Ab wann "ist" man Alkoholiker?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Tigger
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Ab wann "ist" man Alkoholiker?

Beitrag von Tigger » 15.12.2006, 12:42

...das ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Mein Freund trinkt ja eigentlich jeden Abend Alk. Manchmal eine ganze Flasche Wein, manchmal nur ein Bier (eher aber Ersteres).... Morgens und beim Arbeiten trinkt er nichts-zumindest meistens....manchmal muß er für den job halt auch essen eghen und auch da wird dann getrunken....Mnachmal bis zur "Lallung" manchmal "kontrolliert".... er sagt, er wäre kein Alkoholiker und ich will mir nich anmaßen das zu behaupten...aber wo liegen die Grenzen?

Karsten
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Beitrag von Karsten » 15.12.2006, 13:13

Hallo,

Alkoholiker ist nur ein Wort, das sich nicht einfach an irgendwelchen Merkmalen definieren läßt.

Ein Alkoholiker durchlebt ein Abhängigkeitsverhältnis, wo der Alkoholkonsum die Lebenskontrolle übernommen hat.

Es gibt verschiedene Merkmale, die darauf schließen lassen, ob jemand alkoholabhängig ist oder nicht.
Das sind zum Beispiel

- ständige Gedanken an Alkohol
- Unruhe, wenn kein Alkohol in der Nähe ist
- körperliche Fehlfunktionen
- Kreislaufprobleme
- der Tagesablauf wird nach dem Alkohol ausgerichtet
- das Umfeld wechselt zu Gleichgesinnten
- ohne Alkohol reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen

Der Übergang vom "normalem" trinken zur Abhängigkeit ist fließend und wird vom Betroffenen nicht bemerkt.

Solange das Leben och irgendwie funktioniert, man noch Unterstützung vom Partner oder anderen Angehörigen hat, wird man sein Leben auch nicht ändern wolen. Gedanken, dass man vielleicht alkoholabhängig sein kann, werden verdrängt und abgestritten.

Erst wenn es zu massiven Lebensbeeinträchtigungen kommt, das Leben nicht mehr so ist, wie man es gerne haben will, kommen Gedanken auf, dass man etwas ändern sollte.

Dabei werden aber meist erst viele andere Gründe für die schlechten Lebensumstände gesucht und das Trinken ( obwohl man es eigentlich weiß ) als letzten Grund akzeptiert.

Wir lesen es hier ja auch oft. "Wenn ich doch den richtigen Partner hätte, würde ich weniger oder gar nichts mehr trinken", Wenn mein Chef mich doch verstehen würde", Wenn ich doch erst mal wieder Arbeit hätte" und viele andere Gründe, werden vorgeschoben.

Das alles nur andersrum funktioniert, erst nichts trinken, dann neuen Partner und Arbeit, wird nicht akzeptiert.

Ob Dein Freund nun Alkoholiker ist, kann er nur selbst wissen. Du kannst ihm auf sein unnatürliches Trinkverhalten ansprechen, aber wie Du schon schreibst, er sieht sich nicht als alkoholabhängig.
Dazu geht es ihm wahrscheinlich noch zu gut, um sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen.


Gruß
Karsten
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