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Rückfall

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
nameless
neuer Teilnehmer
Beiträge: 12
Registriert: 17.07.2005, 08:16

Rückfall

Beitrag von nameless » 17.07.2005, 09:18

Hallo an Alle,
ich wende mich an Euch weil ich Rat brauche, bzw. vielleicht auch einfach Verständniss. Ich befürchte es wird ein längerer Beitrag.

Ich habe mich vor 1,5 Jahren v. meinem Mann getrennt, nach 16 Jahren Ehe. Außlöser war das Kennenlernen eines anderen Mannes mit welchem ich noch immer zusammen lebe.
Mein Mann ist Alkoholiker und trinkt seid frühester Jugend. Ich habe die ganzen Jahre damit gelebt. In den letzten Jahren unserer Ehe hatten wir kaum noch S**. Er wollte dies oft am Morgen nach der Sauferei. Ich konnte es wegen der Alkoholfahne nicht. Im Grunde trank er jeden Abend. Ich denke das der Alkohol über die Jahre unsere Beziehung zu sehr belastet hatte und ich dadurch in der Lage war mich in einen Anderen zu verlieben.

Als ich es meinem Mann sagte, versuchte er längere Zeit nicht zu trinken. Gab sich Mühe, aber es wurde nichts mehr. Nach meinem "Geständniss" lebten wir noch ein halbes Jahr zusammen. Ich versuchte meine Gefühle zu ordnen, ich wehrte mich dagegen das ich mich verlliebt hatte. Ich hatte ja auch sehr viele schöne Zeiten mit meinem Mann. Irgendwann eskalierte aber alles. Er schickte Schläger gegen meinen Partner los, warf meine Sachen durch die Gegend, kontrollierte meine Telefonrechnungen, schmiss mich mehrmals raus usw. Zu der Zeit trank er bereits wieder. Ich bin dann irgendwann Hals über Kopf abgehauen.

Da ging das Drama erst recht los. Er betrieb "Kampftrinken". Es gab Telefonterror ohne Ende. 3 mal versuchte er sich umzubringen weil ich wein Leben sei. Ich kann das alles kaum in Worte fassen, es war weitaus schrecklicher als ich es jetzt hier schildere.

In der Zeit lebte unsere 15jährige Tochter noch bei ihm weil sie nichts mehr von mir wissen wollte. Sie hat alles miterlebt. Er hat all seine Exzesse ausgelebt ohne es vor ihr zu verbergen. Dann schmiss er sie raus. Sie kam zu mir. Ungerne natürlich wegen meines Partners. Sie ging zu der Zeit bereits seid einem halben Jahr nicht mehr zur Schule.

Als sie weg war unternahm mein Mann seinen dritten Suizidversuch, natürlich kündigte er es mir vorher an. Ich sollte noch erwähnen das er zu seinem Unglück auch noch seine Arbeit verlor die er 18 Jahre lang hatte.

Letztendlich hat er es nicht geschafft sich umzubringen und machte freiwillig einen Entzug sowie eine Therapie.

Im Laufe der Zeit nahm meine Tochter wieder Kontakt zu ihm auf. Nun wohnt sie schon einige Monate wieder bei ihm. Ihr war hier das Zimmer zu klein und die Schule zu weit weg.

Mit meinem Mann habe ich weiterhin Kontakt gehabt, wir fanden eine Ebene uns zu verstehen, freundchaftlich, so dachte ich. Er war bis gestern ca. 7 Monate trocken.
Seid 5 Wochen hatte er eine Freundin. Er hat sie sehr lieb, aber die Beziehung funktionierte nicht. Gestern trennte er sich von ihr.

Letzte Nacht hat er sich Bier und Whisky besorgt und getrunken. Ich konnte ihn nicht davon abhalten. Ich habe fürchterliche Angst das das ganze Drama wieder los geht. Auch wegen meiner Tochter, sie merkt es ja. Sie hatte sich so gut gefangen, geht seid Monaten wieder zur Schule.

Ich bin schlichtweg ratllos. Ich weis nicht ab man mit meinem Geschriebenen etwas anfangen kann, womöglich wirft es einige Fragen auf.

Danke
nameless

Karsten
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Beitrag von Karsten » 17.07.2005, 09:41

Hallo nameless,

ertsmal Willkommen im Forum.
Wie ich Deinen Beitrag verstehe, hast Du keinen Menschen, der Dich versteht und mit dem Du über alles reden kannst.
Du hast einen neuen Mann kennen gelernt und konntest Dich von Deinen Ehemann nicht ganz trennen.
Für einen Alkoholiker ist diese Inkonsequens ein Freibrief. Mit den Suizidversuchen war sicher nur eine Erpressung Dir gegenüber und nie richtig ernst gemeint.
Wenn Deine Tochter erst 15 ist, hätte sie zwar vor dem Gericht eine Mitentscheidung bei einem Sorgerechtsstreit, aber soweit kam es ja nicht.
Sie ist sicher am Schlimmsten dran.

Was ich nicht nachvollziehen kann. Du schreibst
es war weitaus schrecklicher als ich es jetzt hier schildere.
Dann gibt es eigentlich nur einen Weg. Auch wenn es schmerzt nach der langen Partnerschaft. Du solltest Dich RICHTIG von ihm trenen und versuchen ein neues Leben zu leben.
Du schreibst nur am Anfang von einer neuen Liebe. Gibt es die noch? Kann es Dich nicht in Deiner Entscheidung unterstützen?
Wenn die "Trennung" vor 18 Monaten war, ist das Trennungsjahr schon rum. Versuche eine Schlußstrich zu ziehen.

nameless
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Beitrag von nameless » 17.07.2005, 10:00

Vielen Dank für deine Antwort.

Ja, meine Beziehung gibt es noch, wir leben immer noch zusammen und ich werde unterstützt so gut es geht.

Ja, ich sollte die Trennung konsequenter durchziehen. Aber ich habe meinem Mann immer noch sehr gerne. Wir hatten auch viele schöne Zeiten. Das alleine ist es aber sicher nicht. Ich fühle mich an allem schuldig. Wäre ich nicht gegangen wäre es nie soweit gekommen. Auch muß ich die Trennung selbst noch verarbeiten.

Er hat mir offen Vorwürfe gemacht das ich schuld sei. Wenn ich ginge könne er nicht mehr leben. Auch hat er lange Zeit meine Tochter beeinflusst.

Meine Schuldgefühle fressen mich auf und machen mich immer unfähiger noch irgendwelche anderen Gefühle zu haben. Auch mache ich mir die größten Sorgen um meine Tochter. Ich fühle mich total hilflos.

Gruß
nameless

Käthe
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Beitrag von Käthe » 17.07.2005, 10:18

nameless hat geschrieben: Ich fühle mich an allem schuldig. Wäre ich nicht gegangen wäre es nie soweit gekommen.
Hallo nameless,

Klar wäre es nicht so weit gekommen, es wäre noch schlimmer geworden.

Du wärst mit Sicherheit mit kaputt gegangen.

Was Dein Ex-Mann da mit Dir und Deiner Tochter macht, ist so ziemlich das gemeinste was man tun kann. Würdest Du mit so einem Menschen leben wollen????

Nichts in der Vergangenheit kann so schön gewesen sein, dass es die Gegenwart übertünchen kann.

Du bist für garnichts was er tut verantwortlich. Verantwortlich bist Du für Deine Tochter. Hol sie da raus, am besten übers Gericht zusammen mit einer Scheidung. Solange er nichts gegen seine Sucht tut kann das nur böse enden. Red mit Deiner Tochter und versuche ihr das klar zu machen. Er hat es mit Sicherheit geschafft, ihr die gleichen Schuldgefühle einzuimpfen wie Dir.

*** Situation, aber nicht hoffnungslos oder unabänderbar.

Alles Liebe
Käthe

Rainer

Beitrag von Rainer » 17.07.2005, 11:06

Hallo nameless,

ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.
Mach endlich einen konsequenten Schlußstrich, Du machst Dich nur selbst kaputt und gefährdest unter Umständen auch noch Deine neue Beziehung.
Du schreibst, Du hast Deinen Mann immer noch gerne. Ich denke eher, dass das Mitleid ist. Lös Dich - auch im Inneren - von ihm.
Was Deine Tochter angeht, denke ich mal, dass sie sich - gerade in dem Alter - momentan das für sie günstigste zu Hause aussucht. Bei Deinem Mann kann sie machen, was sie will, er kriegt ja nichts mit, bzw. ihm ist es egal.
Wenn sie bei Dir ist, muss sie in die Schule, steht "unter Kontrolle", muss sich anpassen.
Wie die anderen schon geschrieben haben, reich die Scheidung ein, sieh zu, dass Du das Sorgerecht für Deine Tochter bekommst und mach endlich Schluß damit, Dir Gedanken und Schuldgefühle zu machen.
Wenn er anruft, sag ihm, dass er Dir egal ist, und dass er machen kann, was er will. Fange an, an Dich zu denken, und natürlich auch an Deine Tochter!

liebe Grüße,

Rainer

henri
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Beitrag von henri » 17.07.2005, 11:45

Hallo nameless

Er säuft, tyrannisiert dich, schickt Schläger los, und du fühlst dich schuldig. Ein eindeutigeres Co-Verhalten, wie das deine, gibt es nicht. Seine Suizidversuche sind doch auch nur als der Versuch einer Erpressung zu bewerten. Was willst du dir noch alles von ihm gefallen lassen, bevor du an dich und deine Tochter denkst?

Sicher kannst du die 16 Jahre nicht von heute auf morgen vergessen. Aber durch die Entwicklung in den letzten Jahren, ist doch die Basis für ein Miteinander verloren gegangen. Du wirst dich jetzt zwischen deinem Mann und deinem neuen Partner entscheiden müssen. Je schneller du das tust, desto besser ist es für euch alle. Wie soll deine Tochter sich für dich entscheiden, wenn sie nicht weiß, wie es mit dir weitergeht. Auch dein neuer Partner wird nicht ewig auf deine Entscheidung warten, sodass es passieren könnte, dass du eines Tages zwischen zwei Stühlen sitzt. Und für deinen Mann ist es auch das Beste, da er sich nicht unnötig Hoffnung macht.

Es ist dir lange genug schlecht gegangen, sorge jetzt dafür, dass es sich ändert, hast es verdient.

VG Henri

Teddy
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Re: Rückfall

Beitrag von Teddy » 17.07.2005, 14:42

Hallo nameless,

ich muß mich meinen Vorpostern anschließen, Du solltest einen Schlußstrich ziehen und eine Entscheidung treffen die Dein Leben grundlegend positiv gestalten sollte und vor allem solltest Du es gleich tun, das Abwarten ist immer der falsche Weg weil es dringend notwendige Entscheidungen verzögert.

Daß Du Dich schuldig fühlst kann ich nicht nachvollziehen, für was suchst Du die Schuld bei Dir (???) Alkoholiker suchen i.d.R. immer die Schuld bei anderen und nicht bei sich selbst, versuchen immer ihre Sucht und ihre eigene Hilflosigkeit dieser gegenüber durch irgendwelche Argumente zu verharmlosen bzw. anderen in die Schuhe zu schieben. Solange hier die Einsicht fehlt ist der Situation nichts positives mehr abzugewinnen.

Wer Schläger gegen einen anderen losschickt, einen lieben Menschen aus der Wohnung hinauswirft und die Sachen eines anderen umherschmeißt ist nicht zu unterschätzen, wer Kinder darunter noch leiden läßt nimmt ohnehin offensichtlich keinerlei Rücksicht auf andere, notfalls hilft hier in der akuten Bedrohungsphase nur der Anruf bei der Polizei und anschließender Gang zum Anwalt - das ist das letzte und manchmal einzige Mittel um aussichtslose Situationen die bereits in Körperverletzung eskalieren zu beenden.

Ich würde hier sagen es reicht vollends, es muß der Schlußstrich gezogen werden bevor es in noch schlimmeren Dimensionen kommt, notfalls mit juristischer Hilfe.

Dir alles Gute für Deine Zukuft.

LG
Teddy

nameless
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Beitrag von nameless » 17.07.2005, 16:39

Vielen Dank für all Eure Antworten.

Die Scheidung läuft bereits, allerdings mit einem Anwalt, nämlich meinem. Mein Mann meinte das sei billiger da ich nur nen 400,-- EURO Job habe. Wir waren uns bisher auch soweit einig.

Mitleid? Ich weis nicht, sicher ist davon auch vieles vorhanden und eben das schlechte Gewissen das ich ihn verlassen habe. Und auch Erinnerungen an schöne Zeiten und das er auch viel für mich getan hat.

Ich bin letztes Jahr irgendwann in "Schweigen" verfallen. Ich sagte ihm klar und deutlich das ich den Anderen liebe und das ich auch mit dem Alkohol nicht mehr klarkomme. Irgendwie hat er es aber nicht wahrhaben wollen, hat viel geweint, auch vor unserer Tochter. Dann fing er an agressiv zu werden, nicht körperlich gegen mich, aber gegen meine Sachen. Als er dann die Schläger losschickte hab ich einen Rückzieher gemacht. Ich war geschockt, erkannte meinen eigenen Mann nicht mehr. Wollte nicht das etwas passiert.

Achso, ich sagte ihm eines Abends auch ganz deutlich das ich mich trennen werde. Er nahm es erst so hin. Er hat den ganzen Tag darauf getrunken und am Abend (meine Tochter hat wieder alles miterlebt) hat er mich mehrmals mit seinem Namen und dem Namen meines Freundes zusammen gebrüllt und wollte nochmals hören wen ich will. Ich stand vor Angst schon ganz klein in der Ecke und sagte ganz leise nochmals was ich möchte. Daraufhin warf er mich raus. Er rief aber gleich wieder an und bat mich zu kommen da unsere Tochter schreiend im Zimmer stand. Danach gingen die Agressionen erst los. In der Zeit zog ich mich innerlich zurück und blieb in unserer Wohnung. Ich nahm innerhalb von knapp 2 Wochen 12 Kilo ab.

Später meinte er das er eine Trennung ja hingenommen hätte, nur nicht das ich einen Anderen hab. Naja, danach eskalierte dann alles.

Jedenfalls scheint jetzt alles wieder von vorne loszugehen. Meine Tochter rief mich eben sehr bestürzt an weil sie das Bier entdeckt hat. Sie wollte eigentlich heute zu mir kommen, aber als sie es ihrem Vater sagte hätte er wieder so geschaut wie früher, als wenn es ihm n icht recht wäre. Nun kommt sie nicht, sie weint und hat Sorge.

Sie könnte ja bei mir wohnen, hat sie ja schon mal ein halbes Jahr, aber sie will eben nur mit mir alleine wohnen, akzeptiert nicht das ich einen Partner habe, auch ist ihr halt das Zimmer zu klein.

Sorry, nu hab ich wieder so viel geschrieben. Vielleicht sollte ich noch erwähnen das ich mich irgendwie leer fühle, als ob ich nichts mehr fühle. Auch sollte ich erwähnen das ich vorbelastet bin, meine Eltern waren Alkoholiker. Ich lehnte Alkohol immer ab. Irgendwann in meiner Ehe hab ich angefangen mitzutrinken weil ich mir einbildete das ich ihn das besser verstehen könne, welch Falle.

Nun sitzt mein Mann wieder zu Hause, ist verzweifelt und ich bin hilflos, weis nicht mehr wo mir der Kopf steht.

nameless

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