Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Ist es überhaupt möglich?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Harley_quinn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 20
Registriert: 25.06.2020, 18:28
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Harley_quinn » 26.06.2020, 15:22

Eine glückliche Beziehung mit einem Alkoholiker?
Wer von euch hat das und wie konntet ihr das umsetzen? Wo sind die Kompromisse?

Ich kopiere meinen Text vom Vorstellungsthread zur besseren Übersicht hier rein. :)

Ich weiß um ehrlich zu sein nicht wo ich anfangen soll. Ich frage mich ob eine Beziehung mit einem Alkoholiker auf Dauer überhaupt möglich ist. Die leeren Versprechungen und Enttäuschungen die man aufgrund des Alkoholkonsums des Partners erfährt... kann man einen Umgang damit lernen? Nüchtern ist er ein wundervoller Mensch. Betrunken ist er egoistisch, unzuverlässig und nichts hat mehr Wichtigkeit außer die nächste Möglichkeit irgendwo das nächste Bier in sich rein zu schütten. Oft frage ich mich ob ich diejenige bin die das zu eng sieht. Aber täglicher Konsum mit mindestens 3 bis 10 Bier....? Hier im Umfeld ist es Gang und Gebe. Bier der Durstlöscher. "Was du trinkst Spezi?! Bist du krank oder hat dir deine Freundin jetzt die Hosen an?“



Für mich wird die Situation immer schwieriger. Ich liebe ihn, aber ich spüre wie mich jede Enttäuschung emotional weiter von ihm entfernt...Von einem Schlussstrich bin ich jedoch weit entfernt
...

Ich weiß, dass die eigentliche Frage wahrscheinlich heißen sollte wie viel bin ich mit Wert und wie lange möchte und ertrage ich diese Situation noch. Ich bin selbst seit über einem Jahr in Therapie aufgrund meines zu geringen Selbstwertes und der starken Verlustangst.

Freue mich auf eure Meinungen/Erfahrungen usw.

LG

Carmen
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 797
Registriert: 04.03.2020, 13:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Carmen » 26.06.2020, 16:15

Hallo Harley,

herzlich willkommen nochmal!
Harley_quinn hat geschrieben:
26.06.2020, 15:22
Eine glückliche Beziehung mit einem Alkoholiker?
Ganz bestimmt, allerdings nur mit einem trockenen Alkoholiker. Solange der Alkoholiker trinkt, wird sein Suchtmittel immer an erster Stelle stehen, so sehr er seinen Partner auch liebt. Das ist leider die Sucht. Mir sind hier im Forum allerdings nur zwei Fälle bekannt, die eine zufriedene Ehe mit einem trockenen Alkoholiker führen; ist leider die Minderheit.
Harley_quinn hat geschrieben:
26.06.2020, 15:22
. Oft frage ich mich ob ich diejenige bin die das zu eng sieht. Aber täglicher Konsum mit mindestens 3 bis 10 Bier..
Du siehst es nicht zu eng. Das ist kein normaler Konsum mehr.

Sieht Dein Partner denn ein, dass er Alkoholiker ist und möchte er trocken werden? Liest sich nämlich eher nicht so.

LG
Carmen

Harley_quinn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 20
Registriert: 25.06.2020, 18:28
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Harley_quinn » 26.06.2020, 17:26

Hallo Carmen, danke für deine Antwort.

Er hatte bisher (1,5 Jahre Beziehung) zwei Momente, in denen er von sich aus sagte er möchte was an der Situation ändern. Gehalten hatte es maximal immer nur wenige Tage...

Jetzt gerade ist so ein akutes Beispiel. Wir hatten uns 1 Woche nicht gesehen, da es erst letzte Woche einen Vorfall gab bei dem er sich nicht an unsere Abmachung hielt (die von ihm getätigt wurde). Er schrieb dann die letzten Tage das er mich vermissen würde und ob wir uns heute sehen. Ausgemacht war ein bestimmter Zeitraum (also zwischen so und soviel Uhr. Zeitspanne ca 30 min) . Nach meiner Aussage hin wann genau ich es nun schaffe, kommt von ihm wieder einmal, dass er bei dem und dem ist. Er ist erst ab einer anderen Uhrzeit zuhause.

Ich weiß richtig wäre ihm zu sagen dass ich das nicht gut finde weil schließlich etwas anderes ausgemacht war. Aber wieder schaffe ich es nicht mich zu wehren. Für mich einzustehen. Ich bin so traurig und wütend. :(

Harley_quinn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 20
Registriert: 25.06.2020, 18:28
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Harley_quinn » 26.06.2020, 18:57

Wieder war der Alkohol wichtiger als ich. Es tut so sehr weh. Ich habe gewartet bis zu dem maximalen Zeitpunkt, bei dem ich ihm gesagt habe, dass ich länger nicht warte. Und er kam nicht. Wieder hat er mir gezeigt wie wenig Stellenwert ich bei ihm habe, wie wenig ich ihm wert bin.

Ich schwanke gerade zwischen bereuen ihm das Limit gesetzt zu haben weil ich jetzt wieder hier sitze und heule, und tiefster Enttäuschung wieder nur die Option gewesen zu sein die es nicht wert ist, respektvoll behandelt zu werden.

Hätte ich wie immer die Füße still gehalten, hätte es vielleicht doch noch ein schönes Wochenende werden können.... Ich kann gerade kaum klar denken

Lia
neuer Teilnehmer
Beiträge: 352
Registriert: 02.04.2020, 19:42
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Lia » 26.06.2020, 19:06

Du nimmst viel zuviel Rücksicht auf den Typen, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Was für ein Ego.
Ich bin ja Alkoholikerin, aber so bin ich in meinen schlimmsten Zeiten nicht mit meinen Mitmenschen umgegangen.
Ich wünschte mir, dass du ihm einen Tritt in den A... geben würdest.

LG Heike

Harley_quinn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 20
Registriert: 25.06.2020, 18:28
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Harley_quinn » 26.06.2020, 19:15

Liebe Heike, danke für deine schnelle Antwort.

Das wünschte ich mir auch. Ich kann dir nicht mal erklären warum ich mich so behandeln lasse. Sobald ich für meine Grenzen und für mich einstehe, ist dass erste was er macht mir die Schuld zu geben. Ich würde übertreiben. Er ist halt so wie er ist. Und meine Gedanken kreisen dann so lange bis ich es selber glaube, wieder Entschuldigungen für sein Verhalten finde, mir wieder denke, ich müsse nur etwas toleranter sein... Und doch ist da so eine kleine Stimme die sagt... Du solltest dich nicht so behandeln lassen... Sucht hin oder her. Aber ich schaffe es nicht...

Carmen
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 797
Registriert: 04.03.2020, 13:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Carmen » 26.06.2020, 19:33

Hallo Harley,

hör auf die kleine Stimme. Die sagt das Richtige. Ich hab schon oft oder eigentlich immer bei Coabhängigen gelesen, dass sie die Schuld bei sich suchen oder denken, dass sie das Problem sind. Im Zusammenleben mit einem nassen Alkoholiker bekommt man mit der Zeit auch eine verschobene Wahrnehmung durch die ganzen Manipulationen, Lügen und Verdrehungen des trinkenden Partners. Dieser muss das tun, um die Sucht weiter ausleben zu können. Das läuft auch teilweise unterbewusst ab. Das Trinken steht halt an erster Stelle. Da kann die Liebe noch so groß sein. Ich will jetzt hier nicht für alle Alkoholiker sprechen, aber das sind meine eigenen Erfahrungen und diese habe ich auch in vielen anderen Lebensgeschichten wiedergefunden.

Die Alkoholsucht ist eine ganz heimtückische Krankheit, die schwer zum Stillstand zu bringen ist. Selbst, wenn die Einsicht und der Wille da sind, ist das noch lange keine Garantie trocken zu werden und zu bleiben. Ich wollte schon so oft endgültig mit dem Trinken aufhören und wurde trotzdem immer wieder rückfällig. Selbst wenn Dein Partner trocken werden möchte, liegt ein langer Weg vor ihm. Ich schreibe Dir das, um Dich ein wenig zu desillusionieren, denn die Rückfallquote ist leider enorm hoch. :?

LG
Carmen

Carmen
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 797
Registriert: 04.03.2020, 13:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Carmen » 26.06.2020, 19:40

Lia hat geschrieben:
26.06.2020, 19:06
Du nimmst viel zuviel Rücksicht auf den Typen, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf.
Das ist ja eben die Coabhängigkeit, aus der man sich wie aus der Alkoholsucht befreien muss. Es ist nicht einfach.

Antworten