geht es auch ohne SHG und Therapie?

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Kraeuterhannes

geht es auch ohne SHG und Therapie?

Beitrag von Kraeuterhannes » 21.08.2005, 02:06

Hallo an Alle hier im Forum!

Ich trinke erst seit dem 9.Aug.05 keinen Alkohol mehr. Hatte einen schweren kalten Entzug. Es stimmt schon die ersten 3 Tage sind die schlimmsten! Aber wie ich bei mir feststelle, habe ich auch heute noch unvorhersehbare Entzugserscheinungen (plötzlich aufsteigende Angst und Schweißausbrüche tagsüber und in der Nacht Alpträume. Ganz zu schweigen von den unnterbrochenen Gedanken an Alkohol).
Wie habt Ihr eigentlich entzogen und findet Ihr eine SHG oder Therapie unerlässlich?
Nun nachdem es mir schlechter ging als je zuvor (mein Körper gab mir ernsthafte Zeichen), bin ich bemüht den Rückfall jeden Tag vor mir hin zu schieben!
Von völliger Abstinenz will ich nicht sprechen, da würde ich den Mund zu voll nehmen.
Ich habe gelesen, dass es mit und ohne Therapie Rückfälle gibt. Aber meistens werden doch die Erfolge mit Therapie Rubrik gemacht, als die Fälle ohne Hilfe. Es wird da teilweise in Prozenten verglichen. Obwohl man doch gar nicht wissen kann, wieviel Menschen es alleine geschafft haben vom Alkohol los zu kommen (denn die wenigsten gehen damit in die Öffentlichkeit).
Wie Ihr seht verrate ich mich hier selbst: Ich will in keine Therapie oder SHG (schlechte Erfahrungen), denn ich bin für mich selber verantwortlich und ich muss entscheiden ob ich trinke oder nicht! Ich habe auch von mir aus eingesehen, dass ich keinen Tropfen Alkohol trinken darf. Das durchzuhalten ist eine andere Sache. Aber ob mir da eine "Sache" nützt, an der ich nicht 100 % glaube?
Kann leider nicht schlafen, deshalb versuche ich mich hier abzulenken bzw. meine sicher unausgereiften Gedanken freien Lauf zu verschaffen!
Über ein paar Antworten würde ich mich freuen.

Gruß
Kraeuterhannes

Rainer

Beitrag von Rainer » 21.08.2005, 06:32

Hallo Kräuterhannes,

ich glaube, ob man eine Therapie machen sollte oder nicht, ist von Fall zu Fall verschieden. Das kann man nicht verallgemeinern. Der eine schafft es ohne, der andere nimmt lieber die Hilfe von aussen in Anspruch. Ich persönlich hätte eigentlich auch gerne eine stationäre Therapie gemacht, habe mich aber dagegen gewehrt, weil ich hier zu Hause zu viel um die Ohren hatte ( Eheprobleme, Insolvenzantrag usw. ). Ich finde, dass man, um wirklich ernsthaft und langfristig trocken zu bleiben jede Hilfe in Anspruch nehmen sollte, geht man aber mit Widerwillen da hin, wird es nichts bringen, weil man sich gegen die Hilfe sträubt.

Eine SHG finde ich auch gut. Du musst allerdings mehrere ausprobieren, bis Dir eine Gruppe zusagt, in der Du Dich wohl fühlst. Dort sitzen im Prinzip genau wie hier, alles Menschen mit den gleichen Problemen, die sich mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen gegenseitig helfen.
Hier im Forum gibt es einen Thread "Forum oder SHG", da sind die Vorteile und Nachteile von beiden sehr gut beschrieben worden.

Meine Meinung ist, je mehr Hilfe ich in Anspruch nehme, desto besser kann ich es schaffen. Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, je mehr man sich mit dem Alkohol beschäftigt, desto schwieriger ist es auch wiederum. Man muss auch abschalten und sich mit anderen Dingen beschäftigen. Es sollte alles schon genutzt werden, aber in einem ausgewogenen Maße.
Es spielt vielleicht auch eine Rolle, aus welchem Grund bzw. zu welchem Zweck ich früher Alkohol getrunken habe. Habe ich getrunken, weil ich den Pegel täglich / stündlich brauchte? Habe ich nur getrunken, wenn ich Probleme hatte? Habe ich getrunken, um mich zu belohnen?
Ich finde, es ist wichtig, die Gründe für das Trinken abzuschalten. Da hat es der "Problemtrinker" und der "Belohnungstrinker" sicherlich einfacher als der "Pegeltrinker". Probleme kann ich lösen, mich belohnen kann ich auch anders. Aber was kann der Pegeltrinker ändern?

Der eine wird sicherlich mehr Hilfe von aussen benötigen, als der andere.
Aber schaden kann doch Hilfe keinem und man sollte sich auch nicht schämen, diese in Anspruch zu nehmen.

Ich selber gehe zwar einmal wöchentlich in eine SHG, aber ich habe meine mittlerweile 7-wöchige Trockenheit fast ausschließlich mit Hilfe dieses Forums geschafft und kann mich nur immer wieder bei allen hier bedanken. :lol:

liebe Grüße,

Rainer

chrissyta
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Beitrag von chrissyta » 21.08.2005, 10:35

hallo kräuterhannes,

du denkst jeden tag an einen evtl. rückfall, wie du schreibst schiebst du ihn vor dir her, von völliger abstinenz willst du nicht sprechen. wenn du so denkst machst du in meinen augen eine saufpause. was machst du dir gedanken über prozente und rückfallquoten, da habe ich mir keine gedanken drüber gemacht, meine gedanken waren damals die absolute trockenheit zu erreichen. sorry, für meine worte, aber bei dir sieht es so aus, als sei der rückfall vorprogrammiert.

ob jemand eine therapie in anspruch nimmt oder in eine shg geht muss jeder für sich entscheiden, aber wenn der feste wille bei einem selbst nicht vorhanden ist, dann nützt weder eine therapie noch eine shg etwas.

ich wünsche dir trotzdem, dass du es schaffst trocken zu bleiben, denn ich denke mal du machst dir diese gedanken nicht umsonst.

gruss
chrissyta

henri
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Beitrag von henri » 21.08.2005, 10:41

Hallo Kräuterhannes

Kann mich den Worten meiner Vorposter nur anschließen.

Ob der Pegeltrinker es schwerer hat als die anderen, will ich allerdings nicht behaupten. Ich selbst war Pegeltrinker und habe eine 12wöchige stationäre Therapie mitgemacht. Nach der Therapie ist es mir nicht schwer gefallen, trocken zu bleiben. Auch so etwas wie Saufdruck hatte ich nie. Ich nehme an, dass das Nichttrinken in den 12 Wochen schon so zur Gewohnheit geworden war, sodass es dadurch nachher für mich leichter war, trocken zu bleiben. Ohne Therapie hätte ich es sicher nicht geschafft, da bin ich mir heute ziemlich sicher.

Ob du nun eine Therapie mitmachen sollst, kann ich dir nicht sagen, das wirst du selbst entscheiden müssen. Vorteil bei der stationären, du bekommst die ersten Wochen/Monate leichter rum, als wenn du das alleine für dich schaffen willst.

wünsche dir 24 trockene Stunden

Henri

honda-daddy

Beitrag von honda-daddy » 21.08.2005, 10:58

Hallo Kräuterhannes

Möchte mich meinen vorpostern Chrissyta und Henry anschließen.
Ich denke aber die frage kannst du selber beantworten , wenn du dich hier im forum durchgelesen hast. Die menschen mit therapie sind meiner meinung nach länger trocken hier im forum, weil sie sich mehr hilfe geholt, und bekommen haben. Ich muß erst mit meinem alten leben abschließen, um ein neues zu beginnen.

Allerdings ist Rainer das beste beispiel, das es auch ohne klappen kann.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 21.08.2005, 11:58

Hallo Kräuterhannes,

ich würde mir auch nicht so viele Gedanken darum machen, wer mit oder Therapie bessere Erfolge hat. Es geht um Dich.
Wie Du trocken wirst und bleibst, liegt an Dir.
Ich habe damals eine ernsthafte Entscheidung getroffen und zu der stehe ich heute. Ich lebe ab jetzt nüchtern.

Was ich aber auch aus Deinen Zeilen lese, ist die Angst, Dich zu outen, oder sehe ich das falsch.

Käthe
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Beitrag von Käthe » 21.08.2005, 12:02

Hallo Kräuterhannes,

ich schliesse mich meinen Vorpostern, insbesonder Chrissytaan.

Eine Therapie sollte nur machen, wer wirklich aufhören will mit Trinken.

1. nützt sie sonst nichts

2. Ist sie sehr teuer und wäre sonst Verschwendung der Gelder, die andere Sozialversicherte eingezahlt haben.

Mir hat die SHG bis heute sehr geholfen. Das ist mein fester Termin die Woche, den ich wirklich nur in dringenden Fällen versäume.
Anfangs habe ich dort meine Probleme bearbeitet, heute kann ich auch immer öfter anderen zu helfen versuchen. Also etwas von dem zurückgeben was ich bekommen habe.

Denk mal drüber nach.

Übrigends die Statistiken stammen in der Regel von den Krankenkassen und Sozialversicherungsträgern und sind meines Wissens nicht Ergebnisse von Befragungen.

L.G. Läthe

Kraeuterhannes

bin noch am Anfang

Beitrag von Kraeuterhannes » 21.08.2005, 18:09

Hallo chrissyta!

Danke für Deine ehrliche Meinung, der Rückfall ist in Deinen Augen bei mir vorprogramiert.
Ich muß Dir folgendes dazu erläutern:
Natürlich will ich "Trocken" werden. Deshalb mache ich mir ja soviele Gedanken (ob nun unsinnig für Dich oder nicht!). Ich versuche gerade meinen Weg aus der Sucht zu finden und beschäftige mich jeden Tag mit meiner Sucht. Auch denke ich noch jeden Tag an Alkohol, ich kann das nicht einfach mal abschalten und den Tag genießen.
Ich stehe doch erst am Anfang meiner Abstinenz.
Ich denke,dass für mich die nächsten Stunden am wichtigsten sind und nicht die völlige Trockenheit (Was meinst Du eigentlich damit, lebenslang? Kannst Du Dir bei Dir kein Rückfall vorstellen, hattest Du nie Zweifel?)!
Meine Unsicherheit kann ich nicht verbergen.

Entschuldige, ich bin momentan sehr angreifbar und reagiere manchmal über!
Aber ich habe mich etwas geärgert über Deine Art mir Mut zu machen!
Ich glaube Du hast dass mit guten Absichten getan.
Sonst hättest Du mir nicht geschrieben und zum Schluss (trotz vieleicht Deines besseren
Wissens) mir gewünscht, dass ich es schaffe trocken zu bleiben!

Gruß Kraeuterhannes!

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