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Noch lange nicht trocken.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 26.03.2020, 16:38

Hallo Dante,

vielen Dank für den netten Willkommensgruß und deinen wertvollen Beitrag.

Du schreibst:
"Ich schreib es mal ganz nüchtern: Abstinenz unter Aufsicht ist keine."

Das sehe ich genauso und bin deshalb frustriert.

Dann schreibst du noch:
" Wenn sich bei deinem jetzigen Anlauf keine Euphorie einstellen will, liegt das vor allem daran, dass dir klar geworden ist, du hast dir bei den bisherigen Versuchen etwas vor gemacht. Einfach aufhören funktioniert in den meisten Fällen eben nicht."

Genauso ist es! Das erste Mal setze ich mich mit meiner Krankheit wirklich auseinander und das ist unangenehm.

UND du schreibst:

" Der unangenehme Gefühlscocktail, den du zur Zeit durchmachst, ist bei frisch trockenen Menschen alles andere als untypisch. Ich beschreibe das immer mit: Den Hormonhaushalt krumm gesoffen.
Bis sich das wieder reguliert, vergeht viel Zeit. Manche sagen, etwa so viel Zeit wie der Missbrauch andauerte."

Würden bei mir 17 Jahre heißen. Ohje! Das hoffe ich doch nicht.

Alkohol haben wir nicht im Haus.Mein Partner hat durch meinen Alkoholismus so eine Aversion gegen Alkohol entwickelt, dass er seit Jahren keinen Tropfen mehr trinkt.

Gespräche würde ich gerne führen, nur habe ich keine Freunde mehr, da ich mich in den letzten Jahren sehr isoliert habe. Die Sucht hat zuviel Raum eingenommen.

Ich weiß, dass ich gegen den Alkohol immer verlieren werde. Ich kämpfe halt gegen diesen Suchtdruck, doch auch das ist wahrscheinlich falsch. Vielleicht sollte ich ihn einfach annehmen und aushalten. Denn er geht vorbei und lässt mit der Zeit immer mehr nach.

Lg
Carmen

PS: Das mit dem Zitieren hat irgendwie nicht geklappt.

Dante
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Dante » 26.03.2020, 16:52

Die 17 Jahre werden schon vergehen.

Ich bin jetzt 13einhalb Jahre trocken, & noch immer falle ich in alte "nasse" Verhaltensmuster zurück.
Diese erkennen & dagegen halten mache ich schon reflexartig.
& trotzdem gibt es immer wieder Situationen, wo mich meine Frau auf den Teppich bringen muss, so verbohrt bin ich in manchen Situationen.

& die Zeit, welche bisher durch die Sauferei belegt war, lässt sich anderweitig füllen. Bei mir ist's das Eheleben. Ich war ja bis nach der Therapie stets Single gewesen. Aber man kann auch belangloses bei Facebook schreiben, wenn man nichts anders zu tun hat. Oder lesen. Oder Musik hören.

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 26.03.2020, 17:03

"Die 17 Jahre werden schon vergehen."
Das kann ich nur mit schwarzem Humor verkraften.

Toll! 13einhalb Jahre trocken! Ich habe großen Respekt davor.

Danke für die Tipps.

Was sind für dich "nasse" Verhaltensmuster? Ein paar Beispiele würden mir helfen, damit ich diese Muster auch bei mir besser erkennen kann.

Dante
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Dante » 26.03.2020, 17:47

Nasse Verhaltensmuster sind persönliche Verhaltensmuster, die das eigene Trinkverhalten begünstigen können.
Zum Beispiel sich über irgend etwas aufregen & das zum Anlass nehmen, sich einen Schluck zu gönnen. Oder in die Kneipe gehen & dort Mineralwasser trinken, nur um bei seinen alten Tresenfreunden zu sein, mit denen man vorher Bier trank. Oder zu Hause ein bestimmtes ritual durchziehen, an dem eine gut in Erinnerung gebliebene Trinkgewohnheit inne steckt.

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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 26.03.2020, 19:20

Danke für die Beispiele. Da fallen mir sofort etliche Verhaltensmuster ein, die ich streng beobachten muss.

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 26.03.2020, 19:52

Ich finde es echt toll, dass mir heute so zahlreich geantwortet wurde.
Das hat mir sehr geholfen.
Danke!

Cadda
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Cadda » 27.03.2020, 06:31

Hallo Carmen,

und ich finde es toll, dass Du Dich hier geöffnet hast, damit hast Du Dir selbst geholfen. Bist Du inzwischen für den geschlossenen Bereich freigeschaltet?

Es war richtig, nicht zu warten, sondern hier was zu schreiben....

Ich hab es glaub ich schon berichtet. Ich denke den Gedanken immer zu Ende, wenn ich an Alkohol denke. Wie würde es enden? Das hilft mir sehr!!

Ich wünsch Dir einen schönen Tag, der auch ohne Anfangseuphorie schön sein kann. Lieber ohne Euphorie, dafür aber auch ohne betrunken sein.

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 27.03.2020, 07:10

Guten Morgen Cadda,

danke für deine lieben Worte.
Ich werde jetzt regemäßig schreiben; das tut gut.
" Den Gedanken zu Ende denken" hat mich in den letzten Wochen oft vom Trinken abgehalten.
Danke nochmal für diesen hilfreichen Tipp.

Ich möchte dieses schreckliche Suffleben wirklich nicht mehr. Ich war vorhin so dankbar nüchtern und ohne Kater aufzuwachen. Das war schon das erste Glücksgefühl des Tages.
Da war doch schon die Euphorie! :-D

Keine Schuld und-Schamgefühle beim Aufwachen, kein panischer Blick aufs Handy, wen man im Suff wieder belästigt hat,keine peinlichen Auftritte, für die man sich am nächsten Morgen so sehr schämt, kein Zittern, kein Herzrasen, keine Kopfschmerzen, keine depressiven Gedanken.

Ich musste meistens schon morgens trinken, weil ich mich und mein Leben nicht mehr nüchtern ertragen konnte. Wie unangenehm es war mit Restfahne morgens an der Kasse zu stehen mit den Flaschen auf dem Band. Die Blicke ( vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet) der Verkäuferin und Kunden.Ich möchte das nicht mehr, ich kann das nicht mehr.

Meine Kräfte schwinden mit jedem weiteren Versuch in die Trockenheit. Das Fass ist schon lange voll. Es gibt keinen Weg zurück mehr aus der Suchtspirale. Ich kann den Alkohol nicht kontrollieren. Konnte es noch nie und werde es niemals können. Er zerstört mich und mein Umfeld.

Für den geschlossenen Bereich werde ich bald freigeschaltet. Darauf freue ich mich schon.

Ich wünsche dir auch einen schönen sonnigen Tag!

LG
Carmen

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