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Freundin seit Jahren Akoholikerin

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Morgenrot
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Morgenrot » 17.05.2020, 22:28

Hallo Thomas,
Das ist für andere eine Kleinigkeit sich so abzugrenzen, aber für mich war das fast herzzerreißend :
nein, abgrenzen war auch für mich nicht einfach. Es fällt gerade den COs sehr schwer.
Als ich mich hier angemeldet habe, hatte ich ein Glas mit aufgelösten Schlaftabletten neben mir stehen, so verzweifelt war ich.
Ich habe hier gelesen und immer weiter gelesen, das Gefühl nicht mehr alleine zu sein hat mir geholfen, und irgendwann kam dann ein wenig Hoffnung, das es vielleicht doch noch etwas für mich geben könnte.
Mit kleinsten Schritten hab ich begonnen mit meiner Abgrenzung, das begann damit, das ich nach der Arbeit mal für eine Halbe Stunde in ein Cafè zu gehen und nicht gleich nach Hause. Das habe ich damals kaum ausgehalten.
Hier wurde mir dann geraten zu versuchen mein Gefühl mal außen vor zu lassen und dafür ganz rational vorzugehen. Das war auch sehr schwer, und ja es hat mich auch zerrissen.
Später habe ich aber bemerkt, das es gar nicht die Liebe war, die eine Abgrenzung verhinderte, sondern mein Wunsch gebraucht zu werden, das Gefühl ohne mich geht es nicht.
Ich möchte dir zusätzlich zu unserem Forum noch den Tipp geben, dich mit einer Suchtberatungsstelle in Verbindung zu setzen, die haben auch Gesprächstermine für Angehörige.
Du sprichst jetzt schon von einer Angststörung ihr gegenüber, diese Angst wird dein Leben immer weiter einengen, weil du dich immer weiter zurückziehen wirst.
Du kannst aber aktiv werden, und diese Tage ohne sie, sind ein sehr guter Anfang.

lg Morgenrot

Aurora
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Aurora » 18.05.2020, 10:51

Hallo Thomas,

ja, das stimmt, diese Co-Persönlichkeit macht halt viele Dinge schwerer als das andere Menschen empfinden würden, als es für andere ist.
Umso mehr kannst du also stolz sein dass du es geschafft hast, dich da abzugrenzen!

Diese Gefühle dann sind unheimlich stark und äußerst unangenehm, kaum auszuhalten. Ich habe das damals auch so empfunden. Die ersten Male als ich echte Grenzen meinem Ex gegenüber gezogen habe, ging es mir richtig körperlich schlecht. Mir war übel, schwindelig, all sowas. Und eben die Gedanken im Kopf - unbeschreiblich. Aber ich habe es ausgehalten und hinterher war es ein gutes Gefühl. Und Übung macht bekanntlich den Meister und es wurde dann auch leichter. Obwohl mein Ex diese Grenzen natürlich gar nicht akzeptieren wollte und da schon Druck ausgeübt hat.

Kleinste Schritte, wie Morgenrot das schon beschreibt, sind da wichtig und richtig gut.

Liebe Grüße
Aurora

Eule89
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Eule89 » 19.05.2020, 09:42

Hallo Thomas,

ich wollte dir nur sagen, dass ich es wirklich stark finde, dass du es geschafft hast dir ein paar Tage für dich zu nehmen.
Ich habe das damals nicht einfach so geschafft. Ich hatte dann immer Mitleid und bin trotzdem hingefahren, auch wenn ich nicht wollte.
Ich habe aber auch wirklich lange gebraucht, um wirklich endgültig von ihm wegzukommen. Für mich persönlich gab es nur diesen Weg.

Liebe Grüße
Eule89

Sophia
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Sophia » 19.05.2020, 21:08

Hallo Thomas,

Heute habe ich bereits in deinem Vorstellungs-Thread geschrieben und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass du einen Thread hast - danke übrigens an die Moderatorin :-)
Und nun schreibe ich dir noch einmal. Erstens, finde ich grossartig, dass du hier bist! Du bist 27 und hast bereits seit 3 Jahre eine sehr belastende Beziehung. Du bist um deine FReundin sehr besorgt und suchst Hilfe, damit es dir besser geht und du ihr dann eventuell helfen kannst. Das ist sehr lobenswert - wollte ich wirklich sagen!
Ich bin auch Angehörige, dh mein Lebenspartner ist Alkoholkrank... :-( Wir sind erst seit knapp einem Jahr in eine Beziehung und der Tiefpunkt war erst am letzten Mittwoch in der Nacht. Ich kann gut verstehen, wenn du schreibst, es ist furchtbar anzusehen und du hast schon Schlaf- und Angststörungen. Das passiert einfach in so eine belastende Situation, vor allem wenn man sensibel ist.
Mir tut es auch extrem weh wenn ich mich mit all diesen tragischen Lebensgeschichten auseinander setze und richtig Angst bekomme, weil bei mir hat es ERST angefangen... was kommt noch auf mich zu? Wird mein Partner das überleben? Einfach Ängste und viele Fragen tun sich da auf.
Dann lese ich immer wieder, wir Angehörige haben keine Chance, wir sollen aufgeben und uns auf andere Dinge bzw. auf uns selbst konzentrieren und obwohl ich es für richtig halte, gibt es auch ein Teil von mir der sagt "man kann nicht so egoistisch sein! Nicht wenn die Liebe da ist!"
Also, wie du siehst, keine Ahnung... ich bin gerade keine Hilfe, das ist mir bewusst aber ich freue mich, wenn du dich austauchen möchtest und wünsche Dir alles Gute.
LG,
Sophia

Enemy14123
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Enemy14123 » 20.05.2020, 05:16

Guten Morgen euch allen,


E tut mir wahnsinnig leid dass ich jetzt erst zurückschreibe :/
Vorgestern war es sehr turbulent als ich bei ihr war weil sie versprochen hat dass sie nichts trinkt, aber bemerkte sehr schnell dass sie was getrunken hat.
Es wurde wieder sehr viel (2 Flaschen Wein pur).

Sie war wieder in ihrer Fantasiewelt nd wurde teils auch wieder aggressiv :/
Ich habe nur eine Stunde geschlafen und musste dann zur Arbeit wo ich keine Kraft mehr hatte :/
Knall rote Augen seit Tagen Kopfschmerzen.

Gestern wollte ich mich abgrenzen weil sie mir das Versprechen gebrochen hat...
Aber sie weinte so sehr weil sich auch ihre Mutter von ihr abgewendet hat weil sie wieder gelogen hatte.

Sie weinte so und sagte, dass sie niemanden außer mich mehr hätte , also stellte ich ihr ein Ultimatum dass ich das nicht mehr kann.
Sie sagte von selber dass ich ihre Flasche ausleeren solle, was ich auch getan habe.

Aber ich hab halt trotzdem keine Hoffnung dass das klappen wird ohne stationären Aufenthalt :/

Ich liebe sie vom ganzen Herzen aber so kann man kann keine Zukunft führen :(


LG Thomas

Sophia
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Sophia » 20.05.2020, 07:25

Guten morgen, Thomas

Das tut mir total leid für dich... es hört sich alles wirklich sehr heftig an :-(

Bei Alkoholismus kenne ich mich noch gar nicht gut aus, das Thema ist für mich neu und beängstigend. Aber ich weiss was es bedeutet unter psychischem Stress zu leben. Ängste und Alpträume zu haben, sich so zu fühlen, als wäre man in eine Blase drinnen und man weiss nicht, wie man wieder raus kommt um sich lebendig und glücklich zu fühlen.

Bitte such dir Hilfe! Hier im Forum, natürlich! ABER auch zusätzlich! Das ist zuviel für einen Menschen! Das kann niemand von dir verlangen oder erwarten. Wirklich!

Bis später, alles Gute und viel Kraft
Sophia

Eule89
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Eule89 » 20.05.2020, 09:19

Lieber Thomas,
das klingt für mich ehrlich gesagt sehr Besorgnis erregend. Also, dass du kaum schläfst und schon seit Tagen rote Augen und Kopfschmerzen hast.
Ich weiß selber, wie schwer das ist (ich bin nicht gerade das Paradebeispiel für Standhaftigkeit und Loslassen - vielleicht berichte ich mal darüber), aber du musst wirklich was für dich tun. Du bist am Ende deiner Kräfte, wie du schreibst. Was ist die Konsequenz für dich, für deine Gesundheit, daraus? Du bist unkonzentriert, unachtsam, machst Fehler. Wie wirkt sich das auf deine Arbeit aus? Auf dein Verhalten im Straßenverkehr?
Daraus können so schlimme Dinge resultieren... Du brauchst dringend Ruhe und Schlaf.
Zu deiner Freundin... Ich glaube die "Schnappstränen" kennt jeder hier. (Für den Ausdruck entschuldige ich mich, ich will hier keinem zu nahe treten!) Hinterfrage bitte mal dein Verhalten dazu. Du bist zu ihr gefahren, weil sie versprochen hat nicht zu trinken. Was ist passiert? Sie hat trotzdem getrunken. Wie ging es DIR dabei? Du warst/bist enttäuscht. Was war die Konsequenz daraus? Es gab keine. Du bist bei ihr geblieben...
Jetzt sehen wir es mal aus ihrer Sicht: Sie verspricht zu trinken, damit du zu ihr kommst. Sie trinkt trotzdem, du bleibst aber.
Warum sollte sie also was ändern? Verstehst du, was ich dir sagen will? Wenn du Konsequenzen androhst, musst du sie auch durchsetzen.

Ich verstehe vollkommen, dass sie dir leidtut. Aber warum hat sie niemanden mehr? Du schreibst, ihr Mutter hat sich von ihr abgewandt, weil sie sie belogen hat. Ist sie dann nicht selber verantwortlich dafür?
Im Übrigen kenne ich diese "Masche" auch. Ich bin auch viel zu oft darauf angesprungen. Sogar noch lange nach unserer Trennung. Dieses Einreden von Schuldgefühle und Mitleid... Man fühlt sich so machtlos, man hat immer das Gefühl, helfen zu müssen. Man kann aber nicht helfen. Es bringt einfach nichts. Sie muss von alleine was ändern wollen. An den Punkt muss sie aber von selbst kommen, den kannst du nicht bewusst auslösen.

Du möchtest was ändern, richtig? Du kannst aber nur in deinem eigenen Leben was ändern. Mach kleine Schritte, aber mach sie. Irgendwann kommt der Tag, an dem es "Klick" macht. Also bei dir. Wie es mit ihr oder mit euch dann weiter geht, wir die Zukunft zeigen. Du kannst sie nicht da raus ziehen. Aber du kannst dich da rausziehen.

Liebe Grüße
Eule89

Carmen
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Re: Freundin seit Jahren Akoholikerin

Beitrag von Carmen » 20.05.2020, 09:53

Eule89 hat geschrieben:
20.05.2020, 09:19
. Ich glaube die "Schnappstränen" kennt jeder hier.
Das ist perfekt getroffen. Ich hatte im Suff regelrechte Heulanfälle und Weinkrämpfe, die eindeutig vom Alkohol ausgelöst wurden. Nüchtern würde ich emotional niemals so zusammenbrechen. Da müsste schon was ganz Schlimmes passieren. Darum sollte man sich die Tränen eines Betrunken nicht allzu sehr zu Herzen nehmen, da alle Emotionen durch den Alkohol massiv verstärkt werden.

LG
Carmen

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