Apfelessig und Apfelsaft

Liste von alkoholhaltigen Lebensmitteln und alle Themen um Lebensmittel, kochen, backen und alkoholfreien Getränken
Notyetaname
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Beitrag von Notyetaname » 31.01.2012, 00:04

Hallo zusammen

Da möchte ich nun auch ein paar Worte zu sagen:

Aller Essig, der aus Alkohol durch Gärung, also Bakterienarbeit gewonnen wurde, müsste Spuren von Alk enthalten, denn chemische Reaktionen grade in der organischen Chemie laufen praktisch nie vollständig ab, es entsteht immer ein Gleichgewicht zwischen Ausgangsstoff(en) und Endprodukt(en), welches nur mehr oder weniger stark auf einer Seite der Reaktionsgleichung liegt.

Ein gutes Beispiel sind die Ester: Eine Säure und ein Alkohol, also zB Phosphorsäure mit Methanol, reagieren unter Wasserabspaltung zu einem Ester. In dem Pott bleibt aber immer ein Drittel der Ausgangsstoffe erhalten, nur zwei Drittel reagieren tatsächlich. Gibt man nun etwas zu, um die restliche Säure zu neutralisieren, spalten sich vorhandene Estermoleküle unter nunmehr Wasseraufnahme wieder in Säure und Alkohol, um das Gleichgewicht von 1:2 aufrecht zu erhalten, sodass am Ende, nach vollständiger Neutralisierung, alle Estermoleküle wieder zu Alkohol werden, die neutralisierte Säure ist dann zu einem Salz geworden.

Viele Ester sind übrigens Aromastoffe von Früchten. Wenn ich mich recht entsinne, gibt Phosphorsäure mit Ethanol, also unserem Besäufnisalk, Birnenaroma ('naturidentisch'). Das aber nur nebenbei, es ging ja um Essig...

Auch da ist aber ein Gleichgewicht im Spiel, wenn auch nicht so krass wie bei Estern. Gut anschaulich vorstellen kann man sich auch folgendes: Wenn die Bkterien fast allen Alk verbraucht haben, fällt es ihnen immer schwerer, die letzten Alkmoleküle überhaupt zu 'erwischen'.

Fazit: Ein zumindest winziger Rest bleibt immer.

Anders kann es bei synthetischem Essig sein, wenn er nicht durch chemische Umwandlung von Alk hergestellt wird. Da mach ich mich die Tage nochmal schlau und poste das dann hier.

LG Noty

PS: Das klingt für Menschen mit wenig Chemiekenntnissen schwierig. Wenn wer Fragen hat, nur zu! Heute aber keine Antwort mehr von mir, ich muss langsam ins Bett.

elchtreiber
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Verwirrung - Restalkohol

Beitrag von elchtreiber » 31.01.2012, 13:35

Moin,

um die Verwirrung noch zu steigern: Alkohol (Äthanol) entsteht ja
auf natürlichem Weg durch die Umwandlung von Stärke mittels
Hefebakterien.

Da ja nun Brot, Kartoffeln, Gemüse und Obst Stärke enthalten, und
Hefebakterien praktisch überall vorkommen, machen sich die
kleinen Biester nach dem Backen / Abfüllen / Pflücken immer
und überall an die Arbeit und produzieren Alkohol.

Es ist hinlänglich bekannt, dass reife Früchte (nicht nur über-reife)
sowie jeder Saft, aber auch eben Brot Spuren von Alkohol enthält.

Letztendlich ist es wie überall im Leben: die Dosis mach das Gift.

D.h. solange eine Wirkung des Alkohols durch die geringen Mengen
ausgeschlossen ist (wer trinkt schon 3 Flaschen Apfel-Essig auf
einmal), ist es Ermessenssache, ob man nun Apfel-Essig oder
andere Produkte weiterhin zu sich nimmt.

Viel problematischer als die Spuren von Alkohol im Essig ist die
geschmackliche Nähe vieler Produkte, die keinen Alkohol enthalten.
So sind englische Wein-Gummis zwar ohne Alkohol hergestellt, aber
die Geschmacks-Imitation ist mir zu nahe dran.
Ähnlich geht es mir mit Kinderpunsch. Kann ich zwar trinken,
erinnert mich aber zu sehr an "echten" Punsch.
Gleiches Thema: Gebäck mit Rum- oder Bittermandel-Aroma.
So was lasse ich lieber...

Gruß
Ralf

Notyetaname
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Beitrag von Notyetaname » 31.01.2012, 17:23

Hallo nochmal

Erst mal Dank an Ralf. Seinen Ausführungen habe ich nichts hinzuzufügen :)

Jetzt noch wie versprochen was zum synthetischen Verfahren:
Hier wird aus Kohlenmonoxid und Methanol, einem sehr nahen Verwandten des Ethanols mit Hilfe eines Katalysators Essigsäure gewonnen. Dabei sollte kein Ethanol entstehen, aber meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen. Auch nicht dafür, dass das Endprodukt völlig frei von Methanol-Resten ist. Methanol ist bekanntlich der Alkohol, der in schwarz gebrannten Produkten gelegentlich enthalten ist (wenn der Vorlauf nicht vom Schnaps getrennt aufgefangen wurde) und hin und wieder zu Todesfällen führt (Methanol ist ca. 70 ((in Worten: siebzig)) mal so giftig wie Ethanol.)

Wie Ralf also schon richtig sagte, ist es Ermessenssache. Vor Spuren von Alkohol können wir uns nicht schützen. Nicht im Essen, nicht in Getränken und auch nicht in der Atemluft, wenn eine Kneipe in der Nähe ist und der Wind ungünstig steht.

LG Noty

Karsten
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Beitrag von Karsten » 31.01.2012, 21:27

Hallo,

als Ermeesenssache würde ich nur bezeichnen, wie weit jeder für sich ein Risiko eingeht.
Hier würde ich nie "man" oder "wir" schreiben.

Was jeder Einzelne macht, bleibt ihm überlassen, aber als Hinweis oder Empfehlung für "man" würde ich das nicht sehen.

Gruß
Karsten

Martin

Re: Verwirrung - Restalkohol

Beitrag von Martin » 31.01.2012, 21:50

Hallo zusammen,
elchtreiber hat geschrieben:Moin,

D.h. solange eine Wirkung des Alkohols durch die geringen Mengen
ausgeschlossen ist (wer trinkt schon 3 Flaschen Apfel-Essig auf
einmal), ist es Ermessenssache, ob man nun Apfel-Essig oder
andere Produkte weiterhin zu sich nimmt.

Gruß
Ralf
wenn ich keine Wirkung bemerke laufe ich Gefahr als nächstes meine Grenzen auszudehnen.

Was kommt denn nach z.B. dem Essig, alkoholfreies Bier ?

LG Martin

Trocken Bleiben
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Beitrag von Trocken Bleiben » 01.02.2012, 00:39

Hallo Zusammen
Martin schreibt
Was kommt denn nach z.B. dem Essig, alkoholfreies Bier ?
Wenn das mit dem Alk freien Bier geklappt hat,dann kann man ja auch wieder richtiges Bier Trinken ???
Falsch:
Wie schon geschrieben,die kleinsten Auslüser künnen schon einen Rückfall verursachen,unser Suchtgedächniss schläft nicht,und Arbeitet im Hinterkopf
ohne unser Wissen weiter,und dagegen müssen wir uns Schützen,und dürfen die Aufmerksamkeit nicht mehr vernachlässigen.
LG Hans

elchtreiber
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Re: Verwirrung - Restalkohol

Beitrag von elchtreiber » 01.02.2012, 09:16

Hallo Martin,

Du schreibst:
Martin hat geschrieben:Hallo zusammen,
wenn ich keine Wirkung bemerke laufe ich Gefahr als nächstes meine Grenzen auszudehnen.
Was kommt denn nach z.B. dem Essig, alkoholfreies Bier ?

LG Martin
mit der "Ermessensentscheidung" habe ich mich in meinem
Posting ausschließlich auf den Konsum von Essig bezogen.
Von einer Ausweitung oder alkoholischen Getränken war
nicht die Rede.

Ich empfinde so eine Unterstellung als reine Polemik.

Im Übrigen halte ich die Diskussion ausgerechnet über Essig
für sehr wenig hilfreich. Essig enthält bis zu 0,2% Restalkohol.
Aber Roggenbrot (0,3%), Apfelsaft (0,2%) und erst recht eine
reife Banane (0,6%) enthalten gleich viel oder sogar mehr Alkohol.

Essig wird aber eher wie ein Gewürz mengenmäßig verwendet,
d.h. ein mit Essig-Öl-Marinade angemachter Salat enthält pro
Portion vielleicht einen Esslöffel Essig und damit ca. 0,02 g
Alkohol. 2 Gläser Fruchtsaft dagegen ca. 1,8g.
Seltsamerweise fordert hier niemand den Verzicht auf Brot,
Saft und Obst!

Außerdem ist Essig in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten,
z.B. Ketchup, Senf, Mayonaise, fast alle fertigen Grillsoucen,
Salatsoucen, fertiger Kartoffelsalat, Nudelsalat, erst recht
natürlich Krautsalat, Sauerkraut. Das alles enthält Essig.

Ich bin seit über 5 Jahren - zufrieden - abstinent (mit Essig).
Würde ich Essig konsequent vermeiden, ist die Curry-Wurst,
die Pommes rot/weiß, aber auch der Besuch in China-Restaurant
(Soucen süß-sauer, sauer-scharf) ebenso tabu, wie beim
Griechischen Restaurant (Krautsalat).
Für micht geht dann die positiv erlebte Abstinenz in Verzicht
über. Deswegen halte ich die Diskussion hier für
unangebracht.
Und die Unterstellung die Benutzung von Essig führe zum
Rückfall ist m.E. weitgehend grundlos.

Gruß
Ralf

Karsten
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Beitrag von Karsten » 01.02.2012, 09:26

Hallo Ralf,

wie ich oben schon geschrieben habe, was du und jeder Andere macht, muss er oder sie für sich selbst entscheiden.

Nur erlaube uns auch, darauf hinzuweisen, dass es eben das Unterbewusstsein wecken kann.
Außerdem eben immer bei sich bleiben.

Als allgemein unbedenklich und in der Manform, dass es eben für jeden unbedenklich ist, halte ich eben nicht für gut.

Es gibt eben die Gefahr, dass ich mich, wenn ich bewusst kleine Mengen Alkohol konsumiere, einem Risiko aussetze.

Ob nun das Suchtgedächnis angesprochen wird oder ich Zweifel an meine Alkoholkrankheit bekomme.

Diese Zweifel sind dann vielleicht, wenn das gut gegangen ist, kann ich ja mal alkoholfreies Bier trinken. Wenn das wieder gut gegangen ist für zwei, drei Tage, dann teste ich meine Grenzen vielleicht weiter aus.

Wenn du 5 Jahre trocken bist, kann es aber eben bei jemanden, der sich gerade erst am Anfang befindet, genau solche Zweifel auslösen.

Deshalb schreiben wir eben auch tausend Mal, dass es zu einen Rückfall führen kann.

Gruß
Karsten

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