funktioniert und ihr sehr gut leben ohne Alkohol könnt. Passen meine Hedanken zu euren Beiträgen aus eurer Sicht!
Auch coVerhalten zeigt sich ja im Helfen in Erwartung von Lob und Anerkennung, oder sich selbst aufwertend. Auch hier passt ja etwas nicht. Raus aus der ständigen Helferrolle ( die ja oft nicht wirklich hilfreich ist und auch bevormundend sein kann) und mit anderen Dingen sich selbst belohnen. Aber wenn es machbar ist unterstützen, wenn um Unterstützung gebeten wird.
Ich denke auch, dass das Aneignen von Wissen um Zusammenhänge ein sehr förderlicher Weg ist. Verbote und Anklagen hemmen ihn.
Ihr beschreibt es so sehr gut nachvollziehbar. Chapeau.
Einen lieben Gruß,
la vie

Sunshine_33
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Re: Erfahrung mit Angehörigen auf dem trockenen Weg

Beitrag von Sunshine_33 » 01.02.2020, 10:36

Lieber Hartmut,
um mal bei diesem Vergleich zu bleiben :lol: :
Ein paar Viren auf dem Rechner legen ihn noch nicht lahm, nur in bestimmten Bereichen funzt er evtl. nicht mehr wie ein Virenfreier. Ich habe auch das "Virus" Alkoholkrankheit, aber es beeinträchtigt mich nicht als solches im "normalen Betrieb". :wink:
Schlimmer wäre allerdings ein "Trojaner", der Dir nach und nach alles platt macht oder auch auf einen Schlag (Rückfall).
Hierzu zähle ich nasse Gedanken, eine Abstinenz mit "der Faust in der Tasche", wie wir das hier ja oft nennen (kommt dieser sehr treffende Ausdruck nicht sogar von Dir?) und risikohaftes Verhalten wie vorsätzliche Aufenthalte in nassen Umfeld etc.
Und natürlich können auch mechanische Schäden an der Festplatte auftreten... denn der Alk ist schließlich letztendlich ganz klar ein Nervengift und Gifte richten nun mal Schaden an.
Mitunter auch irreparable.

Hartmut schrieb:
Der eine denkt das ganze Scenario bevor er was trinkt zu Ende und steuert dagegen.
Andere wiederum machen das nicht. Ich gehöre dazu. Ich halte wenig davon es zu Ende zu denken. Ich weiß ja wie es endet und akzeptiere für mich das es diese kranke Gedanken gibt.
Für mich war die Vorstellung des Szenarios (also wieder trinken) inkl. des Zuende-Denkens des Ganzen wohl mein wichtigster Schutz vor einem Rückfall in den ersten Jahren meiner Abstinenz.
Das mag aber an meiner persönlichen Geschichte liegen, denn ich hatte eine sehr schwere Entgiftung auf der Intensivstation unseres KH und hätte sie beinahe nicht überlebt.
Die Vorstellung, nochmal etwas ähnliches durchmachen zu müssen, war für mich extrem schlimm und abschreckend.
Meine Trockenheit baut allerdings nicht auf Angst und Abschreckung auf, und ich denke, das würde auch nicht wirklich dauerhaft funktionieren.
Aber es hat mir anfangs geholfen.

Liebe la vie,

Ich hatte es schon eingangs geschrieben und durch einige Beiträge in einem anderen Bereich dieses Forums kamen diese Erinnerungen erneut hoch.
Für mich war es das belastendste, nach meinem Entzug wie ein Insekt unter der Lupe betrachtet zu werden.
Zum Glück tat das nur eine einzige Person, die vorher ausgiebige Gespräche geführt hatte mit einer anderen nahestehenden Person, deren Mann immer wieder rückfällig wurde und sich letztendlich totgesoffen hat.
Betreffende Person ging aufgrund dieser Gespräche schon beinahe automatisch davon aus, das ich auch wieder trinken würde.

Meine anderen Angehörigen taten das nicht, ihnen war auch gar nicht bekannt, wie hoch die Rückfallquote ist.
Die glaubten einfach ganz fest an mich, und mir hat das unheimlich viel Mut gemacht und Kraft gegeben.
Um es klar zu stellen, ich kann es durchaus verstehen, das sich Menschen dem Alkoholkranken gegenüber distanziert verhalten, ganz besonders wenn sie schon mehrere Rückfälle miterleben mussten.
Sie möchten ganz einfach nicht erneut enttäuscht und verletzt werden. Dazu kommt das meist sehr belastende Verhalten von nassen Alkoholikern. Das alles sitzt sehr tief.
Und dennoch ist so ein misstrauisches Verhalten für den Alkoholkranken sehr verletzend.
Ich weiß das auch aus Erzählungen aus meiner ehemaligen realen Gruppe.
Das kann sogar zu Gedanken führen wie "es denken doch eh alle, das ich wieder saufen werden, also tue ich es einfach und gut isses".
Mir war jedenfalls das Vertrauen, was meine Angehörigen mir wieder schenkten, eine ganz besondere Unterstützung, wahrscheinlich sogar die wichtigste, die sie leisten konnten.
Wäre ich aber immer wieder rückfällig geworden, wäre ihr Vertrauen sicher auch in Misstrauen umgeschlagen. Auch das ist mir klar und verständlich.
Auch coVerhalten zeigt sich ja im Helfen in Erwartung von Lob und Anerkennung, oder sich selbst aufwertend. Auch hier passt ja etwas nicht. Raus aus der ständigen Helferrolle ( die ja oft nicht wirklich hilfreich ist und auch bevormundend sein kann) und mit anderen Dingen sich selbst belohnen.
Richtig. Ein CO zieht also durchaus auch eigenen Nutzen aus der Beziehung zu einem Alkoholkranken (oder anderweitig kranken Menschen, gerne mit Suchterkrankung).
Fehlendes Selbstbewußtsein oder andere Defizite sollen durch die gefällige Helferrolle ausgeglichen werden. Und Richtig, eine Helferrolle kann auch sehr bevormundend sein.

So wird ein CO auch meist ein Problem bekommen, wenn der suchterkrankte Partner seine Sucht stoppen kann, denn ab dann wird er in den allermeissten Fällen auch die Gestaltung des eigenen Lebens wieder in die eigenen Hände nehmen wollen.
Und dann kann ein CO seine Helferrolle eben nicht mehr so ausleben und kann sich sogar überflüssig fühlen.
Auch nich so witzich... da erscheint es einigen CO`s sogar als verführerischer, wenn der suchterkrankte Partner wieder rückfällig wird und alles "beim alten" bleiben kann.
Denn das kennt man, da fühlt man sich "heimisch" (wenn auch auf ne ziemlich kranke Art) und man muss vor allem nix am eigenen Verhalten ändern! :wink:

Für einen Nicht-Co allerdings wird es eine große Erleichterung sein, nicht mehr für alles "zuständig" zu sein und er wird den suchterkrankten Partner in seiner zurückkehrenden Eigenständigkeit fördern anstatt ihn darin zu hemmen.
So war es beispielsweise bei meinem Mann und mir. Mit diesem Loslassen konnte ich in ein eigenständiges Leben zurückkehren und das war einfach toll !

LG Sunshine

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