Zwangseinweisung bei Alkoholsucht?????

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Chi

Beitrag von Chi » 11.08.2005, 18:46

Irgendwie verstehen mich gerade alle falsch o___O
Also erstmal es ist meine Mutter nicht Schwiegermutter @Karsten :wink:
Zweitens, hat mein Freund gesagt, das es keinen Sinn hat und man sie
Zwangseinweisen müsste. Und ich wollte nur wissen, unter welchen Bedingungen man sowas überhaupt macht und ob das Sinn hätte.
Ich will sie keines Wegs Zwangseinweisen oder entmündigen.
Aber mein Freund scheint es nicht ganz zu verstehen.
Er versteht auch nicht, das ich mich einfach
da ein wenig abschotten muss, damit ich mein eigenes Leben weiter machen kann. Er denkt ich mache das, weil ich weglaufen will.
Ich hoffe jetzt hab ich mich verständlicher ausgedrückt.^^

Was den Brief betrifft, na ja. Sie hat ihn bisher ignorierd. Er hing immer noch unberührt an der Tür. Ich hab ihn abgenommen und neben sie gelegt, weil sie mal wieder ihren Rausch ausgeschlafen hat. Ich hoffe sie liest ihn endlich, wenn sie aufwacht. :(

chrissyta
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Beitrag von chrissyta » 11.08.2005, 20:40

hallo chi,

das ist schade, dass deine mutter deinen brief nicht gelesen hat, aber vielleicht tut sie es ja noch.

du hattest in deinem ersten posting hier geschrieben, dein freund hätte gesagt es hätte keinen zweck, wenn du dich auf dich konzentrierst, somit ist dieses natürlich von uns auch so verstanden worden, auch das mit dem einweisen kam im schreiben anderst rüber als wie du jetzt berichtigst. vielleicht liest du es nochmals durch, dann verstehtst du warum hier so geantwortet wurde.

karsten hat sicher deine mutter gemeint, es war von ihm nur ein schreibfehler. du darfst nicht vergessen, er sitzt für menschen die hier hilfe suchen fast 24 std. am pc.

du solltest dich wirklich etwas mehr um dich kümmern, aber dieses teilte ich dir ja bereits mit. probiers und du wirst sehen wies ist, erst dann kannst du weitersehen und weitere entscheidungen treffen.

gruss
chrissyta

Chi

Beitrag von Chi » 11.08.2005, 21:13

chrissyta hat geschrieben:
karsten hat sicher deine mutter gemeint, es war von ihm nur ein schreibfehler. du darfst nicht vergessen, er sitzt für menschen die hier hilfe suchen fast 24 std. am pc.
das war ja auch nicht böse gemeint oder so. ich wollte es nur nochmal erwähnen, falls er mit irgendwas durcheinander gekommen ist, deswegen auch der smilie dahinter.
ich find das toll das karsten sich so für andere einsetzt ^-^


Ich hoffe wirklich, das meine Mutter den Brief noch liest.
Meine Ferien sind bald vorbei und ich möchte so viel Stress
wie möglich vermeiden.

Marietta
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Mein Vater

Beitrag von Marietta » 09.05.2006, 09:27

Erstmal ein freundliches Hallo,

ich habe hier schon einiges lesen können und wollte mich auch mal zu Wort melden.

Einige Artikel wo es um "Entmündigung" kann ich sehr gut verstehen denn manchmal muss man sich und den Abhängigen auch vor sich selbst schützen.
Ich selbst bin 43 Jahre alt und Tochter eines Alkoholkranken Vaters um den ich mir seit dem Tod meiner Mutter vor 5,5 Jahre mehr Sorgen mache als um alles andere worüber ich mir auch Gedanken machen sollte.

Er ist im letzten Jahr so dermaßen abgestürzt, verwahrlost das er letztendlich 2 Tage und Nächte in der Wanne saß, die Amaturen rausgerissen hat womit er also nicht mal mehr die Möglichkeit hatte Wasser in der Zeit zu trinken.
Er hatte Glück das Nachbarn beobachtet haben das bei Ihm 24 Std. im Bad Licht brannte und dann die Feuerwehr die durchs Küchenfenster einsteigen mußte, wo bemerkt wurde das die gleiche Zeit auch ein Topf Gulasch auf dem Herd kochte, angerufen haben die ihn aus der Wanne ins KKH brachten.
Ich erfuhr erst 3 Tage später davon da er mir die Schlüssel ein halbes Jahr vorher unter einem Vorwand abgenommen hat und ich auch 3 Tage durch eine Telefonumstellung nicht erreichbar war.
Er lag dann 3 Tage im Dellirium im KKH und kam auf eine normale Station.
Die Ärztin sagte in meinem Beisein das er gerade nochmal Glück gehabt hat und er ein paar Std. später gestorben wäre und das es am übermäßigen Alkoholgenuss lag...
Nachdem die Ärztin das Zimmer verließ sah er mich an und sagte: Haste gehört es kam nicht vom Alkohol, ich trinke ja auch nicht hatte nur einen Black out, kann ja mal passieren.
Ich musste ja nun mit seinem Schlüssel in de Wohnung um ihm Klamotten zu holen, was ich da sah hat mir fast den Boden unter den Füßen weggerissen.
Die ganze Wohnung stank nach Urin und Kot, man konnte vor lauter Müll, alte vergammelte Lebensmittel, Zeitungen... kaum noch treten, überall war Blut an den Sesseln, der Tapete, dem Teppich..
Über die leeren Flaschen Weinbrand bei denen ich bei 25 aufgehört habe zu zählen mal ganz abgesehen.
Das war mal mein Zuhause und tat verdammt weh.
Ich habe Fotos gemacht und sie meinem Vater gezeigt worauf er nur sagte ich soll nicht so ein Theater machen, es sei doch alles halb so schlimm...
Dann habe ich versucht ihn in einem Heim unterzubringen was nicht möglich war, er durfte wieder nach Hause, fuhr auch weiterhin wie bei Chi die Mama Auto und begann nun wieder im Dezember 05 an zu trinken.
Ich habe ihm letztens gesagt nachdem er mich anrief und mir erzählte das er mal wieder Schweißausbrüche, Überkeit, Zittern und Halluzinationen hatte (er versucht jede Woche selbst zu entziehen was früher auch immer für ein paar Wochen geklappt hat) das ich ihm gern helfen möchte, er aber Hilfe annehmen muss und auch professionelle aber er sagte mir wieder: Ich trinke nicht.
Am Sonntag rief mich eine Bekannte von ihm an, er ist auf der Straße, natürlich Stockbesoffen, gestürzt, hat sich die Brille dadurch kaputt gemacht und sich das Gesicht aufgeschlagen, die Feuerwehr kam und ich habe alle KKH`s angerufen um zu erfahren wohin er gebracht wurde aber er kam nirgends an, er hat sich geweigert mitgenommen zu werden.
Also bin ich zu Ihm in die Wohnung wo er im Flur lag und schlief.
Dazu muss ich sagen das ich genau so meine Mama gefunden habe nur das sie tot war.
Ihr könnte Euch sicher vorstellen wie es mir ging, meine Beine haben mich kaum noch getragen, ich wollte die Feuerwehr holen was er mir verboten hat, ich sagte ihm das ich das nicht mehr mitmachen werde und ihn ins Heim bringen werde worauf er nur lachte und sagte das ich verschwinden soll.
Es wird nicht lange dauern das er sich den Kopf irgendwo einschlägt da er nun schon das 4.Mal gestürzt ist.
Was ich sagen will ist das auch ich keine Möglichkeit habe ihn in einem Heim unterzubringen, ihn zu entmündigen, ihn vor sich selbst zu schützen...Er darf verwahrlosen, er darf sich Totsaufen und er darf sich selbst gefährden nur nicht andere, keinen Brand legen ect.
Was bitte bleibt einem Angehörigen übrig als sich täglich mehrmals zu vergwissern ob dieser Mensch noch lebt, ob er irgendwo liegt...?
Ich kann das nicht mehr ertragen, nehme selbst schon Tabletten damit ich nicht irgendwann durchdrehe, kann nicht mit ihm reden denn auch am Sonntag als er im Flur lag sagte er das er nichts getrunken hat.
Ich will ihn nicht abschieben, ich will nur das er irgendwo sicher leben kann.
Ich will auch nicht an sein Geld aber ich muss auch bald mal zur Ruhe kommen sonst kann ich nämlich bald zum Tabettenentzug.
Übrigens mache ich selbst eine Therapie um damit besser klar zu kommen und zu lernen mich abzugrenzen aber wenn man emotional gebunden ist kann man nicht ruhig auf der Couch liegen während sich der Vater gerade den Schädel eingeschlagen hat.
Mein Vater wird übrigens bald 76 Jahre.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 09.05.2006, 09:45

Hallo Marietta und Willkommen,

Deine Geschichte zeigt deutlich, dass man niemanden gegen seinen Willen helfen kann.
Eine Zwangseinweisung ist auch nicht möglich, wenn man keinen Richter findet, der eine Gefährdung des Lebens sieht.
Die Gefahr besteht eben auch für Dich, dass Du Dir Dein Leben dadurch auch zerstören läßt.
Es ist Dein Vater. Trotzdem solltest Du lernen, Dein Leben zu leben.
So hart das vielleicht klingt, aber somst machst Du Dich selbst kaputt. Dein Vater merkt in diesem Zustand nicht, dass Du ihm nur helfen möchtest.

Marietta
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Beitrag von Marietta » 09.05.2006, 10:36

Karsten ich habe doch keine ruhige Minute wenn ich nicht weiß ob er vielleicht schon schwer verletzt in dr Wohnung liegt.
Leider komme ich auch nicht an Ihn ran wenn er Nüchtern ist weil er meint mir vormachen zu müssen das er NICHT trinkt auch wenn ich ihm beim putzen die Flaschen aus den Schubfächern in die Küche stelle.
Ich fühle mich soooo Hilflos.

LG Marietta

chiara
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Beitrag von chiara » 09.05.2006, 12:27

Hallo Marietta,

das ist klar, dass Du Dich hilflos fühlst. Alleine wenn ich Deinen Beitrag lese wird mir schon schwindlig vor Hilflosigkeit, ich wüsste selbst auch gar nicht was ich Dir raten soll, ausser: Gib bitte auf Dich acht !

Ja, denkst Du bestimmt, das sagt sich so leicht, wenn man nicht weiss wie schlimm das ist, glaube mir aber, ich kenne die Verzweiflung die der Alkoholsucht auf Schritt und Tritt folgt und Dein Beitrag ist nun wirklich ein ausdrückliches Beispiel für mich, wie man als trinkender Alkoholiker seine Angehörigen in die Hölle treiben kann. Ganz schrecklich.
Aber auch diese meine Einsicht hilft Dir wohl jetzt nicht.
Schlimm ist natürlich, dass Du schreibst er zeigt keinerlei Einsicht oder Willen aufzuhören. Da besteht so wenig Eingriffsmöglichkeit, da ja jede Form der Hilfe, wenn sie erfolgreich sein soll, vorausetzt, dass er aufhören will.

Gibt es einen Hausarzt Deines Vaters an den Du Dich vielleicht mit all Deinen Sorgen wenden könntest? Oder überhaupt irgendeinen Arzt Deines Vertrauens, der Dich mal beraten kann, was es denn so für Möglichkeiten gäbe?
So wie ich das sehe, stellt Dein Vater ja wirklich eine Gefahr für Andere dar. Ob das alleine ausreicht in irgendwie in ein Heim zu bekommen, weiss ich leider nicht. Ich kenne mich mit der Rechtslage in Deutschland nicht aus, vermute aber, sie ist ähnlich wie hier. Das heisst zwingen können wird man in nur, wenn schon was passiert ist. Und das erwähnst Du ja auch. Allerdings finde ich das Gulasch auf dem Herd ist doch schon sehr hart an der Grenze...?

Ich hoffe nur, Du kannst Dir zumindest ganz viel Hilfe FÜR DICH organisieren. Und bin sehr froh zu lesen, dass Du zur Therapie gehst. Auch zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern würde ich raten, damit Du nicht alleine bist in dieser ganz schrecklichen Situation!

Viel viel Kraft wünscht Dir
chiara

TS
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Beitrag von TS » 20.10.2006, 15:36

Hallo Chi,

ich bin neu im Forum und habe deinen Eintrag vom August gelesen. Ich antworte Dir, weil dieser Eintrag auch genau so von mir hätte aussehen können... :-(
Wie sieht es denn mittlerweile aus? Hat sich irgendetwas geändert? Hast Du doch irgendwie versucht, Deine Mutter zwangseinweisen zu lassen? ( der Gedanke der Zwangseinweisung ist mir nämlich auch in den letzten Tagen im Kopf, und ich wollte nächste Woche bei der Suchtberatungsstelle nochmal genau nachfragen, ob bzw. wie das geht und ob es Sinn macht.)
Ich bin 28 und wohne in Berlin, schon seit zehn Jahren nicht mehr mit meiner Mutter zusammen, die in Hannover lebt. Sie hat bereits zwei stationäre Therapien hinter sich, die letzte war vor ca. 11 Jahren. Seit vielen Jahren trinkt sie nun aber wieder, ist arbeitslos und sozial komplett isoliert und streitet jegliches "Alkoholproblem" ab...und ich bin einfach mal wieder am Ende.
Auch wenn dieses Forum ziemlich heftige (Lebens- und Leidens-) Geschichten zu Tage bringt, so tut es doch gut, zumindest zu wissen, daß man nicht alleine ist :?
Würde mich freuen, zu hören, wie es Dir und deiner Mutter geht. Alles Gute wünsch ich Euch jedenfalls.

LG Tanja

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