Trennung trotz Liebe, da Alkohol ihn enthemmt

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Jule36
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Trennung trotz Liebe, da Alkohol ihn enthemmt

Beitrag von Jule36 » 03.06.2007, 21:00

Hallo,

ich bin neu hier, 36 Jahre alt, Mutter von 2 Kindern (m 16, w 13). Ich habe mir die letzten Tage hier möglichst viel durchgelesen, um Bestätigungen zu finden für die Trennung von meinem Freund, die sich letztendlich heute vollzogen hat. Es war nicht das erste Mal, und ich hätte es so gern anders hinbekommen, weil ich ihn so sehr liebe, aber die Beziehung macht mich immer wieder unglücklich und teilweise schon krank, und ich glaube, dass zumindest zum Teil der Alkohol schuld ist.

Vor die Bedingung gestellt, mit dem Alkohol auf zu hören, wenn es weitergehen soll, und ob und wie viel Zeit er bräuchte, um sich darüber klar zu werden, was er will, hat er geantwortet, dass er zwar nachdenken kann, aber nie mit dem saufen aufhören wird und er sich nicht die Pistole auf die Brust setzen lässt. Als ich ihn daran erinnert habe, dass er mir vor 7 Monaten angeboten hat, damit auf zu hören, wenn ich ihn zurücknehme, und ich es jetzt einfordere, sagte er, das hat er damals auch so gemeint, aber sieht es jetzt eben anders. Ich habe es damals nicht gefordert, weil ich der Meinung war, dass er es für sich selbst tun sollte. Ich hatte nur darum gebeten, dass es weniger wird, er hat auch ein paar Mal tageweise gar nichts getrunken und sonst weniger, aber irgendwann wurde es wie vorher, oder eher sogar mehr.

Er bezeichnet sich zwar selbst als Alkoholiker, hat aber nicht genug Probleme damit, um aufhören zu wollen. Jeden Jahresanfang trinkt er relativ problemlos 6 Wochen lang nichts, um seinem Körper etwas Gutes zu tun, den Rest des Jahres aber täglich, Bier und Wein. Als ich ihn kennenlernte vor fast 6 Jahren wusste er normalerweise auch nach Volltrunkenheit noch alles am nächsten Tag, heutzutage vergisst er schon vieles, wenn ich ihm noch kaum etwas anmerke. Er geht immer pünktlich zur Arbeit (Tiefbau), lässt sich nie krankschreiben, hasst diese Arbeit aber, würde viel lieber viel reisen (war früher schon viel unterwegs), hat teilweise deswegen Depris. Ändert aber auch nichts daran. Er spielt auch regelmäßig Fußball und geht neuerdings joggen, um fitter zu werden. Er ist eigentlich ansonsten vollkommen gesund, aber wenn er trinkt, wird er ein anderer Mensch.

Nüchtern sind ihm seine Arbeitskollegen peinlich, wenn sie Frauen hinterherpfeifen – betrunken starrt er auffällig jede hübsche Frau an, kommentiert die Brüste u.s.w. so , dass es selbst Kumpels von ihm unangenehm ist. Er sagt, er ist eben ein bisschen voyeuristisch, mehr nicht, aber das stimmt auch nicht mehr. Er baggerte besoffen auch schon mal welche an oder hatte, wie er es mal nannte, „Augensex“ – vergisst dann sogar, dass ich neben ihm stehe (ist jetzt seit der letzten Trennung nicht mehr vorgekommen, sind aber ja auch nur ein paar Monate). Er hat sich auch vor Jahren auf einer Party nach einem Streit mit einer anderen vor meinen Augen geküsst und mit ihr auf dem Tisch gelegen – wäre es nicht in der Öffentlichkeit gewesen, wäre es auf jeden Fall noch mehr gewesen. Er wusste danach davon nichts mehr und ich habe es ihm damals verziehen, aber seitdem immer Angst, dass wieder etwas passiert, und wer weiß wie er sich erst benimmt, wenn ich nicht dabei bin.

Die ersten beiden Jahre hatte ich volles Vertrauen, auch wenn wir getrennt weggefahren sind, das war danach natürlich vorbei, und es häuften sich solche Dinge, v. a. nach der 1. Trennung (3 Monate, von mir ausgegangen, weil er Terror wegen meinem Rauchen machte, obwohl er mir am Anfang gesagt hatte, es stört ihn nicht.)

Er wollte mich dann zurück, hatte allerdings zwischendurch andere Frauen und war auch in eine etwas verliebt, die ihn aber nicht wollte wegen dem Suff. Angeblich war das alles nur wegen mir, na ja. Wir haben uns wieder zusammengerauft, aber mein Vertrauen war nun mal gestört, außerdem ist es mit ihm sehr schwierig, er kritisierte mich viel, liebt meine Kinder, kommt aber mit meiner Erziehung nicht klar, weil er sehr viel strenger erzogen wurde und das auch gern so hätte. Wir konnten kaum Urlaube zusammen machen, weil er völlig andere Vorstellungen hat und absolut nicht kompromissfähig ist. Es kam wieder soviel zusammen, auch Lügen, die rauskamen, dass ich mich erneut getrennt habe, diesmal mit Kontaktabbruch, damit ich nicht rückfällig werde. Letzter Auslöser war allerdings, dass er im Suff meine Tochter als Tussi bezeichnete, die ein ganz normales 13-jähriges Mädel war, die nur anfing sich zu schminken und Musik hört, die er blöd findet und gern shoppen geht, da kann er sich absolut nicht reinversetzen. Und er meinte, dass er das Recht dazu habe, da es nur seine Meinung ist, und keine Beleidigung. Das denkt er auch heute noch, obwohl sowohl meine Tochter als auch ich ihm gesagt haben, dass wir es als Beleidigung empfinden.

Er hat öfter, wenn er sich genug Mut angetrunken hatte, angerufen, aber ich habe mich lange nicht weich klopfen lassen, zumal er auch immer sagte, er fühlt sich schizophren, will eben beides, mich und seine Freiheit (die ich ihm angeblich nehmen wollte, weil er mir angeln beibringen sollte – er hatte wohl Angst, dass ich dann immer mitwill und dass ich es nur wegen ihm will, was aber nicht stimmte, und nach 1000 Ausreden gab er im Streit zu, dass er das für sich allein haben will.)

Irgendwann habe ich mich doch mit ihm getroffen, er sagte, er will mich zurück, liebt mich so sehr. Kam am nächsten Tag zu mir, weinte und versprach alles mögliche, bot mir u. a. an mit dem Trinken auf zu hören. Da ich ihn ja immer noch liebte, versuchten wir den Neuanfang. Ich muss da zu sagen, dass er sich schon eine Menge Mühe gegeben hat, nach der 1. Trennung hat er das Rauchen akzeptiert (oder besser resigniert, wie er es sagt) und nach der 2. Trennung gab es kaum noch Streit, er nimmt sich zurück, redet mehr mit mir, versucht mir zu zeigen, dass er sich bei früheren Streitpunkten geändert hat, versucht mehr mit mir zusammen zu machen, redet von zusammenziehen. Er war sowieso schon immer derjenige, der nach einem Streit die Versöhnung suchte, ist liebevoll mit taten und Gesten, sagt mir jeden Tag, wie sehr er mich liebt und dass er nur mich will, er redet von Angelurlauben mit mir und Familienurlaub, zeigt und sagt sehr offen vor allen Leuten, wie sehr er mich liebt usw.

Also wollte ich mir meine Eifersucht abgewöhnen, notfalls mit psychologischer Hilfe, weil es sonst ja auch nicht funktionieren würde, und ich auch etwas für den Neuanfang tun möchte.

Nun habe ich vor 3 Wochen entdeckt, dass er sich auf einer Seitensprungseite angemeldet hatte, mit ausgefülltem Profil, also nicht nur zum gucken. Ich war geschockt, zumal ich ihn gebeten hatte, so etwas nicht zu tun (er guckt gern mal Bilder und Filmchen im Internet an, wenn er sich langweilt, das habe ich ja akzeptiert und manchmal auch mit ihm zusammen gemacht, ihn aber gebeten, nicht nach echten Frauen zu gucken) wollte mich sofort trennen, dann aber die Sache noch ein bisschen beobachten, um wenigstens einen sicheren Grund zu haben für eine Trennung. Er war dann zwar nicht mehr auf dieser Seite, allerdings habe ich wohl so oft von solchen Themen geredet in der nächsten Zeit, dass er was geahnt hat, wie sich in einer Aussprache dann auch herausstellte, die ich gesucht hatte, so dass ich ja nicht weiß, was sonst wohl gewesen wäre.

Er sagte natürlich, das wäre nur aus Neugierde gewesen und er wäre betrunken gewesen, hat keinerlei Bedeutung, er will keine andere. Aber da er mir zugesagt hatte, sich solche Seiten nicht einmal anzusehen, weil es zu verführerisch ist, ist es ja trotzdem ein großer Vertrauensbruch für mich.

Da mir dies das letzte bisschen Vertrauen genommen hat und ich das als Zeichen eines heimlichen Wunsches gesehen habe (zumal er nach schwarzen Frauen gesucht hat, welche er sehr erotisch findet, v. a. seit er in der letzten Trennung fast was mit einer gehabt hätte, seitdem guckt er im Internet auch verstärkt nach solchen Seiten, was er mir allerdings auch immer erzählt und nicht verheimlicht hat), habe ich ihm nun gesagt, dass es keinen Sinn macht, wenn ich was gegen die Eifersucht unternehme, und er im Suff immer wieder neue Gründe liefert, und er deswegen mit dem Trinken aufhören muss. Naja, und das will er eben nicht, schon gar nicht mit fremder Hilfe, auch keinerlei Beratung, ob zu Alkohol oder Beziehung. Aber da er unberechenbar ist, wenn er getrunken hat, nützen mir all seine Treueversicherungen ja nichts. Er kommt zwar jeden Tag pünktlich zu mir (wir wohnen getrennt, 2 Straßen auseinander, aber er ist eigentlich immer bei mir), ist wirklich sehr zuverlässig (normalerweise), Familienmensch, geht selten in die Kneipe oder ohne mich weg, hilfsbereit usw. trotz aller schwierigen Charakterzüge (wobei ich nicht weiß, wo der Charakter aufhört und der Suff anfängt) ich glaube ihm eigentlich auch alles, was er nüchtern zu mir sagt – aber er will z. B. Ende 2007/Anfang 2008 für 6 Wochen nach Chile, zu seinem ähnlich veranlagten besten Freund, und da würde ich für nichts garantieren, wenn er trinkt, und dieser Freund würde ihn auch von nichts abhalten, eher animieren. Und da er (suffbedingt?) ziemlich egoistisch ist, würde er das wahrscheinlich auch gegen meinen Willen tun. Er hat zwar angeboten, dass wir in den Ferien 3 Wochen mitkommen und er auch alles bezahlt – letztlich geht es aber nur darum, dass er überhaupt darf und ich mich deswegen nicht trenne, zumal es den Kindern, so wie er reisen will, garantiert nicht gefallen würde, und das weiß er genau. Ein geplanter Familienurlaub (von ihm angeregt) im Oktober wurde auch schon nicht gebucht, weil er nicht nur zu unseren Bedingungen fahren will, obwohl wir uns in allem nach seinen Bedingungen gerichtet hatten bei der Suche, was ich schon für ziemlichen Realitätsverlust halte.

Da sich also einige Dinge, die er ändern wollte, nur als leere Versprechungen herausgestellt haben, auch wenn sie mal gutgemeint waren, kann ich den Rest auch nicht mehr wirklich glauben. Was nützt es, wenn er alles mögliche oberflächlich ändern will, aber es sich nicht wirklich in seinem Kopf ändert.

Daß mir sowieso vermutlich jeder hier zur Trennung raten würde ist mir klar, habe ich ja nun auch getan, denn eine Beziehung, die mich fertig macht, kann ich ja nicht weiterführen, egal wie’s wehtut.

Ich habe wohl auch deswegen so lange mitgemacht, weil in meinem ganzen Umfeld viel getrunken wird, so dass es für mich normal war, trinke auch selbst ab und zu auf Party mal zu viel, zu Hause allerdings gar nichts. Vor meinen Kindern hatte ich selbst schon ziemliche Alkoholprobleme, so dass ich wohl auch zu tolerant bin an dem Punkt. Alle meine Freunde, auch mein Exmann (der allerdings sehr treu, dafür sehr eifersüchtig war) haben mehr oder weniger getrunken. Da ich selbst vor den Kinder nichts trinken würde und ich darauf geachtet habe, dass dies auch bei meinem Freund (und bei meinem Exmann) so ist, was zumindest meistens geklappt hat, und Streitereien nicht vor den Kindern stattfanden, haben die Kinder keine Probleme.

Ich merke eigentlich erst jetzt, wie sehr er vom Alkohol gesteuert wird und dass er gar nicht mehr ohne leben kann, auch wenn er es mal ein paar Wochen ohne aushält und zuverlässig alle Pflichten erledigt und ein eigentlich ziemlich normales Leben führt. Auch S** lief es immer bestens. Und eigentlich wurde es in letzter Zeit immer schöner, so dass ich dachte, es könnte tatsächlich klappen - um so trauriger bin ich jetzt, er ist meine große Liebe und ich hätte so gern eine Zukunft mit ihm gehabt - aber so geht es nicht.

Ich denke auch, und habe es hier auch von anderen lesen können, dass Fremdgehbereitschaft nur bedingt mit Alkohol zu tun hat, weil es die Hemmschwelle herabsetzt, etwas zu tun, was man vielleicht sowieso gern tun würde. Ich weiß aber, dass er so eigentlich nicht sein will, und würde gern wissen (falls jemand diesen viel zu langen Text bis zum Ende gelesen haben sollte, sorry dafür), falls er sich doch noch für’s aufhören entscheiden würde (und er hat einen sehr starken Willen, wenn er es wirklich wollte, traue ich es ihm auch zu) – könnte es dann funktionieren, wenn ich mein Vertrauen wiederfinde? Oder ist er auch ohne Alkohol immer fremdgehgefährdet, auch wenn er es eigentlich nicht will? Und wird man weniger egoistisch (über’s gesunde Maß hinaus) und rechthaberisch? Kompromissbereiter, toleranter? Wieviel macht der Alkohol an Wesensveränderungen aus, was kann sich ohne wirklich ändern? Und wie lange dauert das? Ich wüsste das natürlich v. a. von trockenen Alkoholikern, denen es vielleicht ähnlich ging. Was geht da in solchen Menschen vor?

Wenn sich auch ohne Alkohol bestimmte Sachen nicht wirklich ändern können (und erst dann wüsste ich ja wirklich, was charakterlich bedingt und unabänderlich ist), würden mir eure Erfahrungen wenigstens ermöglichen, standhaft zu bleiben diese Mal. Ich kann gut alleine leben, habe eine tolle Familie und einen großen Freundeskreis und definiere meinen Wert nicht über einen Freund. Und wenn doch wieder eine Liebe kommt, hätte ich vielleicht die Chance auf eine glücklichere Beziehung.

Es tut im Moment aber einfach zu weh, um jetzt schon an so etwas denken zu können, und der Gedanke, dass er bald wieder andere Frauen im Arm halten und sich vielleicht auch verlieben wird, während ich leide und leider nicht so sein kann und mich schnell mit anderen tröste, bricht mir fast das Herz – aber da muß ich wohl durch.

Also, ich bitte um Erfahrungsberichte – und ich lese auch lange Texte, so wir ihr euch ja durch meinen durchkämpfen musstet... Ich stelle mein Thema in zwei Foren )ich hoffe, das ist erlaubt?), weil ich gern Antworten von Coabhängigen UND von selbst Betroffenen hätte.

Blizzard
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Beitrag von Blizzard » 03.06.2007, 22:47

Hallo Jule,

Respekt, so einen ausführlichen Text habe ich hier noch nicht gefunden :wink: ! Habe ihn aber gerne gelesen - Gott sei dank hast du nicht auf die Absätze vergessen.

Tja, was kann man zu deinem Ex-Freund sagen? Ich lese aus deinen Darstellungen heraus, dass er seinen persönlichen Tiefpunkt noch lange nicht erreicht hat. Auch wenn ihn der Alkohol schon einschränkt, und er sicherlich auch oft ein schlechtes Gewissen wegen seinem Konsum hat (ich kenne das schließlich selber bestens), auch wenn er darüber nicht redet, geht es ihm insgesamt offenbar noch zu gut. Die Vorteile überwiegen bei ihm immer noch die Nachteile was das Trinken betrifft. Wenn das so ist, bleib jedes "ich würde für dich jetzt auch mit dem Trinken aufhören" nur ein nettgemeintes Lippenbekenntnis, denn: Momentan bedeutet der Gedanke mit dem Trinken aufzuhören für ihn in erster Linie Verzicht.

Du hast natürlich richtig gehandelt, was du ja auch selber weißt. Soviel zum Thema Trinken.

Was das Thema "Fremdgehen" anbelangt, wissen wir hier natürlich nicht, was für ein Typ dein Ex-Freund ist. Natürlich fallen unter Alkoholeinfluss jede Menge Hemmungen weg, ausserdem wird die Libido kurzfristig (sehr kurzfristig) stark gesteigert. Im Hirn ist dann nicht mehr viel Blut- wie ich während meiner Jahre als nasser Alkoholiker feststellen konnte oder musste gilt das sowohl für Männer als auch für Frauen.

Wenn ich persönlich auch viel falsch gemacht habe in den letzten 12 Jahren, so bin ich trotzdem einigermaßen stolz darauf sagen zu können, das ich meine Lebensgefährtin (und demnächst Ehefrau) niemals betrogen habe, und auch nicht im Entferntesten darüber nachdachte es zu tun. Der Gedanke war für mich immer unendlich weit weg und so geht es glaube ich jeden, der seinen Partner aufrichtig von ganzem Herzen liebt. Ich denke, das hat auch viel mit Erziehung zu tun.

Was die Filmchen und Fotos im Internet betrifft, habe ich eher eine beschwichtigende Einstellung. Ich gucke sowas auch regelmäßig und das hat mit Liebe oder Fremdgehen nichts zu tun. Glaube mir, wir Männer sind in dieser Hinsicht (die meisten von uns zumindest) ziemlich primitiv veranlagt. Das geben natürlich nur wenige zu, weil es in der Gesellschaft allgemein als unangenehmes, unanständiges Thema gilt. Aber das ist lächerlich. Pornos konsumiert man nur aus S** Antrieb heraus, mit dem Herzen oder Gefühlen hat das nichts zu tun.

In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute und hoffe, das du hier noch weiteren Feedback bekommst, der dir bei der Verarbeitung deiner Geschichte hilft.

Herzlichst,

Blizzard

Jule36
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Beitrag von Jule36 » 04.06.2007, 22:10

Hallo Blizzard,

vielen Dank für deine Antwort. Mein Text war ja eigentlich nur die Kurzfassung - aber es geht mir auch so viel im Kopf rum, da mußte ja was von raus.

Du hast recht, für ihn wäre es im Moment der absolute Verzicht. Ob er ein schlechtes Gewissen hat deswegen, kann ich nicht sagen - er beschäftigt sich aber schon manchmal mit dem Thema - weiß, daß er eigentlich "irgendwann" mal aufhören müsste - aber nicht wirklich ernsthaft.

Es geht ihm ja auch nie schlecht danach, er hat auch nie Entzugserscheinungen. Wenn ich hier so in den Beiträgen lese - eigentlich macht er ja am Anfang jeden Jahres einen kalten Entzug, der ja sehr gefährlich sein soll - aber er hat dann gute Laune, keinerlei Zittern oder irgend so etwas, ist nur vielleicht etwas ruhiger.

Da er die unangenehmen Dinge, die er so manchmal im Suff macht nicht mehr weiß, nimmt er sie wahrscheinlich auch nicht so ernst, manchmal glaubt er auch nicht alles. Also gibt es keine wirklichen Gründe zum aufhören für ihn.

Wir sind ja auch beide von Jugend an mit Alkohol aufgewachsen. Bei mir haben allerdings meine Eltern nichts getrunken, er hatte einen gewalttätigen Alkoholiker zum Vater, der ihn mit 16 fast erwürgt hat, seitdem hat er keinen Kontakt mehr zu ihm und hasst ihn immer noch, Was das aus mit einem macht, weiß ich nicht - das müssten Experten klären, aber darauf würde er sich nie einlassen.

Auf jeden Fall kann ich die Angst, nie wieder trinken zu dürfen, selbst nachvollziehen, hier steht ja auch überall, daß man seinen gesamten trinkenden Freundeskreis aufgeben müsste, aber andere Freunde kennen wir, ob gemeinsame oder eigene, ja (fast) gar nicht. Seine beste Freundin ist auch stark alkoholabhängig, und die würde er niemals aufgeben. Und ich habe nur einen einzigen Freund, der nicht trinkt, er ist seit mindestens 8 Jahren trocken, obwohl er beim Fußball und auf Partys immer dabei ist (allerdings geht, bevor alle betrunken sind).

Und mit den Zigaretten geht es mir ja genauso. Ich habe für ihn mal 1 1/2 jahre aufgehört, aber nach einem Streit wieder angefangen (weil ich es ja für ihn, und nicht für mich gemacht hatte), und seitdem schaffe ich es einfach nicht mehr, auch nicht für ihn. Allerdings verändere ich mich dadurch ja auch nicht so sehr, und im Gegensatz zu mir wusste er von Anfang an, daß er Probleme mit rauchenden Frauen hat und daß ich eine davon bin.

Ich selbst habe nach eigenen Alkoholproblemen (Bier und Weinbrand) durch meine Schwangerschaften mind. 6 Jahre keinen Tropfen mehr getrunken und trotzdem auf Partys meinen Spaß gehabt - aber die Erfahrung hat er ja nie gemacht. Und heute trinke ich ja auf Partys auch wieder, manchmal noch zuviel, aber immer seltener, weil ich ohne viel mehr von habe, und am nächsten Tag immer froh bin, wie gut es mir geht. Ich würde auch ganz drauf verzichten für ihn, aber dazu müsste er ja von selbst aufhören wollen.

Ich weiß ja, daß er ohne mich nicht leben will - und nicht nur aus Gewohnheit - aber er hat sich nun mal für den Alkohol entschieden, ist ja auch einfacher so. Vielleicht kommt er noch zur Besinnung, aber ich versuche es ab jetzt nicht mehr zu hoffen, denn dann kann ich mich nicht lösen von ihm.

Im übrigen freut es mich (v. a. für deine Frau), daß ihr wenigstens die Treueprobleme nicht hattet, das kanbbert doch sehr am Selbstbewusstsein.

Was die Filmchen angeht - grundsätzlich habe ich damit ja gar keine Probleme, bin selbst so "primitiv", das ab und zu sehr anregend zu finden, allerdings eben nur den Akt an sich, und nicht bestimmte Männer- oder Frauentypen - was mich stört, ist ja nur, daß es immer spezieller wird bei ihm (nur noch, oder fast, schwarze Frauen). Er hat mir vor kurzem gesagt, daß er in die die Frau, mit der er fast was angefangen hätte als wir getrennt waren, nicht verliebt war, aber die dunkle Haut hätte ihn "irre" gemacht (und das hat er mir nur erzählt, weil er mir erst gesagt hatte, daß sie was von ihm wollte und ihm hinterhergerannt ist, aber inzwischen habe ich die Geschichte genau andersherum gehört, soviel zu seiner Ehrlichkeit). Und ich denke eben, daß er jetzt sozusagen davon träumt - und will man das dann nicht auch irgendwann in echt haben, wenn es einen so anmacht? Er sagt natürlich nein, aber als er sich auf der Seitensprungseite angemeldet hat, hat er als Suche nur "afrikanisch" angeklickt. Vielleicht war es ja wirklich nur Suff, nur Neugier...aber es zeigt doch, was er sich wünschen würde, denke ich. (Und wenn er wirklich so glücklich mit mir wäre und nur mich wollen würde, bräuchte er sich doch auch nicht woanders umzugucken. ) Da er, wenn es so ist, es nie zugeben würde, werde ich es auch nie wissen - aber jetzt (naja, oder demnächst, wenn mein Kopf wieder frei sein wird) brauche ich mir darüber ja wenigstens keine Gedanken mehr machen. Ich will so überhaupt nicht sein, so mißtrauisch, früher war ich das nie.

Ich hätte wohl gern gehört, daß es nur am Alkohol liegt und sich ändern könnte - aber eigentlich glaube ich das ja selbst nicht wirklich, und außerdem wird er ja auch nicht aufhören zu trinken. Ich muss mir wohl erst einiges von der Seele schreiben, um es richtig zu begreifen. Helfen kann ich ihm ja sowieso nicht, aber mir, und das werde ich jetzt in Angriff nehmen.

Ich werde die schönen Dinge mit ihm unendlich vermissen, aber versuchen, immer daran zu denken, wie schlecht es mir teilweise wegen ihm ging und geht. Und egal, wie sehr er mich liebt - er lässt es zu, daß er mir wehtut, wenn er trinkt und will nichts tun, um das zu ändern - das zeigt ja, was ihm am wichtigsten ist.

Liebe Grüße, Jule36

Lilly12

Beitrag von Lilly12 » 05.06.2007, 13:16

Hallo Jule,

zu dem ganzen habe ich nur eine Frage...

Was willst Du mit diesem Mann ?
Bist Du Dir so wenig wert ?
Sowas hat NIEMAND "verdient" :(

Es gibt genug nette Männer auf diesem Planeten....

LG an Dich
Lilly

Lilly12

Beitrag von Lilly12 » 05.06.2007, 13:40

Sorry Jule,

hatte ein bisschen hastig gelesen, Du hast Dich ja schon getrennt. :oops:

Ich denke, das war die richtige Entscheidung.
Du wirst sicher einen anderen Partner finden, der Dich aufrichtig liebt und all diese beschriebenen Dinge dann nicht nötig hat.

Ich wünsche Dir alles Gute weiterhin.
Falls Du noch weitere Unterstützung brauchst, bist Du sicher auch im CO-Bereich gut aufgehoben. Dort sind viele Menschen, die Dir beiseite stehen werden, wenn Du mit Deinem Entschluss hadern solltest.

LG an Dich
Lilly

Jule36
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Beitrag von Jule36 » 06.06.2007, 11:43

Hallo Lilly,

ich bin mir ganz sicher nicht wenig wert, habe auch kein Problem, allein zu sein, oder andere, auch sehr nette Männer kennenzulernen. Aber ich liebe nun mal im Moment ihn, und ich könnte auch viele gute Sachen über ihn schreiben, was den weitaus größeren Teil unserer Beziehung ausmachte, aber hier schreibt man eben komprimiert die schlechten Dinge, um die geht es hier ja. Und auch, wenn sie nicht oft vorkommen, vergiften sie eben den schönen Teil.

Ich habe diesen Text ja auch bei den Co-Abhängigen reingestellt und dort auch was dazu geschrieben, möchte das jetzt hier nicht wiederholen, zumal es mir ja noch schwerer fällt, wenn ich anfange, die guten Dinge aufzuzählen, die vermisse ich schon so genug.

Auch wenn es sich komisch anhört, ich denke, daß er mich aus seiner Sicht aufrichtig liebt, soweit es eben möglich ist für ihn. Hat 'ne Menge gute Vorsätze und auch einiges umgesetzt/gelernt in den letzten Jahren. Aber wenn der Alkohol überhand nimmt, wird er eben doch wieder egoistisch, die Gefühle anderer sind ihm dann in dem Moment offensichtlich egal oder weit weg, oder er kann nicht mehr drüber nachdenken, was er tut, wie auch immer.

Er hat gestern angerufen, wollte mir Hilfe anbieten, weil er gehört hatte, daß ich krank im Bett liege (bin erkältet und hatte gestern auch noch Fieber, so daß ich nach Arbeit und nach Besuch von seiner Ex-Freundin nur noch in's Bett gefallen bin).

Außerdem bat er um ein Gespräch. Ich habe ihm gesagt, daß wir das lassen können, wenn sich bei ihm nicht plötzlich was grundlegend geändert haben sollte, und falls er mir wieder mal "weniger trinken" anbieten will, daß das für mich nicht mehr funktioniert. Er wollte trotzdem, und da ich zu krank war, um lange zu reden, habe ich für's Wochenende zugesagt.

Damit habe ich jetzt grundsätzlich kein Problem, er hat trotz allem viel für mich und uns getan und versucht, ich finde, er hat schon ein Recht darauf, daß wir noch mal in Ruhe reden.

Aber was mache ich jetzt, wenn er es sich überlegt hat, und es versuchen will, mit dem Trinken aufzuhören? Er würde es ja nur wegen mir machen, was ich auch vorher schon nicht richtig gefunden hätte, aber nachdem ich hier viel gelesen habe, scheint es ja auch komplett falsch zu sein und kann nicht dauerhaft funktionieren.

Ansonsten wird er es aber vermutlich nie probieren, weil es ja keine anderen Gründe geben wird. Ich weiß ja, daß er erst seinen persönlichen Tiefpunkt bräuchte - aber dann gibt es zumindest für uns keine Chance mehr, weil ich nicht darauf warten und dabei zugucken werde.

Wäre es denn total falsch, falls er jetzt ernsthaft an die Sache rangehen sollte (was ich ja noch nicht weiß, aber wenn...), ihm noch eine Chance zu geben (ansonsten, bei halbherzigen Versprechungen, natürlich nicht...), mit der Hoffnung, daß er es auf Grund seiner Stärke schafft und sich damit hoffentlich in Zukunft seine guten Charaktereigenschaften durchsetzen?

Gestern kam seine langjährige Ex-Freundin bei mir vorbei, die immer noch eine gute Freundin von ihm ist und ihn sehr gut kennt. Sie sagt auch, wenn er es will, dann schafft er es auch. Nur drauf kommen muß er erst mal, aber ansonsten traut sie es ihm zu, weil er wirklich sehr willensstark ist.

Sie hatten beide auch eine große Liebe, sie ist auch letztendlich wegen dem Alkohol geflüchtet, hat mir aber vor kurzem mal gesagt, daß er ihr, im Gegensatz zu mir, nie angeboten hätte zu reduzieren oder aufzuhören, obwohl sie noch größere Probleme damit hatte als ich.

Naja, ich werde ja dann hier berichten, wie das Gespräch lief, spekulieren nützt ja jetzt auch nichts.

Liebe Grüße

Jule

Lilly12

Beitrag von Lilly12 » 06.06.2007, 12:23

Hallo Jule,

Ja, ich habe schon gesehen, das Dein Thread auch im CO-Bereich steht, ich denke, das passt er auch gut hin und wenn es Dir recht ist, würde ich lieber auch dort antworten, okay ?
Auch dann bezugnehmend auf diesen Beitrag hier.
Also bis drüben denne..... :D

LG an Dich
Lilly

Jule36
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Beitrag von Jule36 » 06.06.2007, 12:55

Hallo Lilly,

ist mir sehr recht. Hatte auf meiner Arbeit ein bisschen Zeit zum schreiben, muß gleich zur anderen, da werde ich nicht dazu kommen, hier zu schreiben, also erst heute Abend irgendwann wieder...freue mich aber auf deine Sicht der Dinge,

bis denne, Jule

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