Keine Angst vor Gruppen und Menschen zu reden

Sonstige Suchthilfe und Hilfe zum Thema Lebenshilfe, Alkoholsucht, Umgang mit Alkohol und Alkoholkrankheit, Selbsthilfegruppen für Hilfe bei Alkohol, Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit und für Angehörige.
Alles was nichts mit unserer Selbsthilfegruppe des Selbsthilfeforums zu tun hat.
Olli

Keine Angst vor Gruppen und Menschen zu reden

Beitrag von Olli » 21.11.2004, 10:25

Guten Morgen,

wenn ich mich hier so durch lese, kommen mir meine eigenen Schwierigkeiten wieder in den Kopf. Ich wollte auch nüchtern werde. Nach einigen Versuchen und einer Therapie, die ich gott sei dank, zu Hause machen konnte, bin ich heute noch nüchtern.
Die Gruppen, die dann besuchte, machten es mir nicht leicht. Oft hatte ich das Gefühl, die dort schon lange hingehenden trockenen Alkoholiker hatten irgendwie vergessen, wie sie mal angefangen hatten. Es wurde viel von Selbstständigkeit im neuen Beruf, über teure Autos und sogar Segeljachten gesprochen. Die einzigen Probleme, die diese Leute hatten, war, welche Farbe doch ihr neues Auto haben sollte. Ich fühlte mich dann immer total falsch und hatte dadurch mächtig Angst, mich dort zu melden und mit für mich sehr wichtigen Fragen, die eingespielte Runde, zu belästigen. Viele Gruppen habe ich besucht. Aber irgendwie war es immer das Gleiche. Die schon lange dabei waren, waren unter sich und die, die wie ich neu waren, unterhielten sich untereinander.
Weil ich aber an den Diskussionen, die teilweise von neueren Mitgliedern ausgelöst wurden, immer wieder hörte, das man sich "seine" Gruppe suchen mußte, welchelte ich weiter die Gruppenorte.
Dann war ich einmal in einer Gruppe, wo sich nicht mnologisch , sondern dialogisch unterhalten wurde. Da konnte ich nicht mehr so ruhig bleiben. Schon bei der Vorstellungsrunde, die im Kreis verlif, bekam ich immer mehr Angst, bis auch ich meinen Namen stammelte und mein Alter angab. Mehr brachte ich nicht heraus.
Mir war klar, ich mußte hier irgendwie raus und weiter nach "meiner" Gruppe suchen.
Danach wurde das Thema des Abend bekanntgegeben, es war der "erste Rückfall". Die sich kannten, meldeten sich und erzählten von ihren Gründen, warumsie mal rückfällig geworden sind.
Viele der Geschichten, hätten auch meine sein können. Irgendwie glichen sie sich alle. Man kam mit einer Situation nicht zurecht, hatte niemand zum reden und ging den scheinbar leichten eg, man trank wieder.
Auch mir ging es immer so. Selbst hier in den Gruppen, wo alle letztendlich das gleiche Problem hatten, traute ich mich nicht zu reden.
Am nächsten Tag war ich wieder auf dem Weg zu einer Gruppe. Es sollte wieder eine andere sein, weil ich jetzt Angst hatte, man würde mich in der gestigen Ansprechen. Ich kam aber nicht weit. Ein Mann, der gestern auch in der Gruppe gesprochen hatte, begrüßte mich am Bus.
Ihm erzählte ich von meinen Schwierigkeiten zu reden und das ich noch nach einer Gruppe suchte, wo ich mich zu Hause fühlen wurde.
Dann komm mit, sagte er. Er zog sich mit sich und wir waren wieder in dem Raum von gestern. Zu meiner Verwunderung, begrüßten mich auch die schonda waren, mit meinem Namen. Obwohl ich ihn gestern ja nur kurz in der Vorstellungsrunde genannt hatte, wußten sie ihn noch.
Heute war eigentlich eine geschlossene Grupe, wo keine "Gäste" dabei sind. Mich wollte man aber dabei haben. Ich fühlte mich aber immer noch unbehaglich. Bei dieser jetzt völlig ungezwungenen Unterhaltung erzählte ich von mit und meinem Problem, das ich Angst habe, vor fremden Menschen zu reden.
Keiner lachte oder sah gelangweilt aus. Alle stellten mir Fragen, die ich dann beantwortete. Ganze zwei Stunden ging es um mich.
Auf dem Nachhauseweg konnte ich mich selbst nicht verstehen, warum ich Angst hatte, in einer Gruppe zu sprechen.
Heute gehe ich immer noch in die gleiche Gruppe. Wenn ein neues Mitglied kommt, gehe ich auf ihn zu und versuche ihn die Angst zu nehmen. Oft kommt er oder sie trotzdem nicht wieder. Ich brauche mir aber keine Vorwürfe zu machen.
Was ich noch sagen möchte. Jede Grupe kann "meine" Gruppe werden.

Auch dieses Forum hier, ist eine Art Gruppe. Nutz die verschiedenen Möglichkeiten, um unser gemeinsammes Ziel zu erreichen.

Olli

Julia

Beitrag von Julia » 21.11.2004, 11:27

Hallo Olli,

ich kann zwar nichts zu Selbsthilfegruppen sagen, aber Gespräche unter Gkeichen ist sicher der richtige Weg. Angst habe ich auch so, wenn ich mal vor Menschen reden muß, die ich nicht kenne.

Aber erstmal freue ich mich, das du hierher gefunden hast.
Es ist zwar schön, sich auch im kleinen Kreis auszutauschen, aber um so mehr hier schreiben, um so mehr Meinungen gibt es.

Bis dann

Julia

Mike

Beitrag von Mike » 23.11.2004, 14:16

Das ist ja immer das Schlimme. Man kennt keinen, alle sind schon wie weiß wie lange trocken und haben Probleme, die für mich noch lange nicht dran sind. Wenn man dann mit so Dingen, wie finde ich neue Freunde oder wie kann ich meine Freizeit sinnvoll gestalten, komme, denke ich immer, die wissen gar nicht wo von ich rede. Die Geschichten über Alkoholiker gleichen sich zwar immer, aber dennoch hat jeder so seine eigenen Geschichten.
Gut ich war nur durch das Krankenhaus damals zu so einer Gruppe gegangen, aber wenn ich mal wirklich aufhöre, brauch ich doch Gruppen, oder geht das auch so?

Gruß
Mike

Gast

Beitrag von Gast » 23.11.2004, 23:07

nun ja, auch wenn ich schon lange süchtig bin, so haben die gruppen (NA, AA) mir nie etwas geben können.

v.a. die AA finde ich voll daneben, was auch seine gründe hat.

in der entzugsklinik, die ich einige male frequentieren musste, mussten wir auch drei mal die woche abends zu einer gruppe, will sagen, es kamen von den verschiedenen gruppen leute, die ihre gruppe vorgestellt haben.

der erste, der mir sauer aufstiess, war einer vom blauen kreuz. eine shg die sich blaues kreuz nennt und für alkoholiker ist ... da finde ich schon mal den namen reichlich daneben. zum anderen finde ich es befremdlich, dass sich christliche kirchen auf diesem gebiet breit machen. imho sollte jeder bekennender christ in sack und asche rumlaufen, für die millionen toten, die sie zu verantworten haben, ob protestantisch oder katholisch.

dann war der man, der die gruppe - regelmässig - vorstellte niemals wirklich betroffen, was ihn in meinen augen nicht für solch einen job qualifiziert.

dann die AA

immer kamen sie zu dritt und einer fing an, seine geschichte zu erzählen, wie lange er schon drauf war, was er alles erlebt hat (das stand meistens im vordergrund) ... über die gruppe, struktur ... erfuhr man nichts und was soll das, wenn mir ein typ eine storry erzählt, die jeder letztlich, der in der entgiftung ist, im grunde von sich selbst kennt. ich machte mal den einwand und sagte, dass es ja schön und gut sein, was er da so erzählt, doch kann im grunde jeder hier seine alten sauff (und andere) geschichten erzählen. denn jeder hatte seine jahre mit seinem suchtmittelöverbracht und selbst einiges erlebt. mal davon abgesehen, dass die geschichten nie wirklich interessant waren.

der schlussatz, dass er es ohne gruppe nie geschaft hätte - Tölle: Psychiatrie, dort steht eine statistik, nach der ca. ~ über 90% derjenigen, die eine gruppe besuchen, länger trocken und mit weniger rückfällen leben konnten) mag ja stimmen, doch was sollen diese geschichten, denn würde ich meine erzählen, es würde stunden dauern und wie gesagt, jeder in einer entgiftung hat eine geschichte zu erzählen und keine ist interessanter / uninteressanter als die, die die AA - user erzählten.

nach meinen einwand war die einzigste reaktion: du wirdst weiter trinken (suchtmittel konsumieren) bis du tot bist.
ich frage mich bis heute, weshalb dieser ... sorry, idiot! dieses sagen durfte, ohne mich auch nur zu kennen?


dann war ich mal bei den NA

sorry, aber dieses piep, piep, piep, wir haben uns ale lieb ES FUNKTIONIERT am schluss fand ich immer etwas schwülstig und hatte mit meiner realität nichts zu tun, weshalb ich auch nie wieder zu dieser gruppe ging.


ich möchte keinen abhalten, eine gruppe zu besuchen und wenn Ihr mit dieser klar kommt, freut es mich.

ich schreibe hier nur meine erlebnisse und natürlich sind sie nicht auf andere übertragbar.

loswerden wollte ich's trotzdem mal, für mich sind gruppen nichts.




Alex

Karsten
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Beitrag von Karsten » 24.11.2004, 11:06

Hallo,

ich möchte mich auch mal dazu äußern.
Das Selbsthilfegruppen von vielen abgelehnt werden, wie von genauso vielen als gut emfunden werden, ist so alt, wie es die Selbsthilfe gibt.
Viele Gruppen stellen sich in Krankenhäusern vor und versuchen die dort Entziehenden zu helfen.
Ich kann das so bestimmt sagen, weil ich selbst übre drei Jahre lang in Krankenhäusern gewesen bin und unsere Wohngemeinschaft, den Patienten als Hilfe angeboten habe.
Wir haben die Möglichkeit als Altanative angeboten. Jeder soll seinen Weg alleine finden, aber die Vorstellungsrunden der Selbsthilfegruppen haben es verdamt schwer. Ich habe sehr oft Menschen gehabt, die nach dieser Stunde zu mir gekommen sind und nähere Informationen haben wollten.
Auf meine Frage, warum sie jetzt kommen und es nicht in der Gruppe gefragt haben, kam meist die Antwort, das sie sich nicht trauten, weil einige gleich so negertiv über diese Pflichtveranstaltung gesprochen haben.
Bei einigen Krankenhäusern hatten wir die Möglichkeit, diese Vorstellungsrunde auf freiwilliger Basis zu machen.
Dort haben wir dann viele helfen können.
Wer nüchtern werden und bleiben will, nimmt jede Hilfe an. In die Krankenhäuser gehen viel aus anderen Gründen, wie ich auch ja einige Male gemacht habe.
Diese halten aber die wirklich Motivierten ab, sich richtig zu infornmieren.
Aus heutiger Sicht weiß ich, das es immer nur eine Schutzhaltung von mir war, weil ich als der Große in den Krankenhaus dastehen wollte.
Zugeben, das ich mit Alkohol nicht umgehen kann und Hilfe von anderen brauch, hätte mich ja verletzlich gemacht.
Man sollte auch bedenken, das diese Menschen, die in Krankenhäusern gehen und ihre Gruppe das ehrenamtlich machen.
Da ich mich auch früher sehr negertiv über diese Gruppen geäußert haben, kann ich aber Deinen Beitrag verstehen.
Auch da kann ich jetzt sagen, nur wer selbst in der Lage war, kann die Enttäuschung der Gruppen verstehen.
Man nimmt sich Zeit, geht ins Krankenhaus, will helfen und stößt gröstenteils auf Ablehnung.
Es hat meiner Meinung damit zu tun, das es Süchtigen zu einfach, damals auch mir, gemacht wird. Das Hilfsangebot ist einfach zu vielfältig.
Als ich bei Synanon war, hörte ich wie früher, nur einer aufgenommen wurde, wenn er an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit, kam.
Damit wollte man wahrscheinlich die Motivation testen.
Ich selbst war immer nur dazu bereit, weil ich im Moment sehr viele Probleme hatte und mich nur wieder fitt machen wollte, für die nächste Runde.
Ich behaupte einfach, jeder muß erst soweit abrutschen, bis er am eigenen Leib spürt, das es so nicht geht und Hilfe auch annehmen will.
Die Überschrift auf Link veraltet "Der erste Schritt" soll klar meine Einstellung zeigen. Der erste Schritt muß von dem Betroffenen kommen.
Wer noch Altanativen hat, ist nicht bereit für den harten neuen Weg und geht dann meist den leichteren und greift zur Flasche.
Ich werde mich heute Abend noch mal dazu äußern.
Bis dann

Gruß
Karsten
_________
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Zuletzt geändert von Karsten am 03.11.2008, 11:05, insgesamt 1-mal geändert.

Mike

Beitrag von Mike » 26.11.2004, 23:54

Hallo,

auch wir hatten solche Gruppenvorstellungen im Krankenhaus.
Mir haben die Reden, die immer darauf hinaus liefen, das man sein Leben lang in Gruppe gehen muß, wenn man nüchtern bleien will.
Das kann ich mir allerdings überhaupt nicht vorstellen.
Allerdings muß ich auch sagen, das sich die Leute, die da kamen, immer Mühe gegeben haben und von sich erzählt haben.
Eigentlich hätten sie es ja nicht nötig, sie sind ja trocken. Also scheinen sie den Patienten wirklich helfen zu wollen, denn Geld bekommen die ja auch nicht dafür, das sie ihre Freizeit dafür opfern.

Mike

Rolly

Re: Keine Angst vor Gruppen

Beitrag von Rolly » 02.12.2004, 00:47

Olli hat geschrieben:Guten Morgen,

Die Gruppen, die dann besuchte, machten es mir nicht leicht. Oft hatte ich das Gefühl, die dort schon lange hingehenden trockenen Alkoholiker hatten irgendwie vergessen, wie sie mal angefangen hatten. Es wurde viel von Selbstständigkeit im neuen Beruf, über teure Autos und sogar Segeljachten gesprochen. Die einzigen Probleme, die diese Leute hatten, war, welche Farbe doch ihr neues Auto haben sollte. Ich fühlte mich dann immer total falsch und hatte dadurch mächtig Angst, mich dort zu melden und mit für mich sehr wichtigen Fragen, die eingespielte Runde, zu belästigen.
Olli
Ich habe ja einen Verdacht, welche Gruppe du meinen könntest. Ich möchte keinen Namen nennen, denn es muß jeder für sich entscheiden, welche Gruppe für ihm die Beste ist. Solche Erfahrungen gehöhren nunmal dazu.

Gruß Rolly

Timo

Beitrag von Timo » 13.12.2004, 07:00

Morgen,

vielleicht solltest Du noch einen anderen Aspekt bedenken. Wenn man lange Jahre getrunken hat, hat man ja nicht gerade viel Selbstvertrauen.
Nun ist man nüchtern, soll nun vor lauter fremden Menschen etwas sagen. Da ist es doch ganz normal, das man Angst hat. Wenn man dann noch bedenkt, wie viele neue Mitglieder am Anfang den Gruppen so übermotiviert gegenüber treten, kann ich die schon länger trockenen verstehe, das sie erst mal abwarten.
Was die richtige Gruppe ist, kann jeder nur selbst entscheiden. Negertive Erfahrungen kann man eigentlich kaum machen. Ich mu0 ja auch nicht alles glaubenm was mir die anderen erzählen. Aber ist man am Anfang eigentlich in der Lage, das richtige vom Falschen zu unterscheiden, ich glaube nicht?

Timo

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