ambulanter Alkoholentzug

Ambulante und stationäre Therapie und Entgiftung bei Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit durch Psychologen ( Psychologie ) oder Therapeuten, sowie Ursachen der Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit aus medizinischer Sicht.
Außerdem gibt es noch eine Liste mit Hilfsangeboten zum Thema
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Alki001

ambulanter Alkoholentzug

Beitrag von Alki001 » 15.12.2004, 09:21

Hallo,

ich habe, darüber bin ich mir voll bewußt, ein Alkoholproblem. Damit bin ich nach derzeitiger medizinischer Definition ein Alkoholiker. Diese Bemäntelung ist mir zwar extrem unangenehm (weil damit in der Gesellschaft viele Eigenschaften verbunden werden, welche (noch?) nicht auf mich zutreffen) aber auch diese Ungerechtigkeit werde ich wohl überleben.

Ich möchte hiergegen etwas aktiv unternehmen, wobei bestimmte Vorstellungen sicher mit der allgemeinen Lehrmeinung kollidieren. Vor allem möchte ich zukünftig (wieder) einen natürlichen Umgang mit Alkohol haben, wobei mir dauernde Abstinenz genauso unnatürlich erscheint, wie eine Abhängigkeit. Doch dies nur am Rande, worüber ich aber ggf. gerne auch diskutiere.

Eine der Ursachen meiner Alkoholabhängigkeit ist eine Haftpsychose, wobei es mir völlig kontraproduktiv erscheint, mich zum (körperlichen) Enzug in eine Gefangenschaftssituation (geschlossene Station) zu bringen. Ich möchte daher ambulant entziehen und betrachte es als grundlegendes Menschenrecht, daß mir auch ein Entzug ohne Freiheitsenzug angeboten wird. Zumindest beim ersten Mal sollte es möglich sein, zu zeigen, ob man genügend Disziplin für auch dafür besitzt. Brauche aber die ambulante Betreuung eines Arztes, um auch gefährliche Entzugserscheinungen rechtzeitig von zwar höchst unangenehmenen, aber letztlich harmlosen Entzugserscheinungen unterscheiden zu können. Ich möchte schließlich nur entziehen, jedoch nicht in Gesundheits- oder gar Lebensgefahr kommen.

Wohin kann ich mich im Raum Hamburg wenden, um mir diesen Luxus des ambulanten Entzugs (der für Kasse viel billiger ist) zu gestatten? Und was muß ich für eine therapeutische Nachsorge vorher alles vorbereiten?

Grüße
Alki001

Karsten
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Beitrag von Karsten » 15.12.2004, 10:38

Hallo,

ich möchte vorweg betonen, das es nur meine Meinung bzw. meine eigenen Erfahrungen sind.
Ich bin Alkoholiker und habe sehr oft versucht, kontrolliert zu trinken, also einen normalen Umgang mit Alkohol, wenn es sowas überhaupt gibt, zu erlernen. Viele negertive Erfahrungen haben mir jedoch gelhert, das sowas für mich nicht möglich ist.
Natürlich ist die vollständige Abstinenz für viele Menschen nicht vorstellbar, aber daran mache ich meine Meinung nicht abhängig. Ich möchte leben und das ist für mich nur ohne Alkohol möglich.
Was ist die medizinische Definition von Alkoholismus? Menschen schreiben was auf, definieren bestimmte Begriffe, nehmen sich das Recht heraus, über andere Menschen entscheiden zu dürfen. Das ist die Definition unserer und auch aller anderen Gesellschaften. Wer hat denn das Recht dazu, Dich oder auch mich, in eine Wortklausel zu stecken und uns Alkoholiker zu nennen? Ich denke niemand, außer die betreffende Person selbst.
Viele Menschen, die solche Regeln und der Gleichen aufstellen, nehmen sich zu wichtig und leben selbst nicht danach.
Viele medizinisch Angestellte sind selbst abhängig, wollen aber anderen erzählen, wie sie ihr Leben leben sollen.
Du mußt für Dich selbst entscheiden, was Du möchtest. Andere und auch ich, können nur durch selbsterlebtes, einen Rat geben und Du kannst durch die Fehler anderer lernen.
Einen Fehler, den jemand anderes gemacht hat, mußt ( kannst Du jedoch, liegt bei Dir ) Du nicht wiederholen.
Ich kann verstehen, wenn Du nicht auf einer Krankenhausstation entziehen möchtest. Das aber mit Freiheitsentzug gleichzuseten, halteich für übertrieben. Noch bist Du in der glücklichen Lage, über Deine Möglichkeiten zum Entzug selbst entscheiden zu können.
Ich habe viele erlebt, die durch irgendwelche Ärzte als unzurechnungsfähig eingestuft wurden und dann auf eine wirklich geschlossene Station kamen, wo sie nich selbst entscheiden können, obsie lieber weiter saufen wollen oder nicht. Auch dazu nehmen sich Menschen das Recht heraus, nur weil sie mal ein paar Bücher gelesen haben und von irgendeiner UNI ein Zertifikat haben.
Ich möchte Dir raten, genau zu überlegen, was Du machst. Wenn Du wirklich aufhören möchtest und das für immer, gehe in ein Krankenhaus oder zu einer Selbsthilfegrupe.
Wenn Du nur mal fitt werden möchtest und dann wieder versuchen möchtest, kontrolliert zu trinken, hat das keinen Sinn.
Ich habe auch unter dem zweiten Grund Krankenhüuser aufgesucht und dachte immer, das die Anderen alles Idioten sind. Die haben für mich so einen Mist erzählt, dasich es nie lange ausgehalten habe. Da war der Frust für mich immer sehr groß und ich hatte wieder einen Grund zum trinken.
Es gibt sicher auch in Hamburg Ärzte, die Dir Medikamente gegen den den Entzug für einen ambulanten Entzug verschreiben können. Es gibt auch, zumindestens kenn ich hier in Berlin welche, die eine Art Tagesklinik bzw. Tagesbetreuung anbieten, was natürlich von der Krankenkasse bezahlt werden muß. Dort kann man dann auch eine Art ambulanter Entzug machen.Auch Nachsorgeeinrichtungen gibt es bestimmt auch in Hamburg. Wenn Du die Schulmedizin in Anspruch nehmen möchtest, gehe zu einem Allgemeinmediziner und laß Dich von ihm zu einen Psychologen überweisen. Er kann Dir dann auch die norwendigen Medikamente gegen den Entzug verschreiben. Er wird es aber sicher nicht machen, wenn Du ihm sagst, das Du später wieder einen kontrollierten Umgang mit Alkohol haben möchtest. Auch wenn ich nichts für die Schulmedizin übrig habe, darin haben sie mit der Selbsthilfe eine Meinung - Ganz oder gar nicht.
Vieleicht solltest Du Dir auch überlegen, wie ernst es Dir wirklich ist. Du und auch andere hier, schreibst immer von der räumlichen Nähe zu Hamburg? Vielleicht ist ein Ortswechsel auch sinnvoll und auch zumutbar, wenn man wirklich was für sich machen will.

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Zuletzt geändert von Karsten am 10.07.2008, 11:56, insgesamt 5-mal geändert.

°|-|°

Beitrag von °|-|° » 17.12.2004, 14:15

hmmmmmmm ...
Vor allem möchte ich zukünftig (wieder) einen natürlichen Umgang mit Alkohol haben
na, diesen satz lasse ich mir wirklich auf der zunge zergehen. denn was ist ein natürlicher umgang mit alkohol?
wie hoch darf der promillepegel bei einem natürlichen umgang mit alk sein?
der gepflegte rausch nur am we?
oder das glas wein beim essen?

ähem ... wenn Du dereinst unter den ca. 40.000 alkoholtoten bist, kannst Du nicht mehr antworten, also bitte vorher sagen, was Du meinst, mkay?

haftpsychose ... ja, kann ich mir vorstellen, dass es dann unangehehm wird, stationär zu entgiften. doch normalerweise ist eine alkohol - entzugsstation niemals geschlossen, dass passiert nur bei illegalisierten drogen, bedeutet, dass die tür immer offen ist und Du gehen kannst wann immer Du willst.
vielleicht kannst Du mal präzisieren, welche symptome mit einer haftpsychose assoziert sind.
denn diese hat niemals ihren einzug in unsere taxonomisch strukturiertes system (ICD 10 - DSM IV) gefunden. diskutiert wird eine prävalenz zur schizophrenie.
als beispiel: THC ist eine recht harmlose droge, doch ist sie immerhin ein - wenn auch niederpotentes - halluzinogen. so, dass latente psychosen durch THC ausgelöst werden ohne selbst ursache einer psychose zu sein.

hier den knastbedingungen eine schuld zu geben ist genau so blödsinnig, wie zu sagen, dass THC ursächlich für eine psychose verantwortlich ist.

ambulant zu entziehen ist sicherlich möglich, wer das schafft, hat allerdings meist mehr glück als verstand, denn Du brauchst ja die entzugsmedikamente, denn sonst läufst Du gefahr mglw. an einem krampf oder delier zu sterben.
die entsprechenden entzugsmedikamente wären Distra Neurin, dessen ambulante verschreibung allerdings als ärztlicher kunstfehler angesehen wird (vergl. Dörner / Plog) da dieses medikament die höchste suchtpotenz hat, die ich kenne.

man kann es auch mit edit - Medikamentennamen editiert - edit versuchen, doch auch hier wirst Du schwer einen arzt finden, der Dir das aus diesem grunde verschreiben wird, zumal es auch ein primäres abhängigkeitspotential hat und bei einer gleichbleibenden dosierung über 4 wochen schon zu entzugssymptomen führen kann. benzos wieder loszuwerden ist die hölle auf erden, dauert sehr lange und man braucht eine wahnsinnsdisziplin, die man als alkoholiker, der ja wie auch immer nach dem entzug weitertrinken will, gar nicht hat / haben kann.

ich fasse mal meine meinung zusammen:

wenn Du psychotisch bist, warst Du das vor haftantritt auch schon, die knastsituation hat sie nur ein wenig schneller ausgelöst.
nach einer erfolgreichen entgiftung weitertrinken ist nicht möglich, möglicherweise ersetzt Du nur eine sucht durch eine andere (benzos, distra)
eine ambulante betreung ist nur bedingt möglich, keine gruppe wird Dich bei dem versuch, "normal" weiterzutrinken unterstützen, dafür haben die kollegen die zerstörerische wirkung des alkohols zu gut kennengelernt.

eine substitution von alkohol - kranken ist nur bei schon durch alkohol cerebral geschädigten menschen unter heimbedingungen möglich, dass wird in einigen wenigen heimen so gehandhabt, aus medizinischer sicht allerdings abzulehnen, da alkohol eine der giftigsten substanzen ist, die ein mensch konsumieren kann.

ähnlich wie bei THC wird immer wieder der versuch unternommen, einen niedrig dosierten konsum durch angeblich gesundheitsförderliche aspekte zu rechtfertigen (ein glas wein / d schützt vor dem herzinfarkt.

allerdings kann es THC mit alkohol niemals aufnehmen, denn wie auch immer argumentiert wird, die giftigkeit des alkohols ist nachhaltig bewiesen, die des THCs ist niemals bewiesen worden. hier jetzt auf THC auszuweichen dürfte für Dich in euiner psychotischen episode enden, bei Deiner disposition.

ergo: Du hast nur eine chance, entweder oder, dazwischen gibt es für einen bereits süchtigen menschen nichts.


°|..|°

Mark

Beitrag von Mark » 17.12.2004, 14:40

Hallo,

ich muß Euch recht geben, entweder geht man seiner Sucht nach oder man hört ganz auf. Einen Zwischenweg kann es nicht geben. Eine Sucht ist ja immer, das man unter allen Umständen seinem Verlangen nachgehen will. Wenn man nicht mehr trinkt, ich bleine mal beim Alkohol, da es hier nun mal ein Forum für Alkoholkranke ist, ist es ja eigentlich für einen Süchtigen unnatürlich. Darum muß man auch jeden Tag dagegen ankämpfen. as Kämpfen wird zwar nach und nach weniger, aber vergessen darf man es nie.

@°|-|°
Da Du ja auch anderen helfen möchtest, wie ich aus Deinen Beiträgen raus lese, wäre es gut, Dich anzumelden. Meiner Meinung würde es Deine Glaubwürdigkeit unterstreichen.

Gruß
Mark

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