Warum bin ich Alkoholiker oder alkoholkrank?

Ambulante und stationäre Therapie und Entgiftung bei Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit durch Psychologen ( Psychologie ) oder Therapeuten, sowie Ursachen der Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit aus medizinischer Sicht.
Außerdem gibt es noch eine Liste mit Hilfsangeboten zum Thema
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Karsten
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Warum bin ich Alkoholiker oder alkoholkrank?

Beitrag von Karsten » 08.11.2004, 11:39

Da sich die Schulmedizin auch mit den Ursachen der Alkoholsucht bei Alkoholiker beschäftigt, will ich dieses Thema hier auch zur Diskussion anbieten.
Fragen, wie "Warum oder Woher habe ich diese Krankheit" sind in der Schulmedizin wichtig und werden dort aufgearbeitet.

Gruß
Karsten
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Gründe fürs Trinken
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Alex07
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Beitrag von Alex07 » 08.11.2004, 22:18

Nuja, wenn ich mal an meine "aktive Zeit" zurückdenke, die im Alter von 16-20 Jahren lag (mit mind. 10 0,5-L-Bier wochentäglich und 1-2 Kisten Bier + harte Sachen freitags, samstags und sonntags), dürften die Motive wohl hauptsächlich gewesen sein :

- Recht starker Leistungsdruck meines Vaters auf mich
- Als suboptimal zu bezeichnende familiäre Verhältnisse durch die schwere Krankheit meines Vaters
- typisch jugendlicher Leichtsinn
- fehlende Orientierung
- Geltungsdrang im "Kollegen"-Kreis

Das dürften bei mir die wichtigsten Gründe gewesen sein...

stephan

Beitrag von stephan » 23.12.2004, 15:53

Ich habe mir einen grossen Teil der Beiträge durchgelesen und finde dieses Forum immer interessanter. Ich trinke regelmässig Bier ( 4-8 ) täglich, aber zum Glück nicht soviel wie Garfield zu seiner "aktiven Zeit".


Meine Ursachen:

- anfänglich Gruppenzwang Disco und um Frauen gegenüber lockerer zu werden oder zumindest so zu wirken (damals habe ich auch mit dem Rauchen angefangen)

Heute wegen:
- Leistungsdruck im selbstständigen Job (permanenter Kampf am Markt)
- Einsamkeit
- schlecht strukturiertem Tagesablauf
- Langeweile

Karsten
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Beitrag von Karsten » 23.01.2005, 17:04

Hallo,

das sind alles keine Gründe um Alkohol zu trinken.

Versuche doch Deine Stresssittuationen anders abzubauen.
Dein Körper wird es Dir danken. Auch Deine scheinbare lockere Haltung kann Dich da hin bringen, wo ich mal war.
Viele Menschen suchen sich Gründe, warum Alkohol getrunken werden kann oder sollte.
Bei Jugendlichen ist oft der angebliche Gruppenzwang , wo sie selbst nur dazugehörig fühlen, wenn sie auch Alkohol trinken.
Ich wolte es auch nicht alles glauben, was mir die Leute erzählt haben. Dafür habe ich mit vielen Jahren meines Lebens bezahlt.

Gruß
Karsten
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trinke ich zuviel Alkohol?
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shiatzo

Beitrag von shiatzo » 04.04.2005, 22:23

Wenn ich darüber nach denke wie ich zur Alkoholsucht gekommen bin dann hatte das immer mit Geltungsdrang zu tun. Genau so das Rauchen, und auch mein damaliger Einstieg in die Kokain Scene.

Vorbilder vom Malboroman bis Al Pacino, und anschließendes Gewohnheits trinken.

Ganz schön arm, aber vor 10 Jahren fand ich es sogar toll ein Kokser zu sein!

Bin mal gespannt was als nächstes kommt, wahrscheinlich die Freßsucht!

Irgenwie will ich auch immer Bewegung haben, ich kann nie ruhig da sitzen oder etwas richtig genießen.

Ganz selten mal das ich verweile, und selbst im Schlaf geht das weiter!

Ne ganze Zeit hab ich mich dann auch Bett schwer getrunken um ein schlafen zu können.

Das ist eine große Hürde für mich, innere Ruhe zu finden und ich weiss auch gar nicht wie ich das anfangen soll.

Catinka

Beitrag von Catinka » 09.06.2005, 05:24

Ich weiss nicht, aber all diese Gruende befriedigen mich nicht so recht, das scheint am Kern vorbei zu gehen, oder?

Es gibt Leute mit 'nem kranken Vatter und Stress auf der Arbeit, die auch gerne etwas gelten wollen in ihrem Bekanntenkreis und die trotzdem kein Problem mit Alkohol kriegen.

Es gibt Leute, die trinken ein, zwei Bier und koennen dann einfach aufhoeren, ohne dass ihnen das groessere Anstrengung bereiten wuerde.
Andere koennen das einfach nicht.

Dasselbe gilt wohl fuer's Essen (Eßsucht), Spielen, Einkaufen, S**, ect. pp.

Es wird ja gerne zwischen stofflich gebundenen und nicht gebundenen Suechten unterschieden - und manchmal frage ich mich, ob diese Unterscheidung wirklich wichtig ist oder die Natur einer jeden Sucht nicht doch im emotionalen/psychischen Bereich angesiedelt ist.

Ich glaube, dass wir als Suechtige versuchen, der Realitaet zu entkommen, dass wir "falsch programmiert" sind. Wir verknuepfen ein Mittel oder Verhalten mit positiven Assoziationen so stark , dass wir irrigerweise glauben, dass z.B. der Alk uns als einziges Heil bringen kann.
Wir suchen wohl das Glueck, Zufriedenheit, die Leichtigkeit des Seins und uebersehen geflissentlich den Schaden, den wir uns wirklich antun. Meiner Meinung nach ist eine Sucht gelerntes Verhalten, das uns schadet und somit falsches Lernen ist. Verdraengung scheint die negativen Effekte zu eliminieren und wir sehen nur, was wir sehen wollen.

Das war jetzt meine noch nicht ganz ausgereifte kognitive Theorie - ich zweifle noch ein bisschen an der genetischen.

Catinka

Sophie

Beitrag von Sophie » 10.06.2005, 08:29

Ich mache mir auch sehr viele Gedanken über das "Warum". Ich denke da ein bißchen wie Catinka...

Ich kann nur für mich sprechen. Mein Vater war Alkoholiker, in meiner Umgebung wurde viel Alkohol getrunken, es war sozusagen völlig normal. Gestern in meiner Therapie hab ich zum ersten Mal in meinem Leben über meine Alkoholsucht wirklich gesprochen. Und auch ein bißchen nach den Ursachen geforscht.
Zum Zeitpunkt, als ich anfing zu trinken, kamen die Erinnerungen an den S**. Mißbrauch bei mir zurück, mit Flashbacks usw. Ich fing an, mich zu betäuben - mit Bier. So wie ich es bei meinem Vater gelernt/gesehen habe. Es war die naheliegenste Verdrängungstechnik. Hätte mein Vater oder wer auch immer in meinem Umfeld z.B. gekokst, hätt ich vielleicht damit angefangen.
Deshalb weiß ich nicht, ob die Sucht wirklich genetisch bedingt ist. Okay, ich könnte sagen, ich führe das Suchtverhalten meines Vaters, meines Opas usw. weiter. Aber das wäre eine leichte Erklärung oder?

Ich denke, es gibt viele verschiedene Gründe, warum Menschen süchtig werden - oder eben nicht..

Noch nicht fertig gedachte Gedanken von Sophie :oops:

chrissyta
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Beitrag von chrissyta » 10.06.2005, 21:48

ja, gedanken habe ich mir darüber auch schon gemacht, über die genetik kann man geteilter meinung sein, ich denke damit hat es nichts zu tun. der grundstein des alkoholikers wird im kindesalter bis zum 3. lebensjahr gelegt, so habe ich es mal gehört. die familie spielt eine grosse rolle, wächst man mit liebe auf oder lieblos z.b. man ist halt da, wird man gelobt so dass sich ein gesunder selbstwert aufbauen kann usw., dann spielt das vertrauen eine sehr grosse rolle kann ich mit allen sorgen egal was es ist mit den eltern sprechen, helfen sie mir, geben mir ratschläge, fehlen all diese dinge im kindesalter und auf dem weg des erwachsenwerdens, wenn dann in der familie nach alkohl eine rolle spielt sucht man sich später oft die falschen freunde, man meint ja das sei alles so normal, mit alkohol kommt dann auch das selbstwertgefühl, man traut sich mehr usw.. meine meinung ist, es liegt viel am umfeld in dem man aufgewachsen ist und in dem man sich später bewegt.

chrissyta

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