Wie aussteigen?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
suedhesse
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Wie aussteigen?

Beitrag von suedhesse » 23.08.2005, 15:08

Hallo und Euch allen einen schönen Tag,

ich beschäftigte mich seit längerem mit dem Ausstieg, schaffe es aber nicht alleine. Körperlich bin ich nicht abhängig, meine Leberwerte sind (noch) okay. Ich trinke seit über zehn Jahren abends meine 7-8 Flaschen Bier und möchte unbedingt aufhören. KT kann ich nicht. Ich mache mir da keine Illusionen, sondern will endlich einen Schlusstrich unter das Kapitel Alkohol ziehen.

Bei meinen bisherigen Trinkstopps hatte ich in der ersten Nacht immer Schlafstörungen. Die haben sich aber dann imme rrasch gelegt.

Welche Möglichkeiten der Unterstützung im Entzug gibt es für jemanden wie mich?

- Klinik ? Geht das überhaupt, wenn jemand nicht körperlich abhängig bin?
- Medikamente? Habe vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört und mir haben Nikotinpflaster sehr geholfen.
- SHG? Ich kenne da ja niemand und kann nicht gleich am ersten Abend mit so einem Problem kommen. Fühle mich in SHG auch eher unwohl.
- Was gibt es sonst noch?

Gestern abend wollte ich wieder aufhören: Habe fleißig nachmittags gegessen. Bin dann zum Sport (Radfahren, Laufen) und dann doch wieder eingeknickt. Habe sechs Flaschen Bier getrunken.

Am Anfang spielt sich bei mir im Entzug immer unheimlich viel im Kopf und Bauch ab: Difusse, irreale Ängste, Niedergeschlagenheit, eine gewisse Weinerlichkeit, naja.....
Habe ich Ablenkung kann ich problemlos auf den Alkohol verzichten, ich muss halt nur das erste Glas stehen lassen. Aber dafür fühle ich mich allein zu schwach!!

Ich möchte es unbedingt packen!

LG
Südhesse

Germangirl

Beitrag von Germangirl » 23.08.2005, 16:27

Lieber Suedhesse,
Ich sitze im gleichen Boot. Ich bin auch koerperlich (noch) fit, obwohl ich meine 6-8 Biere abends trinke. Ich weiß schon seit einigen Jahren, daß ich mit dem Alkohol Probleme habe. Mein Mann und ich versuchen schon seit laengerem vom Alkohol loszukommen. Wir leben in Baltimore und haben auch schon AA probiert und wir halten es ca. 1 Woche ohne Bier aus (wir sind beide Biertrinker und koennen ohne Wein, etc.. auskommen, aber vom Bier kommen wir einfach nicht los). Dann fangen wir immer wieder langsam an und dann wird es immer mehr bis wir wieder betrunken sind und uns ganz bloed verhalten. Danach wieder die große Reue und alles faengt von vorne an. Ich bin das alles so leid, aber ich kann mir ein Leben ohne Bier einfach nicht vorstellen. Leider koennen wir unseren Bierkonsum nicht maeßigen. Wir haben schon alles probiert, wie z.B. "nichts unter der Woche trinken, nur am Wochenende" oder "nur 2 Biere pro person pro Nacht" oder "nicht zuhause trinken, nur wenn wir mal am Wochenende ausgehen" (aber dann lassen wir uns zulaufen). Das bringt alles nichts. Man muß wirklich GANZ mit dem Alkohol aufhoeren, das reduzieren bringt nichts, es schraubt sich naemlich immer wieder schnell nach oben.
Ja, wie hoert man ganz auf? Das Geheimnis moechte ich auch gerne kennenlernen. Ich bewundere die Leute, die keinen Tropfen mehr trinken. Ich weiß, daß man sich ganz toll fuehlt, wenn man laengere Zeit nichts getrunken hat. Man fuehlt sich koerperlich und seelisch ganz toll. Mein Mann und ich werden nach einer laengeren Pause immer uebermuetig und fangen wieder an :( Leider gibt es keine Garantie, daß man fuer immer aufgehoert hat. Man muß jeden einzelnen Tag daran arbeiten.
Ich wuensche Dir (und mir selbst) viel Erfolg mit dem Aufhoeren!
Germangirl

Käthe
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Beitrag von Käthe » 23.08.2005, 17:41

Hallo Südhesse,
Körperlich bin ich nicht abhängig, meine Leberwerte sind (noch) okay.
Woher weisst Du das ??? die Leberwerte allein sind nicht aussagekräftig.
Wusste der Arzt von Deinem Alkoholkonsum??
Bei einem standard Bluttest werden nicht die alkoholspezifischen Werte ermittelt, die muss ein Arzt beim Labor extra beauftragen.

Ich kenne Menschen mit normalen Leberwerten die mit absoluter Sicherheit süchtig sind. Aber selbst wenn es so wäre, der körperliche Entzug ist das kleinste Übel, der Psychische dauert mehr oder weniger stark ein Leben lang. Darüber sollte man sich klar sein.

Ich denke, Du solltest als erstes ehrlich mit Deinem Hausarzt reden.

Nicht jeder Arzt ist bereit, einen Entzug ausserhalb einer Klink zu begleiten, das Risiko für den Arzt ist nicht klein. Ich persönlich favorisiere die Klinik, dort findet, wenn es eine Fachklinik ist, auch eine kompetente Beratung über die nachfolgenden Behandlungsmöglichkeiten statt.

Hier im Forum gibt es Menschen, die es alleine geschafft haben vom Alkohol weg zu kommen. Ich hätte das nicht geschafft, ich hab mit Hilfe geholt.

L.G. Käthe

Teddy
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Re: Wie aussteigen?

Beitrag von Teddy » 23.08.2005, 18:17

Hallo Südhesse,

das geht wahrscheinlich jedem Alkoholiker so daß er sich lange mit dem Ausstieg beschäftigt und nicht davon loskommt, es ist immer das WOLLEN das dann den letzten Ausschlag gibt, wenn das noch fehlt schafft es keiner.

Daß Du körperlich nicht abhängig bist bezweifle ich stark, Alkohol macht immer körperlich und seelisch abhängig, das tun im Grunde genommen alle Drogen, auch Nikotin macht das. Mit den Leberwerten hat das nicht im geringsten zu tun.
Ich trinke seit über zehn Jahren abends meine 7-8 Flaschen Bier
Also wenn Du bei der Menge nicht körperlich abhängig bist dann bist Du der erste Alkoholiker der von dieser Menge nicht körperlich abhängig geworden wäre.
Bei meinen bisherigen Trinkstopps hatte ich in der ersten Nacht immer Schlafstörungen. Die haben sich aber dann imme rrasch gelegt.
Wie lange haben denn diese Trinkstops gedauert - 5, 6 oder mehr Tage?
Welche Möglichkeiten der Unterstützung im Entzug gibt es für jemanden wie mich?
dieselben wie für jeden Alkoholkranken.:

- Klinik, stationär und u.U. ambulant,

- Medikamente, verschreibungspflichtig, müssen auf den jeweiligen Patienten vom Arzt dosiert werden,

- SHG: gute Unterstützung, den Entzug muß man aber alleine schaffen, die SHG macht keinen ärztlichen Entzug, der Alkoholiker muß wollen,

- sonst noch: ambulant zu Hause entziehen mit Unterstützung vom Hausarzt und den entsprechenden Medikamenten, man geht eine Woche durch die Hölle dabei, riskiert im schlimmsten Fall daran zu sterben (obwohl den "kalten Entzug" schon viele geschafft haben);
Am Anfang spielt sich bei mir im Entzug immer unheimlich viel im Kopf und Bauch ab: Difusse, irreale Ängste, Niedergeschlagenheit, eine gewisse Weinerlichkeit, naja.....
= Entzugserscheinungen;
ich muss halt nur das erste Glas stehen lassen.
Das ist das ganze Geheimnis.
Aber dafür fühle ich mich allein zu schwach!!

Ich möchte es unbedingt packen!
Dafür bist Du ja jetzt hier, Du bist nicht mehr alleine und kannst Dir Rat holen. Nur noch den Anfang mußt Du selber schaffen, den Anfang mit dem Alk Schluß machen zu wollen, den Rest schaffst du dann auch.

LG
Teddy

suedhesse
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Beitrag von suedhesse » 24.08.2005, 13:17

Hallo & vielen Dank für Eure Antworten!

Warum ich nicht körperlich abhängig bin? Mein Arzt hat mich kurz angeschaut und gemeint, dass ich nicht zittere, daher wollte er mir keine Medikamente verschreiben.

Was sind denn aus Eurer Sicht Kriterien für eine körperliche Abhängigkeit? Bei mir treten z.B. bei Abstinenz nicht Schwitzen, Übelkeit, Zittern etc. auf. Mittags bin ich manchmal etwas schwindelig (Logo der Alk ist wohl dann vom Abend vorher abgebaut).

Wenn ich abends auf einem beruflichen Termin bin und nichts trinken kann, passiert nichts. Ich trinke dann eben nicht. Wenn ich mir vornehme heute aufzuhören und alleine bin, kann ich ab mittags an quasi nichts anderes mehr denken. Je weiter es dann gegen Abend geht umso mehr schwanke ich zwischen Durchaltewillen, Ängsten, Depressionen, einem Gefühl extremer innerer Schwäche, Rumjammerei etc.

Ich habe es quasi aufgegeben, es alleine zu schaffen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen in SHG erhalten die Neulinge aber eher den Rat, sich "zusammenzureißen" als wirklich Hilfe zum Ausstieg.... Ich könnte mich ja auch zusammenreißen und weniger trinken (blöder Scherz). Weil das "zusammenreißen" erwartet ja auch die nicht-abhängige Umwelt ...

Wenn ich mal wieder vor dem Alk kapituliere, "funktioniere" ich nach dem ersten Schluck reibungslos. Ich mache dann Abendessen für den Rest der Familie etc. Auch nachmittags bin ich ruhig, weil ich ja weiß, dass ich abends wieder Alk bekomme.

Scheiß-Situation!!! Ich will übrigens nicht mehr "probieren" aufzuhören, sondern es endlich schaffen!

Tja ich suche wohl so eine Art geschützt Raum für die Anfangszeit.

LG & vielen Dank fürs Lesen und evtl. Tipps
Suedhesse

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Beitrag von suedhesse » 24.08.2005, 13:22


Nicht jeder Arzt ist bereit, einen Entzug ausserhalb einer Klink zu begleiten, das Risiko für den Arzt ist nicht klein. Ich persönlich favorisiere die Klinik, dort findet, wenn es eine Fachklinik ist, auch eine kompetente Beratung über die nachfolgenden Behandlungsmöglichkeiten statt.

Hier im Forum gibt es Menschen, die es alleine geschafft haben vom Alkohol weg zu kommen. Ich hätte das nicht geschafft, ich hab mit Hilfe geholt.
Was schlägst Du denn in meinem Fall konkret vor? Wie hast Du Dir "helfen lassen"? Ich suche ganz sicher Hilfe, weil ich es alleine nicht schaffe. Nur mein Arzt (siehe mein vorheriges Posting) meint ja, ich brauche keine Medikamente, sondern solle in eine SHG gehen. Da sitzen aber in der Regel seit Jahren Trockene, die für das "abstinent werden" mir noch keine Hilfestellung geben konnten. Zumindest habe ich das bislang nicht erfahren .... SHG sind für mich eher ein Instrument für die Folgezeit zum "abstinent bleiben"

LG Südhesse

Käthe
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Beitrag von Käthe » 24.08.2005, 13:33

Hallo Suedhesse,

mal ganz ehrlich, glaubst Du, ein Arzt kann mit "Angucken" feststellen was mit Dir los ist???

Ich würde mir als erstes einen anderen Arzt suchen.

Die Anzeichen eines Entzugs sind nicht unbedingt sofort äusserlich sichtbar. Zumindest sollte der Arzt die entsprechenden Blutwerte nehmen (frag mich jetzt bitte nicht wie die heissen, man hat es mir schon oft gesagt, aber ich vergesse es immer wieder). Es gibt einen Wert, daran kann an Facharzt sogar erkennen ob du harte oder weiche Alkoholika getrunken hast.

Ein typisches Anzeichen ist teilweise stark erhöhter Blutdruck. Dafür würden auch Deine beschriebenen Kreislaufbeschwerden sprechen.

Mit Sicherheit hat Du recht, dass die Psyche da stark mitspielt und sich auch körperlich bemerkbar macht.

Es gibt eigentlich in jedem grösseren Ort einen Arzt, der zugleich Suchtbeauftragter der Ärztekammer ist (meiner ist das auch, war aber schon früher bei ihm) erfrag den Namen bei der Ärztekammer.

Meist sind das Internisten. Mit diesem Arzt kannst Du dann auch abstimmen, inwieweit Du zu Hause entziehen kannst.

Das was Du über SHG schreibst kann ich nicht nachvollziehen, mir ist es ganz anders ergangen. Da wurde von Anfang an Tacheles geredet und Sprüche wie: "reiss Dich zusammen" gibt es da nicht.

Man sollte immer mehrere Gruppen ausprobieren.

Ich hoffe, das reicht fürs erste, muss noch ein bischen arbeiten :D

Käthe

suedhesse
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Beitrag von suedhesse » 24.08.2005, 13:36

Germangirl hat geschrieben:haben auch schon AA probiert
Ich war auch schon testweise bei einigen SHG. Dort war ich - fast - immer deutlich der jüngste. Zudem finde ich die Atmosphäre dort eher nicht einladend, informativ, offen..., sondern eher bedrückend.

Was ich mir wünschen würde, wären so zwei, drei Leute in meinem Alter und meiner Gegend, denen es ähnlich geht und mit denen man auch mal sonst was unternehmen kann.

Sind meine Ansprüche zu hoch?

Wünsche Euch auch viel Erfolg ! Denk dran, man muss es so lange probieren, bis es klappt :)

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