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Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Sophia
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Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Sophia » 20.05.2020, 10:23

Hallo liebe alle im Forum,

Ich bin mit einem Alkoholiker zusammen. Im Vorstellungsbereich habe ich mehr über mich erzählt und über die Beziehung. Letzte Woche gab es den (ersten) Tiefpunkt und ich habe mich hier registriert, habe einen Termin bei meinem Therapeuten ausgemacht und gehe heute zu einer Beratungsstelle, die mich als Angehörige Infos geben wird...

Das Gespräch mit dem Therapeuten war sehr ermutigend und ich möchte das gerne mit Euch teilen und vielleicht kommt ein wenig Mut über diesen Thread zu euch rüber.

Im grossen und ganzen ist die Message für mich als Angehörige / ev. co-Abhängige (falls ich das schon bin, ich weiss es nicht genau, um ehrlich zu sein):
- Klare Regeln setzen und konsequent sein!
- Sich eindeutig abgrenzen, um nicht mit unterzugehen!
- Der Überzeugung sein, dass Mitleid und Helfersyndrom kontraproduktiv sind!
- Balance zwischen geben und nehmen in der Beziehung überprüfen und nicht kippen lassen
- Damit rechnen, dass ab der Moment wo ER Hilfe sucht und sich behandeln lässt, noch Jahre dauern wird, bis die Krankheit einigermaßen unter Kontrolle ist...
- Immer im Auge behalten, dass es sich um eine Krankheit handelt und diese NUR mit fachlicher Unterstützung behandelt werden kann. Ich soll nicht mal den Anspruch stellen, ihn "retten" zu können!

Jetzt habe ich einiges zu reflektieren und verarbeiten. Aber es interessiert mich sehr, wie eure Erfahrungen in ähnlichen Situationen sind?

Alles Gute und liebe Grüße,
Sophia

Aurora
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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Aurora » 20.05.2020, 13:15

Hallo Sophia,

ich freu mich, dass du nun hier ein eigenes Thema eröffnet hast :D .

Da hat die dein Therapeut echt einen ganzen Batzen mit auf den Weg gegeben. Das ist echt super!
Und es ist eben auch gut, so zu handeln.

Aber...

Es geht leider nicht oft von einen auf den anderen Tag. Je länger man in einer Suchtbeziehung steckt um so länger kann das leider dauern, da wieder heraus zu kommen. Aber diese Punkte sind eine gute Richtlinie.

Lieber Gruß
Aurora

Eule89
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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Eule89 » 20.05.2020, 14:14

Liebe Sophia,

ich kann mich Aurora nur anschließen.
Es ist eine ganze Menge, die dir der Therapeut da mitgegeben. Aber jeder einzelne Punkt davon ist super schwer umzusetzen und dabei auch konsequent zu bleiben. Aber jeder -auch noch so kleine Schritt- zählt. Versuche diese Punkte so gut umzusetzen, wie es geht. Tu dir selbst etwas Gutes.
Je länger du in dieser Situation bist/bleibst, desto schwieriger wird es. Ich war mit meinem Ex "nur" 5 Jahre zusammen. Trotzdem war es echt hart. Eine ganze Weile nach der Trennung ging das alles super. Ich fühlte mich wie neu geboren. Und dennoch hat er mich mit falschen Versprechungen und anfänglichen Taten und Umsetzungen wieder irgendwie "gefangen". Und das war über ein Jahr nach der Trennung. Mittlerweile ist mehr als ein weiteres Jahr ins Land gegangen und ich habe es endlich geschafft, von meiner eigenen Sucht (also der co-Abhängigkeit quasi) loszukommen.
Was ich dir damit sagen möchte, ist, dass es nicht leicht wird und auch nicht von heute auf morgen. Weder, dass er evtl trocken wird. Noch, dass du das einfach so hinter dir lässt.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die Umsetzung der Ratschläge deines Therapeuten.

Liebe Grüße
Eule89

Sophia
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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Sophia » 20.05.2020, 20:37

Hallo Aurora und Eule,

Danke Euch für die schnelle und auch ehrliche Rückmeldung. Wahrscheinlich denken die meisten in meiner Situation "bei UNS ist es nicht soooo schlimm" oder "hach, WIR schaffen das schon"...? :-(
Ich habe keine Ahnung, was auf mich zukommt. Habe Angst, empfinde gleichzeitit ein Gefühl von Trauer weil der Mann, in dem ich mich so Hals über Kopf verliebt habe, nicht der bleiben wird, den er war. Seit dem Tiefpunkt kann ich ihn nicht mit den gleichen Augen sehen... er war für mich ein Anker, ein Fels in der Brandung, ein Zuhause. Aber mit so eine Prognose und Diagnose wird er mit sich selbst genug Arbeit haben, so dass ich wieder für mich alleine sorgen muss. Damit meine ich emotional sorgen. Es war so wunderschön, zum ersten Mal im Leben, meine "schwächere seite" zeigen zu dürfen ohne immer die starke sein zu müssen... das will ich nicht verlieren. Aber wenn er so krank ist, muss ich stark sein, um seine Besserung nicht im Wege zu stehen? Was braucht ein Alkoholkranker? Was braucht er auf keinen Fall? Wie viel kann man zumuten...?

Liebe Grüße,
Sophia

Morgenrot
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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Morgenrot » 20.05.2020, 23:04

Hallo Sophia,
Aber wenn er so krank ist, muss ich stark sein, um seine Besserung nicht im Wege zu stehen?
Du kannst seiner Besserung nur im Wege stehen, wenn er trocken werden wollte und du ihm die Flasche vorsetzt.

Die Punkte die dir der Therapeut genannt hat sind wirklich gut, aber da brauchst du Zeit, also nicht aufgeben, wenn es mal nicht klappt.
Du solltest dir im klaren sein, dass du nur für dich etwas tun kannst, denn wegen dir wird er kein Glas weniger trinken, für ihn mußt du nicht stark sein, er ist erwachsen und für sich verantwortlich.
Klingt vielleicht hart, aber sind eigene Erfahrungen, die du hier sicher öfter lesen wirst.

lg Morgenrot

Cadda
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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Cadda » 21.05.2020, 06:49

Guten Morgen Sophia,

wenn Du für ihn stark sein willst, musst Du ihn loslassen. Alles Andere unterstützt ihn in seiner Sucht und er wird da erst Recht nicht rauskommen.

Leider ist das wirklich so, auch wenn es nicht das ist, was Du Dir wünscht.

LG Cadda

Sophia
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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von Sophia » 22.05.2020, 00:03

Hallo noch einmal,
Danke euch für eure Rückmeldungen. Das stimmt, ich lese es immer wieder... sein Trinkverhalten hat mit mir nichts zu tun, nur er kann es steuern bzw. absetzen.
Heute hatten wir ein sehr gutes Gespräch. Sehr ehrlich, sehr offen, sehr wohlwollend. Das war toll. Ich konnte alle meine Fragen stellen und habe mehrmals zu hören bekommen, ICH habe mit seinem Trinkverhalten nichts zu tun. Er hat schon immer "exzessive Dinge" gemacht, darunter ordnet er das Trinkverhalten (nicht als Erkrankung oder Sucht)... es ist echt schwierig. :-/
Also stehen wir ganz am Anfang.
Aber er möchte zumindest zum ersten Mal in seinem Leben, professionelle Unterstützung annehmen. Morgen Anruf beim Hausarzt, nächste Woche Beratung bei einer Präventionsstelle, die auch ambulante Begleitung anbietet.

Die Tipps vom Therapeuten konnte ich bereits erproben und ja, er hat so manches an Abgrenzung akzeptiert, zB dass ich nicht mehr bereit wäre, für ihn herum zu fahren, wenn der Führerschein wieder entzogen werden würde (ist ja schon passiert). Er hat verstanden und akzeptiert, dass es nicht um Hilfe dabei geht, sondern dass er dann im Falle der Fälle selbst die Verantwortung tragen muss.

An Cadda habe ich eine Nachfrage bitte. Was ist genau gemeint mit ihm loslassen...? Meinst du mich ganz abwenden?

Danke euch noch einmal und gute NAcht,
liebe Grüße
Sophia

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Re: Das sagt mein Therapeut - was ist wichtig für Co-Abhängige

Beitrag von ideja » 22.05.2020, 01:12

Hallo Sophia und willkommen hier!

Toll dass er sich einsichtig zeigt, und gleich Arzt und Beratungsstelle aufsucht. Wenn es wirklich passiert, das soll was heißen.

1. kann sein, dass du ihm Schubs gegeben hast den er braucht
2. kann auch sein dass er dich beruhigen will, obwohl er selber denkt dass er kein Alkoholiker ist.

Ich bin Jahrelang für meinen Mann da gewesen. Wenn er trinkt und wenn er nicht trinkt.
Jetzt bin ich nur da für ihn wenn er nicht trinkt, und auch dann verreise ich immer wieder alleine irgendwo. Er will sich einfach keine Hilfe Holen. Auch wenn es jetzt 4 und halb Monate sind seit er letztes Mal getrunken hat, ich bin mir sicher, dass er demnächst wieder trinken wird.

Du bist verliebt, dass ist ein sehr schönes Gefühl. Aber, du hast auch Augen, und weißt was gut für dich ist und was nicht.

Ich bin gespannt auf nächste Woche.

liebe Grüße, ideja

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