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kalter Entzug

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Beitrag von Karsten » 08.11.2006, 17:38

Hallo Ele,

hier geht es nicht um Verallgemeinerungen, sondern um Verantwortung.
Du wirst selbst noch aus Deiner aktiven Zeit wissen, wie sehr man sich überschätzt und sein Trinkverhalten falsch einschätzt.
Viele denken eben, weil sie mal aus Geldmangel oder anderen Gründen einen Entzug machen mußten, dass dies immer so abgeht und schon nichts passieren wird.
Jeder Entzug kann der letzte sein, weil auch bei einem Quartalstrinker Entzugserscheinungen auftreten.

Dir ging es ja auch schlecht, also haben sich erste Entzugssyptome bemerkbar gemacht.

Das was Du grad geschrieben hast, wird vielleicht einige Leser in ihrer Meinung bestätigen, dass sie doch zu Hause entziehen können.
Die Selbsteinschätzung sagt ihnen, ich habe ja auch ab und zu mal ein paar Tage nicht getrunken.
Als Alkoholiker macht man sich immer selbst was vor. Man braucht ja für sich eine Entschuldigung, dass man das eigentlich Falsche vor sich rechtfertigen kann.

Willst Du die moralische Verantwortung dafür übernehmen, dass nur einer, der sich selbst falsch einschätzt, einen klaten Entzug macht und daran stirbt?

Ich nicht und daher bitte ich Dich, solche Beiträge hier zu unterlassen.
Mit drei Jahren Nüchternheit sollte man mehr Verantwortungsgefühl erwarten können.

Ein Arztbesuch tut niemanden weh. Es können während der nassen Zeit andere organische Erkrankungen erfolgt sein. Sich vor einem fremden Menschen zu outen ( dem Arzt es sagen, dass man Hilfe brauch ), ist ein Schritt zum Eingeständnis seiner Krankheit.
Wenn dann der Arzt sagt, dass ein stationärer Entzug nicht erforderlich ist, liegt es in seiner Verantwortung, weil er auch den körperlichen Gesantzustand kennt.

Also, noch einmal. Lass solche Beiträge zur Beführwortung bzw. Verharmlosung eines Entzuges bitte sein.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 08.11.2006, 19:22

Hallo Charles

ich möchte noch mal an dieser Stelle betonen, dass dies hier kein Forum sit, wo man sich austauschen kann, ob man nun nüchtern werden will, muß. kann oder ob es noch andere Möglichkeiten gibt.
Wie auf dem Portal geschrieben, ist dieses Forum für Menschen gedacht, die ein abstinentes Leben durch die Selbsthilfe erlernen möchten.
Da steht nichts von "gibt es noch ein normalen Alkoholkonsum für mich?" oder Ähnliches.

Jeder kann sich hier anmelden, aber nur wenn er erkannt hat, dass es für ihn kein Leben mit Alkohol mehr gibt und er im Rahmen der Selbsthilfe ein nüchternes Leben anstrebt.

Hallo Ele,

als Angriff gegen Deine Person möchte ich meinen Beitrag nicht verstanden wissen. Wenn es so angekommen ist, entschuldige.

Ich wollte damit nur verdeutlichen, dass es hier keine Beführwortung bzw. Verharmlosung des kalten Entzuges gibt.
Entscheiden tut sowieso jeder selbst.
Ich möchte aber nicht die Verantwortung tragen, wenn einer stirbt oder dauerhafte Gesundheitsbeeinträchtigen erfährt, weil er hier gelesen hat, ist alles nicht so schlimm oder wenn man nicht regelmäßig trinkt, passiert schon nichts.
Ein kalter Entzug ist für jeden gefährlich, egal welche Trinkgewohnheiten er hat. Das muß jeden klar sein.
Man schämt sich ka auch nicht, wenn man ständig Alkohol kauft und die Leute über einen reden.
Auch wenn man sich einbildet, niemand bekommt es mit, dem ist auch nicht so. Also brauch man sich auch nicht zu schämen, wenn man zum Arzt geht, sich dort untersuchen läßt und dann die Entscheidung mit dem Arzt trifft, ob man ambulant oder stationär entzieht.

Skye

Beitrag von Skye » 08.11.2006, 20:49

Guten Abend!

Auch wenn ich mich problemgegeben mehr im Co-Bereich aufhalte, lese ich doch des Öfteren auch bei den Betroffenen. So lese ich auch immer wieder die Diskussionen um den kalten Entzug. Ich bewundere Karsten mit welcher Ruhe er immer wieder diesen mit Verlaub gesagt, ausgemachten geistigen Dünn…….ß kommentiert und gebetsmühlartig seine absolut berechtigten Argumente dagegen vorbringt. An seiner Stelle würde ich diese Beiträge mittlerweile kommentarlos löschen und auf die freie Meinungsäußerung und Demokratie pfeifen. Die haben hier nichts zu suchen!!!!!

Für die Unverbesserlichen und Theoretiker:

Das sind die Fakten:

Meine Mutter ist seit Jahren schwer alkoholabhängig, sie hat keinerlei Kontrolle über ihren Konsum, schießt sich regelmäßig ins Nirwana. Sie trinkt regelmäßig fast jeden Tag. Manchmal schaft sie es von Samstagmorgen bis Montagmorgen mit Mühe und Not ohne, aber auch nur weil sie Freitagabend bis zur Besinnungslosigkeit getrunken hat. Dieses kleine Persönchen mit gerade mal 60 kg kann ganz locker 2 Promille stemmen und wirkt auf Außenstehende leicht angeschickert, bis mäßig betrunken. Es ist dank Medikamenten in allen ihren Entgiftung bisher ohne große Vorkommnisse gut gegangen. Ihre letzte stationäre hat sie gerade auch wieder problemlos hinter sich gebracht, dank Medikamenten und ärztlicher Überwachung! Soweit bis hier...


Ich, wie jeder andere ohne die jahrelange Gewöhnung antrainierte hohe Alkoholtoleranz, würde damit auf der Intensivstation landen bei diesen Werten. Jeder der das liest würde sagen, das geht nicht ohne Arzt, ohne Entgiftung. Bei diesem Konsum sind Krampfanfälle und Delire vorprogrammiert. Das ist natürlich was anderes, als jemand der nur alle paar Tage oder Wochen was trinkt. Keiner, auch die mit minimaler Erfahrung, würde bei diesen Angaben nur im Entferntesten daran denken ihr zu raten, es mit einem kalten Entzug zu versuchen.

Ihre Darstellung der Dinge sieht folgendermaßen aus:

Ich trinke nicht viel, es gibt Tage da trinke ich gar nichts. Gut ab und an gibt es Tage da trinke ich doch zuviel und habe einen Filmriß, aber nicht oft. Ich habe noch nie einen Krampfanfall oder ein Delir gehabt. Ich kann ohne Probleme auch mal eine Woche nichts trinken. Ich gehe nur in die Entgiftung, weil ich es allein nicht schaffe. Wenn ich genug Willen aufbringen könnte und von meinem Mann und meiner Tochter die richtige Unterstützung bekommen würde, würde ich es auch zu Hause allein schaffen. Dann müsste ich nicht in diesen Käfig.



Mit dieser Einstellung und falschen Selbsteinschätzung würde sie hier ankommen, Beiträge darüber lesen, dass ein kalter Entzug zu Hause auch geht, wenn man nicht soviel oder regelmäßig trinkt. Sie würde es versuchen und wahrscheinlich nicht überleben.

Die die ihr hier über kalte Entzüge schreiben wollt, seid ihr Euch eigentlich im klaren darüber, dass ihr mit diesen Beiträgen Alkoholiker mit falscher Selbsteinschätzung dazu animieren könntet das doch auch mal zu versuchen. Woher wollt wissen, das der der es liest, sich nicht vollkommen falsch einschätzt wie meine Mutter? Wollt ihr Überschriften drüber setzen, nur lesen wenn Du nicht mehr als….. trinkst. Die Grenzen sind schwimmend und gehören in die Hände von Ärzten, die abschätzen können was sie tun, weil sie den Menschen vor sich haben und nicht nur Geschriebenes.

Alkoholiker aufgrund dessen zu beurteilen, was sie schreiben ist lebensgefährlich und zwar für den Alkoholiker. Unter Umständen würdet ihr Euch das Leben meiner Mutter auf’s Gewissen laden. Könntet ihr das verantworten?

T’schuldigung es ist ein wenig mit mir durchgegangen, aber das liegt mir schon lange auf der Seele.

Skye

toby
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Beitrag von toby » 08.11.2006, 21:22

Kalter Entzug ist abolut lebensgefährlich und sollte nicht gemacht werden!
keine Frage!

Man sollte sich aber auch im klaren darüber sein, dass wenn der Arzt zu Rate gezogen wird, es nicht mehr möglich ist, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.
Auch der Wechsel in eine private Krankenversicherung ist nahezu ausgeschlossen...

Skye

Beitrag von Skye » 08.11.2006, 21:47

Hallo Charles,

Deine Meinungen und Ansichten seien Dir unbenommen. In der realen Welt mag es vielleicht, aber nur vielleicht funktionieren. Wenn ich auch bei meiner Mutter die Erfahrung gemacht habe, daß Verständnis nichts bringt. Das wurde immer mit dann geht's ja noch, dann kann ich ja weitertrinken gleichgesetzt. In der realen Welt hast den Menschen vor Dir kannst ihn besser beurteilen, dass Gespräch steuern und den Betroffen vielleicht auch leiten. Du hast es in der Hand welche Informationen er bekommt.

Bei einer Selbsthilfegruppe im Internet, haben solche Beiträge nach meiner Meinung nichts zu suchen. Das hier ist wie ein Selbstbedienungsladen, alles liegt offen und für jeden gut erreichbar da. Man nimmt sich hier ein Stück und dort eines, man liest hier ein wenig, kombiniert es mit einigen Meinungen aus einem anderen Thread und schwups hat jeder Leser seinen eigenen bunten Obstkuchen. Niemand kann absehen oder beeinflussen, wer was liest, was Beiträge, Erfahrungen und Beschreibungen über den kalten Entzug bei Suchenden auslösen. Nur ein fauler Apfel kann den ganzen Kuchen verderben. In diesem Fall zum Tod führen.

Skye

@Toby

Was nutzen Dir diese Überlegungen, wenn der Schuß nach hinten losgeht und der kalte Entzug nicht überlebt wird?

Karsten
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Beitrag von Karsten » 08.11.2006, 21:48

Hallo Charles,
Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass hier nur Leute erwünscht sind die es verstanden haben aber dann würde das Forum keinen Sinn machen.
Ich glaube schon, dass der Sinn ist Menschen mit Alkoholproblemen zu helfen oder Ratschläge zu erteilen.
Deshalb sollte man auch niemand ausgrenzen.
warum ausgrenzen? Menschen suchen was im Internet und finden, was sie brauchen oder wünschen.
Wenn ich ein Forum zum kalten Entzug suche, werde ich auch dieses finden.
Hier ist ein Angebot, wie es auf dem Portal steht.
Wer sich nicht mit den Zielen des Forums identifizieren kann, sucht eben weiter, bis er was gefunden hat, was seinen Ansprüchen entspricht.
Wir wollen und können hier auch nicht alle Aspekte der Alkoholproblematik abdecken.
Wir verstehen uns als eine Art SHG, wo Menschen sich durch ihre Erfahrungen gegenseitig helfen.

Ich verstehe langsam nicht, warum manche glauben, hier ihre eigenen Definitionen vom Sinn des Forums aufzustellen.

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