Einige wichtige Worte zum kalten Entzug

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chiara
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Einige wichtige Worte zum kalten Entzug

Beitrag von chiara » 19.10.2006, 16:38

Nein, nein und nochmals nein.
Egal ob man jetzt einige Flaschen Bier, zwei Flaschen Wein, paar Gin und Tonic oder volle Kanne Schnaps getrunken hat,
jeder der sich hier mit dem Gedanken..ich machs ganz alleine...spielt, spielt ein Spiel mit dem Tod.
Das Gehirn gewöhnt sich schon bei ein bis zwei Alkoholeinheiten täglich über einen längeren Zeitraum so sehr an dieses input, dass ein plötzlicher Mangel, über mehrere Tage, fatale Folgen haben kann.
Dieses Thema ist hier ausgearbeitet worden bis zum Letzten und doch ist es der Traum eines jeden Alkoholikers, der des Trinkens müde geworden ist, es nicht mehr aushalten kann, aber nicht dazu stehen kann. Der kalte Entzug.
Ich erzähle Euch gerne etwas über den kalten Entzug.
Lebe in einem Land, wo man nicht "einfach so" zum Arzt seines Vertrauens gehen kann. Oder in eine Beratungsstelle.
Kalter Entzug ist NICHT das Zittern, das Brechen, die Schweisausbrüche...das ist """"""Kinderkram"""""". Kalter Entzug ist wenn das Gehirn (das kann am Tag 2,3,4,5,6,7,8,10,11,12,13,14,15,...)passieren ganz plötzlich aussetzt.
Auf einmal erscheint es Dir normal, dass Du aus dem Fenster rausgehst, statt zur Haustüre. Oder Du beschliesst plötzlich, dass Du Dich umbringen willst. Jemand anderen umbringen willst. Der Züggellosigkeit des Gehirn ist im Entzug , dem kalten Entzug, keine Grenze gesetzt.
Und wärend ALL DAS in Deinem Kopf vorgeht fühlst Du Dich völlig normal.
Manchmal sogar gut. Du wirst Dich später nie daran erinnern können, was Du in dieser Phase gemacht hast, ausser Dein Körper bricht zusammen und man "Fixiert" Dich´, bevor Du eine zu grosse Gefahr für Dich selbst und Andere bist.
Es ist auch nicht besonders schön plötzlich, nach einem Krampfanfall in seinen eigenen Exkrementen aufzuwachen, zitternd von Kopf bis Fuss.
Bei mir sind dann auch, in meiner Wahrnehmung, Insekten aus der Haut gekrochen, aus der Wand, Spinnen über meinem Gesicht, Würmer in meinen Armen..., Muskelkrämpfe die Stunden dauerten.
Mein Mann hat jedes mal den Rettungswagen rufen müssen. Wieder und wieder.
Ich kann mich nur ausdrücklichst gegen kalten Entzug aussprechen; die Gefahr sich oder andere zu verletzen oder gar ums Leben zu bringen ist viel zu gross.
chiara

Karsten
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Beitrag von Karsten » 19.10.2006, 16:56

Hallo chiara,

ich habe selbst mehrere Delire durchgemacht und habe auch einige Krampfanfälle bekommen.
Dieses Horror der Delire, wo ich mich meist im Krieg wieder fand, wo mir alles zugetraut werden konnte, möchte ich nie wieder auch nur in einem Traum wiedererleben.

Ich versteh auch Menschen nicht, die trotz dieses Wissens, was sie auch hier nachlesen können, so etwas auf sich nehmen wollen.
Für mich hat das auch was mit Feigheit zu tun.
Man konte zwar jahrelang trinken, aber wenn es um die Konsequenz zur Nüchternheit geht, trauen sie sich nicht mal einem Arzt anzuvertrauen.

Was soll das erst werden, wenn sie ihren Arbeitgeber, ihrer Verwandschaft und ihrem sonstigen Umfeld von ihrer Alkoholsucht erzählen müssen?
Da ist doch so schon zum scheitern verurteilt, wenn man nicht offen und ehrlich mit seiner Krankheit umgeht.

Gruß
Karsten
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mein Mann trinkt und kalter Entzug
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Annika
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re

Beitrag von Annika » 19.10.2006, 17:04

Hallo
Für mich hat das auch was mit Feigheit zu tun.
Man konte zwar jahrelang trinken, aber wenn es um die Konsequenz zur Nüchternheit geht, trauen sie sich nicht mal einem Arzt anzuvertrauen.

Das ist es, den Weg schon ganz am Anfang nicht konsequent gehen zu wollen. Ich halte das auch für Feigheit, weil ich hier stundenlang grübel und mir kein anderer Grund einfällt.

Annika

walf

Beitrag von walf » 19.10.2006, 17:08

Mir fällt noch einer ein:
Die typische Überheblichkeit die Alkoholiker auszeichnet. Aber kann sein dass das auch nur eine Randerscheinung der Feigheit ist. Irgendwie muß Mensch ja überdecken, dass er keinen Ar... in der Hose hat.
Grüße,
Ralf

Lilly12

Beitrag von Lilly12 » 19.10.2006, 17:12

Hallo alle zusammen,

kann mich hier nur der Meinung von Chiara, Annika, Walf und Karsten anschliessen.
Genau so sehe ich das auch !
Einige scheinen noch einen zweiten Körper im Keller zu haben.....

Und Annika, ich hab auch da schon länger die letzten Tage drüber nachgedacht, und ich komme auch zu dem gleichen Ergebniss wie Du. Es ist sie reine Feigheit, das jemand aus dem Umfeld was mitbekommen könnte. Als ob es schon mit einer Entgiftung getan wäre, das ist der Anfang auf dem Weg zur Trockenheit. Und wenn man schon nicht bereit ist, diesen Schritt zu tun, dann weiß ich nicht, wie man den Rest des Weges überhaupt schaffen will?

Lieben Gruß
Lilly

Arina

Beitrag von Arina » 19.10.2006, 17:18

Hi

da ich das auch nur zu gut kenne, muss ich mir diesen Schuh der Feigheit und Inkonsequenz auch selber anziehen, tue das auch, und vor allem auch sagen, welch ein unendlich langer, mühsamer und lebensgefährlicher Umweg das ist. Das muss mit den heutigen Möglichkeiten wirklich nicht sein. Ich würde es niemals jemandem empfehlen, wenn ich noch recht bei Trost bin.

Lieben Gruß
Arin

Peter.Pan

Beitrag von Peter.Pan » 19.10.2006, 17:43

Hallo,

es gibt eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wer kalt entzieht,tut dies unverantwortlich. Das dieses Thema immer wieder aufkommen muss.

LG Peter Pan

chiara
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Beitrag von chiara » 19.10.2006, 17:48

Lieber Pan,
es kommt immer wieder auf, weil jene, die noch keinen kalten Entzug durchgemacht haben, wissen wollen ob dies ein passender Ausweg ist. Es ist unsere Aufgabe hier im Forum darüber zu informieren. Ich verdamme niemanden, der von mir wissen will, wie so ein kalter Entzug läuft.
Ich hoffe sogar , dass meine schrecklichen Erfahrungen mit kaltem Entzug Andere davor bewahren, es ganz alleine und ihr Leben aufs Spiel setzend zu versuchen.
chiara

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