Suchtverlagerung ....

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
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liv
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Suchtverlagerung ....

Beitrag von liv » 04.06.2007, 18:05

.... war gestern das Thema im Themenchat. Ich habe mir den Tag danach ausgerichtet, dass ich dabei sein kann (Kinder extra früh gebadet, Nachtessen bezeiten gemacht, ....) und kam dann nicht recht in den Chat. :roll: :D

Da dieses Thema mich aber ganz besonders betrifft, würde ich mich freuen, wenn ich hier Euere Meinung und Erlebnisse dazu lesen dürfte.

Bei mir ist es so, dass ich mit etwa 14 begann Alkohol zu trinken, dann auf Tabletten (mit Alkohol) umgestiegen bin, dann über lange dauernde Umwege mit Cannabis, Heroin, Kokain, Methadon ... (naja, die ganze Bandbreite) gegangen bin, bis ich schlussendlich, ein halbes Leben später, wieder beim Alkohol gelandet bin.

Bisher dachte und hörte ich "klasse, Du hast die Drogen hinter Dir lassen können" - doch jetzt ist mir klar geworden, dass dem gar nicht so ist. Dass ich nie auch nur eine einzige Drogensucht hinter mir gelassen habe und meine Süchte, nun einfach mit Alkohol am Leben erhalte. Ich dachte echt, ich hätte da schon etwas hinbekommen - und nun merke ich, dass das gar nicht so ist. Heute bin ich gerade mal schlappe 6 Wochen nüchtern. Bei mir schleicht sich aber in jeder Trockenphase die Magersucht wieder ein und auch mein Koffeinkonsum übertrifft weit ein normales Mass. Vom Zigarettenrauchen will ich schon gar nicht anfangen .... .

Ich bin anfällig auf jede Art von Sucht und mir ist noch nicht klar, wie ich das durchbrechen kann. Kennt Ihr das auch? Und wenn ja, wie habt Ihr dem entgegengewirkt (oder wie habt Ihr vor, das zu tun)?

Ich glaube auch, dass ich es einfach nicht zulassen kann, dass es mir selber mal einfach gut geht. Dass ich mich immer krampfhaft "unten" halte ... .

gruss liv

annax
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Beitrag von annax » 06.06.2007, 09:55

Hallo Liv,

Wenn ich Dich so lese, könnte ich das sein, die da schreibt. Habe auch schon mein Leben lang mit Sucht zu kämpfen, (werde 40). Als ich um die 20 war hatte ich Magersucht (37k bei 163), auch alle Drogen durchprobiert, ausser H, der Kelch ist gottseidank an mir vorbeigegangen. Richtig süchtig von Drogen war ich allerdings "nur" von Hasch, aber das über Jahre, sozusagen "Kampfkifferin". Und immer wieder mal zu viel getrunken. Mal im Abstand von Wochen, dann sogar Jahre aus eigener Kraft - ohne Hilfe abszinent. Dann wieder usw. Ich habe mich vor ein paar Monaten das erste Mal wirklich selbst zur Alkoholikerin erklärt um mir endlich den Rückweg abzuschneiden.
Bei mir habe ich festgestellt hat Suchtverhalten ganz stark mit emotionalen Gefühlen zu tun. Liebe. Solange ich alleine bin - ohne Mann - geht´s mir gut und ich bin ausgeglichen. Natürlich fehlt dann was, denn wer will schon auf Dauer ohne Liebe leben. Das ging soweit, dass ich mir vorgenommen habe nie wieder eine Beziehung einzugehen. An dem Punkt bin ich jetzt wieder. Habe eine schwierige Partnerschaft und sie ist immer wieder der Auslöser für "Saufdruck". Und ja, dünn sein - das will ich auch immer noch. Kann aber normal essen - habe ich im Griff. Das verflixte Rauchen kann ich leider gerade gar nicht aufhören, obwohl ich das auch schon immer wieder mal geschafft habe - aber dann nehme ich ein paar Kilo zu - und das pack´ich dann auch wieder nicht. Muss jetzt zu einem Termin - würde Dir nachher gerne noch schreiben was mir am besten hilft mit Sucht umzugehen ohne unterzugehen.

lieber Gruss
Anna

annax
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Beitrag von annax » 06.06.2007, 11:55

So, da bin ich nochmal. Ich habe da noch eine neue Art der Suchtverlagerung entwickelt :wink: die Selbsterfahrung. Das habe ich mir sozusagen zum Hobby gemacht. Das sind z.b Gruppen in denen es darum geht Gefühle rauszulassen, Schmerz, Wut, Angst usw... - gerade in - ich nenne es "Attacken" - Zeiten, wenn Saufdruck entsteht oder einfach das Gefühl schnellstmöglich den inneren Zustand zu verändern, - ich würde dann auch Tabletten nehmen wenn ich welche hätte, habe ich aber nicht - wohlweislich. Gerade dann hilft es mir solche Gefühle erst recht zu verstärken (nur in Begleitung - sonst gefährlich!), um sie dann zu durchleben und zu verarbeiten.

annax
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Beitrag von annax » 06.06.2007, 12:02

so, jetzt bin ich auf eine falsche Taste gekommen. War noch gar nicht zu ende. Für mich ist es eine positive Suchtverlagerung, sozusagen eine Innenweltbeschäftigung. Die ich dann auch mit anderm verbinden kann was ich gerne mache: Malen, spirituelle Themen - feinstoffliche Welten, Natur und Auseinandersetzen mit anderen Menschen und mir. Da das alles was ich wirklich gerne mache NUR mit klarem Kopf geht und Spaß macht, muss ich mich immer wieder auf´s Neue entscheiden frei zu bleiben von Alk, Tabletten oder sonstigen Süchten. Und meine Tochter, die hilft mir auch ganz stark, stark zu bleiben weil sie mich nüchtern braucht. Das alles ist mir aber in einem Moment der Gefahr nicht bewusst genug - und ich bin jedesmal dankbar - wieder eine Attacke überstanden zu haben.
So, jetzt hab´ich´s:-)

Alles Gute!
Anna

liv
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Beitrag von liv » 08.06.2007, 19:06

so, liebe annax,

gestern hatte ich keine Verbindung zum Netz, sonst hätte ich mich gestern schon gemeldet. Es freut mich, dass Du Dich zum Thema meldest - denn es scheint ja nicht besonders viele zu betreffen (glaube ich zwar fast nicht :wink: ), oder ich habe den Thread nicht gut "platziert".

Es tut mir leid, dass Du eine ähnliche Odyssee hinter Dir hast, wie ich. Dein Gewichts-Tiefststand entspricht etwa meinem (damals!) Es war für mich mit eine der extremsten Süchte überhaupt. Es drehte sich alles, aber wirklich alles nur um`s essen/nicht-essen. Aber das kennst Du ja.

Dass ich ein Alkoholproblem habe, weiss ich eigentlich schon seit Jahren; aber ich habe mich selber dermassen in Selbstmitleid ertränkt, dass ich gar nicht daran denken konnte (wollte?), dass es nur an mir liegt und dass mich da keiner, ausser ich selber, rausziehen kann.

Ob mein Suchtverhalten vordergründig mit Gefühlen (Beziehungen) in Verbindung steht, kann ich nicht sagen, da ich seit bald 11 Jahren denselben Partner habe und vorher nie einen ernsthaften Versuch (nicht mal wärend der Langzeittherapie, die galt es einfach zu "überstehen") gestartet hatte, von allem loszukommen. Diese Beziehung, die ich führe, bringt selten neue Gefühle hoch, die mein Suchtverhalten gross beeinflussen könnten.

Darf ich mal fragen, warum Du eher Mühe hast, das trinken zu lassen, wenn Du verliebt/liiert bist? Oder ist das vor allem bei Deinem jetztigen Partner (Ex-Partner? Aus der Ferne glaube ich mitbekommen zu haben, dass da nicht alles sooo rund läuft!?) so? Geht es Dir dann, wenn Du frisch verliebt bist, so gut, dass Du das ganze mit Alkohol noch "abrunden" möchtest? Ich neige ja auch oft dazu, genau dann trinken zu wollen, wenn`s mir gut geht. Oder habe ich Dich da irgendwie falsch verstanden?

Tja, mit dem Rauchen aufzuhören, habe ich noch nie versucht. Aber der Gedanke daran, mir das auch nur vorzustellen :wink: , kommt jetzt manchmal. Aber erst möchte ich mich noch etwas in der "Nüchternheit" üben, um mich nicht gleich total zu überfordern und einen Alk-Rückfall zu riskieren. Ist vielleicht verkehrtes Denken!?!

Was Du da mit Deinen Gruppen machst, klingt interessant und ich finde es toll, dass Du das für Dich entdeckt hast - ich glaube, das wäre nicht so "mein Ding", da ich es eh nicht so habe mit Gruppen. Ich habe schon Mühe, mit anderen zusammen was zu singen, im Chor zu rufen oder irgendwas, wo alle (mehr oder weniger gleichzeitig) dasselbe machen. Für mich käme da eher wieder die Meditation in Frage, welche wir wärend meiner Langzeittherapie viiiel machen mussten. Da ging es ja auch darum, Gefühle anzunehmen, zu durchleben, um sie dann "loszulassen".

Ich hoffe, Du bist heute gut und trocken durch den Tag gekommen, wünsche Dir eine gute Nacht (naja, ist noch ein bisschen früh :D ) und grüsse Dich herzlich, liv

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