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... die Sucht in meiner Familie...

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Linde66
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... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Linde66 » 12.05.2020, 16:06

Dhyana hat geschrieben:
12.05.2020, 12:33
Liebe Linde

Kannst du eventuell ein neues Wochenthema eröffnen ... die Sucht in meiner Familie ... oder so ?

Ich bin ja abgekommen vom Thema, habe angefangen von der Veränderung die bei mir stattgefunden hat, zu schreiben, im Laufe der Trockenheit bzgl. Alkoholkonsum um mich. Und bin bei meinem Sohn gelandet, weil er der einzige ist, den ich in letzter Zeit Alkohol konsumieren gesehen habe. :roll:

LG, Dana
Hallo,
angeregt durch die Diskussion in dem vorigen Wochenthema, kam der Wunsch von Dana nach einem eigenen Thread für das Thema "Sucht in meiner Familie".

Stimmt, man kann als EK aufwachsen, selber alkoholkrank und dann trocken werden - und co-abhängiges Verhalten gegenüber suchtkranken/suchtgefährdeten Familienmitgliedern zeigen....

Stimmt schon, Alkoholismus ist eine Familienkrankheit. Ich weiß nicht, ob man aus heiterem Himmel suchtkrank werden kann, wenn man nicht iiiiirgendwo in der eigenen Biographie irgendwelche Suchtstrukturen vorgelebt bekommen hat. Da werden EK's selber Alkoholiker oder eßsüchtig oder sonstwas. Da werden trockene Alkoholiker co-abhängig gegenüber ihren suchtkranken Angehörigen oder gegenüber ihrer Firma oder dem Verein, gibts alles. Oft kann man Suchtstrukturen generationenübergreifend nachverfolgen, da gehen einem Kronleuchter auf.

Aber selbst wenn in der eigenen Familie "der Wurm drin ist", soll man sich nicht davon entmutigen lassen, sondern seinen Weg ins suchtstrukturfreie Leben verfolgen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß in mir drin etwas angelegt ist, was VOR dem erlernten Familienchaos war, so eine Art Basisprogramm, was schon die Steinzeitmenschen hatten. (ja, haltet mich für gaga :lol: ) Irgendwas in mir drin ist absolut gesund und weiß genau wo es lang geht. Ich brauche es nur zuzulassen. Und mich vom Chaos fernzuhalten, sofern ich es nicht verändern kann. Und wer kann schon eingefahrene Familienstrukturen verändern...? Kann man vergessen. Man kann sich selber entwickeln, wenn man sich nicht immer wieder von den kranken Seilschaften einwickeln läßt.

LG, Linde

Dhyana
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Re: ... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Dhyana » 12.05.2020, 17:32

Danke liebe Linde !

Da sagst du was:

„Und mich vom Chaos fernzuhalten, sofern ich es nicht verändern kann. Und wer kann schon eingefahrene Familienstrukturen verändern...? Kann man vergessen. Man kann sich selber entwickeln, wenn man sich nicht immer wieder von den kranken Seilschaften einwickeln läßt. „

ich habe auch daran gedacht, zu gehen, mir eine kleine Wohnung zu suchen, wenn es mich triggert, ich die Situation nicht mehr ertrage. Ich frage mich, ob ich so lange ausharren soll und früher die Reisleine ziehen soll. Heute habe ich wieder eine Flasche gefunden. Und Gras....
Beides obwohl wir beim letzten Gespräch in einer Suchtberatungsstelle für Familien vereinbart haben, dass solange er bei uns wohnt, das Haus Alkohol und Drogenfrei ist. Er wird heute für eine Woche das Haus verlassen und zu seiner Freundin ziehen. Das war abgemacht, dass er geht, wenn es wieder vorkommt. Nur ob es nachher besser wird ? Ich habe keine grosse Hoffnung mehr. Und merke, dass ich noch nicht ganz gesund denke und handle. Die Vorstellung gefällt mir, dass ich in mir tief ganz gesund bin und werden kann.
Auch wenn es sich wie eine Flucht anfühlt, wenn ich ausziehen würde. Der Berater rät mir davon ab. Wenn dann sollte mein Sohn gehen und lernen erwachsen zu werden. Nur er will das nicht, noch nicht. Ich spüre seine Angst vor der Verantwortung, da draussen, ausserhalb des Nestes. Eine Freiheit die einen Preis hat, man muss arbeiten, Verantwortung übernehmen, seine Rechnungen bezahlen. Er sucht jetzt endlich eine Lehre und einen Job.
Meine Gedanken kreisen viel um ihn, ich habe mich richtig co verhalten, habe für ihn gelogen, bei seiner Arbeit, als er noch eine hatte. Habe Sachen vor seinem Vater verschwiegen, auf seiner Bitte. Das werde ich nicht mehr machen. Keine Lügen, kein decken seines Verhaltens.
Und klare Aussagen was ich will und was nicht. Ein Punkt der mir lange Zeit sehr schwer fiel, auch zum Beispiel wegen Alkohol im Haus.
Ich will keinen da haben, und doch habe ich ein Auge zugedrückt, als ich was fand bei ihm. Habe keine klaren Grenzen gesetzt und keine Konsequenzen. Es fällt mir schwer, klar zu sein und zu handeln, wenn abgemachtes nicht eingehalten wird. Ich komme mir dann sehr hart vor und unfair ihm gegenüber. Aber ich lerne an mich zu denken.

Schönen Abend wünsche ich
Dana

Dhyana
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Re: ... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Dhyana » 13.05.2020, 16:56

Gestern Abend lief auf arte eine Doku „ der globale Rausch“ sehr informativ und sehenswert. Ist noch in der Mediathek zu sehen.

Mir ist bewusst geworden, ich muss mich schützen, auch vor meinem Sohn, so schwer es sich anfühlt und es mir das Herz zerreisst. Muss ihn loslassen, seine Erfahrungen zu machen. Auch wenn er sich in Richtung Sucht begeht. Ich kann noch soviel reden und erklären, ihn aufklären.. er meint, bei ihm ist alles in Ordnung. Habe ich ja auch lange gesagt, bis es mir richtig schlecht ging. Es hört wie nicht auf, diese Familiensuchtgeschichte. Ich kann sie nur bei mir stoppen und hoffen, dass er es auch eines Tages schafft.

Carl Friedrich
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Re: ... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Carl Friedrich » 18.05.2020, 11:15

Eine interessante Frage, denn der Alkohol war in meiner Familie in der Eltern- und Großelterngeneration stark verbreitet und mein Vater hat sich de facto tot gesoffen.

Wenn ich zurückdenke, als ich zwischen 5 und 15 Jahre alt war, wurde auf Feiern schon tagsüber schwer gesoffen. Das gehörte zu einem Treffen einfach als "normal" dazu.

Ich befürchte, ich bin da beileibe kein Einzelfall. Ob es wirklich eine genetische Disposition zu Suchtstoffen gibt, vermag ich nicht zu beantworten, halte es jedoch für möglich.

Mein ehemaliger Therapeut meinte nur, entscheidender sei die jeweilige Sozialisierung. Wer in "alkoholischen" Kreisen aufwächst, dem wird das Vorbild suggeriert, der Stoff sei absolut normal und gehöre wie selbstverständlich dazu. Das verleite einen dazu, es ebenfalls genau so zu praktizieren.

Wobei sich die Frage anschließt, dass in den besagten Kreisen halt neben der entsprechenden dauernden Übung, auch die Gene eine Rolle spielen dürften.

Gruß
Carl Friedrich

Sunshine_33
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Re: ... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Sunshine_33 » 18.05.2020, 12:55

Linde schrieb:
„Und mich vom Chaos fernzuhalten, sofern ich es nicht verändern kann. Und wer kann schon eingefahrene Familienstrukturen verändern...? Kann man vergessen. Man kann sich selber entwickeln, wenn man sich nicht immer wieder von den kranken Seilschaften einwickeln läßt. „
WIE WAHR ! Und das liegt auch in unserer Macht, es so zu handhaben ! Das können nur wir selbst tun, und niemand anderes...
Linde, ich halte es auch möglichst so... und das betrifft beileibe nicht nur alkohol-konsumierende Menschen in meinem Umfeld.
Vor einigem sollte man sich einfach selbst so gut wie möglich schützen.
Niemand hat die Macht, eingefahrene Familienstrukturen zu ändern, höchstens in der eigenen Familie durch selbstherbeigeführte Veränderungen.
"Kranke Seilschaften"... so könnte man es schon nennen. Von denen halte ich mich möglichst weeeeit fern!
Ich erkenne sowas sehr schnell und bin dann auch schon wieder weg.
Und je älter ich werde, desto besser weiß ich auch, was ich will, was mir wirklich gut tut und was eindeutig nicht.
Ich mische mich auch wenig in andererleuts Angelegenheiten ein, weil das absolut nix bringt, sondern nur am Ende meine Nerven kostet.
Die anderen sollen das machen, was sie für richtig halten, und gut is.
Außerdem steht es mir auch gar nicht zu, zu beurteilen, was richtig und falsch ist.
Beurteilen tun wir aber trotzdem dauernd, und zwar in fast jeder Situation, es geht meist gar nicht anders, um Entscheidungen treffen zu können.
Dann beurteile ich halt für mich allein eine Sache, das darf ich ja. :wink:
Die Gedanken sind schließlich immer noch frei... :wink:

C-F schrieb:
Wenn ich zurückdenke, als ich zwischen 5 und 15 Jahre alt war, wurde auf Feiern schon tagsüber schwer gesoffen. Das gehörte zu einem Treffen einfach als "normal" dazu.

Ich befürchte, ich bin da beileibe kein Einzelfall. Ob es wirklich eine genetische Disposition zu Suchtstoffen gibt, vermag ich nicht zu beantworten, halte es jedoch für möglich.
Ich erinnere auch solche Feiern, es wurde zwar nicht schwer gesoffen, aber es wurde IMMER auf Feiern Alkohol konsumiert, weil das offenbar einfach dazu gehörte.
Ebenfalls erinnere ich, das meine Oma das sehr hasste und versuchte, das irgendwie zu unterbinden. Sie mochte nie trinkende Menschen und ihr angesoffenes Verhalten dann.
Sie hasste es zutiefst, wenn mein Opa mal in die Dorfkneipe ging (was äußerst selten vorkam) und er bekam dann richtig Ärger mit ihr.
Lustigerweise hatte aber meine Oma oft eine Flasche "Schwarzer Kater" im Schrank, und so einen Likör bot sie dann Gästen an, aber echt nur einen.
Sie selbst trank nie davon, glaube ich. Es gehörte sich wohl einfach so, das man Gästen ein alkoholisches Getränk anbot...

Ich bin meines Wissens nicht genetisch vorbelastet, weder meine Eltern noch meine Großeltern tranken abhängig. Eher nur auf diesen besagten Feiern.
Trotzdem gibt es alkoholkranke Menschen in meiner Familie... ich bin es ja auch.
Vielleicht liegt es auch daran, das wir es vorgelebt bekamen, das es teilweise normal ist, Alkohol zu konsumieren, zumindest auf Feiern?
Später kam bei mir dann noch eine sorglos trinkende Clique dazu...und so nahmen die Dinge langsam ihren verheerenden Lauf...

Von wissenschaftlicher Seite gibt es ja immer mal wieder neue Erkenntnisse, die sich dann auch immer mal wieder gravierend voneinander unterscheiden.
Die einen vertreten die These, das Sucht vererbbar ist, die anderen finden die Hinweise darauf nicht überzeugend.
Ich glaube, die wissen das einfach nicht wirklich. :wink:

Ich für meinen Teil fände es zumindest zu einfach, sich dann vielleicht zu sagen, ach ich bin ja genetisch vorbelastet...ich hatte ja kaum eine Chance, nicht zum Alkie zu werden.
Es gibt immer eine Wahl.

LG Sunshine

Carl Friedrich
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Re: ... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Carl Friedrich » 18.05.2020, 18:58

Sunshine_33 hat geschrieben:
18.05.2020, 12:55


Ich für meinen Teil fände es zumindest zu einfach, sich dann vielleicht zu sagen, ach ich bin ja genetisch vorbelastet...ich hatte ja kaum eine Chance, nicht zum Alkie zu werden.
Das wäre dann die prima Ausrede. Erinnert mich an andere Krankheitsbilder.

Der Vorteil meiner Situation ist, dass ich mich mit der Krankheit auseinandergesetzt habe und auch die mögliche genetische Belastung im Blick habe. Jedoch wird nicht jedes Kind eines Alkoholikers ebenfalls alkoholkrank. Der Bogen ginge mir zu weit.

Ich habe meinem Nachwuchs zu einem sensiblen Umgang mit Alkohol geraten und bin erstaunt wie wenig er konsumiert. Er mag das Zeug einfach nicht, weder Bier noch Wein oder Sekt.

Auch habe ich ihm nochmals verdeutlicht, dass es in unserer Familie eine gewisse Vorbelastung gibt, die im Blick zu behalten sei.

Vielleicht ist es mir gelungen, das Problem des Alks in unserer Familie dauerhaft zu lösen, na ja ich kann es ja zumindest mal hoffen.

Gruß
Carl Friedrich

Elly
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Re: ... die Sucht in meiner Familie...

Beitrag von Elly » 24.05.2020, 00:57

Hallo zusammen!

Vielleicht war früher der Umgang mit dem Alkohol lockerer. Ich erinnere mich, dass zu
meinen Kindertagen viel dem Alkohol "zugesprochen" wurde. Man nahm das, glaube ich,
einfach auf die zu leichte Schulter...

Im Nachhinein habe ich mir eins und eins zusammen gezählt, und kam zu der Erkenntnis,
dass sich viele in meiner Familie (beide Seiten der Verwandtschaft) tot gesoffen haben.
Da war dann die Rede von Organversagen, etc. Viele verstarben in frühen Jahren.

Und als Heranwachsender wird man mit diesem "Vorleben" gross und hält es für normal,
dass laufend Alkohol auf dem Tisch steht. Und greift dann selbst zu... Den Rest kennt Ihr..

Aber ich habe es so wie Carl Friedrich gehalten...
Carl Friedrich hat geschrieben:
18.05.2020, 18:58

Ich habe meinem Nachwuchs zu einem sensiblen Umgang mit Alkohol geraten und bin erstaunt wie wenig er konsumiert. Er mag das Zeug einfach nicht, weder Bier noch Wein oder Sekt.

Auch habe ich ihm nochmals verdeutlicht, dass es in unserer Familie eine gewisse Vorbelastung gibt, die im Blick zu behalten sei.

Vielleicht ist es mir gelungen, das Problem des Alks in unserer Familie dauerhaft zu lösen, na ja ich kann es ja zumindest mal hoffen.
Ich habe versucht unseren Kindern vermitteln, dass man auch mal etwas trinken kann. Man aber auch
darauf verzichten kann. Denn lebensnotwendig ist er ja nun wirklich nicht.

Bei beiden Kindern habe ich ein gutes Gefühl, und bin der festen Überzeugung, dass meine Krankheit
eine Warnung für sie ist.

Elly

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