Auf dem richtigen Weg

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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pauly
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Auf dem richtigen Weg

Beitrag von pauly » 16.11.2006, 21:31

Hallo Ihr,

ich bin über Google auf dieses Forum gestoßen, und hab mich auch gleich hier angemeldet.

So wie ich das bis jetzt sehe, kann dieses Forum sehr goße Hilfe und Unterstützung bieten.

Ich bin gestern von einer 3-wöchigen Entgiftung in einer Klinik zurück gekommen. Ich hatte mich von meinem Hausarzt einweisen lassen und war dort mit 2,99 Promille angekommen. Ich hatte einen sehr schweren Entzug, der jedoch mit Medikamenten (u.a. Distra) abgemildert werden konnte. Es war trotzdem eine harte Woche.
Aber nach dieser ersten Woche ging es schnell aufwärts. Ich konnte wieder richtig gut schlafen und nahm sogar 3 Mahzeiten am Tag zu mir.

Jetzt fühle ich mich prima und sehr motiviert für die Langzeittherapie, von deren Notwendigkeit ich mich habe überzeugen lassen.

Ich hatte früher schon zwei Mal einen kalten Entzug gemacht. Dass dies lebensgefährlich (!) werden kann, habe ich leider erst auf der Entgiftungsstation erfahren.

Ich schreibe das, um den noch Unentschiedenen Mut zu machen, eine stationäre Entgiftung mitzumachen. Ich weiß, dass ich nur mit der erfolgreichen Entgiftung noch lange nicht überm Berg bin, aber ich weiß jetzt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Gruß

Pauly

esgehtanders
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Registriert: 24.09.2006, 20:37

Beitrag von esgehtanders » 17.11.2006, 00:36

hallo pauly,
wann geht denn die Langzeit los?
gruß

Whitewolf
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Beiträge: 1126
Registriert: 03.09.2006, 19:11

Beitrag von Whitewolf » 17.11.2006, 01:18

Hallo Pauly,

Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

Schön , das Du zu uns gefunden hast. Hier hast Du viel Gelegenheit Deinen weiteren Weg der Trockenheit auszubauen.

Die Strecke bis zu Deiner LZ kannst Du hier prima überbrücken, uns mit Fragen löchern, Dich weiter informieren, Dich austauschen. Und nach der LZ natürlich auch, wenn es gilt das Gelernte umzusetzen.

Was machst Du im Moment, wann solls denn losgehen??

Ich wünsche Dir viel Kraft für den trockenen Weg, denn er lohnt sich.

Viele Grüsse

White

Peter.Pan

Beitrag von Peter.Pan » 17.11.2006, 06:27

Hallo pauly,

herzlich willkolmmen hier bei uns.
Du bist jetzt auf einem guten Weg und wir wollen Dir helfen die Zeit bis zur LZT zu überbrücken.

LG Peter Pan

black-billy2006
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Registriert: 26.06.2006, 14:50

Beitrag von black-billy2006 » 17.11.2006, 08:03

Hallo Pauly,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns!

Mit deinem Beitrag wisrt du mit Sicherheit anderen hier noch unentschlossenen Mut machen!

Du hast bereits den Anfang gemacht und warst zur Entgiftung.Eine Langzeittherapie ist auch vorgesehen und dafür wünsche ich dir ganz viel Kraft und Mut!

So wie White bereits geschrieben hat,kannst du die Zeit hier im Forum sehr gut überbrücken!

Vielleicht kannst du ja mal berichten,wie du zu deinem Entschluß gekommen bist und überhaupt ein bißchen mehr von dir erzählen!Ich würde mich sehr darüber freuen!

Liebe Grüße Billy

pauly
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Beitrag von pauly » 17.11.2006, 09:06

Erst mal vielen herzlichen Dank für den warmen Empfang hier.

esgehtanders, Whitewolf: Ich hoffe, dass es sehr bald los geht. Ich warte noch auf die Zusage zur Kostenübernahme durch die BfA. Bis die da ist, geh ich ab kommendem Montag wieder ins Büro.

Ich freue mich, dass ich hier ein Internet-Forum gefunden habe, wo ich mich mit Gleichgesinnten austauschen kann.
An meinem Entlassungstag vergangenen Mittwoch habe ich gleich abends eine Selbsthilfegruppe im Nachbarort besucht. Mein erster Eindruck war sehr positiv und ich werde auch weiterhin dort hingehen.

Hier mein Suchtbericht (für die, die es interessiert... 8)) :

Beginn des Konsums:

Im Alter von 15 Jahren wurde ich von einem älteren Bekannten zum ersten Mal auf eine Party mitgenommen. Dort trank ich 3-4 0,33l-Flaschen Bier. Den Rest des Abends verbrachte ich überwiegend auf der Toilette, da ich mich mehrmals erbrechen musste.
Bis zum nächsten Alkoholkonsum vergingen mehrere Monate.

Bis ca. zum 20. Lebensjahr trank ich nur sehr sporadisch (meist bei Dorffesten, Weihnachtsfeiern, o.ä.) und dann moderat.
Danach wurde es schon regelmäßiger, z.B. 2-3 Biere/Schorle wöchentlich nach dem Schwimm-Training mit den Vereinskameraden.


Weiteres Konsumverhalten:

Bis ca. zum 40. Lebensjahr verlief eine Periode eines relativ konstant bleibenden Konsumverhaltens: Jeden 2. bis 3. Abend ein Bier oder Schorle und am Wochenende (Fr./Sa.) jeweils 3-4 Biere oder Schorle.

Ab ca. 40 habe ich dann schon täglich mein „Feierabendweizenbier“ getrunken (manchmal auch zwei). Dieser Konsum erfolgte jedoch ohne „Zwang“, d.h. es gab keine äußerlichen Beweggründe, wie z.B. Probleme im Beruf oder in der Partnerschaft/Familie oder Frustration.

Vor ca. 2 Jahren bemerkte ich, dass ich immer öfter (offensichtlich grundlos, s.o.) bedrückt war und eine innere Unruhe verspürte. Ich merkte natürlich auch sehr schnell, dass sich diese Gefühle mit dem Genuss von Alkohol dämpfen lassen oder ganz verschwinden.
Mir wurde aber auch schnell klar, dass die Gefahr in eine Abhängigkeit zu geraten immer größer wurde. Anfang Januar 2004 machte ich dann während des Weihnachtsurlaubs einen kalten Entzug. Danach war ich bis Mai 2004 trocken. Ich war sicher, dass ich jetzt wieder „fit“ genug wäre, um wieder etwas zu trinken. Natürlich unter der Prämisse nur wenig und kontrolliert zu trinken. Anfangs klappte das auch, aber die Bedrückungen und Unruhen ließen die Dosen doch wieder steigen.
Nach Recherchen im Internet kam ich zu der Erkenntnis, dass ich evtl. unter Depressionen leiden könnte. Daraufhin konsultierte ich einen Psychiater (Ende 2004), der dies dann auch tatsächlich diagnostizierte. Von ihm bekam ich Antidepressiva verschrieben, die ich seither einnehme. Ab da fühlte ich mich dann auch erheblich besser.

Das Jahr 2005 verlief dann relativ „reibungslos“. Ich trank täglich mein „Feierabendbier“ und am Wochenende 3 oder 4.

Ab Anfang 2006 erhöhte sich der Konsum jedoch wieder (schleichend). Da ich sehr selten in Kneipen/Gaststätten gehe, trank ich meistens daheim (bis ca. Mitte 2006 jeden Abend 3-4 Biere und am Wochenende ca. 5-6 Biere am Abend).

Dann kam der Tag, an dem ich mich morgens unwohl fühlte, und auf die Idee kam, das Unwohlsein mit einer halben Flasche Bier zu bekämpfen, was auch hervorragend klappte. Nach ca. 2 Wochen kam wieder so ein Morgen, an dem ich wieder gleich verfuhr. Die Zeitabstände zwischen den Tagen, an denen ich mich morgens unwohl fühlte wurden natürlich immer kleiner. Ich bekam dann auch Probleme mit dem Schlafen. Das Einschlafen klappte nach den „Feierabendbieren“ meistens problemlos, aber nach 2-3 Stunden Schlaf wachte ich auf und konnte erst nach dem Trinken einer halben Flasche Bier wieder weiter schlafen.

Anfang Oktober war ich mit meinem Partner im Urlaub. Er „erwischte“ mich beim nächtlichen Trinken, worauf ich dann meinen 2. kalten Entzug im Urlaub machte. Diesmal hielt es nur bis nach dem Urlaub. Dann fing ich wieder an zu trinken und war dann soweit, dass ich abends 5-6 Biere getrunken habe, in der Nacht 1 ½ Flaschen und morgens noch eine Flasche, um auch schon auftretende Entzugserscheinungen (leichtes Zittern der Hände, Schwitzen) zu bekämpfen. Am Schluss habe ich mir sogar schon 3 Mal in der Mittagspause an der Tankstelle eine Büchse Bier geholt.

Am 23.11.06 ließ ich mich von meinem Hausarzt krankschreiben, um einen weiteren kalten Entzug zu hause zu machen. Am 24.11.06 war mir aber schon klar, dass ich es alleine nicht schaffen würde und ließ mich daher von meinem Hausarzt am 25.11.06 nach Weinsberg/Weißenhof zu einer 21-tägigen Entgiftung einweisen. Große Unterstützung erfuhr ich dabei von meinem Partner, meinen Eltern und meiner Schwester.

pauly
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Beitrag von pauly » 17.11.2006, 18:04

Ich habe vergessen noch etwas wichtiges von meiner Entgiftung zu erzählen: Ich war nicht im Krankenhaus, sondern auf der Entgiftungsstation einer psychiatrischen Großklinik. Ich weiß nicht, wie sowas im Krankenhaus abläuft, aber folgendes empfand ich während der ersten Entzugstage als sehr tröstlich auf der Entgiftungsstation: Es waren noch Leidensgenossen da, denen es ähnlich dreckig ging. Klingt jetzt zwar bescheuert, aber es half irgendwie.

Auf der Station waren über 20 Mitpatienten. Nach der Entzugswoche konnte ich mich dann auch an deren Unterhaltungen/Gesprächen beteiligen. Man glaubt gar nicht, wie befreiend es sein kann, mit Leuten zu sprechen, die im gleichen Boot sitzen. Ich habe mit denen über Dinge geprochen, die ich "draußen" niemandem erzählt hätte. Es war irgendwie wie in einer großen Familie.

Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass bei einer solchen stationären Entgiftung nicht nur die medizinische Versorgung sichergestellt ist, sondern dass einen die sozialen Kontakte zu den Mitpatienten unheimlich unterstützen und motivieren können.

Bei einem Entzug zu hause hat man all dies nicht!

Karsten
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Beitrag von Karsten » 17.11.2006, 18:39

Hallo pauly

danke für diesen Beitrag.
Ich habe ja schon oft geschrieben, dass ein stationärer Entzug nicht nur der rein der körperliche Entzug ist, sondern auch viele andere gravierende Erscheinungen mit sich bringt.
Wie Du schreibst, der Umgang mit Gleichgesinnten, das Leben in einer neuen Umwelt ohne die Sorgen und Alltagsgeschichten zu Hause und auch die ärztliche Aufsicht, die einem das sichere Gefühl gibt, in den richtigen Händen zu sein, wenn etwas passiert.

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