Schwester liegt im Sterben - schaffts sie es oder nicht???

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
speedy53

Beitrag von speedy53 » 26.12.2007, 23:27

Hallo Angelina,

auch von mir mein tiefstes Mitgefühl zum Tod Deiner Schwester.

Ich kann mir vorstellen, das die Feiertage sehr schwer für Dich und Deine Familie waren.

Aber Ihr werdet sie in Euren Herzen weiterleben lassen!

Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft für die kommende Zeit!

Liebe Grüße
Speedy

Angelina1

Beitrag von Angelina1 » 08.03.2008, 15:57

Hallo,

bin hier heute, ganz ruhig, still und habe keinen Plan. Ich weiß, das hier ist kein Trauerforum, ich bin trotzdem da. 10 Wochen ist es erst her. 10 Wochen voller Schmerz und Hilflosikeit, das Entgültige hinnehmen müssen. Ohne wenn und aber. Und dann hier immer wieder lesen. Schreiben, schreiben, schreiben: will denn keiner verstehen, um was es geht? Angeklagt werden, weil ich nicht verstehen kann, dass andere nicht verstehen, dass es keinen Weg gibt, nur den Weg des Selbst.

Ihr wart für mich da. Ihr habt mit mir gehofft, gebetet, gebangt, gewünscht. Alles umsonst. Trotzdem habt Ihr mir Wärme und Verständnis gegeben. Angelina schrei so laut Du kannst!!! habt Ihr mir geschrieben. Ich habe geschrieen und wurde trotzdem nicht verstanden. Ihr versteht nicht. Ihr haltet die Pulle schön warm, wenns dann zu spät ist sagt Ihr: ich hab doch alles getan, war ich nicht gut? Doch Ihr wart gut, Ihr habt Euer Gewissen beruhigt, doch alles getan zu haben. In Wirklichkeit habt Ihr vor allem Euch selbst geholfen. Und damit viel kaputt gemacht. Müssen erst Augen zugehen, damit Eure Augen aufgehen? Warum? Mitleid? Mit einem Co? Nein! Denn der Co ist mitschuldig! Er hält das Rad am weiterdrehen, er braucht doch den Abhängigen für sich selbst! Woher zum Geier, bekommt er sonst seine Selbstbestätigung: Gell, ich bin ein guter Mensch, gell ich tue doch alles für Ihn/Sie, gell ich bin immer für ihn da, bin ich nicht gut? Verdammt, schreibt mir doch, dass ich ein guter Mensch bin, drückt, umarmt und kuschelt mich endlich, DENN ICH BIN EIN DURCH UND DURCH GUTER AUFOPFENDER MENSCH, und wehe mir schreibt jemand was anderes.

Bis zum Tod.

dorothea
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 8026
Registriert: 26.08.2006, 18:37

Beitrag von dorothea » 08.03.2008, 17:11

hallo angelina

ich kann deine wut und trauer gut verstehen, ja man steht völlig hilflos daneben, man kann auf den mond fliegen, aber hier kann man nichts tun.

ich sag dir mal als alki, meine familie konnte sich auf den kopf stellen, die hätten mich jahrelang wegsperren können, ohne meine einsicht wäre mein erster weg zum alk einkauf gewesen.

mach dir keine vorwürfe, du hast das getan was du konntest, was du wußtest. mehr geht nicht.

doro

Elfriede Lustig
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 835
Registriert: 11.01.2007, 14:43

Beitrag von Elfriede Lustig » 08.03.2008, 18:19

Hallo Angelina!
Denn der Co ist mitschuldig!
Doro hats schon beschrieben, es gibt reichlich und genug Alkis, die weitersaufen, auch ohne Co, bis zum bitteren Ende.
Ich finde den Satz oben reichlich anmaßend, Schmerz hin oder her :roll: .

Viele Grüße
Elfriede

speedy53

Beitrag von speedy53 » 08.03.2008, 18:55

Hallo Angelina,

auch wenn Deine Worte sehr verbittert klingen, so glaube ich doch zu wissen was Du meinst!
Angelina1 hat geschrieben:Denn der Co ist mitschuldig! Er hält das Rad am weiterdrehen, er braucht doch den Abhängigen für sich selbst! Woher zum Geier, bekommt er sonst seine Selbstbestätigung: Gell, ich bin ein guter Mensch, gell ich tue doch alles für Ihn/Sie, gell ich bin immer für ihn da, bin ich nicht gut?
Aber schreiben wir nicht oft genug, distanziere Dich von dem Abhängigen?
Halte nicht sein System aufrecht!!!
Unterstütze ihn nicht, in dem Du die Trinkerei unterstützt (oft unbewusst)!

Mir hat mal jemand gesagt: wenn sich Dein Mann zu Tode trinkt, dann bist Du Schuld!!!

Wie bitte???? Ich soll Schuld sein? Ich sage ihm doch dauernd, dass ich seine Sauferei nicht mag!

Und doch... solange ich bei ihm war, ihm den Rücken freigehalten habe, warum hätte er etwas ändern sollen?

Indem ich ihn verlassen habe, hatte er die Chance etwas zu ändern!

Es hätte sein können, dass er auch ohne mich total abgestürzt wäre.

Aber dann hätte er es in der Hand gehabt. Schließlich ist er ein erwachsener Mann und muss sein Leben selbst in die Hand nehmen.

Stimmt, auch ich habe gedacht, ich tue doch alles.... ich bin ein guter Mensch!

Genau das Gegenteil war der Fall! Ich bin kein schlechter Mensch, nein!

Aber solange ich mein ganzes Augenmerk auf den Partner gelenkt habe, nahm ich ihm die Chance sich zu verändern!

Der Tod Deiner Schwester hat Dich tief getroffen und Du bist traurig, wütend, daß Du nicht helfen konntest!

Aber Du hast keine Schuld! Sie hat es sich selber so ausgesucht!

Sie hat den teuersten Preis bezahlt, den es gibt! Mit ihrem Leben!

Auch wenn Du es nicht möchtest - ich drück Dich mal ganz doll!

Lieben Gruß
Speedy

Angelina1

Beitrag von Angelina1 » 08.03.2008, 21:09

ja Speedy, ja Elfriede, Ihr habt ja recht. ich sitzt nur da und weine. dennoch, ich frage mich andauernd: Warum habe ich der blöden intensiv-schwester, die derartig brutal mit meiner süßen Andrea umgegangen ist, nicht die Stirn geboten? Meine Schwester bat mich, ruhig zu sein, sie hatte Angst vor der Schwester. Warum bin ich dauernd so unterwürfig? Warum hatte meine süße Schwester Angst, dass ich mich mit der intensiv-schwester anlege? wo die doch den Patienten nur Schmerz und Angst zufügte? Waaaarum zum Geier, mußte meine Schwester sterben, wenn ich hier lese: Mars-System, usw. habe ich etwas falsch gemacht? ich hätte liebend gerne mein haus verkauft und in armut gelebt, um sie zu retten, habe ich was verpaßt??? verdammt, habe ich was falsch gemacht?

Angelina1

Beitrag von Angelina1 » 08.03.2008, 21:16

Ich habe Angst, nicht alles versucht zu haben, hätte ich doch mehr tun können? Sche***, hätte ich mehr tun können, bitte sagt es mir doch, es tut so weh

Jenny2

Beitrag von Jenny2 » 08.03.2008, 21:23

Liebe Angelina,

ich kann Dich sehr gut verstehen, aber all Deine Vorwuerfe fuehren zu nichts, ausser zur Selbstzerstoerung. Ich selbst habe auch meinen Stiefvater an diese Krankheit verloren und meine Mutter hat durch ihre Co-Abhaengigkeit jetzt einen unheilbaren Krebs. Du kannst Dir gerne meine Geschichte mal durchlesen.

Deine Schwester wird in ihrem Leben immer wieder die Chance gehabt haben, sich gegen den Alkohol zu entscheiden. Mein Stiefvater hatte auch diese Chancen zu erkennen, obwohl meine Mutti immer bei ihm geblieben ist.

Lade Dir nicht die Schuld fuer etwas auf, was Du nicht hast aendern koennen, alles Geld der Welt haette dieses nicht aendern koennen. Es ist eine traurige Geschichte und es ist gut, dass Du sie erzaehlst, dass Du sie mit uns teilst, denn damit erreichst Du hier viele Co-Abhaengige und auch Alkoholiker, die vielleicht dadurch einen weiteren Denkanstoss bekommen und anfangen zu handeln.

Alles Liebe,

Jenny

Antworten