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Trennung

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Bine1973
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Trennung

Beitrag von Bine1973 » 15.06.2020, 08:53

Guten Morgen,

hatte mich gestern bereits vorgestellt. Mein Ex- Partner (es fällt tatsächlich schwer das Wort Ex zu schreiben) trinkt exzessiv, hält seinen Konsum aber für unbedenklich.

Nachdem er mich bei seinem letzten Vollrausch nicht mehr erkannte und vollkommen orientierungslos war, wusste ich für mich ich muss was ändern.
Natürlich hab ich im Vorfeld den Konsum schon thematisiert ,wurde dann aber immer als Doofe hingestellt. Mittlerweile hab ich mich etwas informiert und bin entsetzt wieviele körperliche Beschwerden bei ihm schon sichtbar sind.

Seit ich gegangen bin herrscht absolute Funkstille, das ist seine Art mich dafür zu bestrafen. Grundsätzlich ist die Funkstille gut, da es für mich so einfacher ist. In der Vergangenheit bin ich an diesem Punkt immer wieder eingebrochen und habe ihm eine neue Chance gegeben.

Ich Frage mich trotzdem, ob ich ihn nochmals raten soll, sich in professionelle Hilfe zu begeben (ich weiß er muss es wollen). Vielleicht geht es eher um meinen Seelenfrieden alles getan zu haben was mir möglich war.

Habe schon gelesen das jemand vorgeschlagen hat einen Brief zu schreiben, schlussendlich fällt es mir unglaublich schwer die richtigen Worte zu finden. Vermutlich wird es zwar egal sein, da er es eh als Angriff ansehen wird.

Frage mich, wie würden andere auf so einen Brief reagieren?

Lg

Lia
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Re: Trennung

Beitrag von Lia » 15.06.2020, 09:25

Liebe Bine,

raten kannst du ihm, wenn es dein Gewissen beruhigt, aber helfen wird es nicht, ebenso wie ihn ein Brief umdenken lassen wird.
Ein Alkoholiker, der trinken will, wird alles ablehnen, was ihn davon abhalten wi...
Egal og gutgemeinte Ratschläge oder ein Brief.
Mit seiner Bestrafung der Funkstille will er dir lediglich ein schlechtes Gewisse machen und hofft so darauf, dass du wieder antanzt, du hast ja geschrieben, dass du ihm schon öfter eine weitere Chance gegeben hast.
Damit schadest du nur dir selber und kannst ihm nicht helfen, das Gegenteil ist der Fall, du machst dich weiterhin coabhängig und hältst dabei seine Sucht am Laufen.
Das ist verrückt, leider aber wahr.
Ich wünsche dir, dass du den Absprung schaffst und nur deine Hilfe anbietest, wenn du spürst, dass er es wirklich will und aktiv etwas gegen seine Erkrankung tut.

LG Heike

Lia
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Re: Trennung

Beitrag von Lia » 15.06.2020, 09:26

Nicht umdenken lässt, meinte ich natürlich

Bine1973
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Re: Trennung

Beitrag von Bine1973 » 15.06.2020, 15:24

Danke für deine Antwort.

Habe mich dazu entschieden, ihm tatsächlich einen Brief zu schreiben.

Ich weiß das er vermutlich nur wütend auf mich sein wird, ich fühle mich aber tatsächlich befreit.

Das es was ändert denke ich nicht, was ich immer noch sehr traurig finde, da er ohne den Konsum ein toller Mann ist. Werde wohl noch ein paar Wochen brauchen, um darüber hinweg zu kommen, versuche mich aber mittels Freunden und Sport abzulenken.

Mir hilft es aber tatsächlich sehr hier schreiben zu können, da hier viele die Erfahrung gemacht haben.

Danke dafür

Cadda
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Re: Trennung

Beitrag von Cadda » 15.06.2020, 16:23

Hallo Bine,

ich habe solche Dinge (abschließenden Brief schreiben) auch getan, um besser loslassen zu können. Es hat sich nichts geändert, ihm also nicht geholfen. Aber: Es hat MIR geholfen. Und darum geht es letztendlich.

Bine1973
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Re: Trennung

Beitrag von Bine1973 » 15.06.2020, 21:00

Hallo,

Ich glaube tatsächlich das es auch bei mir ums los lassen geht.

Ich weiß das ich nicht verantwortlich oder der Auslöser für seine Sucht bin, trotzdem ist der Prozess des gehen lassen’s schwer für mich.
Tief im inneren hofft man immer das sich alles verändern wird, aber mein Kopf sagt mir, nein das wird es nicht, er wird genauso weiter machen, einfach weil er es so will.

Und dann kommt das fehlende Verständnis von meiner Seite, wie dieser verdammte Alkohol so wichtig für ihn sein kann. Darum kreisen meine Gedanken, ich hoffe dass das mit der Zeit aufhört und ich ihn einfach aus meinem Herz raus bekomme.

Versuche mich abzulenken, aber am Ende des Tages ist man doch alleine mit seinen Gedanken

lütte69
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Re: Trennung

Beitrag von lütte69 » 16.06.2020, 08:31

Hallo Bine,
Und dann kommt das fehlende Verständnis von meiner Seite, wie dieser verdammte Alkohol so wichtig für ihn sein kann. Darum kreisen meine Gedanken, ich hoffe dass das mit der Zeit aufhört und ich ihn einfach aus meinem Herz raus bekomme.
Das ging mir damals genau so. Ich wollte ihn verstehen, um ihm helfen zu können. Mit Hilfe des Forums wurde meinem Kopf damals klar, dass das nicht funktioniert - das Herz kam da lange nicht mit. Nach über einem Jahr, konnte ich sogar körperlich spüren, dass das endlich durch all meine Instanzen durch war - ich konnte das auch fühlen. Das war ein ganz wichtiger Schritt.

Ich finde es gut, dass Du was für Dich tust und Dich ablenkst. Das hilft, den Fokus neu einzurichten - weg von ihm, hin zu Dir.

sonnige Grüße
Lütte

Aurora
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Re: Trennung

Beitrag von Aurora » 16.06.2020, 10:12

Hallo Bine,

es ist halt sehr schwer, Menschen und auch Lebensvorstellungen los zu lassen.
Und es ist auch für einen Menschen, der nicht diese Sucht hat, kaum nachvollziehbar, was den Abhängigen da umtreibt. Ich habe ganz lange gedacht ich hätte da Einfluss, könnte meinen Ex vom saufen weg bringen, müsste mich nur mehr anstrengen, mehr Verständnis haben usw.

Das ist einfach ein Prozess, wann das Theoretische aus dem Kopf im Herzen ankommt. Denn du weißt ja, dass du nichts machen kannst. Aber im Herzen ist immer noch ein Funken Hoffnung. Das braucht ein bisschen Geduld. Ablenkung ist immer gut und ich hoffe, dass du heute gute Momente für dich hast, dass du spüren kannst, wie gut Dinge tun ohne diese Gedanken an IHN.

Liebe Grüße
Aurora

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