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Klappt es ohne Therapie und ohne AA?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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PeterP
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Klappt es ohne Therapie und ohne AA?

Beitrag von PeterP » 26.03.2020, 12:35

Hallo zusammen!

Hier die wichtigsten Infos zu mir:

Ich trinke seit ziemlich genau 6 Wochen nicht mehr und es klappt bisher prima.

Hatte einen heftigen Entzug mit Unterstützung des Hausarztes. Seit dem geht es mir gut. Schlafe gut, habe schon 5 kg abgenommen, der Tag ist mein Freund.

Kurz zu mir: 55 Jahre alt, männlich, nicht ungebildet, Uniabschluss, guten Job, tolle Kids, nette Partnerin.

Bin in die Trinkspirale geraten. Groß geworden im trinkfreudigen Emsland, viele gefeiert, Partylöwe, fast immer der Letze, jeden Drink mitgenommen. Seit ca. 10 Jahren zu Hause täglich immer mal ein Glas Wein oder mehr, am Wochenende schon mal ne Flasche, seit zwei, drei Jahren immer mehr starker Alk., zuletzt im Schnitt eine Flasche am Tag.

Das war doch pervers!

Arzt empfahl mir dringend, die Suchtberatungsstelle und/oder eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Sollte ich das tun? Komme zurzeit prima klar.
Gibt es Leute, die ganz ohne Hilfe aus der Spirale rausgekommen sind?

Liebe Grüße
Peter

Barthell
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von Barthell » 26.03.2020, 12:41

Gibt es sind aber selten... Grade die Therapie (ambulant,) hat mir auch viel über mich gezeigt...


Irgend neUnterstüzung hatte denke ich jeder

Carmen
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von Carmen » 26.03.2020, 12:51

Hallo Peter,

ich denke auch, dass in den meisten Fällen eine Unterstützung dringend notwendig ist.
Ich bin schon etliche Male gescheitert, weil ich entweder die Therapie abgebrochen oder die Selbsthilfegruppen nicht mehr besucht habe.

Lg
Carmen

Pellebär
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von Pellebär » 26.03.2020, 15:25

Moin Peter,

ich bin ohne Therapie vor vielen Jahren trocken geworden und es geblieben. Allerdings hatte ich vom ersten Tag an dieses Forum, war zwar zwischendurch weg, bin aber wieder hier gelandet.
Für mich ist es wichtig, mich auszutauschen. Auch wenn der Alkohol inzwischen weit weg ist, bleibe ich am Thema dran, denn ich möchte nie wieder da hin, wo ich war.
Ob eine reale SHG oder diese hier oder beides, bleibt dir überlassen. Wichtig ist du tust was für dich.

Bleib am Ball bleiben.

LG PB

Dante
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von Dante » 26.03.2020, 15:29

Hallo Peter & Willkommen im Forum! :D

Eine Therapie ist anstrengend. Über mehrere Monate ist man nur mit sich, seiner Sucht & seinem Suchtstoff beschäftigt. Wenn man dann aber einiges aus dieser Zeit in den Alltag mit nehmen kann, ist man gut gerüstet für das Leben danach.

Ohne Therapie sieht das natürlich erst 1x lockerer aus, du hast es ja bei dir beschrieben. Die "alkoholischen Fallen" , die dir der Alltag bieten wird, musst du dann über einen langen Zeitraum selbst lernen zu erkennen, & zwar möglichst ohne in sie zu tappen.
Das kann unter Umständen auf lange Sicht der beschwerlichere Weg sein. Viele schaffen es ohne Therapie, ohne Zweifel. Mit Therapie läuft es im Gesamtbild aber besser, glaube ich.

Ähnlich verhält es sich mit dem Besuch einer Selbsthilfegruppe. Sie bestärkt das abstinente Verhalten in den Kleinfragen das Alltags, ist gewissermaßen ständige trockene Begleitung im Leben.

Selbsthilfegruppen & Therapieeinrichtungen stehen nicht in Konkurrenz zueinander sondern ergänzen sich.

Für beides gilt: Es muss zu einem passen. Nicht jede Therapie, nicht jede Therapieform, nicht jede SHG ist die richtige. Da kann dann eine Beratungsstelle bei der Orientierung helfen, jedoch muss man stets auf sein Gefühl achten.
Eine SHG, die nicht zu einem passt, erkennt man ganz schnell. Bei den Therapien hingegen ist das wesentlich schwieriger, weil sie ja intensiv in die eigene Person hinein wirken soll.

Für den Anfang gilt es also, die Antennen stets ausgefahren zu lassen & auf das kleinste Unbehagen zu achten.

PeterP
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von PeterP » 26.03.2020, 16:28

Hallo zusmmen!

Vielen Dank für eure Einschätzungen! Ich werde die Suchtberatungsstelle auf jeden Fall kontaktieren und hier am Ball bleiben!

Bis denne
Peter

Carl Friedrich
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von Carl Friedrich » 26.03.2020, 19:50

PeterP hat geschrieben:
26.03.2020, 16:28

Vielen Dank für eure Einschätzungen! Ich werde die Suchtberatungsstelle auf jeden Fall kontaktieren und hier am Ball bleiben!
Hallo!

Das ist ein richtig guter Schritt, externen Sachverstand hinzuzuziehen, anstatt nur im eigenen Saft zu schmoren.

Ich bin seit knapp 5 Jahren clean und habe eine ambulante Therapie gemacht. Daneben tummelte ich mich in diesem Forum und zog Fachliteratur und zwar aus

a) Therapeutensicht und

b) Patientensicht

hinzu. Alle diese 3 Elemente griffen nachher wie die Rädchen einer Maschine ineinander.

Es geht sicherlich auch ohne Therapie, das gilt aber nicht für jedermann. Manche benötigen halt begleitende Hilfe "vor Ort".

Schau doch einfach mal

a) in Fachliteratur an

b) die eine oder andere analoge SHG "vor Ort" ab, auch wenn es zur Zeit keine Treffen geben dürfte.

Gruß
Carl Friedrich

Sunshine_33
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Re: Klappt es ohne Therpie und ohne AA?

Beitrag von Sunshine_33 » 27.03.2020, 12:05

Hallo Peter,
Erstmal Herzlich Willkommen hier im Forum !

Du schriebst
Arzt empfahl mir dringend, die Suchtberatungsstelle und/oder eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.
Eine SHG hast Du ja bereits aufgesucht, denn das hier IST eine SHG, aber eben online.
Was gewisse Vorteile hat, aber auch Nachteile,
es fehlt halt die Mimik und Gestik, so kann es hier eher mal zu Missverständnissen kommen. Dafür ist hier rund um die Uhr und jeden Tag geöffnet. :D
Gibt es Leute, die ganz ohne Hilfe aus der Spirale rausgekommen sind?
Ich hatte anfangs nach meiner heftigen Entgiftung auf der Intensivstation keine SHG und ich habe auch bis heute keine Therapie gemacht.
Was aber nicht bedeutet, das ich keine Hilfe und Unterstützung hatte !
Da waren als erstes die Ärzte und Schwestern/Pfleger im KH, die deutliche Worte für mich fanden, aber nie irgendwie abwertend waren.
Denen bin ich heute noch sehr, sehr dankbar.
Dann war da meine Hausärztin, die mich mit Unterstützung ihres Praxisteams, ab dem Tage meiner Entlassung intensiv begleitete, besonders in den ersten Monaten.
Und last but not least war da meine Familie, die mich auf meinem neuen, trockenen Weg auch sehr unterstützte, soweit ihr das möglich war.
Ebenso taten das meine Freunde.
Ich hatte also schon ne Menge Hilfe und Unterstützung, so gesehen...
Aber eben keine SHG und/oder Therapie.

Würde ich meinen Weg heute so weiter empfehlen?
Das kommt ganz drauf an, wie jemand gestrickt ist... beispielsweise, ob er seine Krankheit als solche begriffen hat, ob er bereit ist, seine Abstinenz an allererste Stelle zu rücken etc.pp.
Jeder kommt etwas anders damit zurecht.
Trotzdem würde ich zur Sicherheit zu einer unterstützenden SHG raten, ob man sie lebenslang benötigen wird, ist ne andere Frage.
Einige brauchen das, andere nicht, so ist zumindest meine persönliche Erfahrung.
Jeder sollte das so machen, wie es ihr/ihm gut tut und es sich richtig und hilfreich anfühlt.

Im Laufe meines trockenen Lebens habe ich viele trockene Alkoholiker kennengelernt, unsere Krankheit ist ja recht weit verbreitet.
Und ich kenne auch Alkoholiker, die mehrere Therapien hatten, die aber nix gebracht haben. Die saufen heute noch...gehen ab und an ins KH, um sich wieder fit machen zu lassen, solange das noch klappt.
Aber irgendwann ist auch diese Möglichkeit erschöpft und dann stirbt man eben an seiner Krankheit, auch solche traurigen Fälle kenne ich leider persönlich.
Es kommt halt drauf an, was MAN SELBST aus den Hilfangeboten macht und wie ernst es einem ist.
Und ernst ist unsere Krankheit allemale, denn wenn wir sie nicht stoppen können, bringt sie uns unter die Erde, früher oder später...

Man kann aber andererseits klasse mit dieser Krankheit leben, ich tue das zumindest. Wir haben es ja selbst in der Hand, sie zu stoppen.
Von welcher unheilbaren Krankheit (ja, das ist unserer Krankheit auch!) kann man das sonst noch behaupten?
Ich fühle mich jedenfalls kein bisschen von der Krankheit eingeschränkt, die Sauferei hat mich ja viel mehr eingeschränkt !
Trocken bin ich wieder frei. Und das genieße ich auch immer noch genau so wie am Anfang meiner Abstinenz :)
Ich bin übrigens seit ca.18 Jahren trocken.

Ach so, noch ergänzend, ich war auch zwischendurch mal ca. 1 Jahr lang in einer realen SHG, was mir auch nochmal neue Erkenntbisse gebracht hat.
Es ist nochmal was anderes, anderen gegenüber zu sitzen und miteinander zu reden, als sich nur zu schreiben und das fand ich auch eine schöne Erfahrung.
Aber da war ich schon einige Jahre trocken...
Ganz am Anfang war ich auch mal bei einer anderen SHG, den AA, aber da bin ich gleich in der Pause wieder abgehauen, weil ich mit deren Konzept nichts anfangen konnte, und es auch bis heute nicht kann.
Von daher hätte mir das nur wenig gebracht, denn wenn ich was mache, muss es mich auch selbst überzeugen :wink: Zumindest ansatzweise :lol:

LG Sunshine

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