Rückfälliger Partner

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Sysiphus
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Rückfälliger Partner

Beitrag von Sysiphus » 21.10.2006, 00:57

Hallo, Foris,

wie in der Vorstellung geschrieben, lebe ich mit einem alkoholabhängigen und seit längerer Zeit rückfälligem Partner. Er ist Anfang 50, trinkt und raucht seit seiner Jugend, ohne die übliche Lebensgeschichte, die mit der schweren Kindheit beginnt und mit dem völligen sozialen Abstieg
endet. Er hat reichlich Therapieerfahrung, die ihn jedoch nicht vor den Rückfällen bewahrt, weil er einfach immer noch nicht wissen will, daß es kein kontrolliertes Trinken mehr für ihn gibt.

Einige Zeit besuchte ich eine Selbsthilfegruppe, um überhaupt Klarheit zu bekommen, was mit der Abhängigkeit verbunden ist. Dort hat man mir sehr schnell die Augen geöffnet!

2005 im Frühjahr hat er sich bei einem dieser Exzesse die Bauchspeicheldrüse angeknackst. Nach Besserung der akuten Symptome ist er wohl der Auffassung, es sei alles wieder im Lot und er könne nun weitermachen wie gehabt. Doch Pankreatitis ist gefährlich und heimtückisch, sie schlägt unvermutet zurück. T. glaubt mir nicht, obwohl er weiß, daß ich mich aufgrund meines Berufes (nein, ich bin keine Krankenschwester mit Helfersyndrom!) mit der Gesundheit bzw. den Erkrankungen von Säugetieren bestens auskenne.

Nun sehe ich die erneuten Anzeichen der Pankreatitis - er leugnet sie doch wirklich immer noch weg!

Ich bin so zornig! Gestern abend hab ich ihm eine große Flasche Wodka und eine Karte mit der Aufschrift "Saufen macht frei" und dem Abbild eines Mannes mit einer Flasche am Hals, an die er mit einer Handschelle angekettet ist, auf den Tisch gestellt. Hinten schrieb ich drauf, er möge doch bitte seine Angelegenheiten regeln und mitteilen, in welcher Ecke unseres Friedhofes er zu liegen wünsche...

Inzwischen fehlt mir jegliches Verständnis für Drogenabhängigkeit, ich empfinde es einfach nur noch als eine Charakterschwäche, die die Solidargemeinschaft unendlich viel Geld kostet und auf dem Rücken der Mitmenschen ausgetobt wird. Ich weiß, Ihr werdet mich jetzt steinigen, doch ich hab, um es mal ganz profan auszudrücken, die Schnauze gestrichen voll von .... Text gelöscht, ist besser so.

Ich höre jetzt lieber auf, der Zorn geht mit mir durch. Ich kann nicht mehr...

Gruß, Sysiphus

Whitewolf
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Beitrag von Whitewolf » 21.10.2006, 10:32

hallo Sysiphus,

Dein Empfinden sei mal dahingestellt, ist wohl nachvollziehbar, da Du scheinbar sehr unter der Alkoholkrankheit Deines Mitmenschen leidest.

Um mal vorweg zu nehmen: Das MUSS aufhören.

Nicht das Trinken, sondern Dein Leiden.

Da Du Dich mit den Säugetieren so gut auskennst, weisst Du wohl , das Alkoholismus keine Charakterschwäche darstellt, sondern eine unheilbare, tödlich verlaufende Krankheit, die behandelt werden muss.
Die Abschreckungsmasche zieht nicht, dem Trinker ist es im nassen Zustand egal , wo und wann er auf dem Friedhof liegt.
Du musst dringend umdenken, sonst machst Du Dich kaputt. Zum ''auf dem Rücken austoben'' gehören immer zwei, und Dein Rücken steht ab sofort nicht mehr zur Verfügung.

Punkt..war doch ganz einfach, oder???
Wenn nicht , würde ich mir an Deiner Stelle den Satz mit der eigenen Co-Abhängigkeit nochmal überlegen.

Du bist im Moment und schon länger so hilflos, das Du den Überblick verlierst. Wenn Du aus dem Kreislauf raus willst, musst Du Konsequenzen ziehen.
Du bist nicht dafür verantwortlich, wenn sich ein Mensch zu Tode säuft, und Du kannst es nicht verhindern wenn er es möchte. Ohne Krankheitseinsicht und den Willen ohne Alk zu leben, verschwendest Du Deine Kraft.

Du hast die Wahl:
Zuschauen, sich verantwortlich fühlen, in Wut und Zorn vergehen, ohnmächtig die Welt verfluchen....
oder
Bis zu einer gewissen Grenze gehen, und sich danach um Dich kümmern, Dein Leben leben wie Du es willst.
So trennt sich die ''kranke Co-Abhängigkeit'' von der ''gesunden''.

Ich wünsch Dir viel Kraft, wie Deine Entscheidung auch ausfällt.

Viele Grüsse

White

lavendel
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Beitrag von lavendel » 21.10.2006, 10:55

hallo sisyphus,

hab grad nochmal die vorstellung gelesen, und auch deinen jetzigen beitrag: auch wenn du dich nicht "krank" fühlst, sehe ich dich doch als "co", allein deshlab, weil es dich beschäftigt, bedrückt, dir lebensfreude nimmt, dich aggressiv macht.... kurz: dich und dein leben beeinträchtigt. sag ehrlich: bist du glücklich, oder auch nur zufrieden mit deinem leben? habe nicht den eindruck.....

raten kann ich dir kaum, wirst hier sicher schon eine menge gelesen habne, dass du nicht helfen kannst, dass dein partner von allein drauf kommen muss und es für sich wollen etcetc. die sache mit dem flasche-hinstellen finde ich persönlich schon sehr bedenklich, kann zwar deinen frust verstehen, aber das geht zu weit, finde ich. was, wenn er sie trinkt und umkippt? von DEINER flasche? sowas würd ich nicht machen....

ich hab mich vor drei wochen von meinem trinkenden partner getrennt, nach monatelangem leiden, hoffen, enttäuschungen, spielchen, einem ultimatum, dass ich weg bin, wenn er nicht aufhört.... findest du bei interesse unter http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic3517-0.html. kann dir nur sagen, dass es mir - von heftigstem liebeskummer abgesehen - besser geht, weil ich mich nicht mehr instrumentalisieren lasse, mich nicht mehr so direkt (indirekt natürlich doch) verantwortlich fühle UND es momentan so aussieht, als könnte er doch noch die kurve kriegen. zumindest geht er nach dem zusammenbruch nach der trennung jetzt zum ersten mal in eine selbsthilfegruppe.

wünsche dir, dass du jetzt in erster linie an DICH denkst - nichts anderes tut dein partner ja auch...

viele grüße

lavendel

meriamun
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Beitrag von meriamun » 22.10.2006, 10:27

Inzwischen fehlt mir jegliches Verständnis für Drogenabhängigkeit, ich empfinde es einfach nur noch als eine Charakterschwäche, die die Solidargemeinschaft unendlich viel Geld kostet und auf dem Rücken der Mitmenschen ausgetobt wird. Ich weiß, Ihr werdet mich jetzt steinigen, doch ich hab, um es mal ganz profan auszudrücken, die Schnauze gestrichen voll von .... Text gelöscht, ist besser so.

Ich höre jetzt lieber auf, der Zorn geht mit mir durch. Ich kann nicht mehr...
hallo sysiphus,

deinen zorn kann ich sehr gut verstehen, es ist der zorn der hilflosigkeit. du siehst du bist machtlos diesem teufelszeug gegenüber. dein mann ist süchtig und will davon nichts wissen. mit flasche vorstellen usw. bringst du ihn nicht zum aufhören. er muss von selbst wollen sonst nutzt gar nichts. die ecke des friedhofs könnt ihr ja gemeinsam auswählen, denn wenn er bei einer pankreatitis weiter trinkt wird diese sich zersetzen, genau wie die leber.

wenn du nicht mehr kannst, dann denke an dich und trenn dich von deinem mann. oft hat eine trennung schon bewirkt, dass ein alkoholiker über alles nachgedacht hat und ihn zur umkehr bewogen hat.

Kira-Antonia
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Beitrag von Kira-Antonia » 23.10.2006, 13:21

Huhu,
ich kann Deine Wut auch sehr gut verstehen. Teilweise bin ich auch so in Rage bei meinem Freund. Ich glaube, daß liegt daran, weil ich sehe, daß da so viel Hilfe angeboten wird und er sie ned annimmt, mir aber auf die Nerven geht und dann auch noch Methadon bekommt und dann auch noch Koks nimmt...Dann kriege ich auch so einen Hals, weil ich denke, daß das Metha für Leute, die schrittweise runter wollen gut sein kann, und dann von anderen Leute mißbraucht wird. Dafür ist das Metha einfach zu teuer. Vor allen Dinge, wenn das Metha auch noch verkauft wird, um Drogen zu kaufen...
Oh, ja, Deine Wut kann ich gut verstehen...

...und es ist auch völlig okay so...

Winke, Winke
Kira-Antonia

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