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schleichenden Rückfall

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Mel007
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schleichenden Rückfall

Beitrag von Mel007 » 07.07.2020, 17:09

Hallo in die Runde,
Mein Lebensgefährte ist ganz langsam wieder rückfällig geworden ( 12 Jahre trocken). Zuerst war es ein Bier im Urlaub, das war vor ca 3 Jahren ...danach mal Monate später, er hat sich wirklich nicht betrunken und es lagen immer Monate dazwischen, dennoch hat es mich immer wieder geschockt und beunruhigt...er meint, wir sollen ihm Vertrauen, so wie früher wird es nie mehr werden ( wir haben harte Zeiten hinter uns) . Ich habe ihn nie im Stich gelassen, bin damals nur aus der gemeinsamen Wohnung gezogen um unseren Sohn ein normales Leben geben zu können...dann hat mein Lebensgefährte eine Therapie gemacht , wieder Arbeit gefunden, seine mittlerweile geschädigte Leber war auch wieder regeneriert nach einer Interferon Therapie .
Jetzt im März ist seine Mutter verstorben, so 3 Wochen später wollte er sich " mal wieder einen trinken " ganz bewusst. Gesagt getan, es führte zur Unruhe...dann wieder 3 Wochen später und da bin ich ausgeflippt, habe die Nerven verloren, bekam eine Panikattacke und habe ihn beschimpft. Er meinte, ich will ihm alles verbieten....dann kam der richtige knall. Er sagte mir dann kurz vor meinem 50 Geburtstag, das er nichts mehr für mich empfindet, nach 26 Jahren reist es mir den Boden unter den Füßen weg. Voher hatten wir kein Streit und davon habe ich nichts gemerkt...dann meinte er wieder, das hat er aus Wut gesagt und wollte mit mir Urlaub machen. Wir waren an der Nordsee und alles war wie früher...er hat in dieser Urlaubswoche sogar dreimal getrunken und ich habe es geduldet und kein Streß deswegen gemacht, ändern kann ich es sowieso nicht. Komischerweise ist das Trinken jetzt kein Thema mehr , es wird darüber geschwiegen. Nachdem er von Trennung gesprochen hat, stand der Alkohol im Hintergrund und somit hat er seine Ruhe was das angeht. Eigentlich leide ich wie ein Tier , bemühe mich sehr um unsere Beziehung, da ich in der letzten Zeit auch meine Fehler hatte...aber das hat alles mit unserer Vergangenheit zu tun und dem Rückfall. Bin verzweifelt und möchte ihn nicht verlieren.
L. G Mel

Cadda
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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von Cadda » 07.07.2020, 18:08

Hallo Mel,

es tut mir total leid, wenn ich das lese. Aber Du hast alles super erkannt. Durch seine geäußerten Zweifel ist das Alkoholthema ganz geschickt in den Hintergrund gerutscht. Er hat Dich quasi mundtot gemacht. Durch Deine Angst, ihn zu verlieren, tolerierst Du den Alkohol.

So wie Du das beschreibst, ist es ja noch einigermaßen im Rahmen. Das wird sicherlich nicht so bleiben. Ich habe noch nie gehört, dass ein rückfälliger Alkoholiker dauerhaft kontrolliert trinken kann. Wie gesagt, noch nie! Ich habe in der Selbsthilfegruppe einige Berichte gehört, dass es zunächst, wie bei Deinem Mann klappte. Alles eine Frage der Zeit...

Ich schätze, Du wirst wohl oder übel aus dieser Geschichte aussteigen müssen, wenn Du nicht so unglücklich wie früher werden möchtest. Und lass Dich nicht erpressen, das ist verkehrte Welt. Nicht er sollte an der Beziehung zweifeln, sondern Du. Mit erpressen meine ich, dass es zur Zeit so abläuft (aus seiner Sicht):
„Ich will trinken dürfen. Damit Du mir das nicht vermiest, habe ich eh Zweifel an der Beziehung. Also nehme es so hin oder ich muss mich wegen fehlender Gefühle trennen“. Thema Alkohol wie gesagt ganz geschickt in den Hintergrund geschubst.

Steh zu Dir selbst. Sag das, was Dich bewegt. Lass Dich nicht zum Schweigen bringen. Vielleicht bringt es Dich letztendlich nach vorne und er besinnt sich, wenn es ernst wird. Und falls nicht, bist Du ohne ihn eh besser dran. Oder willst Du alles von damals nochmal durchleben? Denn dazu wird es früher oder später kommen. Denn wie gesagt: Alkoholiker können niemals kontrolliert trinken, auch nicht nach Jahre langer Abstinenz. Es funktioniert nicht.

Mel007
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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von Mel007 » 08.07.2020, 00:21

Hallo Cadda,danke für Deine erhlichen Worte. .denn , das mit seinem Gefühlen war neu für mich..vor diesem Desaster hat er mich angeblich noch geliebt, es sei denn es war gelogen. Dafür ist er aber kein Typ...ich sehe mich als Gegner für seinen Alkohol, habe sehr überreagiert, war fassungslos und hilflos und unser Sohn genauso. Ich nehme es jetzt so hin , wie es ist . Sonst wird es wieder schlimmer..wie blöd, das ich ihn ren liebe .Jedenfalls sehe ich es auch so, geschickt umgelengt...aber vielleicht stimmt es ja auch , das wr nichts mehr für mich empfindet. Aber es war mir neu ...wir sind natürlich eine lange Zeit zu kurz gekommen, seine Mutter stand ständig auf der Kippe , wir waren gestresst und ständig voller Sorge...nach ihrem Tod im März ging alles bergab und das Trinken kam vermehrt auf

Cadda
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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von Cadda » 08.07.2020, 02:07

Hallo Mel,

Du hast nicht überreagiert. Es ist völlig verständlich, verzweifelt und sogar wütend zu reagieren, wie Du oder Dein Sohn, wenn ein abstinent lebender Alkoholiker wieder trinkt. Es ist eher unnatürlich, es so hinzunehmen, wie jetzt, wo Du Angst vor einer Trennung hast, weil er den Spieß ja so schön umgedreht hat. Er hat so den Freifahrtschein wieder zu saufen. Seine Co. funktioniert bestens. Warum sollte er etwas ändern?

ideja
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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von ideja » 08.07.2020, 09:03

Hallo Mel,

ich fühle mit dir, denn ich weiß sehr gut wie es sich anfühlt wenn man nach (bei mm eh kurzer) Abstinenz, zu hören bekommt "ich werde wieder was trinken". Und dann auch zuschaut wie getrunken wird.
Ich kenne die Gefühle die es in einem auslöst.
Auch Gerede, denn das ist nur Gerede, wie Cadda es schön sagte, über Beziehungsende.ist mir bekannt. Wir sind auch im gleichen Alter.

Du musst, oder sollst, auf dein Gefühl hören. Nicht sitzen und grübeln über das was er gesagt hat, denn jetzt gerade spricht die Sucht aus ihm.

Ich wollte mich nur melden, denn ich habe für mich auch noch keine Lösung gefunden. Eher ein Kompromiss.

liebe Grüße, ideja

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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von Mel007 » 08.07.2020, 09:24

Ja, das ist hart , man will es nicht wahrhaben ...in meiner Familie hat er jedem geschworen, das es nicht mehr so wie früher kommt...und die glauben ihm, er spricht sehr überzeugend ...eine Lösung habe ich dafür auch nicht , aber ich habe mich für eine Wohnung angemeldet...davor habe ich aber total Angst, immerhin sind es 26 Jahre

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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von ideja » 08.07.2020, 10:08

Es werden im Dezember auch 25 Jahre seit wir zusammen sind. Ich weiß selber nicht ob ich seinen Worten glauben soll, wahrscheinlich nicht.

Dann schaue ich in meiner nähen Familie wie sich das Blatt wendet, und man nach mehr als 20 Jahren exzessives Trinkens, sich verwandelt in einen fürsorglichen Mann, der seine kranke Frau umsorgt und tut alles was sie sich wünscht, und alles damit sie ihm erhalten bleibt, der keinen Tropfen mehr anrührt.

Es ist schwierig. Denn sie passen jetzt sehr gut auf damit sie in ein "normales" Bild passen. Wenn du jetzt in eine neue Wohnung ziehst, wird das für alle unverständlich. Du wirst dann diejenige die ein Problem hat. Alle vergessen sehr leicht Eskapaden, und erst Männer.

Ich wünsche mir so sehr, dass du die Wohnung kriegst, und ausziehst. Dann kannst du Beziehung führen, oder nicht, nach deinen Regeln und Gefühlen.

Cadda
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Re: schleichenden Rückfall

Beitrag von Cadda » 08.07.2020, 14:33

Hallo Mel und Ideja,

ihr könnt Euren Männern gern glauben, dass sie die Wahrheit sagen. Sie werden Euch nicht anlügen, denn sie sind selbst davon überzeugt, dass es nicht so schlimm wird wie früher. Sie werden bemüht sein und das selbst glauben.

Aber das wird langfristig nicht funktionieren. Es KANN nicht funktionieren. Das Hirn ist durch die Sucht umprogrammiert und ohne dass sie es wollen, werden sie früher oder später wieder genau an dem Punkt angelangen, wo sie schon einmal waren. Alkoholiker können nicht kontrolliert trinken. Wenn sie sich wirklich und ernsthaft mit ihrer Sucht auseinander gesetzt hätten, dann wüssten sie, dass es nicht funktionieren KANN.

Deshalb könnt ihr im Grunde genommen nur dabei zusehen, wie es langsam wieder abwärts geht... :-(

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